Forschungstradition 1
Inhalt
1 Forschungstradition 4
1.1 Zentrale Annahmen innerhalb der Forschungstradition 5
1.2 Der Forschungsarbeit zugrunde liegende theoretische bzw.
empirische Arbeiten 5
1.2.1 Walter Lippmann 6
1.2.2 Charles Merz 7
1.2.3 Einar Östgaard 7
1.2.4 Galtung / Ruge 8
1.2.5 Øystein Sande 10
1.2.6 Karl-Eric Rosengren. 11
2 Die Forschungsarbeit 13
2.1 Zugrundeliegender Forschungsansatz 13
2.1.1 Zentrale Definitionen. 13
2.1.2 Abhängige und unabhängige Variable 14
2.1.3 Mit welchen Forschungsmethoden im Rahmen des
Forschungsansatzes üblicherweise gearbeitet wird 15
2.2 Studie 16
2.2.1 Forschungsleitende Fragestellung. 16
2.2.2 Zentrale Hypothesen. 16
2.2.3 Untersuchungsmethode 17
2.2.4 Operationalisierung der zentralen theoretischen Konstrukte. 17
2.2.5 Zentrale Ergebnisse der Studie 18
2.2.6 Fazit 19
3 Kritische Reflektion 20
3.1 Stellenwert der Forschungsarbeit in der Forschungstradition. 20
3.2 Weiterführung des theoretischen Ansatzes. 20
3.2.1 Joachim Friedrich Staab. 20
3.2.2 Christiane Eilders 21
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4 Literatur 23
Abbildungsverzeichnis
Forschungstradition 3
Einleitung und Forschungstheoretischer Hintergrund
„All the reporters in the world working all the hours of the day could not witness all the happenings in the world. There are not a great many reporters. And none of them has the power to be in more than one place at a time. Reporters are not clairvoyant, they do not gaze into a crystal ball and see the world at will, they are not assisted by thought-transference. Yet the range of subjects these comparatively few men manage to cover would be a miracle indeed, if it were not a standardized routine.” [1, S.338] Walter Lippmann
„Von über 99% allen Geschehens auf diesem Erdball erfährt der Zeitungsleser nichts, weil es einfach nicht zur Kenntnis der Presse gelangt [...] über 99% aller Nachrichten, die schließlich doch der Presse bekannt werden, gelangen nicht vor die Augen des Lesers, weil sie als zu unbedeutend, zu fragmentarisch, zu polemisch oder - nach den jeweils herrschenden Vorstellungen - zu unsittlich aussortiert und dem Papierkorb anvertraut werden.“ [2, S.9f] Manfred Steffens
Die New York Times formuliert: „all the news that fit to print“. Sie berichte also über alle Ereignisse, die es wert sind, gedruckt zu werden. Es stellt sich daher die Frage, was ein Ereignis zur Nachricht macht und wann sie es wert ist, in der Zeitung abgedruckt zu werden. In Deutschland liefert der dpa-Basisdienst täglich zwischen 300 und 500 Meldungen an die Redaktionen. Die Agentur Reuters schickt täglich etwa 450, die Associated Press etwa 250 Meldungen in die deutschen Redaktionen. Ergänzt wird dieses Angebot noch von Agence France Press mit durchschnittlich 220 bis 300 Meldungen am Tag, den Meldungen von ddp und kleineren Agenturen, sowie den Themendiensten für Sport, Religion und Wirtschaft. Diese Fülle von Meldungen ist bereits durch die Agenturen vorsortiert, es handelt sich also um eine Auswahl, nicht aber um das Abbild des Weltgeschehens. Anschließend wird das Material von den Tageszeitungs- und Rundfunkredakteuren erneut reduziert, wobei sich auch hier die Frage stellt, nach welchen Kriterien dies geschieht.
Bei der Informationsflut unserer Gesellschaft befinden sich Journalisten stets in der Zange zwischen ihrem öffentlichen Auftrag und den Zwängen ihres Metiers. Sie sollen also zum einen „[…] möglichst sachlich, umfassend und vollständig zu berichten […]“ [3. S.6f], zum anderen ist es aber auch ihre
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Aufgabe, aufgrund begrenzter Publikumsaufmerksamkeit und
Sendekapazität die Nachrichtenvielfalt zu reduzieren. Eine Erklärung, wann Journalisten ein Ereignis für berichtenswert halten, liefert die Nachrichtenwert - Theorie. Sie führt die Entscheidung zur Veröffentlichung auf bestimmte Eigenschaften des Ereignisses zurück. Quasi objektive, den Ereignissen inhärente Eigenschaften und nicht die subjektive Auswahl des Journalisten bestimmen demnach, was in der Zeitung steht und was nicht. Prominenz, Elite und Negativität sind dabei nur drei der benannten Eigenschaften, die ein Ereignis für den Journalisten interessant machen.
Im Folgenden soll anhand der Forschungsarbeit von Winfried Schulz zur „Konstruktion von Realität in den Nachrichtenmedien“, sowie dem zugrunde liegenden theoretischen und empirischen Arbeiten die Nachrichtenwert-Theorie näher erläutert werden, nicht aber ohne auch kritisch über den Stellenwert der Theoriekonstrukte zu reflektieren.
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Während sich die Gatekeeper - Forschung mit den Eigenschaften der Journalisten und dem Einfluss der Medienorganisation auf die Nachrichtenselektion beschäftigt, setzt die Nachrichtenwert-Theorie bei den Medieninhalten an, von denen auf die Selektionskriterien der Journalisten geschlossen wird. Dabei geht die Entstehung der Theorie „auf zwei verschieden Richtungen zurück. Die eine ist die Medienkritik und die andere die Journalistenausbildung. Beide verweisen auf die Tatsache, dass Medien Inhalte auswählen müssen.“ [4, S.3] „Ausgehend von einer wahrnehmungspsychologischen Interpretation journalistischer Erfahrungen hat man versucht, diejenigen Eigenschaften zu spezifizieren, die ein Ereignis besitzen muss, um als Nachricht in die Medien `zu gelangen´.“ [5, S.238] Der Nachrichtenwert-Ansatz kann somit dem Fachbereich der Psychologie zugerechnet werden. Auch Mari Homboe Ruge und Johan Galtung bauten ihr Theoriekonstrukt auf
wahrnehmungspsychologischen Zusammenhängen auf, die die Selektion des Journalisten erklären sollten. Dazu aber in einem späteren Absatz mehr.
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1.1 Zentrale Annahmen innerhalb der Forschungstradition
Die zentrale Annahme innerhalb der Forschungstradition ist, dass die Journalisten in den Medien ihre Interpretation der Realität verbreiten. Zu diesem Schluss kamen bereits Lippmann, Galtung / Ruge, sowie Winfried Schulz. Denn auch dem engagiertesten Journalisten ist es nicht möglich, das gesamte Weltgeschehen „objektiv“ abzubilden. Er sehe, so Lippmann, die Welt stets durch eine Brille, deren Gläser ob schon vorhandener Einstellungen und Wissen eingefärbt sind. Seine Auswahl der Ereignisse ist bereits eine Interpretation des Geschehenen, durch die die Massenmedien viele der in unseren Köpfen vorhandenen Bilder prägen. [6, S.246]
„Der bis heute prominente `Nachrichtenfaktoren’-Ansatz […] geht davon aus, dass Journalisten sich bei der Auswahl des Zeitgeschehens an bestimmten Ereignismerkmalen, den Nachrichtenfaktoren, orientieren.“ [5, S.238]
1.2 Der Forschungsarbeit zugrunde liegende theoretische bzw. empirische Arbeiten
Die Anfänge der eigentlichen Nachrichtenwert-Theorie findet man ungefähr in den 60er Jahren, als der Osloer Friedensforscher Einar Östgaard die Frage stellte, warum es im internationalen Nachrichtenwesen keinen „free flow of news“ gebe. Das zugrunde liegende Phänomen der Selektion wurde jedoch schon erheblich früher erkannt. So untersuchte zum Beispiel Tobias Peucer an der Universität Leipzig in der ersten Doktorarbeit über Zeitunsberichte bereits 1690 die Frage, was für die Zeitung publikationswürdig sei. Weiterhin fragte er nach den Kriterien der Nachrichtenselektion und stellte eine Liste von berichtenswerten Ereignissen auf. Besonders hervorzutun schien sich dabei das Ungewöhnliche gegenüber dem Alltäglichen und Privaten. Aber auch schon in einem Spruch des Dichters Freidank von ca. 1230 ist der
Nachrichtenfaktorengedanke erkennbar. „Böse Nachricht nimmt immer zu. Gute Nachricht kommt bald zur Ruh.“ [vgl. Kunczik/Zipfel S.246] Ein frühes Zeugnis dafür, dass der vielfach kritisierte Negativismus der Medien unserer Zeit auch damals schon die Nachrichtenauswahl prägte. Die Fachliteratur
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unterteilt indes spezifischer in die amerikanische und die europäische Forschungslinie. Danach begann die europäische Tradition der Nachrichtenwert - Theorie Mitte der 60er Jahre im Rahmen der skandinavischen Friedensforschung. Das Konzept der Theorie fand seinen Ursprung jedoch bereits 1922 in den USA mit den Forschungen von Walter Lippmann.
Im Folgenden sollen die Arbeiten und Erkenntnisse der prominentesten Forscher kurz zusammengefasst werden.
1.2.1 Walter Lippmann
„Das Konzept der Nachrichtenwerttheorie geht ursprünglich auf Walter Lippmann zurück. Er identifizierte spezifische Ereignismerkmale, so genannte `news values´, von denen er annahm, dass sie die
Publikationswahrscheinlichkeit erhöhen.“ [7, S.129] Diesen ersten theoretischen Ansatz der Nachrichtenwerttheorie verfasst Lippmann 1922 in „Public Opinion“.
Die „Abbildung“ er Umwelt, also der real existierenden Welt war für ihn nicht möglich, vielmehr gäben Journalisten lediglich ihre eigene Interpretation der Realität, also eine „Pseudo - Realität“ wieder. Die Gründe hierfür sah er in den Grenzen des menschlichen Seins, aber auch den Naturgesetzen: beschränkte Aufnahmefähigkeit und Zeit, sowie die Unmöglichkeit, an mehreren Orten gleichzeitig präsent zu sein. Er ging deshalb davon aus, „dass es unmöglich sei, die komplexe Realität vollständig und angemessen zu erfassen. Daher müsse sich der Mensch ein vereinfachtes Modell der Realität schaffen, was mit Hilfe von Stereotypen geschieht.“ [6, S.246] Anhand von Einzelbeispielen führte Lippmann als den Nachrichtenwert beeinflussende Ereignismerkmale ‚Ungewöhnlichkeit des Geschehens’, ‚Bezug zu bereits eingeführten Themen’, ‚zeitliche Begrenzung’, ‚Einfachheit’, ‚Konsequenzen’ oder ‚Beteiligung von bekannter Personen’ auf. Je mehr Krieterien auf ein Ereignis zutreffen und je ausgeprägter sie sind, desto höher ist nach Lippmann die Wahrscheinlichkeit, dass es zur Nachricht wird. Winfried Schulz, sowie die Forscher Galtung und Ruge, aber auch Östgaard und Merz werden diese Einflussfaktoren später in ihre Untersuchungen einfließen lassen. Lippmann lieferte somit das theoretische Fundament der Theorie, blieb aber den empirischen Beweis schuldig.
Arbeit zitieren:
Stefan Zeidler, Sylvana Specht, 2005, Nachrichtenauswahl und Medienrealität, München, GRIN Verlag GmbH
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