Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Historischer Hintergrund 5
3 Politische Bedeutung Hongkongs 8
4 Unternehmernetzwerke als verborgene Triebfeder Hongkongs 11
5 Ausblick 17
6 Anhang 23
6.1 Abbildungsverzeichnis 23
6.2 Abkürzungsverzeichnis 23
6.3 Literaturverzeichnis 24
2
1 Einleitung
Für die Volksrepublik China sind besonders die Sonderwirtschaftszonen von Bedeutung für die Anbindung an den Weltmarkt sowie als "Brückenköpfe zwischen finanzkräftigen Auslandschinesen und dem Kontinent" 1 . Diese richten sich sämtlich räumlich entweder an Taiwan oder an Hongkong und Macau aus, von wo auch 80 % des dort investierten Kapitals stammen. 2 Anders herum konzentrieren sich auch die ausländischen Investitionen in den Sonderwirtschaftszonen, da sie dort günstige Bedingungen vorfinden. In China gibt es nämlich bzgl. Arbeitskräftequalifikation und der Verfügbarkeit des hinreichend qualifizierten Personals noch gravierende Unterschiede der regionalen und lokalen Bedingungen. 3 Ähnlich gravierende Unterschiede gibt es bzgl. der Globalisierung.
Diese vollzieht sich keineswegs überall gleich intensiv, wird keineswegs überall gleich massiv vorangetrieben, sondern konzentriert sich vielmehr auf einige wenige Metropolen wie London, New York, Tokio und Hongkong, welches also eine weltweite Bedeutung hat. 4
Besonders wichtig aber ist Hongkong für die Entwicklung im chinesischen Mutter-land. Denn die Globalisierung ist ein weltumspannender Prozess, der sich aber nichtsdestotrotz im Rahmen der Nationalstaaten materialisiert. 5
Investitionen aus Hongkong erfolgten vor allem in der Sonderwirtschaftszone Shenzhen in der Provinz Guangdong, da hier von Hongkong aus die Kontrolle leicht erfolgen konnte und auch die Transportkosten gering waren. 6 Vor allem die starke Steigerung der Lohnkosten in Hongkong machte Shenzhen für Investoren aus
1 Vgl. Oberender / Fleischmann (2004), S. 27.
2 Vgl. Groth (2000), S. 33.
3 Vgl. Li (2000), S. 84.
4 Vgl. Werner(2004), S. 54.
5 Vgl. Sassen (1999), S. 55.
6 Vgl. Groth (2000), S. 35.
3
Hongkong attraktiv. 7 Shenzhen verzeichnete so von 1980 bis 1997 ein durchschnittliches jährliches Wachstum des realen BIP von 28,5 %, also deutlich mehr als die gesamte VR China mit durchschnittlich 8,2 %, stellt sich also als vorbildliche Region dar. 8 Es sind diese wenigen Sonderwirtschaftszonen, in denen sich die VR China als entwickelter Industriestaat zu präsentieren und Anschluss an die weltweite Entwicklung zu halten versucht, allein hier trägt China "alle Zeichen westlicher Modernität zur Schau". 9 Die Bedeutung Hongkongs für die VR China ergibt sich vor allem aus den Investitionen in diesen Sonderwirtschaftszonen.
7 Vgl. Wieser (2004a), S. 54.
8 Vgl. Kirchhof / Roth (2004), S. 224.
9 Vgl. Werner (2004), S. 15.
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2 Historischer Hintergrund
Hongkong, welches vorher nur dünn besiedelt war, 10 wurde aufgrund der Niederlage Chinas im ersten Opiumkrieg (1840 - 1842) zur britischen Kronkolonie. 11 Der von den Briten betriebene und mit militärischer Gewalt durchgesetzte Opiumhandel erfolgte nun weitgehend über Hongkong und legte die Basis für den Reichtum der Stadt. 12 Zwischen Briten und Chinesen allerdings herrschte schon vor dem Krieg ein Klima der gegenseitigen Missachtung. 13 Im zweiten Opiumkrieg gewannen die Briten auch die Halbinsel Kowloon, die Hongkong gegenüberliegt und 1860 von China an Großbritannien abgetreten wurde. 14 Den größten Teil des heutigen Hongkong bilden aber die New Territories, die Großbritannien 1897 für 99 Jahre von China pachtete. 15 Das Auslaufen des Pachtvertrages bildet den Hintergrund des gesellschaftlichen Wandels, der in dieser Ausarbeitung dargestellt wird.
Die Bevölkerung Hongkongs entwickelte sich aufgrund verschiedener Ereignisse teils sprunghaft. Die chinesische Revolution unter Sun Yatsen im Jahr 1911 brachte viele Flüchtlinge in die Stadt, die japanische Besatzung während des Zweiten Weltkriegs vertrieb zwar viele ihrer Bewohner, 16 diese kehrten aber nach Kriegsende meist zurück und überdies sorgte die chinesische Revolution unter Mao Tsetung im Jahr 1949 für einen erneuten Zustrom von Flüchtlingen. 17 Diese brachten nicht nur Kapital mit, sondern verlagerten teils vollständige Fabriken von Schanghai nach Hongkong, welches sich dadurch von einer reinen Handelsstadt in eine Industriestadt verwandelte, die vor allem von der Textilindustrie, bald ergänzt um die Plastik-
10 Vgl.Gornig (1998), S. 27.
11 Vgl. Schims (2000), S. 52.
12 Vgl. Futterlieb (2003), S. 4.
13 Vgl. Jesch (2001), S. 22.
14 Vgl. Futterlieb (2003), S. 5.
15 Vgl. Futterlieb (2003), S. 5; Gornig (1998), S. 37; Werner (2004), S. 101.
16 Vgl. Schims (2000), S. 55.
17 Vgl. Futterlieb (2003), S. 5.
5
industrie, geprägt war. 18 Bereits die nationalrevolutionäre chinesische Regierung unter Sun Yat-sen betrachtete die Hongkongverträge als ungleich und strebte deren Revidierung an. 19 Dabei bezogen alle chinesischen Regierungenb die gleichen Positionen zu den Verträgen. 20 Nach dem Zweiten Weltkrieg sahen sowohl die VR China als auch Taiwan Hongkong als ihr Territorium an. 21
Der Zustrom von Flüchtlingen hielt an. Allerdings waren diese Menschen nicht wie zuvor meist Unternehmer und Kaufleute, sondern eher Arbeiter und Bauern, die als billige und ungeschützte Arbeitskräfte dienten. 22 Beide Gruppen zusammen schufen eine ökonomische Entwicklung, die als "Wirtschaftswunder" 23 bezeichnet wird. Der britische Staat griff in die Regulierung des Gemeinwesens kaum ein, überließ dies vielmehr weitgehend den chinesischen Familien und deren Unternehmernetzwerken. Dies führte zusammen mit Steuern von minimaler Höhe zu einer außerordentlichen Belebung des wirtschaftlichen Klimas. 24 Hervorzuheben ist die wichtige Rolle der chinesischen Familienverbände, die teils öffentliche Aufgaben übernehmen.
In den 80er Jahren entwickelte sich der Finanzdienstplatz Hongkong lebhaft, in den 90er Jahren begann eine Hinwendung zur Informationstechnologie. 25 Begleitet wurde dies von einer Verlagerung lohnintensiver Produktionen nach Guangdong. 26
18 Vgl. Schims (2000), S. 56f.
19 Vgl. Gornig (1998), S. 39f.
20 Vgl. Werner (2004), S. 103.
21 Vgl. Gornig (1998), S. 45.
22 Vgl. Schims (2000), S. 57.
23 Vgl. Gornig (1998), S. 49.
24 Vgl. Werner (2004), S. 53.
25 Vgl. Schims (2000), S. 58.
26 Vgl. Jesch (2001), S. 43.
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Nachdem der damalige Gouverneur Hongkongs, Murray MacLehose, bereits 1979 bei einem Treffen mit dem volkschinesischen Außenminister, die Frage der Zukunft Hongkongs angeschnitten hatte, kündigte die chinesische Seite zunächst die Nichtverlängerung der Pachtverträge an, gab aber auch bereits Bekundungen ab, die Sicherheit der Investitionen sichern zu wollen. 27
Entscheidend für die politische Zukunft Hongkongs war die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung der Regierungen der Volksrepublik China und Großbritanniens am 19.12.1984, die einen völkerrechtlichen vertrag darstellt, 28 am 27.05.1985 in Kraft trat und die Rückgabe aller Gebiete an die VR China zum 01.07.1997 beinhaltete, wobei Hongkong als Special Administrative Region (SAR) einen bedeutenden Grad an Autonomie genießen sollte, der eine Fortführung des bisherigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Systems gestattet. 29 Obwohl Hongkong nun Teil des sozialistischen China wurde, sollte es doch seine Marktwirtschaft beibehalten und auch demokratisch verwaltet werden. Allein die Außen- und Verteidigungspolitik wird völlig von der VR China bestimmt. 30 Bereits die Verhandlungen von 1984 aber führten zu einem deutlichen Nachlassen der Investitionsfreudigkeit und einer Emigration von Akademikern. 31
Das Wirtschaftswachstum Hongkongs verlangsamte sich auch Ende der 90er Jahre durch den Anschluss wiederum, sank 1998 im Vergleich zu 1997 um 5 %. 32
27 Vgl. Gornig (1998), S. 80.
28 Vgl. Werner (2004), S. 145.
29 Vgl. Schims (2000), S. 59.
30 Vgl. Jesch (2001), S. 29.
31 Vgl. Gornig (1998), S. 83.
32 Vgl. Schims (2000), S. 61.
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Mohamed Zarifi, 2006, Die wirtschaftliche und politische Bedeutung Hongkongs seit 1997, München, GRIN Verlag GmbH
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