Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Institut für Geschichte
Hauptseminar: Halle und Leipzig von der Mitte des 19.Jahrhunderts bis zum ersten Weltkrieg:
ein Vergleich zweier mitteldeutscher Städte im Industrialisierungsprozess
7. Semester, Wintersemester 2005/06
Der Maschinenbau in Halle
von: Oliver Freidel
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Der Standort Halle/Saale
3. Die halleschen Maschinenbauer
4. Anfänge der Maschinenbauindustrie in Halle
5. Gründungen und Arbeitsbereiche
6. Hallescher Maschinenbau nach 1914
7. Beispiele für Maschinenfabriken in Halle
7.1 Die Hallesche Maschinenfabrik AG, vormals Riedel & Kemnitz
7.2 Die Maschinenfabrik Wegelin & Hübner
8. Zusammenfassung
9. Quellenverzeichnis
1. Einführung
Der Maschinenbau in Halle war bis in die 90er Jahre des 20.Jahrhunderts der bedeutendste Industriezweig in der Saalestadt. Er hatte entscheidenden Einfluss für die Entwicklung zu einer Großstadt. Das mag zunächst verwundern, da es in Halle und Umgebung, anders als zum Beispiele im Ruhrgebiet, keine nennenswerten Eisenerzvorkommen gibt. Doch bei genauerer Betrachtung fallen einige Standortfaktoren ins Auge, die diese Entwicklung des Industriezweiges als logisch erscheinen lassen. Zu nennen sind hier die Landwirtschaft, die sich daraus entwickelnde Zuckerrübenindustrie, die chemische Industrie und der Braunkohlenbergbau. Deren Bedarf an Maschinen führte zur raschen Entwicklung des Maschinenbaus in Halle.
Durch die fortschreitende Industrialisierung Mitte des 19.Jahrhunderts wurde auch der Bau von Maschinen gefördert. Zunächst fingen viele Unternehmen als Reparaturbetriebe an1. Bei den in Halle reparierten Produkten handelte es sich vor allem um englische Drill- und Dreschmaschinen sowie Maschinen und Pumpen für den Bergbau. Aber auch der sich entwickelnde Eisenbahnbau, die erste größere Strecke wurde zwischen 1836 und 1840 zwischen Leipzig, über Halle nach Magdeburg gebaut, benötigte Zulieferungen aus der Stadt2. Doch auch schon zu dieser Zeit ist „für einen bescheidenen außerlokalen Bedarf gearbeitet worden3“.
Hier soll die Geschichte dieses für die Stadt Halle so wichtigen Industriezweiges aufgezeigt und deren Bedeutung verdeutlicht werden. Zunächst wird nochmals deutlich auf die entscheidenden Standortfaktoren eingegangen, die dazu führten, dass sich in dieser Stadt kein allgemeiner, sondern ein spezieller Maschinenbau entwickelte, welcher es zu Weltruf brachte. Dann wird die Entwicklung von den Anfängen bis zum Beginn des ersten Weltkrieges beleuchtet. Im Hauptteil werden zwei Maschinenbaubetriebe genauer betrachtet. 4 Dabei wird es sich um die Firma Riedel & Kemnitz, sowie die Firma Wegelin und Hübner handeln. Hier wird auch auf die Unternehmer-Persönlichkeiten genauer eingegangen und deutlich werden, dass diese in drei Gruppen zu unterteilen sind. Danach wird die weitere Entwicklung über die beiden Kriege bis zum Ende des Halleschen Maschinenbaus zu Beginn der1990er Jahre eingegangen.
2. Der Standort Halle/Saale
Das Halle als Standort der Maschinenbauindustrie gewählt wurde war zunächst eher ein Produkt des Zufalls. Günstig auf Entstehung und Wachstum wirkten sich vor allem der Bedarf der Zuckerrübenindustrie, sowie das Vorhandensein eines ausgeprägten Braunkohlebergbaus aus. Das bewusste Ausnutzen des Standortwachstums spielte erst bei der darauffolgenden Generation Unternehmertums in Halle eine Rolle. Diese zweite Generation bildete sich ab ca. 1865 heraus. Im Unterschied zur Ersten, die nur auf Nachfrage der Braunkohlenindustrie und der Landwirtschaft reagierte, agierte die zweite Generation als Schrittmacher der Entwicklung. Sie waren innovativ und ihrer Zeit oftmals voraus. Diese Unternehmer kalkulierten die Standortfaktoren bewusst mit ein.
Es ist allerdings anzumerken, dass bereits vor 1856 Metallarbeiter in Halle ihrer Arbeit nachgingen. Schon um 1840 sei für den außerlokalen Bedarf in geringem Umfang gearbeitet worden4. Es wurden „Maschinen und komplizierte Apparate in eleganter Form und kunstgerecht5“ hergestellt. Ein gewisser Herr Nietzschmann, welcher bis zu 20 Mitarbeiter hatte, verkaufte seine Produkte bis nach Hamburg, Bremen und Lübeck6. Im Jahre 1835 errichte die Zucker-Compagnie in Halle ihre erste Fabrik. Drei Jahre später wurde in Mucrena die erste große Zuckerfabrik der Region eröffnet. In wenigen Jahren folgte ein große Zahl weiter Zuckerfabriken in und um Halle. Der aus den Kolonien eingeführte Zucker verlor immer mehr an Bedeutung. Damit wurde er für die Preise auf dem Zuckermarkt immer weniger ausschlaggebend.
In den 50er Jahren des 19.Jahrhunderts hatten sich in der Region der Braunkohlenbergbau und die Zuckerrübenfabrikation fest etabliert und stellten die wichtigsten industriellen Unternehmungen dar. 1856 bestanden im Handelskammerbezirk Halle bereits 28 Zuckerfabriken, die 122.000 Tonnen Zuckerrüben verarbeiteten7. Fünf Jahre später waren es bereits 30 Fabriken die jetzt schon die doppelte Menge an Rüben verarbeiteten.
[...]
1 Henning, Friedrich-Wilhelm, Die Ansätze der industriellen Entwicklung in Sachsen-Anhalt im 19. und 20.Jahrhundert, in: Preußische historische Kommission: Forschungen zur Brandenburgischen und preußischen Geschichte. Band 4, Heft 1, Berlin 1994, S. 15
2 ebenda
3 Dr. Neuß, Erich, Die Entwicklung des halleschen Wirtschaftsleben vom Ausgang des 18.Jahrhunderts bis zum Weltkriege, in: Beiträge zur mitteldeutschen Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftskunde, Hrsg: Prof. Dr. Aubin, xxx, Halberstadt 1924, S. 125
4 Dr. Neuß, Erich, Die Entwicklung des halleschen Wirtschaftsleben vom Ausgang des 18.Jahrhunderts bis zum Weltkriege, in: Beiträge zur mitteldeutschen Wirtschaftsgeschichte und Wirtschaftskunde, Hrsg: Prof. Dr. Aubin, Halberstadt 1924, S. 125
5 ebenda
6 ebenda
7 ebenda
Arbeit zitieren:
Oliver Friedel, 2005, Der Maschinenbau in Halle, München, GRIN Verlag GmbH
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