Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Begriff „Diagnostik“
3. Der Zeitpunkt der Einschulung
4. Vorzeitige Einschulung und Zurückstellung
5. Schulreife und Schulfähigkeit
5.1 Das Konzept der Schulreife von Artur Kern
5.2 Das Konzept der Schulfähigkeit von Horst Nickel
6. Zum Begriff „Test“
6.1 Gütekriterien
6.1.1 Objektivität
6.1.2 Reliabilität
6.1.3 Validität
6.2 Kritik am Einsatz von Tests
6.3 Vorteile des Einsatzes von Tests
6.4 Fazit
7. Der Reutlinger Test für Schulanfänger (RTS)
7.1 Ziele des Tests
7.2 Konzeption
7.3 Was muss bei der Durchführung beachtet werden?
7.4 Die Aufgaben im Einzelnen
7.5 Auswertung und Entscheidungsfindung
7.6 Statistische Angaben
8. Das Kieler Einschulungsverfahren
8.1 Konzeption und Zielsetzung
8.2 Erfasste Fähigkeiten
8.3 Das Elterngespräch
8.4 Das Unterrichtsspiel
8.4.1 Was muss bei der Durchführung beachtet werden?
8.4.2 Die Aufgaben im Einzelnen
8.5 Die Einzeluntersuchung
8.6 Auswertung und Entscheidungsfindung
8.7 Statistische Angaben
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9. Vergleich des Reutlinger Tests für Schulanfänger (RTS) mit dem Kieler
Einschulungsverfahren (KEV)
10. Schlussbetrachtung
11. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Die Einschulung stellt ein einschneidendes Erlebnis im Leben von Kindern dar: Man darf nun endlich lesen, schreiben und rechnen lernen und gehört dadurch zu den „Großen“. Aber dennoch geht eine unbeschwerte Zeit freien Spielens zu Ende, man ist nun erstmals mit schulischem Lernen konfrontiert und hat gewisse Verpflichtungen zu erfüllen. Auch für die Eltern ist dieser Übergang häufig mit ambivalenten Gefühlen verbunden: Eine Zeit inniger Verbundenheit mit dem Kind neigt sich dem Ende und vielfach treten auch Unsicherheiten auf, welcher Zeitpunkt für die Einschulung der richtige ist. Aufgrund dessen sind zahlreiche diagnostische Verfahren entwickelt worden, die dazu beitragen sollen, die richtige und für das Kind beste Entscheidung über eine Einschulung oder Zurückstellung zu treffen. In dieser Arbeit sollen zwei dieser Verfahren, der Reutlinger Test für Schulanfänger und das Kieler Einschulungsverfahren, näher betrachtet werden. Um die theoretischen Grundlagen für die Betrachtung dieser Verfahren zu schaffen, werde ich meine Ausführungen mit einer Erläuterung des Begriffs „Diagnostik“ beginnen, woran sich Überlegungen zum Zeitpunkt der Einschulung, zu vorzeitiger Einschulung und Zurückstellung anschließen, wobei der Schwerpunkt auf der Entwicklung in den letzten Jahrzehnten sowie dem quantitativen Ausmaß liegt. Außerdem möchte ich die Konzepte der Schulreife von Artur Kern und der Schulfähigkeit von Horst Nickel kurz vorstellen, da diese einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der Schuleingangsdiagnostik ausgeübt haben. Darauf folgen Überlegungen zum Begriff „Test“, wobei die diagnostischen Gütekriterien eine zentrale Rolle spielen.
Im Anschluss daran möchte ich den Reutlinger Test für Schulanfänger und das Kieler Einschulungsverfahren vorstellen - deren Konzeption und Zielsetzungen, die erfassten Fähigkeiten, Besonderheiten der Durchführung, die einzelnen Aufgaben, den Prozess der Entscheidungsfindung sowie statistische Angaben.
Den Abschluss bildet ein Vergleich beider Testverfahren, da sie sich in einigen Punkten erheblich unterscheiden. In diesem Rahmen soll auch eine Zuordnung zu den Konzepten der Schulreife und der Schulfähigkeit vorgenommen werden.
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2. Zum Begriff „Diagnostik“
Da sich die Schuleingangsdiagnostik im Rahmen der pädagogisch-psychologischen Diagnostik vollzieht, soll meinen Ausführungen eine Erläuterung diese Begriffs vorangestellt werden. Diagnostik im Allgemeinen wird von Dorsch als „...die Lehre von der sachgemäßen Durchführung der Diagnose; auch die Ausübung der Diagnose“ (Lukesch, 1998, 31) bezeichnet. Es geht vornehmlich um Erkenntnis über bestimmte Eigenschaften oder Sachverhalte. Bedeutsam ist, dass sich diese Erkenntnis auf Einzelfälle bezieht. Es geht daher nicht um die Erkenntnis allgemeiner Zusammenhänge, was die Diagnostik von der Forschung unterscheidet.
Psychologische Diagnostik wird beschrieben als „die Bezeichnung für alle Methoden und deren Anwendung, welche zur Messung bzw. Beschreibung inter- und intraindividueller Unterschiede verwendet werden (Lukesch, 1998, 31). Durch verschiedenste Methoden sollen hier also Erkenntnisse über den Menschen und dessen Eigenschaften gesammelt werden. Der Begriff der Pädagogischen Diagnostik ist in den 70er Jahren entstanden und vor allem mit dem Namen Ingenkamp verknüpft. Die Position Ingenkamps werde ich daher im Folgenden in verkürzter Form wiedergeben:
Zu den Aufgaben der Pädagogischen Diagnostik gehört es, das individuelle Lernen zu optimieren, dessen Ergebnisse festzustellen und den Übergang zu den weiteren Bildungswegen zu erleichtern. Dabei werden durch diagnostische Tätigkeiten der Lernprozess und seine Bedingungen analysiert sowie Lernergebnisse festgestellt. „Unter Beachtung wissenschaftlicher Gütekriterien“ (Lissmann, 2 /1997, 2) werden Beobachtungen und Befragungen durchgeführt, deren Ergebnisse interpretiert werden. Dies dient zur „Deskription, Erklärung und Prognose individuellen Verhaltens“ (Lissmann, 2 /1997, 3). Außerdem muss angemerkt werden, dass sich die Pädagogische Diagnostik in einem Spannungsfeld zwischen ihrer pädagogischen Aufgabe, der Optimierung des Lernens, und ihrer gesellschaftlichen Aufgabe, der Selektion, bewegt. Dies spiegelt sich auch in der Entstehung der Pädagogischen Diagnostik wieder. Solange gesellschaftliche Positionen durch die Herkunft besetzt wurden, war eine Pädagogische Diagnostik nicht erforderlich.
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Dies änderte sich erst ab etwa 1700, wo sie im Rahmen der Selektion für bestimmte gesellschaftliche Aufgaben entstand. Auch zu Beginn des 20. Jahrhunderts standen noch Selektionsaufgaben im Vordergrund, beispielsweise bei der Überprüfung der Schulreife. Nach dem 2. Weltkrieg allerdings „folgte eine pädagogische Rückbesinnung“ (Lissmann, 2 /1997, 7), die sich bis heute fortsetzt. Dies zeigt sich beispielsweise in den Zeugnisberichten der Schuleingangsstufe.
Laut Ingenkamp strebt die Pädagogische Diagnostik verschiedene Zielsetzungen an, nämlich Vergleich, Analyse, Prognose und Interpretation. Der Vergleich dient dazu, Schülerinnen und Schülern, Lehrkräften und Eltern Rückmeldungen und Entscheidungshilfen zu geben. Außerschulische Interessengruppen benötigen diese Informationen für den Einsatz neuer Arbeitskräfte und auf staatlicher Seite ist die Vergabe von Berechtigungen an den Vergleich geknüpft.
Im Bereich der Analyse geht es nicht um die „Frage nach dem ‚Wie’ eines Verhaltens, sondern nach dem ‚Warum’“ (Ingenkamp, 1971, 18). Schülerinnen und Schüler benötigen diese Informationen um Lerndefizite ausgleichen zu können und Lehrkräfte sowie Eltern um ihnen dabei die bestmögliche Förderung zukommen lassen zu können. Außerschulische Interessengruppen haben an der Analyse aus ökonomischen Gründen ein Interesse und die Sozialwissenschaften erforschen in diesem Zusammenhang „die Bedingungen für effektive Verhaltensänderung“ (Ingenkamp, 1971, 18).
Die Zielsetzung der Prognose erleichtert sowohl für Schülerinnen und Schüler, als auch für Lehrkräfte und Eltern das Treffen von Entscheidungen bezüglich der Zukunftsplanung, während außerschulische Interessengruppen sowie der Staat diese Informationen für die Bedarfsplanung nutzen können.
Der Bereich der Interpretation wurde erst 1975 hinzugefügt und beschäftigt sich mit dem „Ordnen, Bewerten und Gewichten (Lissmann, 2 /1997, 2) von Informationen; aus diesen sollen Schlüsse gezogen werden können.
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Zusammenfassend kann man sagen, dass die einzelnen Aspekte der Pädagogischen Diagnostik, die im Bereich der Schule relevant sind, die Leistungsmessung und Leistungsbewertung, die Schullaufbahnberatung, die Planung, Durchführung und Auswertung von Unterricht sowie die Erfassung der Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler beinhalten. Da die pädagogisch-psychologische Diagnostik verschiedenste Aufgaben bewältigen muss, stehen ihr auch verschiedene Verfahren zur Verfügung. Nach Lukesch beinhalten diese Gesprächsmethoden, zum Beispiel das Diagnostische Gespräch, Beobachtungsverfahren wie die minutenweise freie Beobachtung, Beurteilungsverfahren, beispielsweise die Zensurengebung, Testmethoden und die Dokumentenanalyse (Lukesch, 1998, 36). Die Schuleingangsdiagnostik ist größtenteils im Bereich der Testverfahren anzusiedeln, wobei je nach angewendetem Verfahren auch Gesprächsmethoden und Beobachtungsverfahren eine Rolle spielen können.
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3. Der Zeitpunkt der Einschulung
Die Einschulung ist nicht nur für die zukünftigen Schülerinnen und Schüler, sondern auch für deren Familien ein einschneidendes Erlebnis. Der richtige Zeitpunkt für diesen Übergang wurde und wird daher heiß diskutiert und kann als „Dauerbrenner in der pädagogischen und bildungsreformerischen Diskussion“ (Rossbach, 2001, 145) bezeichnet werden. Die Hauptkriterien für diese Entscheidung, das Lebensalter des Kindes und dessen Entwicklungsstand, sind schon im 17. Jahrhundert bei Comenius zu finden. Dennoch war das Schuleintrittsalter nicht immer gleich und zwischen verschiedenen Ländern sind teils erhebliche Variationen festzustellen. So liegt das Einschulungsalter in England zwischen 5,0 und 5,4 Jahren, während die Kinder in Dänemark zwischen 7,0 und 8,0 Jahren eingeschult werden (vgl. Grass, 5 /2000, 108). Das Einschulungsalter in der Bundesrepublik Deutschland wurde im Hamburger Abkommen von 1964 auf zwischen 6,2 und 7,2 Jahren festgelegt. Demnach wurden „alle Kinder, die bis zum 30.6. das Alter von 6 Jahren erreicht hatten, ...mit Schuljahresbeginn im September des selben Jahres schulpflichtig“ (Grass, 5 /2000, 107). Eine Änderung wurde allerdings durch die Empfehlungen der Kultusministerkonferenz von 1997 bewirkt, wonach der Stichtag nun „zwischen dem 30.6. und dem 30.9.“ (Rossbach, 2001, 147) liegen soll. Im Unterschied zu den bisherigen Regelungen können nun in Ausnahmefällen auch Kinder vorzeitig eingeschult werden, die nach dem 31.12. geboren sind. Von der Möglichkeit einer Zurückstellung vom Schulbesuch soll nur „im Ausnahmefall“ (Rossbach, 2000, 147) Gebrauch gemacht werden, wobei diese Entscheidung zeitnah zum Schulbeginn getroffen werden sollte. Nach dieser Regelung liegt das Einschulungsalter also nun zwischen 5,1 und 7,2 Jahren.
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Arbeit zitieren:
Julia Bitzer, 2003, Schuleingangsdiagnostik: Der Reutlinger Test für Schulangänger (RTS) und das Kieler Einschulungsverfahren (KEV) im Vergleich, München, GRIN Verlag GmbH
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Schulreife und Schulfähigkeit - Über das Kieler Einschulungsverfahren
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