„[...] man hielt es frommer Erfurcht für angemessener, an die
Taten der Götter zu glauben, als darüber Wissen zu haben.“
(Tacitus, Germania, Kap. 34)
Gliederung Seite
I. Einleitung 4
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II. Childerich I. - Personengeschichte 5
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III. Forschungsgeschichte 6
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IV. Der Fundplatz 7
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V. Die Funde und ihre Zuordnung 9
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VI. Datierung des Grabes im historisch-archäologischen Kontext 18
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VII. Die Funde im Kontext 19
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VIII. Grabbrauch im Umfeld des Childerich-Grabes 21
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IX. Die Interpretation der Bestattung Childerichs 22
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X. Das Grab und die Funde als Politikum 25
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XI. Bewertung der schriftlichen Quellen 26
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XII. Fazit 27
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XIII. Abbildungsverzeichnis. 31
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XIV. Quellen und Literatur 31
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XV. Abbildungen 33
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I. Einleitung
Im Wintersemester des Jahres 2005 auf 2006, sollten im Rahmen eines Hauptseminars des Institutes für Altertumswissenschaften an der Friedrich-Schiller-Universität zu Jena, am Lehrstuhl der Alten Geschichte, Fragen und Problemen, hinsichtlich altertümlicher Bestattungssitten und Jenseitsvorstellungen in der Antike nachgegangen werden. Verschiedene Themen und Schwerpunkte wurden so ausgewählt, dass überblicksmäßig die herangezogenen Quellen vorgestellt und anschließend die Problematik in einem Referat zusammenfassend erörtert wurde. Das Grundproblem in der Handhabung eines Themas, dass sich mit Jenseitsvorstellungen in einer soweit zurückreichenden Epoche der Menschheitsgeschichte auseinandersetzt, besteht hauptsächlich darin, dass über die spärlichen schriftlichen und etwas reicher ausfallenden archäologischen - also materiellen - Quellen, nur der Ansatz bzw. die Tendenz von ehemals bestandenen Glaubensmustern und Ritualen erkennbar werden kann. Schließlich haben wir es mit einem psychologischen und metaphysischen Phänomen zu tun, wenn es darum geht, sich mit dem Tod und der Frage „was kommt danach“ zu beschäftigen. An diesem Punkt wird sofort deutlich, dass den prä-/historischen Wissenschaften und ihren Nachbardisziplinen Grenzen auferlegt sind, die nicht überwunden werden können. Es gelingen lediglich Erklärungsversuche, die dahin zielen, Argumente und Indizien mit einander zu vergleichen, um letztlich festzustellen, dass der Tod genauso wie die Geburt ein immanenter Bestandteil des Lebens in allen Kulturen war und ist. Der pietätvolle Umgang mit einem Verstorbenen während eines Bestattungsvorgangesinnerhalb eines wie auch immer sozial gearteten Verbandes - setzt das Vorhandensein von Empfindungen wie Trauer, Mitgefühl und - nicht zwingend - den Glauben oder das Vorstellungsvermögen an bzw. über eine jenseitige Sphäre voraus. Solche Gefühlsdimensionen wurden paläolithischen Menschen noch gänzlich abgesprochen. Angeblich ging es in der Steinzeit n u r darum die sterblichen Überreste eines Individuums zu entsorgen. In einer für uns sehr archaischen Verhaltensweise, soll dabei der Leichnam einfach liegen gelassen oder an eine andere Stelle verbracht, sozusagen aus dem Wege geräumt worden sein. Erst als man sich - anfänglich noch sporadisch - des Verstorbenen annahm und ihn an einem ausgewählten Orte mit einem Grabe bedachte, erst von da an, wird für uns eine Zäsur im Umgang mit dem Toten (nicht aber mit dem Tod selbst) offenbar. Der frühe Mensch - sei es Homo sapiens sapiens oder Homo (sapiens) neanderthalensis - gab sich von nun an geistig nicht mehr damit zufrieden, die Toten einfach dem sichtbaren natürlichen organischen Zersetzungsprozess zu überlassen, sondern machte sich daran, dem
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Verblichenen einen Platz herzurichten der als Grablege fungierte. Ob ein solches sepulcrum dann regelmäßig durch die „Bestattungsgemeinschaft“ aufgesucht wurde oder ob mit einer solchen Beisetzung schon ein Ritual bzw. ein Jenseitsglaube verbunden war, dass lässt sich nicht mit Gewissheit erfassen, der erste Schritt aber, hin zu einem Prozess der Kultivierung von Begräbnissen und der Genese unterschiedlichster Jenseitsvorstellungen war seit der ausgehenden Altsteinzeit getan.
In den nachfolgenden Ausführungen war es mir ein Anliegen, die Quellen hinsichtlich der kulturellen Situation der Bestattung eines der ersten nachweislichen Frankenkönige, namentlich Childerich I., darzulegen und zu beurteilen. Es ging mir ursächlich darum, die einzelnen Elemente der Grablege des Regis francorum, also des Befundes und der Funde, für meine Arbeit heranzuziehen. Chiderich I. lebte und starb an der Schwelle der Spätantike zum beginnenden Mittelalter. Noch in einer heidnisch-germanischen Stammestradition verhaftet, sah er sich seiner Zeit durch den Luxus und die Annehmlichkeiten des römischen Imperiums angezogen. In welcher Weise und in welchem Schema sich Childerich letztlich bestatten ließ, war sicher auch ein Resultat seines Lebens zwischen den Mächten seiner Zeit - den Glauben an alte germanische Götter und den Glaube an Macht und Materialität.
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II. Childerich I. - Personengeschichte
Childerich I. (457/58 - 482), aus dem Geschlecht der Merowinger stammend, war der Sohn des Merowech (um 451). Nach Childerichs eponymen Vater leitete sich die Bezeichnung der Dynastie der Merowinger ab (Abb. 1). Durch Gregor von Tours ist überliefert, dass die Salfranken in den Jahren 463 und 493 mit Childerich an ihrer Spitze westlich des Rheins herrschten. Der Sitz des Prätendenten lag in bzw. um Tournai (Abb. 2). Er war nicht nur Primus eines germanischen Stammesverbandes, sondern auch Foederat und so im Dienste des Römischen Reiches als Offizier und als Administrator der Provinz Belgica
secunda tätig. 1 Nachweislich wird er unter dem magister militum Aegidius, als siegreicher Teilnehmer der Kämpfe gegen die Westgoten bei Orléans (463). Ebenso konnten unter ihm und dem comes Paulus angreifende Westgoten unter König Eurich von Orléans zugedrängt werden. Auch mit diesem Paulus gelang es ihm die Sachsen bei der Loiremündung auszuheben.
Seine politische Stellung entsprach der einer Doppelrolle, zum einen als fränkischer Kleinkönig und zum anderen als römischer Offizier. Er verstand sich in einer gewissen Tradition zur römischen Militäraristokratie, was sich im Folgenden aus dem Beigabenreichtum seiner Bestattung ablesen lässt.
Childerich soll maßlos über die Stränge geschlagen haben, so dass er sich durch ein Aufbegehren des Volkes und des „Adels“ veranlasst sah, ins Exil nach Thüringen hinüber zu flüchten. Wieder zurückgerufen, soll er Basena, die Frau/Schwester/Nichte (?) des thüringischen Königs, aus seinem Exil mitgebracht haben, aus deren ehelichen Vereinigung unter anderem der nachfolgende fränkische König, Chlodwig I. (*466, †511) hervorgegangen ist.
1 Die Franken, Bd. I, S. 177, letzteres erfährt man aus einem Brief des heiligen Remigius.
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III. Forschungsgeschichte
Entdeckt wurde das reich ausgestattete Grab am 27. Mai 1653 in Tournai (Belgien, heute Doornik, ca. 40km westlich von Brüssel). Ausschachtarbeiten für den Neubau eines Armenhauses, in der Nähe des Areals der Pfarrkirche St. Brictius (St.-Brice) mit daneben gelegenem Friedhof, waren es, die den reichen Beigabenfundus des fränkischen Königs zu
Tage brachten (Abb. 3). 2 Johann Jakob Chiflet, 3 der Leibarzt des Habsburger Erzherzogs Leopold Wilhelm 4 , erhielt nach Vorlage und Überführung der Funde, in Brüssel den Auftrag zur Publikation, welche bereits 1655 erschien. 5 Seinem Bericht zufolge war das Grab von folgendermaßen Gestalt: 6 der Grabbau war 2,20 m, mit Resten (aus Holz und Eisen) von einem Holzsarg bzw. einer Grabkammer, bis zum anstehenden Fels in den Boden eingetieft. Das Skelett Childerichs war anscheinend noch gut erhalten, es maß 1,79 m und lag in ausgestreckter Haltung - es soll mit einem golddurchwirkten Gewand bekleidet gewesen
sein. 7 Neben dem Skelett des Königs fand sich ein kleinerer Schädel eines Menschen, der einer weiteren Bestattung - vermutlich der einer jungen Frau - zugesprochen werden konnte. Eine lederne Tasche, mit über 100 Goldmünzen darin, lag im Schoße des Bestatteten. Weiterhin fanden sich 200 stark korrodierte römische Silbermünzen. Unter den vergangenen
Resten des Corpus lag eine Francisca. Chiflet beschreibt, dass man die Cimelia 8 teilweise erst im Aushub barg. Bei der Bestattung Childerichs lag überdies eine Pferdebestattung.
1983 und 1986 wurden am Fundort erneut, 330 Jahre später, archäologische Untersuchungen durchgeführt, wobei die Umgebung des Grabes genauer lokalisiert und geordnet werden konnte und eine merowingische, teilweise mit Childerich I. zeitgleiche,
Nekropole ausgegraben werden konnte (Abb. 3). 9
2 Die Franken, Bd. I, S. 170 ff.
3 RGA, Bd. 4, S. 441 f., dessen Sohn, Johann Chiflet der Jüngere verfolgte die fortschreitenden Ausgrabungen.
4 RGA, Bd., S. 441 f., residierte seinerzeit als kaiserlicher Statthalter in den Niederlanden.
5 RGA, Bd. 4, S. 441, Anastasis Childerici I. Francorum Regis, sive Thesaurus sepulchralis Tornaci Nerviorum effossus et Commentario illustratus [Auferstehung Childerichs I., König der Franken, oder der ausgegrabene und mit einer schriftlichen Aufzeichnung erläuterte Grabschatz der Stadt Tornacum der Nervier].
6 Aus Tacitus’ Germania wird uns von der Art & Weise, wie Germanen im 1. bzw. 2 Jhd. u. Z. ein „Leichenbegängnis“ durchführen, berichtet; sonderlich ist es bei Germanen dieser Zeit Usus ihre Verstorbenen zu verbrennen: [...] jedem werden seine Waffen, einigen auch ihr Roß in das Feuer mitgegeben. Über die Grabstätte erhebt sich ein Rasenhügel.“ (Germania, Kap. 27).
7 Die Franken, Bd. I, S. 207, nach Chiflet war der Verblichene von „gerader und eleganter Gestalt“.
8 Wertgegenstände im materiellem Sinne.
9 Die Franken, Bd. I, S. 165.
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Die Nekropole selbst stand offenbar in räumlicher Beziehung zum Königsgrab. Eine bestattungsfreie Zone zeigte eine Differenzierung zur Sepultur des Umfeldes an. Danebst offenbarten sich um die ehemals bestandene königliche Sepultur mehrere kollektive
Pferdebestattungen, 10 die vermutlich in der Peripherie des ehemals bestandenen Grabhügels angelegt worden waren. Heute jedenfalls weiß man, dass Childerich unter einem Grabhügel von etwa 20 bis 40 m Durchmesser, vermutlich in einer Grabkammer bestattet wurde (Abb. 4 und 5).
IV. Der Fundplatz
Tournai war ein gallo-römischer Marktflecken, dessen ältester Nachweis bis in augustäische Zeit zurückreicht. Als Tornaco ist der Ort auch auf der so genannten Tabula
Peutingeriana abgebildet. 11
In der Spätantike weitete sich die Stadt auf etwa 40 ha Fläche aus und erstreckte sich beiderseits des Schelde-Ufers. Nach Ausweis historischer Quellen existiert Tournai bereits im
4. Jahrhundert 12 u. Z. als Metropole und bleibt es während des gesamten Mittelalters. Eine Mauer als Befestigung ließ sich in Ansätzen nachweisen (Abb. 3). Diese umschloss wohl ein Areal von etwa 12 ha. Childerichs Grab lag - der Sitte der Zeit entsprechend - extra muros,
also östlich der Altstadt, außerhalb der ehemals bestandenen Befestigung. 13
10 Die Franken, Bd. I, S. 166 u. 209, den Nordosten und Südosten Childerichs Grablege begrenzten die Pferdebestattungen: Grab CV 1 (CV = chevaux) mit 7 Wallachen, Grab CV 2 mit 4 Wallachen, Grab CV 3 mit 2 Wallachen, 5 Hengsten und 3 Fohlen (alle Tiere sollen durch Halsschnitt getötet worden sein; die Datierung mittels Radiokarbonbestimmung verweisen die Pferdebestattungen in die Zeit von 460 - 520).
11 Verfasser: die Tabula peutingeriana stammt als mittelalterliche Kopie aus dem 12. Jhd. und bezieht sich auf Vorlagen des 4. Jhds.
12 Im Folgenden als Jhd. abgekürzt.
13 Die Franken, Bd. I, S. 165 ff. u. 209.
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Als Childerich I. über die militärische und zivile Administration der Provinz gebot, war
Tournai Verwaltungszentrum der Provinz Belgica secunda (Hauptstadt war Reims). 14 Insgesamt wurden 9 Nekropolen in Tournai aufgefunden, von denen 2 seit der älteren römischen Kaiserzeit belegt worden waren. Von denen wiederum wurde nur der Friedhof auf dem rechten Schelde-Ufer bis in die merowingische Zeit hinein belegt. Der damalige Ausgangspunkt für die merowingischen Bestattungen war das wohl noch durch einen Hügel gekennzeichnete Königsgrab des Childerich I. (sozusagen das „Gründergrab“, da es das älteste am Platze zu sein scheint und in exponierter Situation auf der Nekropole angelegt
worden war). 15
14 Die Franken, Bd. I, S. 192, das ehemalige Gebiet Toxandriens entsprach dem heutigen Gebiet Belgiens; dieses Gebiet bekamen die Salfranken nach einer Niederlage gegen Kaiser Julian Apostata (durch den Kaiser selbst) im Jahr 359 als neues Siedlungsareal zugewiesen. Die unterlegenen salfränkischen Kriegerverbände wurden den römischen Truppen eingegliedert und im Auxiliardienst gegen die germanischen Nachbarn verpflichtet. Von da an waren die Salfranken bis zum Tode Childerichs I. „treue Gefolgsleute des „Imperium Romanum““ und eventuell eines der wenigen wirksamen Mittel, die rechtsrheinischen Germanen vorerst bzw. teilweise zu bändigen. G ü n t h e r / K o r s u n s k i j, S. 150 f., nachdem im Jahreswechsel von 406/07 der rheinische Übertritt germanischer Stammesverbände gen Westen nicht wirksam aufgehalten werden konnte, „rückten die salfränkischen Einheiten in den Raum von Tournai und Thérouanne vor, so daß um diese Zeit auch das Kommando des dux der Provinz Belgica II aufgegeben wurde.“
15 Die Franken, Bd. I, S. 166 f., als so genanntes „Gründergrab“ wurde es am Rande einer schon bestandenen antiken Nekropole angelegt, worum sich seit dem 6. und mit Beginn des nachfolgenden Jhds. eine bedeutende Bestattungsanlage entwickelte; im direkten Umfeld der Childerichbestattung gab es allerdings bisher keine Flächengrabungen.
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V. Die Funde und ihre Zuordnung
Grundproblem: durch die zeitbedingte unsachgemäße Bergung der Fundobjekte, ist die
genaue Lage des gesamten Fundus im Grabbefund nicht mehr eindeutig zu rekonstruieren! 16
V. a. Waffen (Prunkbewaffnung) und Zubehör
1) Spatha (zweischneidiges Langschwert) und Sax (Skramasax), (Abb. 6, 7, 9 und 14) Deutung/Zuordnung: die Grundform des „Childerich-Schwertes“ (Spatha) und der mit ihm verwandten Schwerter sind germanische Schwerter des 5. Jhds. Die einzelnen typischen Merkmale dieser Schwerter sind hauptsächlich aus nordischen Moorfunden und fränkischen Gräbern belegt. Für das so genannte „Sax“ wurden Parallelen zu langen Schmal-Saxen hergestellt, die in mehreren Gräbern des so genannten „Childerich-Horizontes“ auftreten (so u. a. auch in Planig in Rheinlandpfalz) und im Osten als „Säbel mit gerader Klinge“, vor allem im Reiterkampf gebraucht wurden. Von dort, aus dem Osten, sollen sie mit den Hunnenzügen nach Westen gelangt sein. Die besonders schmuckreiche Almandinzellen-Verzierung, als spezifisches Charakteristikum, gehört zu den bekannten Einlageverzierungen der Völkerwanderungszeit und scheint ihren Ursprung in Asien zu haben. Im Besonderen bei den Almandin-Arbeiten der Funde des Childerich-Grabes wurden starke technische Dependancen zu Werkstätten der unteren Donau und zum Norden des Schwarzen Meeres
herausgestellt. 17
2) Magischer Schwertanhänger (Abb. 7, Nr. 1)
Fund: auf der Oberseite mit sternförmigem Almandinzellenwerk verziert und unten mit einer typischen länglichen Öse, durch die eine Meerschaumperle gesteckt und am Schwertriemen befestigt wurde.
16 Die Franken, Bd. I, S. 177.
17 RGA, Bd. 4, S. 445 ff., griechische Goldschmiedestätten wie die in Olbia und Pantikapaion (Kertsch) stehen hier sicher an führender Stelle des Einflusses. Es wird allgemein hin angenommen, dass Goldschmiede aus dieser Region mit den großen Völkerzügen des 5. Jhd., vornehmlich des Attila-Zuges, an den nicht allzu bedeutenden Hof des Childerichs gekommen waren und in ihrer Kunst entscheidenden Einfluss auf die Zellenwerkmanier der fränkischen „Reichskunst“ ausübten.
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Arbeit zitieren:
Silvester Tamas, 2006, Das Grab des Childerich oder Sepulcrum Childerici I. Francorum Regis , München, GRIN Verlag GmbH
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