Inhaltsverzeichnis:
1. Aschenputtel- der Publikumsliebling unter den Märchen der Brüder Grimm: Seite 3
2. Entstehungsgeschichte: Seite 4
2.1. Herkunft und Verbreitung: Seite 4
2.1.1. Vorläufer des Aschenputtel-Motivs: Seite 4
2.1.2. Der Aschenputtel-Zyklus: Seite 5
2.2. Quellen der Brüder Grimm: Seite 9
2.3. Veränderungen durch die Brüder Grimm: Seite 11
3. Analyse des Märchens Aschenputtel: Seite 14
3.1. Inhaltsanalyse: Seite 14
3.2. Personenanalyse: Seite 15
3.3. Interpretation: Seite 16
4. Vergleich der Grimmschen Fassung mit Perrault und Basile: Seite 19
5. Aktualität von Märchen: Seite 22
6. Literaturverzeichnis: Seite 24
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1. Aschenputtel - der Publikumsliebling unter den Märchen der Brüder Grimm:
Die Märchensammlung von Jacob und Wilhelm Grimm zählt zu den größten Sammlungen von Märchen auf der ganzen Welt und erfreut sich gerade hier in Deutschland großer Beliebtheit bei Jung und Alt! Die Brüder wollten so unverfälscht wie nur möglich bewahren, was gerade in den Jahren um 1800 als lebendig fortwirkende volkstümliche Erzähltradition verloren zu gehen schien. Die Sammlung wurde von den Brüdern stetig erweitert, bis die Anzahl der Kinder- und Hausmärchen in der siebten Ausgabe, welche zugleich auch die Ausgabe letzter Hand war, die zweihunderter Grenze überstieg.
Es gibt kaum einen Menschen auf der Welt, der nicht im Laufe seines Lebens, mit Märchen in Kontakt kommt. Ob in illustrierter Form im Bilderbuch, als Gute-Nacht-Geschichte oder auch in Form anderer Medien, wie Film oder Kassette. Und gerade bei Kindern nehmen Märchen einen großen Stellenwert an. Sie beflügeln die Phantasie, unterhalten und belehren gleichzeitig. Die Brüder Grimm verfolgten genau dieses Ziel mit ihrer Sammlung. Sie wollten, dass das Märchenbuch ein Volks- und Erziehungsbuch wird und es sollte helfen, die nationale Identität zu stärken. Aus der Fülle der gesammelten Märchen haben sich im Laufe der Jahre einige Märchen besonders heraus kristallisiert, da sie sich über die größte Beliebtheit beim Volk freuen konnten. Zu den bekanntesten Märchen der Brüder Grimm zählen unter anderem das Märchen von Dornröschen, Schneewittchen, Rapunzel, sowie das Märchen vom Aschenputtel und vielen, vielen mehr. Das Märchen Aschenputtel jedoch gewann mit am schnellsten die Herzen der Zuhörer. Schon in den Anmerkungen von 1822 schrieben die Brüder Grimm über dieses Märchen: „Dies Märchen gehört zu den bekanntesten und wird aller Enden erzählt.“ 1 Die Geschichte vom armen Aschenputtel, dass vor dem Ofen in der Asche schlafen muss und tagtäglich von ihrer bösen Stiefmutter und ihren Stiefschwestern herumgeschubst wird, bis sie von einem Prinzen gerettet wird, ist allseits bekannt.
Im Folgenden soll nun das Märchen Aschenputtel genauer analysiert werden und auf die Fragen nach der Herkunft, dem formalen Aufbau, sowie der Bedeutung des Märchens näher eingegangen werden.
1 Kinder- und Hausmärchen gesammelt durch die Brüder Grimm. Vollständ ige Ausgabe auf der Grundlage der dritten Auflage. Hrsg. von Heinz Rölleke. Frankfurt a.M. und Leipzig 2004, S.897. (Im Folgenden abgekürzt als : Rölleke (2004)).
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2. Entstehungsgeschichte:
2.1. Herkunft und Verbreitung:
2.1.1. Vorläufer des Aschenputtel-Motivs:
Schon in der Bibel findet man eine schriftliche Fassung des Aschenputtel-Motivs. In I Sam 16, 4-13 wird erzählt, wie der Prophet Samuel in Bethlehem ein Opfermahl abhält, zu dem er auch Isai und seine Söhne einlädt, um einen von ihnen auf Weisung Gottes zum König zu salben. Alle sieben Söhne erscheinen nacheinander und alle haben ein stattliches Aussehen, so dass schon Samuel selbst denkt, einer von diesen sei gewiss der Messias. Jedoch ermahnt der Herr ihn, nicht nur auf das Äußere zu schauen. Der jüngste Sohn aber, der gerade die Schafe hütete, fehlte noch. Doch als dieser in seiner Hirtenkleidung eintraf, sprach der Herr: „Auf! Salbe ihn, er ist es!“ 2 Im Mittelalter stoßen wir dann auf eine weitere Spur des Aschenputtel-Themas. Der Straßburger Prediger Geiler von Kaisersberg wendete in seinen Ansprachen wiederholt das Eschengrüdel als Beispiel der Demut und Geduld an. Auch zitierte er einst eine Legende aus dem fünften Jahrhundert, die schon wesentliche Elemente des Aschenputtelmärchens enthielt: In einem Wüstenkloster dient ein Eschengrüdel in der Küche. Aber die Nonnen spielen ihm übel mit und machen ihm sein Leben schwer. Ein heiliger Mann wird von einem Engel in dieses Kloster verwiesen, da er dort ein Beispiel von Vollkommenheit vorfinden würde. Alle Jungfrauen werden ihm gezeigt, doch das Mädchen, welche ihm im Traum erschienen ist, ist nicht dabei. Als auf die Nachfrage des weisen Mannes dann auch das Eschengrüdel aus der Küche geholt wird, erkennt er ihre Vollkommenheit und die Nonnen fallen zu ihren Knien.
Auch Martin Luther kannte die Legende des armen Aschenputtel. So erzählte er in der Auslegung des Magnificat von 1521 eine Legende von drei Jungfrauen, die vom Christkinde verschieden behandelt wurden: „Aber die dritte, das arme Aschenprödlin, das nichts hat denn eitel mangel und ungemach...das ist die rechte braut.“ 3 Und auch Rollenhagen greift das Thema im Froschmeuseler aus dem Jahre 1608 auf. Unter den wunderlichen Hausmärlein erschien der Titel: Von dem verachteten frommen
2 I Sam 16, V.13.
3 Luther Deutsch. Die Werke Luthers in Auswahl, 5.Bd. Hrsg. von K. Aland. Göttingen 1991, S. 288-289.
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Aschenpössel und seinen stolzen spöttischen Brüdern. 4 So wird deutlich, dass das Motiv und der Name vom armen Aschenputtel schon viele hundert Jahre alt ist.
2.1.2. Der Aschenputtel-Zyklus:
Der eigentliche Ursprung des Märchens Aschenputtel wird aber im Fernen Osten vermutet, da die erste schriftlich fixierte Fassung des Aschenputtelmärchens aus dem neunten Jahrhundert aus China stammt. Von hier aus begann vermutlich die Reise des Märchens, bis es letztendlich im 19. Jahrhundert in die Hände der Brüder Grimm gelang. Wie und auf welche Weise das Märchen seinen Weg von hier ab bestritten hat, ist trotz vieler wissenschaftlichen Untersuchungen, bis heute noch nicht vollständig geklärt und basiert lediglich auf Vermutungen. Das schwierige Problem der Untersuchungen liegt darin, dass in dem Märchen Aschenputtel verschiedene Geschichten verknüpft sind. Man unterscheidet vier verschiedene Grundtypen, welche zusammengesetzt den sogenannten Aschenputtel-Zyklus ergeben und letztendlich zur Entstehung des uns heute bekannten Märchen führten.
Der erste Typ von Märchen hat seinen Ursprung vermutlich im Osten. Hier spaltete sich das Märchen in zwei verschiedene Geschichten auf. 5 Die erste Geschichte handelt von Bruder und Schwester, die von ihrer Stiefmutter und ihren zwei Stiefgeschwistern schlecht behandelt werden. Die Kuh, welche die Kinder täglich füttern müssen, stellt in diesem Märchen den übernatürlichen Helfer dar, durch dessen Hilfe die Kinder an Essen gelangen und nicht mehr hungern müssen. Als das die Stiefmutter eines Tages mitbekommt, lässt sie die Kuh schlachten. Die Kinder bitten ihre Stiefmutter um die Knochen der Kuh, verbrennen diese dann und verstreuen die Asche. An dieser Stelle wächst dann ein wunderschöner Aloe Vera-Baum, durch dessen Früchte die Kinder ihren Durst und Hunger tilgen können.
Das zweite Märchen handelt von einem Ehepaar, welches zwei Töchter hat. Eine davon ist faul und zu nichts zu gebrauchen, wird jedoch ihrer jüngeren Schwester, trotzdem diese hübsch und fleißig ist, vorgezogen. Die jüngere Schwester muss alle Arbeit im Hause verrichten und wird zusätzlich noch schlecht behandelt. Ähnlich wie im ersten Märchen, wird hier ein Bulle zum Helfer in der Not. Er rät dem weinenden Mädchen, es
4 Vgl.: Johannes Bolte/ Georg Polivka: Anmerkungen zu den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. 1.Bd.. Leipzig 1913, S. 183-184. (Im Folgenden abgekürzt als : Bolte/Polivka (1913)).
5 Vgl.: Anna Birgitta Rooth: The Cinderella Cycle. Lund 1951, S.236. (Im Folgenden abgekürzt als : Rooth (1951)).
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solle in sein rechtes Ohr kriechen und aus seinem Linken wieder heraus, so wäre alle Arbeit getan. Als die Mutter von dieser Hilfe erfährt, lässt sie den Bullen schlachten. Das Mädchen aber erbittet sich, dem Rate des Bullen folgend, die Innereien des Tieres. In diesen Innereien findet sie ein silbernes und ein goldenes Korn. Sie vergräbt die Körner im Garten und aus diesen wächst ein wunderschöner silber-goldener Baum. Als ein Prinz des Weges kommt, sagt er, dass er diejenige heirate, die ihm einen Apfel von diesem Baum geben könnte. Die Stiefschwester versucht es vergebens. Das arme Mädchen aber schafft es einen Apfel zu pflücken und beendet somit ihr ganzes Leid. Dieses Märchen erinnert auch stark an das Grimmsche Märchen vom Einäuglein, Zweiäuglein, Dreiäuglein, welches wahrscheinlich auch seinen Ursprung in dieser Geschichte erhält. 6 Die zweite Geschichte hat sich aus der ersten, und somit früheren Geschichte entwickelt. Lediglich das zweite Märchen gelang die Reise nach Europa, wo es sich hauptsächlich in den östlichen Gebieten verbreitet hat. 7 Der zweite Märchentyp hat sich aus der zweiten Geschichte des ersten Märchentyps in den Gebieten des Nahen Ostens entwickelt. Zusätzlich hinzugefügt wurde noch der Motivkomplex vom verlorenen Schuh und der Schuhprobe. Dieses Motiv ist schon bei Strabon in der ägyptischen Antike zu finden: „Einer schönen Hetäre namens Rhodope wird von einem Adler der Schuh entführt und einem König überbracht, der gerade zu Gericht sitzt. Der König ist hingerissen, denn er schließt von der Form des Schuhs auf die Besitzerin, lässt sie überall suchen und findet sie auf Naukratis. Sie wird seine Frau.“ 8 Diese Geschichte handelt von einer bösen Hauslehrerin, die ein Mädchen dazu überredet, ihre Mutter umzubringen, damit sie ihren Vater heiraten könne. Als die Tochter den Plan aber ausgeführt hat, zeigt die Stiefmutter ihren wahren Charakter und macht dem Mädchen zusammen mit ihrer leiblichen Tochter das Leben schwer. Hier fungiert wie in den vorigen Geschichten eine Kuh, in welche sich die Mutter nach ihrem Tode verwandelt hatte, als übernatürlicher Helfer und hilft dem Mädchen bei allen Arbeiten. Eines Tages wird die Wolle, die sie gerade gesponnen hat, in ein Feld verweht. Bevor sie aber in das Feld springt, um die Wolle zurück zu holen, gibt ihr die Kuh noch wichtige Hinweise auf den Weg. Im Feld angelangt, begegnet sie einer teufelsähnlichen Gestalt und muss einige Aufgaben erledigen, bis sie ihre Wolle wieder zurück bekommt. Dieses Stück des Märchens ähnelt stark dem Märchen von der Frau
6 Vgl.: Eugen Drewermann: Aschenputtel. Grimms Märchen tiefenpsychologisch gedeutet. Düsseldorf
1993, S. 91. ( Im Folgenden abgekürzt als : Drewermann (1993)).
7 Vgl.: Rooth (1951), S. 236.
8 Vgl.: Drewermann (1993), S.12.
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Julia Geiser, 2005, Entstehungsgeschichte und Analyse von Aschenputtel von den Brüdern Grimm, Munich, GRIN Publishing GmbH
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