Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Seite 3
1 Einleitung und Fragestellung Seite 4
2 Dialekt als Sprachvarietät des Deutschen Seite 5
Seite 5
2.1 Was ist ein Dialekt?
Seite 6
2.2 Deutsche Mundarten der Gegenwart
Seite 6
2.3 Die Verdrängung der Dialekte durch das Hochdeutsche
Seite 7
2.4 Dialektrenaissance
Seite 7
2.5 Dialekt als Heimat
3 Die Dialektsituation im schwäbischen Gebiet Seite 8
3.1 Ausdehnung und Grenzen des schwäbischen
Seite 8
Dialektgebietes
Seite 9
3.2 Verbreitung und soziale Verteilung des Dialektes
Seite 9
3.3 Schule und Dialekt
3.4 Allgemeine methodisch-didaktische Hinweise
Seite 10
zum Deutschunterricht
Seite 11
3.5 Sprachliche Einheiten:
Seite 11
N Entrundung(Fehlende Vokale ö/ü)
Seite 12
N Diphtonge(Zwielaute)
Seite 13
N Konsonanten p, t, k
Seite 14
N Konsonanten: stimmhaftes s/ stimmloses s
Seite 14
N Ausfall und Verkürzung von Endungen
Seite 15
N Formen des Artikels
Seite 16
N Genusunterschiede der Substantive
Seite 16
N Stammformen des Verbs
Seite 17
N Zeiten des Verbs
4 Schluss Seite 18
5 Verwendete Literatur und Materialquellen
Seite 20
2
Soso … en Dichter sin Sie. Aha. In Ihrem Alter? Ja - was mache Se denn beruflich, wenn mer froge derf? Ich main, Dichte isch doch mehr e Hobby, so wie male oder Musik mache oder Makramee oder was waiß ich. Was macht de Herr Dichter, wenn’s grad nix zum dichte gibt?
De Gürtel enger schnalle un e dumms Gsicht!
Sie, des habe Se schön gsagt. Mer merkt halt glei: En Mensch, der sich ausdrücke kann. Soso, Sie sin also en Dichter. Aha.
(aus: Harald Hurst „Ich bin so frei“ Gedichte und Prosa 4. Aufl., Karlsruhe 1998)
Vorwort
„Er hieß Willi und sprach nur Plattdeutsch - auch ich im Unterricht. Willi war mein Klassenkamerad Anfang der 50er Jahre in einer Grundschule eines Hamburger Vorortes. Damals gab es am Hamburger Stadtrand noch landwirtschaftliche Betriebe und Willi gehörte irgendwie zur Landwirtschaft. „Willi, wie heißt das richtig?“, unterbrach ihn die Lehrerin immer wieder. Wenn er lesen sollte, begann er stockend Hochdeutsch, doch schon nach wenigen Worten fiel er ins Plattdeutsche. „Wie macht er das nur?“, dachte ich. Die Lehrerin wurde immer ungeduldiger. Willi, der lang gewachsene Junge, fing an zu weinen. Einmal brachte er ein Frettchen mit in den Naturkundeunterricht. Nicht nur ich, wir alle bewunderten ihn, als er uns erklärte, was ein Frettchen ist. Auf einem alten Foto aus der dritten oder vierten Klasse kann ich ihn nicht mehr finden. Was mag aus ihm geworden sein?
Sie hieß Dorle. Sie sprach ebenfalls Plattdeutsch. Wenn sie vorlesen sollte, musste sie aufstehen - das mussten wir alle - aber sie pinkelte jedes Mal in die Hose. Eine Pfütze bildete sich auf dem Fußboden. Jahrzehnte später wurde ich wieder daran erinnert. In dem Film „Blutiger Engel“ nach Ruth Pendells Krimi „Urteil in Stein“ macht das spätere Analphabetin Eunice Parchman genauso. Was mag aus Dorle geworden sein? Ich finde sie auf keinem Foto mehr.
Und dann…ja, wie hieß sie noch, ich habe ihren Namen vergessen. Sie kam aus Ostpreußen und sprach auch so. „Marjellchen“(Mädchen) - daran erinnere ich mich noch. Ostpreußisch - das war schlimmer als Plattdeutsch. Das waren ja fast schon Polacken - so beschimpfte man die Polen bzw. ehemalige polnische Fremdarbeiter und alles, was als Flüchtling aus dem Osten kam. Ich kann mich an Marjellchens Gesicht nicht mehr erinnern. Kein Foto gibt deshalb Auskunft über sie. Was mag aus ihr geworden sein?
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Er heißt Jürgen - und das bin ich selbst, geboren 1943 in Hamburg, dort aufgewachsen in einem Dialektumfeld der unmittelbaren Nachkriegzeit (…) Dieses Dialektumfeld, das noch erweitert wurde durch die Flüchtlinge aus allen Teilen Deutschlands, hat meine Sprache geprägt - Prägungen, die sich bis heute nachweisen lassen, Prägungen, die aber auch meinen Schriftspracherwerb in der Schule erschwert und mir manche „Peinlichkeiten“ eingebracht haben“… ( GENUNEIT, 2003, S. 26)
1 Einleitung und Fragestellung
Der Gegenstand meiner Hausarbeit ist Dialekte in Deutschland, insbesondere im schwäbischen Sprachraum. Als unmittelbarer Anstoß, dieses Thema zu wählen, diente mein persönliches Interesse daran aufgrund meiner zukünftigen beruf lichen Tätigkeit als Lehrerin. Da Deutsch nicht meine Muttersprache ist, seit längerer Zeit aber ich im Stuttgarter Raum lebe und der Umgang mit dialektalen Sprechern zu meinem familiären Umfeld gehört, kann ich die Unterschiede zwischen dem schwäbischen Dialekt und dem Hochdeutschen ziemlich gut unterscheiden und beschreiben.
Als weiteren Ausgangspunkt meiner Forschung möchte ich den nennen, wie mundartlicher Sprachgebrauch von Kindern an öffentlichen Schulen in Baden-Württemberg betrachtet wird. Beeinträchtigt Dialektgebrauch das Schreiben-/Lesen lernen? Wird Dialekt als Lernbarriere oder Lernchance für Kinder angesehen?
Das Interesse, das Thema zu bearbeiten, wurde noch zusätzlich mit Hilfe meiner Tochter, die mittlerweile in der 1. Klasse ist, angeregt. Als sie noch im Kindergarten war, sangen die Kinder sehr oft schwäbische Lieder bei den festlichen Veranstaltungen, an denen viele Eltern anwesend waren. Die Kindergartenleiterin war auch eine starke Dialektsprecherin. Ich stellte mir damals immer wieder die Frage, ob es richtig war, den Kindern im Vorschulalter Schwäbisch beizubringen(Im Kindergarten waren ca. 30% Kinder ausländischer Herkunft). In der Zwischenzeit änderte ich meine Meinung dazu, und bin völlig mit der Äußerung von Eckart Frahm, Kulturwissenschaftler der Universität Tübingen: „Der Dialekt vermittelt Vertrautheit und Heimatlichkeit“, einverstanden (vgl. SELTMANN, Seminarmaterialien).
In meiner Hausarbeit werde ich solche Fragen wie Definition der Dialekte, geschichtlicher Exkurs zur Entstehung der Dialekte(besser gesagt der Hochsprache), Dialektgebrauch heute(vor allem im schwäbischen Sprachraum), Benutzerkreise behandeln. Unter besonderer Betrachtungsweise, mit wissenschaftlichen Quellen belegt, werde ich auf die Unterrichtsplanung in Klassen mit großem Anteil Dialektsprecher, die hauptsächlichen Schwierigkeiten der Dialektsprecher, dialektale Rechtschreibfehler und Normabweichungen im Schwäbischen eingehen. Ich versuche, methodische und didaktische Hinweise zu einzelnen Unterrichtseinheiten zu geben.
Nicht ohne Grund wählte ich als Einstieg zum Thema die persönlichen Erinnerungen von Jürgen Genuneit - jeder Lehrer sollte nachvollziehen, wie behutsam er im Unterricht mit solchen Schülern und Schülerinnen umgehen muss, um noch reine Kinderseele unverdient nicht zu verletzen. Wie bekannt die Erlebnisse der Kindheit können einen Menschen das ganze Leben lang verfolgen und negative Auswirkungen auf sein Berufs- und Familienleben haben. Letztendlich sind die
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dialektsprechenden Kinder nicht dümmer oder minderwertiger als die anderen Schüler, die Hochsprache beherrschen, sondern sie haben es entschieden schwerer einen „angemessenen Gebrauch der Hochsprache“ zu erwerben. Jeder Lehrer sollte sich bewusst sein, dass er die Ausgangssprache der Kinder nicht abschaffen, sondern berücksichtigen müsste, um ihnen eine „sprachliche Entwicklung ohne Identitätsbrüche zu ermöglichen“ und „mit besonderer Hilfestellung im schriftlichen Bereich“ zu unterstützen(vgl. AMMON/LOEWER, 1977, S. 12 f.).
2 Dialekt als Sprachvarietät des Deutschen
2.1 Was ist ein Dialekt?
In der sprachwissenschaftlichen Literatur gibt es sehr viele Definitionen vom Begriff des Dialektes. Manchmal wird er als „eine (leicht) landschaftlich gefärbte Umgangssprache“ oder als „Abweichungen von der Hochsprache“ im mündlichen Bereich bezeichnet. Ich würde mich an die Meinung von Klaus J. Mattheier einschließen, in dem er Dialekte als Sprachvarietäten definiert: „Varietäten sind […] sprachliche Existenzformen, die innerhalb einer größeren Sprachgemeinschaft nebeneinander vorkommen, und die linguistisch miteinander verwandt sind“(MATTHEIER, 1980, S. 14). Diese Definition verdeutlicht den Zusammenhang zwischen den einzelnen Dialekten und der ihnen übergeordnete Standardsprache.
Den Begriff des Dialektes kennt man erst seit neuerer Zeit mit der Entstehung der Einheitssprache. Er wird in erster Linie durch Abgrenzung von eben jener Einheitssprache definiert. „Beim Dialekt fängt die gesprochene Sprache an“, sagte einst schon Johann Wolfgang von Goethe(vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Dialekt) Der Terminus Mundart wird in dem Zusammenhang auch sehr oft verwendet. Der Begriff Mundart geht auf den Dichter Philipp von Zesen(1619 - 1689) zurück und wurde das erste Mal im 17. Jahrhundert als eine künstlerische Übersetzung für das Fremdwort Dialekt verwendet (vgl. http://www.deutschedialekte.at/geschichte_der_dialektologie.htm). Im
Vordergrund stand aber damals jedoch die Probleme der gesprochenen Sprache im Gegensatz zur geschriebenen, noch nicht der regionale Aspekt.
Das Wort Mundart verdeutlicht an sich, dass die Abgrenzung und Betonung auf der Mündlichkeit liegt, d.h. im Wesentlichen in der Aussprache. Unter Mundart versteht man „die Ausdrucksweise mit der stärksten regionalen Färbung“(GOOSSENS, 1977, S. 16). Sie wird auch unter anderem durch eine spezifische Sprachmelodie und gewisse regelmäßige Ableitungen hochsprachlicher Ausdrücke, die von ihren Sprechern verwendet werden, definiert.
Der Ausdruck Dialekt(von griech. dialegomai: miteinander reden) ist aber heutzutage geläufiger und wird als historisches Phänomen dargestellt, “ welches sich in jeder Epoche und Zeit stetig verändert und somit auch für jede Zeit neu definiert werden muss“(MATTHEIER, 1980, S. 12). Dialekte können sich auf allen linguistischen Ebenen unterscheiden: Phonetik, Morphologie, Lexik, Syntax, Kasus, Tempus, Intonation.
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2.2 Deutsche Mundarten der Gegenwart
WINFRIED , Ulrich: Wörterbuch Linguistische Grundbegriffe, 77
6
Arbeit zitieren:
Elena Hahn, 2006, Dialekt als Lernbarriere und Lernchance mit Hinweisen für den Deutschunterricht im schwäbischen Sprachraum, München, GRIN Verlag GmbH
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