1
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 2
2. A good man is hard to find 3
2.1 Interpretation und Inhaltszusammenfassung 3
2.2 Die unterschiedlichen Weltanschauungen der Großmutter und des Misfits 5
3. The life you save may be your own. 8
3.1 Interpretation und Inhaltszusammenfassung 8
4. Ein Vergleich der beiden Kurzgeschichten A good man is hard to find und
The life you save may be your own. 10
4.1 Zentrale Themen und Gemeinsamkeiten. 10
4.2 Unterschiede 12
5. Resümee. 13
Bibliographie 14
2
1. Einleitung
Flannery O’Connor zählt zu den wohl bekanntesten Südstaatenautoren des vergangenen Jahrhunderts. In fast allen ihrer Geschichten greift sie typische Klischees des amerikanischen Südens auf und verarbeitet diese in sozialkritischer Weise. Flannery O’Connor beruft sich auf ihre Stellung als christliche Autorin, indem sie die Vermittlung von Botschaften durch religiöse Andeutungen zum Ziel ihrer Kurzgeschichten macht. Die Groteske ihres Erzählstils erweist sich bei näherer Betrachtung nur als oberflächliche Hülle, der eine tiefer gehende Bedeutung zugrunde liegt. Auch der absichtlich flache und einfache Stil, der sich zum großen Teil als ironisch erweist, bringt dem Leser die Botschaft noch leichter nahe.
Den Geschichten O’Connors fehlt die versöhnende Auflösung am Ende, stattdessen schließen sie mit erschreckenden Bildern wie Horror, Tod oder anderen Schockerlebnissen. Doch genau dadurch soll O’Connor zufolge die Erlösung ihrer Charaktere herbeigeführt werden, die im Moment ihres Todes ein Gefühl der Würde erleben dürfen, ohne das ihr weiteres Leben ohnehin nicht lebenswert und völlig sinnlos gewesen wäre. Trotz der zahlreichen Horrorvisionen enthüllt O’Connor unweigerlich eine Komik, die dem Leser das Lachen jedoch zum Teil im Hals stecken bleiben lässt. O’Connor erzählt von einer aus den Fugen geratenen Welt, in welcher der leere Glaube an die konventionelle Ordnung eine große Rolle spielt. Doch gerade die Notwendigkeit der Zerstörung dieser Ordnung und der Hinwendung zu einem „level of mystery“ 1 , einem tiefgehenden, alles andere als oberflächlichen System, das von göttlicher Macht herrührt, ist die zentrale Botschaft ihrer Short Stories. Der Glaube der Charaktere wird mit Hilfe von Schockerlebnissen durch Außenseiter und ihre Einstellung auf die Probe gestellt und führt schließlich zu einer tieferen Erkenntnis.
Besonders in A good man is hard to find und The life you save may be your own offenbart sich die Ungerechtigkeit der Welt, die Grausamkeit der Menschheit und die Borniertheit und Intoleranz konservativer Südstaatler. O’Connor kritisiert zudem die gleichgültige Einstellung der Menschen, die nur auf ihren eigenen Nutzen ausgerichtet sind und ihre meist materialistischen Absichten ohne Rücksicht auf Verluste durchzusetzen versuchen. Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, eine Interpretation der oben genannten Kurzgeschichten Flannery O’Connors bei gleichzeitigem Vergleich der beiden Werke zu liefern. Die Schwerpunktsetzung wird dabei auf erstgenannter Erzählung liegen.
1 McFarland, Dorothy Tuck: Flannery O’Connor; New York; Frederick Ungar Publishing Co. 1976: S. 15
(im Folgenden zitiert als McFarland 1976)
3
2. A good man is hard to find
2.1 Interpretation und Inhaltszusammenfassung
Die Erzählung beginnt mit einer typischen Südstaatenfamilie, die im Begriff steht, ihre Urlaubsreise nach Florida anzutreten, während die Großmutter sie mit allen Mitteln und fadenscheinigen Argumenten daran zu hindern versucht. Sowohl ihre Argumentation, dass ein geflohener Killer angeblich auf dem Weg dorthin sei, und daher niemand so töricht sein könne, ihm zu folgen, als auch die Tatsache dass die Kinder schon in Florida waren, stoßen bei den Familienmitgliedern auf taube Ohren. Erst nach der direkten Frage einer ihrer Enkel, warum sie dann nicht einfach zuhause bliebe, gibt sie schließlich Ruhe. Einzig ihr zweites Enkelkind June Star scheint die Großmutter zu durchschauen, was ihre Feststellung „She wouldn’t stay at home for a million bucks, [...] afraid she’d miss something“ 2 deutlich macht. Ironischerweise ist am nächsten Morgen gerade die Großmutter die erste im Wagen, die fertig ist zu fahren, und auch die Aufmachung in ihren besten Kleider - damit im Fall eines tödlichen Unglücks auch jeder sie als ‚Lady’ erkenne, unterstreicht erstmals O’Connors Kritik an der Oberflächlichkeit der Südstaatenkultur. Dass sich solch ein Unglück wirklich ereignen könnte, ahnt die Großmutter zu dem Zeitpunkt natürlich noch in keinster Weise, für den Leser dient diese Episode als Vorgriff auf das Ende der Geschichte. Ihr Verhalten bei der späteren Begegnung mit dem Misfit zeigt außerdem, dass sie für den Tod überhaupt noch nicht bereit ist. Besonders auffällig ist die Kommunikationslosigkeit zwischen den Generationen, niemand scheint sich wirklich für die Großmutter zu interessieren, sie ist nur eine unnötige Last. Dies wird schon zu Anfang der Geschichte deutlich, als weder ihr eigener Sohn, noch ihre Schwiegertochter auf ihre Einwände gegen die Reise nach Florida reagieren „Bailey didn’t look up from his reading“ 3 , „The children’s mother didn’t seem to
hear her“ 4 .
Auch im Lauf der Handlung scheint niemand die Großmutter ernst zu nehmen, nur die Kinder erfreuen sich wenigstens zum Teil ihrer Erzählungen, von denen eine von einem schwarzen Kind handelt, das versehentlich eine Wassermelone eines Mannes mit den Initialen E.A.T. gegessen hatte. Hier könnte man ebenso annehmen, dass die Großmutter eine rassistische Ader hat, wie als sie beim Anblick eines schwarzen Kindes am
2 O’Connor, Flannery: A good man is hard to find and other stories; San Diego/New York/London; A
Harvest Book - Harcourt Brace & Company 1955: S. 2 (im Folgenden zitiert als O’Connor 1955)
3 O’Connor 1955: S. 1
4 ebd. S. 2
4
Straßenrand „little pickaninny“ 5 ausruft. Doch man sollte unterscheiden zwischen einem Rassisten und einer gutherzigen aber ignoranten alten Frau, die sich bei ihren Aussagen nur wenig denkt, weil es ihr an Verständnis fehlt. Besonders widersprüchlich und daher komisch ist auch der dem Wort „pickaninny“ direkt vorangehende Kommentar der Großmutter über die guten alten Zeiten, in denen noch Respekt gegenüber anderen vorherrschte, denn „people did right then“. 6 Sie hingegen zeigt nur wenig Respekt gegenüber Schwarzen. Auch die Begegnung der Familie mit Red Sammy Butts, dem Besitzer eines Restaurants in der Stadt mit dem symbolischen Namen Toombsboro, dient O’Connor als weiteres Mittel, zum Ausdruck zu bringen, wie Vertrauen und Respekt nach und nach verlorengegangen sind. Die Großmutter und Butts diskutieren über die alten Zeiten, wobei Butts wiederholt behauptet, dass man niemandem mehr trauen könne: „These days you don’t know who to trust.“ 7 , “It isn’t a soul in this green world of
God’s that you can trust.“ 8 , “A good man is hard to find. [...] Everything is getting
terrible.” 9
Die Großmutter fühlt sich verstanden und bestätigt Butts’ Einstellung, dass es kaum noch gute Menschen in dieser verfallenden Welt gebe, da die Leute „not nice like they used to be.” 10 sind. Die Komik ihrer Unwissenheit in Bezug auf das Geschehen außerhalb ihrer kleinen Südstaatenwelt offenbart sich in der Annahme, dass Europa an dem ganzen Elend schuld sei. 11
Nach der Weiterfahrt begeht die Großmutter den Fehler, die Geschichte von einem geheimen Gang in einem Haus ganz in der Nähe zu erzählen, welche bei den Kindern auf großes Interesse stößt. Auf ihr unaufhörliches Drängen gibt der Vater schließlich entnervt nach, doch mit diesem Umweg nimmt die tragische Handlung ihren Lauf. Die Gräber, welche die Großmutter abseits der Straße auf einem Feld bemerkt, dienen dabei wieder als Vorgriff auf den Ausgang der Handlung. Dass das Haus mit dem geheimen Gang gar nicht in Georgia, wo sich die Familie befindet, sondern in Tennessee stand, kommt der Großmutter jedoch zu spät wieder in den Sinn, und trägt ebenso zur Komik der Geschichte bei, wie die Tatsache, dass sie es war, die unbedingt die Katze mitnehmen wollte, welche den folgenden Autounfall der Familie verursacht. Flannery O’Connors schwarzer Humor kommt zum Ausdruck, als die Kinder nach dem Unfall aufgeregt umherkreischen, mit
5 ebd. S. 4
6 O’Connor 1955: S. 4
7 ebd. S. 7
8 ebd. S. 8
9 ebd. S. 8
10 ebd. S. 7
11 ebd. S. 8
Arbeit zitieren:
Julia Deitermann, 2003, Flannery O'Connors Kurzgeschichten - "A good man is hard to find" und "The life you save may be your own", München, GRIN Verlag GmbH
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