„Es wird deutlich, dass es sich bei Basel II um ein handhabbares und funktionsfähiges Gesamtwerk handelt. Basel II ist aufgrund seines evolutionären Konzeptes der geeignete neue bankaufsichtliche Standard für alle Bankenkleine, mittlere und große Institute.“
Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
Formelverzeichnis VI
1 Einführung in das Thema - 7 -
1.1 Problemstellung - 7 -
1.2 Zielsetzung - 8 -
1.3 Aufbau der Arbeit - 9 -
2 Kleine und mittelständische Unternehmen - 11 -
2.1 Definition / Abgrenzung - 11 -
2.2 Stellung von KMU in Deutschland - 14 -
3 Die Veränderungen in der Bankenlandschaft - 16 -
3.1 Bankbetriebliche Risiken - 18 -
3.2 Entwicklungen im Bankenaufsichtsrecht - 21 -
3.3 Basel II und seine Auswirkungen auf den Kreditgewährungsprozess - 28 -
3.3.1 Die Anforderungen von Basel II - 28 -
3.3.2 Rating im Rahmen von Basel II - 51 -
3.3.3 Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft (MaK) - 59 -
3.3.4 Auswirkungen auf den Kreditgewährungsprozess - 61 -
4 Auswirkungen auf die Mittelstandsfinanzierung - 66 -
4.1 Aktuelle Finanzierungssituation kleiner- und mittelständischer
Unternehmen - 67 -
4.2 Einfluss bankbetrieblicher Veränderungen auf KMU - 70 -
4.3 Ausgesuchte Finanzierungsalternativen - 73 -
4.3.1 Beteiligungsfinanzierung - 75 -
4.3.2 Mezzanine-Kapital - 77 -
4.3.3 Leasing - 79 -
5 Zusammenfassung und Ausblick - 82 -
5.1 Zusammenfassung - 82 -
5.2 Ausblick - 85 -
Literaturverzeichnis V
Abkürzungsverzeichnis
Abbildung Abb. Aktiengesellschaft AG Ambitionierter Messansatz AMA
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin Basisindikatorenansatz BIA
Bank für internationalen Zahlungsausgleich BIZ Bundesrepublik Deutschland BRD beispielsweise bspw. circa ca. Consultation Paper CP das heißt d. h.
Deutscher Sparkassen- und Giroverband DSGV Exposure at Default EAD Eigenkapital EK et cetera etc. Foundation IRB Ansatz FIRB Fremdkapital FK
Gesellschaft mit beschränkter Haftung GmbH
Grundsätze ordnungsgemäßen Ratings GoR Gewinn- und Verlustrechnung GuV Herausgeber Hrsg. in der Regel i. d. R.
Institut für Mittelstandsforschung IfM Industrie- und Handelskammer IHK
Internal Ratings Based Approach IRB Jahre J. Kommanditgesellschaft KG
Kommanditgesellschaft auf Aktien KGaA
Kleine und mittelständische Unternehmen KMU Kreditwesengesetz KWG
Loss Given Default LGD Maturity M
Mindestanforderungen an das Betreiben von Handelsgeschäften MaH
Mindestanforderungen an die Auslegung der Internen Revision MaIR
Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft MaK maximal max. Mittelstand in Deutschland MIND mindestens mind. Millionen Mio.
Organisation for Economic Co-Operation and Development OECD Offene Handelsgesellschaft OHG Offene Posten OPOS Probability of Default PD Risk Weight RW Risk Weight Asset RWA Size S sogenannten sog. Supervisory Review Process SRP Standardansatz STA Summen- und Salden SUSA unter anderem u. a. und so weiter usw. vergleiche vgl.
Verband öffentlicher Banken in Deutschland VOB zum Beispiel z. B.
- V -
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Qualitative Merkmale von mittelständischen Unternehmen - 13 -
Abbildung 2: Vergleich der Eigenkapitalquoten deutscher Banken in Europa - 16 -
Abbildung 3: Bankbetriebliche Risiken - 18 -
Abbildung 4: Bankbetriebliche Risikopolitik. - 21 -
Abbildung 5: Schwächen der Eigenkapitalvereinbarung nach Basel I. - 26 -
Abbildung 6: Zeitstrahl zu Basel II - 27 -
Abbildung 7: Das Drei-Säulen-Modell nach Basel II. - 28 -
Abbildung 8: Ansätze zur Messung von Kreditrisiken. - 30 -
Abbildung 9: Risikogewichte für Staaten und Banken im Standardansatz - 31 -
Abbildung 10: Risikogewichte für Unternehmen im Standardansatz - 32 -
Abbildung 11: Auswirkungen der Risikogewichte im Standardansatz nach Basel
und Basel II. - 33 -
Abbildung 12: Risikogewichtung für das Retailsegment - 34 -
Abbildung 13: Voraussetzungen für die Zuordnung zum Retailportfolio. - 34 -
Abbildung 14: IRB-Ansatz für Unternehmen, Banken und Staaten. - 37 -
Abbildung 15: Legende zu den Risikokomponenten. - 38 -
Abbildung 16: Risikogewichtsfunktionen für Unternehmen, Banken und Staaten im
Basis - und Fortgeschrittenen IRB-Ansatz. - 40 -
Abbildung 17: Risikogewichtsfunktionen für das Retail-Segment im IRB-Ansatz - 42 -
Abbildung 18: Vergleich der Eigenmittelunterlegung (RWA) in Abhängigkeit zur
Exposureklasse nach dem IRB-Basisansatz - 43 -
Abbildung 19: Übersicht der Eigenkapitalanforderung in Abhängigkeit zur
Risikogewichtung und Bonitätseinstufung. - 44 -
Abbildung 20: Definition klassischer Ratingskalen - 53 -
Abbildung 21: Vor- und Nachteile des externen Ratings. - 54 -
Abbildung 22: Einstufung der Kreditnehmer in Ratingklassen. - 55 -
Abbildung 23: Kennzahlen der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage. - 57 -
Abbildung 24: Typische K.o.-Kriterien. - 57 -
Abbildung 25: Typische Warnhinweise - 58 -
Abbildung 26: Kriterien zur Markt- und Managementbeurteilung - 58 -
Abbildung 27: Vor- und Nachteile des internen Ratings. - 59 -
Abbildung 28: Inhalt und Struktur der MaK .............................................................. - 61 -
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1: Quantitative Definition des Mittelstandes des IfM.................................... - 12 -Tabelle 2: Quantitative Definition des Mittelstandes der Euopäischen Union........... - 12 -Tabelle 3: Rechtsformstruktur im deutschen Mittelstand........................................... - 14 -Tabelle 4: Risikoklassen und Gewichtung nach Schuldnerkategorien....................... - 24 -
Formelverzeichnis
Formel 1: Die Solvabilitätskennziffer ........................................................................ - 23 -Formel 2: Berechnung zur Unterlegung von Kreditrisiken ........................................ - 25 -Formel 3: Formel zur Gewichtung der Risiken nach Basel II .................................... - 29 -
Formel 4: Berechnung der Eigenkapitalunterlegung in € nach dem IRB-Ansatz ...... - 37 -
Kleine und mittelständische Unternehmen
1 Einführung in das Thema
1.1 Problemstellung
Basel II - Biographie eines Schreckgespenstes? Das Stichwort „Basel II“ wurde in den letzten Jahren zunehmend ein Synonym für härtere Bedingungen für Kredit suchende Unternehmen. Manche Experten bezeichnen das Regelwerk als „Katastrophe“, Wirtschaftstreibende fürchten gar ein „Massensterben“ der Betriebe, während Politik, Bankvertreter aber auch Verbraucherschützer in der höheren Transparenz der Kreditvergabe Vorteile sehen. Mit Basel II stehen den Kreditinstituten weit reichende Veränderungen ins Haus. Die in den Mindestanforderungen für das Kreditgeschäft (MaK) relativ grob gefassten Risikoklassifizierungsverfahren werden durch die im Juni 2004 verabschiedeten Regeln nach Basel II deutlich konkreter gefasst. Besonders hinsichtlich des Kreditgewährungsprozesses ergeben sich maßgebliche Änderungen. Während eine Entscheidung zur Kreditvergabe traditionell hauptsächlich von der Höhe des Obligos abhing, ist nun das mit der Vergabe verbundene Kreditrisiko ausschlaggebend. 1 Die strikte Differenzierung zwischen den Bereichen Markt und Marktfolge machen es zwingend erforderlich im Rahmen eines risikorelevanten Geschäftes zwei Voten einzuholen. 2 Es erfolgt demnach eine klare Aufteilung der Kompetenzen. Nach Basel II soll die Eigenkapitalunterlegung der Kreditinstitute Risiko orientiert erfolgen, d. h. je höher das Ausfallrisiko eines Kredits, desto mehr Eigenkapital ist dafür vorzuhalten. 3 Vor allem kleine und mittelständische Betriebe sind von dem Regelwerk und den damit verbundenen Änderungen bei der Kreditvergabe betroffen. Mit einer Eigenkapitalquote in Höhe von durchschnittlich 7,5 % (bei deutschen mittelständischen Kapitalgesellschaften in Höhe von 16,0 %) verfügt der deutsche Mittelstand über eine relativ dünne Eigenkapitalausstattung. 4 Im Euro-Raum-Durchschnitt liegt diese Quote zum Vergleich bei 35,0 %. 5 Dies ist in sofern bedeutsam, da die Neuregelungen der
1 Vgl. Berens, W, Knappkötter, R., Segbers, K., „Der Firmenkundenkredit - Kreditprozess, Informationsbeschaffung und Kundenorientierung“, in: „Zeitschrift für das Kreditwesen“, 2005, Heft 15, S. 18.
2 Vgl. Hannemann, R., „Interpretationshilfen für die Umsetzung der Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft der Kreditinstitute (MaK)“, Bundesverband öffentlicher Banken Deutschlands (VÖB) (Hrsg.), 2003, S. 22-23.
3 Vgl. Landesbank Hessen-Thüringen; http://www.basel2.helaba.de (Stand: 2006, Abfrage 09.03.2006, 17:00 Uhr).
4 Vgl. Plankenstein, D.; Rehbock, T., Die Bedeutung von Mezzanine-Finanzierungen in Deutschland, in: Zeitschrift für das Kreditwesen, 2005, Heft 15, S. 24.
5 Vgl. Pütter, T., „Finanzierungslösungen nach Maß: Neue Chancen für den Mittelstand“, in Zeitschrift: „Finanzbetrieb“, 2005, Heft 2, S. 31.
Kleine und mittelständische Unternehmen
Eigenkapitalvorschriften im Zuge von Basel II die Finanzierungskonditionen des Mittelstandes nachhaltig verschlechtern könnten. Besonders für den Mittelstandssektor stellt der Bankkredit nach wie vor eine der zentralen Quellen zur Finanzierung unternehmerischer Investitionen dar. 6 An die Stelle der früheren „Prüfung der Kreditwürdigkeit“ setzen die Banken jetzt ein Rating. Mit Hilfe dieses Verfahrens wird die Bonität eines Unternehmens im Rahmen eines Kreditantrages bewertet. Vor allem die Menge und die Qualität der Daten, die die Kredit suchenden KMU der Bank nun zur Verfügung stellen müssen, ist gestiegen. Quantitative Informationen, primär aus der Bilanz und der Gewinn-und Verlustrechnung (GuV) sowie qualitative Kriterien wie z. B. über die Unternehmensplanung oder das Branchenumfeld, werden beim Rating zu einer Kennzahl verdichtet. 7 Anhand dieser Kennzahl wird die Bonität des Schuldners und damit auch die Höhe des notwendigen Eigenkapitals, das zur Abdeckung des Ausfallrisikos vorzuhalten ist, bemessen. Die Eigenkapitalausstattung ist ein zentrales Kriterium der Rating-Verfahren der Banken zur Beurteilung der Bonität. Damit stecken viele kleine und mittelständische Unternehmen zukünftig in einem Dilemma. Die Erschließung alternativer Finanzierungsformen könnte zur Lösung dieses Problems herangezogen werden. Diese könnten zwei bedeutende Vorteile kombinieren: Zum einen die Stärkung der Eigenkapitalausstattung eines Unternehmens und zum anderen den Rückgang der Abhängigkeit von Bankkrediten. 8 Es gilt somit für den Mittelstandssektor alle ihm offen stehenden Finanzierungsmöglichkeiten zu prüfen und voneinander abzuwägen.
1.2 Zielsetzung
Das neue Regelwerk von Basel II stellt den Bankensektor und den Mittelstand vor neue Aufgaben, die es zu überwinden gilt. Doch worin genau bestehen die wesentlichen Änderungen für beide Seiten? Eine Zielsetzung dieser Arbeit ist es, dieser Frage auf den Grund zu gehen. Dazu sollen die maßgeblichen
6 Vgl. Berens, W., Knappkötter, R., Segbers, K., „Der Firmenkundenkredit - Kreditprozess, Informationsbeschaffung und Kundenorientierung“, in: „Zeitschrift für das Kreditwesen“, 2005, S. 18.
7 Vgl. Füser, K., Heidusch, M., „ Rating was ist das? Grundlagen des Ratings“; in: „Rating leicht gemacht“, Haufe Mediengruppe (Hrsg.), 2003, S. 27.
8 Vgl. ebda, S. 245.
Kleine und mittelständische Unternehmen
Begrifflichkeiten rund um die Diskussion um Basel II geklärt und grafisch unterstützt, dargestellt werden. In diesem Kontext werden die wesentlichen Veränderungen von Seiten der Bank und der KMU beleuchtet und diskutiert. Dabei liegt der Schwerpunkt von Seiten der Bank auf den Änderungen im Rahmen des Kreditgewährungsprozesses. Wodurch ist dieser Prozess charakterisiert? Mit der Beantwortung dieser Frage soll eine Brücke zu den Auswirkungen der veränderten, bankbetrieblichen Abläufe auf die Unternehmensfinanzierung kleiner und mittelständischer Unternehmen geschlagen werden. Worin besteht der konkrete Zusammenhang? Die Klärung dieser Fragestellung steht im Rahmen dieser Arbeit ebenfalls im Blickpunkt der Untersuchung. In diesem Zusammenhang sollen Überlegungen zu alternativen Finanzierungsformen angestellt werden. Dabei werden die spezifischen Charakteristika dieser Finanzierungsformen verdeutlicht und auf deren Einsatzmöglichkeiten hin untersucht. Welche Finanzierungsalternativen stehen dem Mittelstand offen? Worin bestehen die Vor- und Nachteile? Mit Beantwortung der oben beschriebenen Unterziele soll der primären Zielsetzung Rechnung getragen werden: Es gilt darzustellen, was sich in der Bankenlandschaft durch das Regelwerk Basel II im Wesentlichen verändert hat und es soll ein Bezug hergestellt werden, der deutlich macht, wie sich diese Veränderungen auf die Mittelstandsfinanzierung auswirken.
1.3 Aufbau der Arbeit
Zur Erreichung des primären Ziels wird folgende Vorgehensweise gewählt:
In einem ersten Schritt gilt es die kardinalen Begrifflichkeiten kleiner sowie mittelständischer Unternehmen zu definieren und eine Abgrenzung vorzunehmen. In diesem Rahmen wird zudem die Stellung kleiner und mittelständischer Unternehmen genauer betrachtet.
Das dritte Kapitel befasst sich mit der unter dem Schlagwort „Basel II“ geführten Diskussion. Es erfolgt eine Definition der zentralen Begriffe um dem Leser die Einordnung der Thematik in den bankbetrieblichen Kontext zu erleichtern.
Kleine und mittelständische Unternehmen
Nachfolgend werden, vor dem Hintergrund von Basel II, die Auswirkungen der Neuregelungen bei der Eigenkapitalunterlegung auf den Kreditgewährungsprozess dargestellt und beleuchtet. Besonders die Auswirkungen auf die künftigen Kreditkonditionen einer Bank stehen im Mittelpunkt der Untersuchung. Die Beleuchtung des Kreditrisikos bildet den Schwerpunkt dieses Kapitels. Vor allem die verschiedenen Ansätze zur Messung der Kreditrisiken werden veranschaulicht und gegeneinander abgewogen. In diesem Zusammenhang gilt es insbesondere auf das Thema Rating, als Indikator für die „Risikoqualität“ von Kapitalnehmern einzugehen. Dabei erfolgt eine Unterteilung in interne und externe Ratingverfahren. In einem nächsten Schritt werden die Vor- und Nachteile von internen bzw. externen Ratingssystemen untersucht.
Das darauf folgende Kapitel vier beschäftigt sich mit den Konsequenzen für den deutschen Mittelstand. Zunächst wird die aktuelle Finanzierungssituation des Mittelstandes dargestellt und erläutert. Es gilt dabei insbesondere auf deren Ertragslage sowie Eigenkapitalausstattung näher einzugehen. Darauf folgend, werden die spezifischen Auswirkungen der Neuen Baseler
Eigenkapitalvereinbarung auf die kleinen und mittelständischen Unternehmen diskutiert. Das Thema „alternative Finanzierungsformen“ steht im Mittelpunkt der Untersuchung. Es werden ausgesuchte Ansätze aufgezeigt. Die Erhöhung der Eigenkapitalbasis steht bei der Betrachtung im Vordergrund. Die Ansätze unterliegen sodann einer kontroversen Diskussion.
Abschließend erfolgen eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse der Untersuchung und ein vorsichtiger Ausblick über die zu erwartenden künftigen Entwicklungen.
Kleine und mittelständische Unternehmen
2 Kleine und mittelständische Unternehmen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Zusammenhang zwischen den Veränderungen in der Bankenlandschaft - insbesondere hinsichtlich des Kreditgewährungsprozesses und den Auswirkungen dieser Veränderungen auf die Unternehmensfinanzierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen. Wodurch ist der Prozess der Kreditgewährung charakterisiert? Welche Beziehung lässt sich zwischen den zwei Sachverhalten herstellen und in welchem Kontext stehen sie zum Wesen kleiner und mittelständischer Unternehmen? Dieser letzten Fragestellung gilt es im vorliegenden Kapitel nachzugehen. Dabei werden kleine und mittelständische Unternehmen definiert und voneinander abgegrenzt. Ferner erfolgt eine Einordnung der Stellung kleiner und mittelständischer Unternehmen in den volkswirtschaftlichen Gesamtzusammenhang Deutschlands.
2.1 Definition / Abgrenzung
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) ist die Bezeichnung für Unternehmen des Mittelstandes. Dies ist unabhängig von der gewählten Rechtsform. 9
In Deutschland zeichnen sich mittelständische bzw. kleine und mittlere Unternehmen durch eine außerordentlich große Heterogenität aus. Eine gesetzlich gültige und eindeutige Definition welche Unternehmen dem Mittelstand zuzurechnen sind und nach welchen Kriterien eine solche Zurechnung erfolgt, existiert nicht. 10 Grundsätzlich lassen sich KMU durch quantitative sowie qualitative Kriterien von großen Unternehmen abgrenzen. 11 Als übliche quantitative Abgrenzung hat sich in Deutschland die Auslegung des Instituts für Mittelstandsforschung durchgesetzt. Danach wird die Größe eines Unternehmens lediglich in Abhängigkeit von der Anzahl der Beschäftigten sowie des jährlichen Umsatzes definiert:
9 Vgl. wikipedia.org; http://de.wikipedia.org/wiki/KMU (Stand: 2006, Abfrage 10.03.2006, 10:00 Uhr).
10 Vgl. IHK Rostock; http://www.rostock.ihk24.de (Stand: 2005, Abfrage 10.03.2006, 10:30 Uhr).
11 Vgl. http://www.mittelstand-deutschland.de (Stand: 2005, Abfrage; 10.03.2006, 11:30 Uhr).
Kleine und mittelständische Unternehmen
Tabelle 1: Quantitative Definition des Mittelstandes des IfM 12
Als weitere quantitative Abgrenzung ist die Definition der Europäischen Union maßgebend. Diese hat seit dem 01. Januar 2005 die Empfehlung der Europäischen Kommission vom 06.05.2003 umgesetzt und berücksichtigt neben den kleinen und mittleren Unternehmen auch die sog. Kleinstunternehmen (Micros). Es erfolgt zusätzlich zu der Beschäftigtenzahl eine Abgrenzung wahlweise hinsichtlich des Jahresumsatzes oder der Bilanzsumme. Außerdem ist es nach dieser Definition erforderlich, dass das Unternehmen unabhängig ist, d. h. es darf in der Regel nicht zu mehr als 25 % im Besitz eines anderen Unternehmens sein. 13
Tabelle 2: Quantitative Definition des Mittelstandes der Euopäischen Union 14
Zur Abgrenzung des Mittelstandes wird neben den quantitativen Merkmalen auch hinsichtlich qualitativer Merkmale unterschieden. Danach können folgende Wesensmerkmale zur Beschreibung mittelständischer Unternehmen herangezogen werden:
12 Vgl. IfM.org ; http://www.ifm-bonn.org (Stand: 01.01.2002, Abfrage 10.03.2006, 12:00 Uhr).
13 Vgl. Europäische Kommission; http://europa.eu.int/comm/enterprise_policy/sme_definition/index_de.htm (Stand: 01.01.2005, Abfrage 10.03.2006, 12:16 Uhr).
14 Vgl. Europäische Kommission; ebda (Stand:01.01.2005, Abfrage 10.03.2006, 12:18 Uhr).
Kleine und mittelständische Unternehmen
Abbildung 1: Qualitative Merkmale von mittelständischen Unternehmen 15
Die Unternehmerpersönlichkeit ist der zentrale Aspekt bei nahezu allen KMU. In diesem Zusammenhang spricht man häufig vom so genannten Eigentümerunternehmen, das bei fast 95,0 % aller KMU die vorherrschende Führungsform verkörpert. 16 Der Eigentümer nimmt oftmals im laufenden Geschäftsbetrieb wichtige Schlüsselpositionen innerhalb der
Unternehmenshierarchie ein. Der Erfolg des Unternehmens steht somit im unmittelbaren Zusammenhang mit seinen Fähigkeiten und Qualifikationen. Dies bedeutet allerdings im Umkehrschluss auch, dass er zum Hauptverantwortlichen für einen Misserfolg werden kann. 17
15 Vgl. Vohl, H.-J., Joseph, Y., Pöppl, R., „Balanced Scorecard im Mittelstand“, 2004, S. 26.
16 Vgl. Wolter, O., „TQM Scorecard. Die Balanced Scorecard in TQM-geführten Unternehmen umsetzen”, 2002, S. 25 ff..
17 Vgl. Pinkwart, A., Kolb, S., Heinemann, D.; „Unternehmen aus der Krise führen“, 2005, S.11.
Kleine und mittelständische Unternehmen
2.2 Stellung von KMU in Deutschland
Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) machen nahezu 99,0 % aller Unternehmen in Deutschland aus. Sie beschäftigen rund 70,0 % der sozialversicherungspflichtigen Arbeitnehmer und bilden über 80,0 % der Lehrlinge aus. 18 Kleinen und mittelständischen Unternehmen kommt damit eine enorme volkswirtschaftliche Bedeutung zu. Aufgrund ihrer Vielzahl und ihren Aktivitäten in den unterschiedlichsten Wirtschaftszweigen stellen sie ein differenziertes Angebot an Gütern und eine Auswahlfreiheit für die Nachfrageseite sicher. Insgesamt tragen KMU entscheidend dazu bei, Konzentrations- und Monopolisierungstendenzen entgegenzuwirken. 19 Eine sektorale Analyse der Studie „MIND - Mittelstand in Deutschland“ 20 ergibt, dass 43,3 % der mittelständischen Betriebe zum Dienstleistungssektor zählen, ein Viertel sind Handwerksbetriebe und ca. 20 % rechnen sich zum Handel. Die übrigen, ca. 10 % der in der Studie befragten Unternehmen sehen sich als industrieller Mittelstand.
Die Rechtsformstruktur im deutschen Mittelstand stellt sich wie folgt dar:
Tabelle 3: Rechtsformstruktur im deutschen Mittelstand 21
Es wird ersichtlich, dass über die Hälfte Einzelunternehmen sind und der Anteil der Kapitalgesellschaften nur ca. ein Drittel beträgt. Die Rechtsform spielt in sofern eine Rolle, als das sich die Möglichkeiten in der Finanzmittelbeschaffung
18 Vgl. IfM.org; http://www.ifm-bonn.org/ergebnis/106nf-html (Stand: 2005, Abfrage 15.03.2006, 17:10 Uhr).
19 Vgl. Pinkwart, A. , Kolb, S., Heinemann, D.; „Unternehmen aus der Krise führen“, 2005, S. 12.
20 MIND ist ein Gemeinschaftsprojekt der Zeitschrift impulse, der Sparkassenorganisation und des Instituts für Mittelstandsforschung, Bonn
21 Vgl. IfM.org; ebda (Stand: 2005, Abfrage: 15.03.2006, 18:00 Uhr).
Kleine und mittelständische Unternehmen
der Einzelunternehmer und der Personengesellschaften von denen der Kapitalgesellschaften unterscheiden. So können Aktiengesellschaften
beispielsweise ihre finanziellen Mittel am Kapitalmarkt, den nationalen und internationalen Börsen beschaffen, während bei Einzelunternehmungen die Eigenkapitalbasis normalerweise durch das Vermögen des Unternehmens begrenzt ist. 22
Unabhängig von der Bedeutung des deutschen Mittelstandes für die deutsche Wirtschaft und den zuletzt geäußerten positiven Tendenzen bezüglich Kapitalstruktur und Auftragslage befindet sich der Mittelstand heute noch immer in einer wirtschaftlich angespannten Lage. 23 Die Zahl der Insolvenzen ist zwar in 2004 mit 39.900 Unternehmensinsolvenzen erstmals seit den letzten Jahren um 0,3 % zum Vorjahr rückläufig, dennoch liegt die Zahl auf einem bedenklich hohen Niveau. 24
Grundlegende Problematik der mittelständischen Unternehmen sind die schlechte Konjunkturentwicklung, die Unternehmensfinanzierung sowie eine
unbefriedigende Ertragslage. So leidet der Mittelstand besonders unter einer zunehmenden Verschlechterung der wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen, ansteigendem Wettbewerbs- und Preisdruck, verstärkter Marktbereinigung und einer anhaltend schlechten Zahlungsmoral. Besonders letzteres führt im Zusammenhang mit zunehmenden Finanzierungsproblemen vermehrt zu Illiquidität. 25
22 Vgl. Wöhe, G. „Einführung in die Allgemeine Betriebswirtschaftslehre“, 2000, S. 301.
23 Vgl. Deutscher Sparkassen- und Giroverband (DSGV);
„http://www.sparkasse.de/download/files/Fact_Mittelstand_2005.pdf; (Stand: 2005, Abfrage 16.03.2006, 14:00 Uhr).
24 Vgl. Euler Hermes Kreditversicherung AG; „Atempause bei Insolvenzen“;
http://www.allianzgroup.com/azgrp/dp/cda/0,,577246-49,00.html; (Stand: 2004, Abfrage 16.03.2006, 15:00 Uhr).
25 Vgl. Creditreform; „Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand“;
http://www.firmenwissen.de/psfiwi/fn/picshow/sfn/fiwi/pic_id/50969; (Stand: 2005, Abfrage 16.03.2006, 16:30 Uhr).
Die Veränderungen in der Bankenlandschaft
3 Die Veränderungen in der Bankenlandschaft
Die Ertragslage der deutschen Kreditinstitute hat sich während der letzten 20 Jahre über alle Bankengruppen hinweg stetig verschlechtert. Der Zinsüberschuss der Kreditinstitute in Prozent der durchschnittlichen Bilanzsumme ging zwischen 1983 und 2002 um 1,1 Prozentpunkte zurück. Der Anteil des Eigenkapitals - in Form von eingezahltem Kapital und Rücklagen - an der Bilanzsumme sank von gut 20 % im Jahr 1998 auf 4,1 % im Jahr 2002. 26 In den europäischen Nachbarländern dagegen hat es keine vergleichbare Entwicklung gegeben. Der Internationale Währungsfond. 27 hat festgestellt, dass jede Bankengruppe in Deutschland hinsichtlich ihrer Ertragskraft schlechter abschneidet als vergleichbare Bankengruppen in europäischen Nachbarländern. 28 Die durchschnittliche Eigenkapitalquote der europäischen Banken liegt zum Vergleich bei 5,1 %. 29 Die nachfolgende Abbildung zeigt die Unterschiede auf:
Abbildung 2: Vergleich der Eigenkapitalquoten deutscher Banken in Europa 30
26 Vgl. Bundesverband Deutscher Banken; http://www.bankenbericht.de/html/channel-02/1.; „Auf dem Weg zu einem zukünftigen Bankensystem“ (Stand: 2004, Abfrage 18.03.2006,13:00 Uhr).
27 Vgl. Internationaler Währungsfond; http://www.imf.org/external/pubs/ft/ar/2003/deu/index.htm.; „Jahresbericht“ (Stand: 2003, Abfrage 18.03.2006, 14:05 Uhr).
28 Vgl. Internationaler Währungsfond; edna (Stand: 2003, Abfrage 18.03.2006, 14:30 Uhr).
29 Vgl. Oecd.org; http://www.oecd.org/statistics/document/58.html; (Stand: 2002, Abfrage 20.03.2006, 18:20 Uhr).
30 Vgl. Oecd.org; ebda; (Stand: 2002, Abfrage 20.03.2006, 18:30 Uhr).
Die Veränderungen in der Bankenlandschaft
Im Zuge der Entwicklung der Finanzmärkte wächst der Druck auf die Banken, ihre Rentabilität zu verbessern. Knapp 50,0 % der Erträge der deutschen Kreditinstitute stammen aus dem Kreditgeschäft und ca. ein Fünftel der Mitarbeiter ist in diesem Bereich tätig. Jedoch ist der Ergebnisbeitrag des Kreditgeschäfts nach Abzug der Risiko- und Kapitalkosten in der Regel negativ. 31 Es besteht somit ein strategischer Handlungsbedarf. Die Deutschen Banken müssen sich mit ihren Erträgen der Konkurrenz auf den Finanzmärkten stellen und in diesem Zusammenhang ihre internen Strukturen und Geschäftsfelder sowie die Marktbedingungen überdenken und anpassen. Besondere Bedeutung kommt dabei dem Kreditwesengesetz (KWG), als ordnungspolitischem Rahmen der Kreditinstitute sowie den Vorschriften zur Eigenkapitalunterlegung von Krediten sowie anderen bankbetrieblichen Risiken (Basel II) und den neuen Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft (MaK) zu.
Im nachfolgenden Kapitel werden die organisatorischen und prozessualen Konsequenzen der gesetzlichen Vorgaben auf den Kreditgewährungsprozess untersucht. Zunächst wird dabei die Risikopolitik der Banken „unter die Lupe genommen“, so dann erfolgt eine Zusammenfassung der Entwicklungen im Bankenaufsichtsrecht. Im Anschluss daran, werden die fundamentalen Begrifflichkeiten im Rahmen von Basel II definiert und erläutert. Welche Anforderungen stellt Basel II an die Kreditinstitute? Dieser Frage gilt es nachzugehen. In diesem Kontext erfolgt eine nähere Betrachtung des Kreditwesengesetzes sowie der Mindestanforderungen an das Kreditgeschäft, als gesetzliche Rahmenbedingungen. Daran anknüpfend, werden die
organisatorischen Abläufe im Rahmen der Kreditentscheidung untersucht. Die duale Kreditentscheidung, der Kreditgewährungsprozess sowie die
Kreditüberwachung- und hier insbesondere interne und externe Ratingverfahrenstehen in diesem Zusammenhang im Fokus der Betrachtung.
31 Vgl. Groß, T, Lohfing, A; „Kreditinstitute im Strukturwandel“ in: „Basel II Auswirkungen auf die Finanzierung - Unternehmen und Banken im Strukturwandel“; Übelhör, M, Warns, C (Hrsg.), 2004, S. 151.
Die Veränderungen in der Bankenlandschaft
3.1 Bankbetriebliche Risiken
Unter Risiko versteht man die Gefahr, dass ein eintretendes Ergebnis negativ von dem Erwarteten abweicht. Das Gegenteil hierzu bezeichnet man als Chance. 32 Die Übernahme von Risiken zählt zu den Hauptaufgaben einer Bank. 33 Dabei treten die Risiken in einer unüberschaubaren und heterogenen Vielzahl auf. 34 Bei der Systematisierung betriebswirtschaftlicher Risiken allgemein sowie der bankspezifischen Risiken im Besonderen existieren verschiedene Ansätze. nachfolgende Grafik zeigt die bankbetrieblichen Risiken im Überblick:
Abbildung 3: Bankbetriebliche Risiken 35
32 Vgl. Geiger, H.; „Die Risikopolitik der Banken“; 1999, S. 555-560.
33 Vgl. Blazevic; „Kreditrating“ in: „Credit Rating vor dem Hintergrund von Basel II. Dreh- und Angelpunkt des Firmenkredits“; Blazevic, Z, Bedely, B. (Hrsg.), 2002, S. 29.
34 Vgl. Büschgen, H; „Bankbetriebslehre. Bankgeschäfte und Bankmanagement“; 1998, S. 868 f..
35 In Anlehnung an: Knapp, M.; „Zeitabhängige Kreditportfoliomodelle“, 2002, S. 8.
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