Inhalt
Einleitung S. 3
I. Vorgeschichte: Was ist Rastafarianismus? 4
1.1. Das Trauma der Geschichte 4
1.2. Die Neuauslegung biblischer Symbolik 5
1.3. Die Einflüsse westafrikanischer Spiritualität 6
1.4. Back to Africa 7
1.5. Haile Selassie I. 8
II. Rastafarianismus in Senegambia 9
2.1. Sprachkonflikt S.12
2.2.1. Die Gorée-Kommune S.13
2.2.2. Die Rastastudenten S.14
2.2.3. Die Faari Ab S.15
2.2.4. Die Baye Faal S.15
2.3. Vergleich: Baye Faal - Rastafari S.16
III. Quellenangaben S.17
2
Einleitung
Dies ist die schriftliche Ausarbeitung des im Wintersemester 2001/02 gehaltenen gleichnamigen Referates, in welcher die selbe Thematik nun etwas detaillierter diskutiert werden soll.
Zunächst soll im ersten Teil (I.) ein allgemeiner Überblick über die Entstehung und Entwicklung des Rastafarianismus gegeben werden um anschließend im zweiten Teil (II.) ihr Auftreten im westafrikanischen Raum - und dabei ganz speziell im Senegal und in Gambia - vorzustellen.
Dabei wird zunächst kurz auf die vorgeschichtlichen Bedingungen eingegangen, um so den dynamischen Prozess der Entstehung dieser Weltanschauung von seinen kolonialen Ursprüngen bis in die heutige Zeit aufzuzeigen. Außerdem werden wichtige Symbole und zentrale Persönlichkeiten, die untrennbar mit dem Rastafarianismus verknüpft sind, erläutert.
Anschließend findet eine konkretere Betrachtung von Anhängern der Rastafari-(Sub-) Kultur im senegambianischen Raum statt. Es werden die größten Zentren, an denen sie anzutreffen sind, genannt, wobei sich herausstellen wird, dass de facto nur ca. 1% der senegambianischen Bevölkerung „echte“ Rastafari sind, d.h. wie ich sie innerhalb der nächsten Seiten darzustellen versuche. Jedoch gibt es eine Vielzahl religiöser Gruppen, die den Rastafari in ihrem Aussehen und Verhalten nahezu identisch erscheinen, sich aber in ihrer Weltanschauung stark unterscheiden. Eine Auswahl dieser Gruppen wurde deshalb in diese Arbeit mit einbezogen, um so deutlicher (wenn auch aufgrund des beschränkten Rahmens dieser Arbeit nur oberflächlich) darstellen zu können, wer ein Rastafari ist und wer nicht.
Abschließen wird diese Arbeit dann ein kurzer Vergleich zwischen den Rastafari und einer dieser Gruppen, den Baye Faal.
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I. Vorgeschichte: Was ist Rastafarianismus ?
Rastafarianismus ist eine relativ junge Weltanschauung. Er muss aber vor allem als eine schwarze Erlösungs-Bewegung verstanden werden 1 . Oft wird er auch als ein Synkretismus aus christlichen, jüdischen und afrikanischen Glaubenselementen bezeichnet, da sich dieser Glaube zwar symbolisch auf die Bibel stützt, spirituell aber sehr mit traditionellen, westafrikanischen Religionen verwandt ist. Er entstand im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts in Jamaika und erst nach 1930 war er voll ausgeprägt und verbreitete sich über die Grenzen seines Herkunftslandes hinaus. Seine Wurzeln liegen aber weitaus länger zurück. So spielen die Erfahrungen der afrikanischen Sklaven, die seit dem 15. Jahrhundert nach Amerika verschleppt wurden, für die Anhänger der heutigen Zeit eine bedeutende psychologische Rolle 2 . Die mehrschichtigen Ursprünge sollen nun im Folgenden genauer erläutert werden:
1.1. Das Trauma der Geschichte:
Jamaika wurde 1494 durch Ch. Kolumbus
entdeckt. Die Ureinwohner, die indianischen Aruak, wurden versklavt und bereits wenige Jahrzehnte später ausgerottet. 1517 begannen dann die Spanier afrikanische Sklaven auf die Insel zu verschiffen. Dies geschah im Rahmen des sogenannten Handelsdreiecks: Die Schiffe der Kolonialherren starteten in Europa - beladen mit wertlosen Glasperlen, billigem Schmuck, Alkohol u.ä. - und steuerten die
Westküste Afrikas an. Dort wurden diese Waren gegen ahnungslose Afrikaner eingetauscht, welche dann zusammengepfercht in den Frachträumen hauptsächlich nach Süd- und Mittelamerika, aber eben auch Jamaika, transportiert wurden. Im Schnitt haben allein schon ein Drittel der Sklaven diese Fahrt nicht überlebt.
1 Mwatabu S. Okantah: “Yankee Dread In Africa”
2 RiddimXL@aol.com: “Geschichtliche, gesellschaftliche und psychologische Grundlage der Rastafari-Religion“
4
In Amerika angekommen wurden sie versklavt und meist zur Tabak-, Baumwoll-, Bananen- oder Zuckerrohrplantagenarbeit gezwungen. Anschließend belud man die Schiffe nun mit den fertigen Produkten der Plantagen, schiffte wieder zurück nach Europa und verkauft sie da für ein Vielfaches des Kostenaufwandes.
Allerdings ließ sich nicht jeder Sklave diese Behandlung gefallen, und so kam es sehr schnell zu Aufständen und wilden Rebellionen. Entflohene Sklaven, sogenannte Maroons (span.: Cimarrones = Mustang, wildes Pferd ), bildeten rebellische Kommunen und führten zahlreiche Aufstände durch, mit dem Ziel alle Weißen zu töten und ein schwarzes Königreich zu schaffen. Diese wurden jedoch durch das Militär und mit großen Verlusten auf beiden Seiten niedergeschlagen.
Ab 1830 bildete sich dann neben der euro-jamaikanischen auch langsam eine afrojamaikanische Gesellschaft heraus. Ein Jahr später wurde der Sklavenhandel abgeschafft. Die Sklaven waren jetzt zwar offiziell frei, gerieten jedoch immer wieder mit der Staatsgewalt in Konflikt, da sie rechtlich (und vor allem auch in den Köpfen der Machthaber) den Weißen noch lange nicht gleichgestellt waren 1 .
1.2. Die Neuauslegung der Bibel:
Mit den Plantagenbesitzern kam auch die Church of England nach Jamaika. Diese weigerte sich jedoch ihre Religion mit den „Menschen niederer Rasse“ zu teilen und so fanden viele Sekten Interesse bei den Sklaven.
Erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts verkündeten die ersten schwarzen Prediger die Lehre Christi, gefolgt von einer Vielzahl europäischer Missionare. Doch gelang es diesen nicht die afrikanischen Religionen zu verdrängen, was dazu führte, dass unterschiedliche Mischformen entstanden. So wurde 1783 die erste „schwarze“ Kirche, die Native Baptists gegründet: eine Verknüpfung der christlichen Botschaft mit afrikanischer Spiritualität. Etwa 80 Jahre später, 1860/61, kam eine neue religiöse Bewegung ins Rollen: The Great Revival - Die Große Erweckung: Obwohl es den Sklaven verboten wurde zu lesen oder zu schreiben (sie wurden von ihren Herren bewußt „dumm“ gehalten), gelang es einigen schwarzen Priestern dies heimlich zu erlernen, und so gerieten sie in Kontakt mit der Bibel - dem einzigen Buch, das ihnen auf den Plantagen und Farmen zugänglich war.
1 ebd.
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Arbeit zitieren:
Thomas Friedrich, 2002, Rastafarianismus in Senegambia, München, GRIN Verlag GmbH
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