Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis Ι
Tabellenverzeichnis ΙΙ
Abk ürzungsverzeichnis ΙΙΙ
1 Einleitung 10
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 12
2.1 Zeichenbegriff und Semiotik 13
2.2 Zeichenmodelle 15
2.2.1 Ferdinand de Saussure 15
2.2.2 Charles Sanders Peirce 17
2.3 Das semiotische Dreieck 22
2.4 Schrift und Sprache als Zeichensystem 24
2.5 Bild als Zeichensystem 26
2.6 Wandel des Zeichenprozesses durch Technisierung 29
und Medien
3 Einfluss der medientechnischen Entwicklungen auf 33
Bild , Schrift und Sprache
3.1 Medientechnische Entwicklungen 34
3.2 Auswirkungen auf Bild, Schrift und Sprache durch alte und 44
neue Medien
4 Entwicklung von Gestaltungselementen und 48
Berichtmustern der Tageszeitung
4.1 Entwicklung 49
4.2 Trends 51
4.3 Onlinezeitung 52
4.4 Darstellungsformen in der Print- und Onlinezeitung 53
4.4.1 Textsorten der Printzeitung 54
4.4.2 Textsorten der Onlinezeitung 55
4.4.3 Bildliche Darstellungsmittel 56
5 Sprachwissenschaftliche Analyse 58
5.1 Forschungsmethodik 59
5.2 Sprechakttheorie 61
5.3 Textualitätsmerkmale zur Analyse der Textstruktur 63
Inhaltsverzeichnis
5.4 Linguistische Textanalyse nach Brinker 66
5.4.1 Analyse des Textkontextes 68
5.4.1.1 Kommunikationsform 68
5.4.1.2 Handlungsbereich 68
5.4.2 Analyse der kommunikativen Textfunktion 69
5.4.2.1 Sprachliche Indikatoren 70
5.4.2.2 Nicht-sprachliche und kontextuelle Indikatoren 73
5.4.3 Analyse der Textstruktur 74
5.4.3.1 Grammatische Ebene 74
5.4.3.2 Thematische Ebene 77
6 Sprachwissenschaftliche Analyse - Die Welt, FAZ, SZ 81
6.1 Auswahl der Tageszeitungen 82
6.2 Untersuchungsgegenstand 82
6.3 Untersuchungszeitraum 84
6.4 Vorgehensweise der Analyse 85
6.5 Textinterne Ebene: Analyse der Textstruktur 88
6.5.1 Titelseiten der Erstausgaben im Vergleich 88
6.5.1.1 Gestaltung der Titelseiten 89
6.5.1.2 Nachricht und Kommentar 91
6.5.2 Titelseiten zum Mauerbau 1961 im Vergleich 94
6.5.2.1 Gestaltung der Titelseiten 95
6.5.2.2 Nachricht und Kommentar 97
6.5.3 Titelseiten zur Wiedervereinigung 1990 im Vergleich 100
6.5.3.1 Gestaltung der Titelseiten 101
6.5.3.2 Nachricht und Kommentar 103
6.5.4 Titelseiten der Printausgaben vom 13. Juni 2006 105
im Vergleich
6.5.4.1 Gestaltung der Titelseiten 106
6.5.5 Vergleich von Print- und Onlinezeitung am Beispiel 109
der Welt
7 Resümee 113
Literatur - und Quellenverzeichnis 115
Anhang 123
Abbildungsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis
Abb. 1: Das sprachliche Zeichen nach Saussure
Abb. 2: Ikon: Verkehrszeichen - Vorsicht Baustelle
Abb. 3: Index: Verkehrszeichen - Wegweiser
Abb. 4: Symbol: Symbol der Weiblichkeit
Abb. 5: Das semiotische Dreieck von Ogden et al. (1923)
Abb. 6: Semiotisches Dreieck mit unterschiedlichen Definitionen
Abb. 7: Struktur von Sprechakten nach Searle (1969)
Abb. 8: Modell zur linguistischen Textanalyse
Abb. 9: Argumentationsstruktur nach Toulmin
Abb. 10: Titelblatt Die Welt (02.04.1946)
Abb. 11: Titelblatt SZ (06.10.1945)
Abb. 12: Titelblatt FAZ (01.11.1949)
Abb. 13: Titelblatt Die Welt (14.08.1961)
Abb. 14: Titelblatt SZ (12./13.08.1961)
Abb. 15: Titelblatt FAZ (14.08.1961)
Abb. 16: Titelblatt Die Welt (04.10.1990)
Abb. 17: Titelblatt SZ (04.10.1990)
Abb. 18: Titelblatt FAZ (04.10.1990)
Abb. 19: Titelblatt Die Welt (13.06.2006)
Abb. 20: Titelblatt SZ (13.06.2006)
Abb 21: Titelblatt FAZ (13 06 2006)
Tabellenverzeichnis II
Tabellenverzeichnis
Tab. 1: Merkmale der Welt, FAZ, SZ .................................................. 83 Tab. 2: Daten für Stichprobe................................................................ 85
Abkürzungsverzeichnis III
Abkürzungsverzeichnis
A. Auflage Abb. Abbildung AG Aktiengesellschaft bzw. beziehungsweise CD Compact Disk d. h. das heißt DVD Digital Versatile Disk ebd. ebenda EDV elektronische Datenverarbeitung et al. und andere etc. und so weiter FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung Hg. Herausgeber http Hypertext Transfer Protocol o. J. ohne Jahr o. O. ohne Ort o. V. ohne Verfasser SZ Süddeutsche Zeitung Tab. Tabelle u. a. unter anderem UMTS Universal Mobile Telecommunications System vgl. vergleich[e] WAP Wirless Application Protocol WWW World Wide Web z. B. zum Beispiel zit. n. zitiert nach
1 Einleitung 10
1 Einleitung
Medien sind überall, der Umgang mit ihnen gehört zur Normalität. Die rasanten medientechnischen Entwicklungen können wir nicht mehr aufhalten - wollen wir auch nicht. Merken wir, wenn ein Medium sich verändert?
Es ist früh am Morgen und der Briefkasten hat soeben die neuesten Nachrichten empfangen. Das meinen wir - ist es auch so? Haben nicht schon andere Nachrichten unsere jetzigen, die nach Druckerschwärze riechenden Buchstaben, überholt? In der Hand halten wir die Tageszeitung. Der erste Blick wandert auf das Titelblatt. Buchstaben, die von bunten Bildern plakativ umrahmt und in Szene gesetzt sind. Immer? Die erste Nachricht - kennen wir schon. Das Fernsehen hat es gestern Abend verkündet und das Internet sowieso.
Die alltägliche Situation beschreibt den Konflikt, in dem sich die Medien heutzutage befinden. Das ist nur ein Teil der Vorüberlegungen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie sich Bild, Schrift und Sprache in Print- und Onlinezeitungen aus sprachwissenschaftlicher Sicht verändert haben. Dabei stehen neben grammatischen und sprachlichen Strukturen auch semiotische Aspekte im Vordergrund. Außerdem sollen die medientechnischen Auswirkungen für Bild, Schrift und Sprache seit Erfindung des Buchdrucks, in Zusammenhang mit der Tageszeitung gebracht werden.
Das zweite Kapitel eröffnet eine systematische Darstellung der Zeichensysteme von Bild, Schrift und Sprache aus linguistischsemiotischer Sicht. Diese Erkenntnisse sollen später für die Analyse der Hypertextstrukturen als Grundlage dienen. Darin werden klassische Theorien über das sprachliche Zeichen erörtert. Anschließend steht der Wandel der Zeichenprozesse durch die Medien im Vordergrund.
Das dritte Kapitel befasst sich mit der technischen Sichtweise von Bild, Schrift und Sprache. Es werden darin die Einflüsse der medientechnischen Entwicklungen betrachtet. Das Kapitel beginnt bei
1 Einleitung 11
Gutenbergs Buchdruck und geht über die Schreibmaschine bis hin zum Computer. Im Anschluss erfolgt die Einordnung der technischen Entwicklungen zur Herstellung der Zeitung.
Das vierte Kapitel betrachtet die Gestaltungselemente und Berichtmuster von Print- und Onlinezeitungen. Dieses Kapitel eröffnet einen ersten Einblick auf Nachricht und Kommentar als Textsorten der Tageszeitungen. Im Hinblick auf die sprachwissenschaftliche Analyse ist dies Grundlage, da sie später ein Teil der Analyse sein wird.
Das fünfte Kapitel etabliert die linguistische Textanalyse als Forschungsmethodik nach Brinker. Mit Hilfe der Textanalyse werden die Strukturen und Formen von Texten am Beispiel von Tageszeitungen erklärt. Die detaillierte Betrachtung der sprachlichen und grammatischen Strukturen ist notwendig, um in der praktischen Analyse Nachricht und Kommentar beispielhaft miteinander vergleichen zu können.
Das sechste Kapitel führt in den Untersuchungsgegenstand der Tageszeitungen Die Welt, Frankfurter Allgemeine Zeitung und Süddeutsche Zeitung ein. Die Titelblätter werden stichprobenartig auf ihren gestalterischen und sprachlichen Wandel untersucht. Dabei geht die Untersuchung stets von der Welt als Grundlage aus und unternimmt eine historisch vergleichende Analyse.
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 12
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik
Die technischen Entwicklungen des 20. Jahrhunderts im Zuge der Neuen Medien 1 beeinflussen Bild, Schrift und Sprache. Die als selbstverständlich geltenden Grenzziehungen zwischen den klassischen Trias verändern sich auf neue Art und Weise seit der abendländischen Schriftkultur. 2 Das Internet 3 spielt dabei eine entscheidende Rolle, da seine semiotischen 4 Praktiken zu einer Veränderung und einer neuen Sichtweise von Bild, Schrift und Sprache führen. Die grafische Anwenderoberfläche des World Wide Web als das Zentrum des Internets, rückt ein multimediales Zeichengeflecht in den Mittelpunkt und verschiebt die Akzentuierung der klassischen Trias auf neue Art und Weise. Im WWW (World Wide Web) existiert eine nicht-lineare Hypertextstruktur 5 , die sich nicht an der herkömmlichen linearen Textstruktur orientiert. Die ‚Computer-Generation’ verlangt eine Verschiebung der drei
Kommunikationsebenen und konstatiert ein neues Verständnis nicht nur auf Basis neuer Kommunikationsformen, sondern auch auf Ebene neuer, visueller Erzählformen. Visualisierung rückt seit über einem Jahrzehnt in den Vordergrund, sei es durch das Aufkommen des Internets, durch elektronische Kommunikation via E-Mail und Chat oder die veränderten Darstellungsweisen von Nachrichten in den Printmedien. Der Fokus liegt in der Vermittlung von schnellen, plakativen, verständlichen und
1 Der Ausdruck Neue Medien „[...] zielt auf elektronische Medien wie Computer und
Internet, die sich in kurzer Zeit eine zentrale Stellung in der gesellschaftlichen
Kommunikationsstruktur erobert haben und zunehmend das Fernsehen als Leit-
medium verdrängen.“ Kallmeyer (Hg.) (2000) S. VII. Der Terminus der Neuen Medien
wird im Folgenden als Sammelbegriff für Computer und Internet benutzt.
2 Vgl. Sandbothe (1996), online.
3 Das Internet ist ein weltweites und elektronisches Netzwerk, durch das unabhängige
Netzwerke miteinander kommunizieren können.
4 Der Begriff semiotisch bezieht sich auf die Semiotik, also auf die „[...] Lehre von
sprachlichen und nicht-sprachlichen Zeichen und Zeichenprozessen, in deren
Zentrum die Erforschung natürlicher Sprache als umfassendstem Zeichensystem
steht.“ Bußmann (2002), S. 595.
5 Ein Hypertext ist ein Text mit gebündelten Informationen von Text-, Bild- und
Dateneinheiten, die durch Knoten und Links miteinander verbunden sind. Knoten sind
Informationseinheiten, deren Größe nicht begrenzt ist und die aus textlichen und
multimedialen Inhalten bestehen. Links dienen dem Leser als Navigationshilfe, womit
er seinen eigenen Lesepfad per Mausklick anlegt. Die Besonderheit des Hypertextes
liegt in der nicht-linearen Textstruktur und den unterschiedlichen Verknüpfungsarten.
Das WWW ist ein Beispiel für einen komplexen Hypertext.
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 13
informativen Aussagen, die in der Fülle der Informationsflut die Selektion für den Rezipienten vereinfachen sollen. Nach Schmitz treten neue Medien als Ergänzung zum herkömmlichen „Medienrepertoire“ 6 auf und mischen die Medienverhältnisse neu. Manches stirbt aus (Schreibmaschine), anderes verliert an relativem
Gewicht (Fernsehen), drittes erhält neue Akzente (Presse), wiederum
anderes formiert sich neu (Mündlichkeit und Schriftlichkeit, Schrift und
Bild), und vieles entwickelt neue intermediale Formen (Internet-Telefonie)
und Koalitionen (Print- und Online-Zeitungen), abgesehen [...] von der
breiten Vielfalt gänzlich neuer Kommunikationsformen (E-Mail, Chat,
Hypermedia,...) 7
Veränderte Strukturen in der modernen Medienlandschaft bestimmen das gesellschaftliche Leben in der Informationsgesellschaft und bieten Raum für historische, analytische und kritische Auseinandersetzungen in zahlreichen Wissenschaftsbereichen. Das folgende Kapitel rückt die Zeichensysteme Bild, Schrift und Sprache aus linguistischer Perspektive in den Mittelpunkt. Dabei steht das Bild als konkretes Abbildungsmedium der Schrift und Sprache als abstraktes Zeichensystem gegenüber. Die Systematik arbeitet wesentliche Zeichenmodelle heraus und erklärt die Notwendigkeit, die Existenz und die Verwendung von sprachlichen und bildlichen Zeichen in einem Kommunikationsprozess.
2.1 Zeichenbegriff und Semiotik
„Zeichen bestimmen unser Leben. Dies gilt nicht nur für die sprachlichen Zeichen. Wir sind umgeben von Zeichen, wir umgeben uns mit Zeichen und meist ist uns dies nicht bewußt.“ 8 Diese Feststellung Kellers drückt in kurzen Worten aus, welche Rolle Zeichen im alltäglichen Leben einnehmen.
Zeichen sind Stellvertreter, die auf etwas anderes verweisen und nicht nur für sich stehen. Ihre Relation zu anderen Elementen ist existent und wird im Zeichenprozess erst begründet. Sie sind die Grundelemente einer allgemeinen Zeichentheorie, der Semiotik 9 . Im Alltagsverständnis ist
6 Schmitz (2004), S. 81.
7 Ebd.
8 Keller (1995), S. 14.
9 Die Semiotik verfügt über zahlreiche Aufgabenfelder, deren Anwendung nicht nur auf
die Sprachwissenschaft beschränkt ist. Weitere Forschungsfelder sind beispielsweise
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 14
das Zeichen ein bestimmtes wahrnehmbares Produkt (z. B. Verkehrszeichen), denen eine konventionelle 10 Bedeutung zukommt. Die Beschäftigung mit Zeichen geht aber weit über diese Vorstellung hinaus, da alles als ein potentielles Zeichen behandelt werden kann. 11 Einerseits unterscheidet die Semiotik zwischen natürlichen Zeichen, die in einer kausalen Beziehung zum Bezeichnetem (z. B. Rauch als ein Zeichen für Feuer) stehen, andererseits zwischen künstlichen Zeichen, die auf einer Vereinbarung beruhen (z. B. Symbole). 12 Natürliche Zeichen setzen Zeichenbenutzer oftmals nicht bewusst ein, da sie sich aus außersprachlichen Handlungen ergeben und daher nicht als reine Zeichen erkennbar sind.
Eine allgemeine Theorie der Zeichen existierte bereits schon in der griechischen Antike sowie im Mittelalter. Etymologisch ist der Terminus Semiotik mit den griechischen Wörtern semeion und sema verwandt. In den frühen Jahrhunderten existierte bereits der Begriff der Semiotik, galt aber im griechischen und lateinischen Verständnis noch nicht als die allgemeine Lehre von den Zeichen, sondern nur als ein Teilgebiet der Semiotik, nämlich der medizinischen Lehre von den Symptomen. 13 Die Wurzeln des heutigen Verständnisses über die Semiotik reichen bis zum Anfang des 20 Jahrhunderts zurück. Der amerikanische Philosoph Charles Sanders Peirce, gilt als Begründer der Allgemeinen Semiotik. Seine Theorien dienen als „[...] Grundlage für die Analyse von Zeichensystemen und -phänomenen in Linguistik, Literatur- und Textwissenschaft, Ästhetik, Malerei, Musik und auch in den Kognitions-und Computerwissenschaften.“ 14 Seine Erkenntnisse über die Semiotik gewann Peirce aus der Philosophie. Für ihn stand die Erforschung einer
die Film- und Kunstsemiotik, Zoosemiotik, Architektur- und Mediensemiotik mit
eigenen Thematisierungen. Vgl. Glück (1993), S. 547.
10 Konventionell ist von Konvention abgeleitet und bedeutet Übereinkunft. Das Leben
von Menschen in einer Gemeinschaft bzw. Gruppe ist von Verhaltensregeln bestimmt,
die sie einerseits bewusst und andererseits unbewusst nutzen. Nach Helmut Glück
regelt die Konvention das soziale Verhalten und auf der anderen Seite ist es die „[...]
willkürliche und explizite Setzung bzw. Vereinbarung von sozialen Regeln.“
Glück (1993), S. 335.
11 Vgl. Adamzik (2001), S. 16 ff.
12 Vgl. Bußmann (2002), S. 761.
13 Vgl. Nöth (2000), S. 1.
14 Ebd. S. 69.
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 15
„[...] nach erkenntnistheoretischer Allgemeinheit und sogar
metaphysischer Universalität“ 15 ausgerichteten Semiotik im Vordergrund. In der linguistischen Wissenschaft hat sich die Lehre und Theorie von den allgemeinen Zeichen durch Ferdinand de Saussure etabliert. Bei seinen semiotischen Überlegungen orientierte sich Saussure im Gegensatz zu Peirce stets an dem Modell der Sprache. In seinen Ausführungen bezeichnet er die Sprache als ein System von Zeichen und begründet die noch nicht existierende Wissenschaft der Semeologie 16 , als die allgemeine Zeichentheorie.
Man kann sich also vorstellen eine Wissenschaft, welche das Leben der
Zeichen im Rahmen des sozialen Lebens untersucht; [...] wir werden sie
Semeologie [...] nennen. 17
Peirce interpretativer Charakter und Saussures strukturelle Sichtweise von der Semiotik gelten als die Hauptrichtungen dieser pluralistischen Wissenschaft. Zahlreiche Philosophen und Semiotiker wie z. B. Umberto Eco und Charles Morris oder Louis Hjelmslev haben im 20. Jh. eigene und zum Teil ergänzende Beiträge zur Zeichenwissenschaft veröffentlicht. 18
2.2 Zeichenmodelle
2.2.1 Ferdinand de Saussure
Saussure entwickelte 1916 ein dyadisches Modell 19 des sprachlichen Zeichens, worin er die Vorstellung (Signifikat = Bezeichnetes) und das Lautbild (Signifikant = Bezeichnendes) des Zeichens integrierte. Diese Elemente des sprachlichen Zeichens sind eng miteinander verbunden und
15 Nöth (2000), S. 59.
16 Der Terminus Semeologie (Semiologie) gilt als Synonym für die Semiotik, der Theorie
und Lehre von den sprachlichen und nicht-sprachlichen Zeichen und
Zeichenprozessen. Im Folgenden wird der Terminus Semiotik benutzt.
17 Bally et al. (Hg.) (1967), S. 19.
18 Auf die Arbeiten von Eco und Hjelmslev geht die vorliegende Arbeit nicht weiter ein.
Es sei nur kurz erwähnt, dass Ecos thematischer Schwerpunkt in der
Auseinandersetzung mit der mittelalterlichen Philosophie bis zur Ästhetik der
Avantgarde liegt, die er immer unter dem Aspekt der Theorie der Zeichen untersucht.
Vgl. Nöth (2000), S. 125.
In dieser Arbeit sollen die Modelle und Theorien der Semiotik lediglich als Grundlage
für eine sprachwissenschaftliche Betrachtung im Kommunikationsprozess mit Medien
stehen. Die klassischen Theorien von Pierce sowie Saussure bilden dabei das
Fundament für eine semiotische Linguistik.
19 Nach Saussure hat das sprachliche Zeichen eine dyadische (zweigliedrige bzw.
zweiseitige) Struktur. Im Gegensatz dazu steht das triadische (dreigliedrige)
Semiosemodell von Peirce.
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 16
spielen sich rein geistig ab. Zur Verdeutlichung seiner grafischen Darstellung nimmt er das Beispiel des lateinischen Wortes arbor, was übersetzt Baum heißt. Die Pfeile deuten auf die mentale Verbundenheit der beiden Sprachzeichen hin. Die linke Ellipse zeigt das sprachliche Zeichen des gewählten Beispiels von Baum, während rechts die bildliche Vorstellung von Baum zu sehen ist. Das Lautbild drückt der lateinische Terminus arbor aus. 20
Abb. 1: Das sprachliche Zeichen nach Saussure.
Quelle: Bally et al. (Hg.) (1967), S. 78.
Die Verbindung zwischen Signifikat und Signifikanten definiert Saussure als arbiträr, also beliebig 21 . Er stützt seine Aussage darauf, dass sprachliche Zeichen immer in einem willkürlichen Verhältnis zum Bezeichneten stehen. Die Beliebigkeit der Zeichen verdeutlicht die Übersetzung des Wortes Baum in andere Sprachen, denn die Buchstabenfolge des lateinischen Wortes arbor lautet im Englischen tree und im Französischen arbre. Danach herrscht hier eine arbiträre Zuordnung zwischen Signifikant und Signifikat, „[...] da das Objekt der Realität von Sprache zu Sprache verschieden benannt wird.“ 22 Die Arbitrarität des sprachlichen Zeichens ergibt sich aus der Konventionalität von Sprache, da die Sprachbenutzer innerhalb einer Sprachgemeinschaft Regeln für den Sprachgebrauch unterliegen. Die fundamentalen Verhaltensregeln des Sprachgebrauchs sind die Konventionen einer Sprache.
Saussure schließt im Modell des sprachlichen Zeichens den Bezug auf ein Referenzobjekt aus. „Das sprachliche Zeichen vereinigt in sich nicht einen Namen und eine Sache, sondern eine Vorstellung und ein Lautbild.“ 23
20 Vgl. Nöth (2000), S. 74.
21 Vgl. Bally et al. (1967), S. 79 f.
22 Bußmann (2002), S. 92.
23 Bally et al. (1967), S. 77.
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 17
Seine semiologische Betrachtung arbeitet ausschließlich innerhalb des Systems der Zeichen.
Mit seinem Neuansatz gilt Saussure als Begründer der modernen Linguistik, womit er der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft neue Forschungsgebiete unterordnete. Die bisherige Forschungsrichtung ergänzte er um die Beschreibung der einzelsprachlichen Systeme, die für eine Verständigung innerhalb einer Sprachgemeinschaft notwendig sind. Die bisherigen Forschungsansätze des 19. Jh. untersuchten die Sprachverwandtschaften indoeuropäischer Sprachen, Variationen von Dialekten und dem Sprachwandel.
Für das einzelsprachliche System prägt Saussure den Terminus langue und die grundlegende Sprachfähigkeit definiert er als langage. Zudem beschreibt er in seinen Ausführungen den Begriff parole, dessen Bedeutung nicht nur die mündliche Rede meint, sondern auch den Sprachgebrauch in Texten und Diskursen ausdrückt. Vor Ferdinand de Saussure verfolgte die sprachwissenschaftliche Tradition eine diachronische Ansicht der langue, die aus historischer Perspektive die Sprache als System erforschte. Saussure kritisierte dies und verwies auf den Bedarf nach einer synchronischen Beschreibung, also die Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt betrachten zu können. Die Perspektive der Sprache als System im historischen Wandel stand nun der Betrachtung der Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt gegenüber. 24
2.2.2 Charles Sanders Peirce
Unabhängig von der linguistisch orientierten Semiotik entwickelte der amerikanische Philosoph Peirce das triadische Semiosemodell. 25 Darin nennt er das Zeichen Repräsentamen, welches einen „dynamischen Proze[ss] der Interpretation auslöst.“ 26 Anders als bei Saussure ist das Zeichen hier nicht Element eines Systems und konstituiert sich nicht oppositionell zu den anderen Elementen des Zeichensystems. Peirce Bezeichnung des Repräsentamen entspricht dem Signifikant bei
24 Vgl. Bally et al. (Hg.) (1967) sowie Adamzik (2001), S. 12 ff. sowie Nöth (2000), S. 76.
25 Vgl. Nöth (2000), S. 60.
26 Ebd. S. 62.
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 18
Saussure, was für etwas anderes bzw. für seinen Gegenstand 27 steht. Das Repräsentamen ist wahrnehmbar und ist somit ein Zeichenträger. Als weiteres Korrelat der triadischen Beziehung des Zeichens nach Peirce gibt es das Objekt, auf das sich das Zeichen bezieht. Daraus resultiert die Überlegung, dass das Objekt jenes ist, was das Zeichen repräsentiert. In seinem Zeichenmodell existieren zwei Arten von Objekten, deren Unterscheidung er zwischen unmittelbar und dynamisch bzw. mittelbar definiert. Das unmittelbare Objekt ist jenes Objekt, wie es das Zeichen selbst repräsentiert. Unter dem dynamischen Objekt versteht Peirce das Objekt selbst, das das Zeichen erzeugt. 28 Das triadische Semiosemodell von Peirce ersetzt die altbewährte Bezeichnung der Bedeutung durch den Interpretanten und etabliert somit das dritte Korrelat. Um das Signifikat eines Zeichens zu erkennen, muss ein Interpretant des Zeichens vorhanden sein, der „[...] irgendeine andere auf dasselbe Objekt oder Signifikat bezügliche Darstellung [ist].“ 29 Der Interpretant kann als eine Zeichnung, eine Geste, ein sprachlicher Ausdruck oder eine gedankliche Vorstellung vorkommen, der auf das Zeichen verweist und dieses deutet. Aufgabe des Interpreten ist es nun, eine Verbindung zwischen Signifikant und Signifikat zu erfassen. Tatsächlich ist aber auch der Interpretant ein Signifikant, der für seine eigene Deutung zusätzlich einen Interpretanten braucht. Peirce formuliert den Terminus der Semiose für den Prozess, den das Zeichen beim Interpreten hervorruft und damit eine Kette von Interpretanten auslöst. 30 Ebenfalls unterliegt die Sichtweise über den Interpretanten einer dreifachen Unterteilung. Innerhalb dieser Kategorie differenziert Peirce den unmittelbaren, dynamischen und finalen Interpretanten. Der unmittelbare Interpretant zeigt sich im richtigen Verstehen des Zeichens (= Bedeutung eines Zeichens). Für die eigentliche Wirkung eines Zeichens, bezeichnet Peirce den dynamischen Interpretanten und für das
27 Ugo Volli verwendet den Terminus des Gegenstandes synonym für die Bezeichnung
des Objektes bei Peirce. Die triadische Zeichenrelation tauchte in der Geschichte der
Linguistik und Sprachphilosophie häufig zitiert auf. Daher existieren die
unterschiedlichsten Termini gleichbedeutend für die Bezeichnungen Interpretant,
Repräsentamen und Objekt über Peirce Theorie hinaus, worauf die vorliegende Arbeit
nicht näher eingehen wird.
28 Vgl. Nöth (2000), S. 63 f.
29 Volli (2002), S. 29.
30 Vgl. ebd. S. 27 ff. sowie Nöth (2000), S. 62.
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 19
interpretative Ergebnis durch den Interpreten steht der finale Interpretant. 31
Nachdem die drei Korrelate des Zeichens erklärt sind, beschreibt der nächste Abschnitt in welchen Beziehungen sie zueinander stehen. Peirce verwendet für diese Beziehungen den Ausdruck der Relation. Die Klassifikation der Zeichen ist unterteilt in die so genannten dreifachen Trichotomien:
1. Trichotomie - Zeichenaspekt
Im Blickfeld dieser Kategorie steht die Beschaffenheit des Zeichens ohne jegliche Relation zum Objekt und Interpretanten. Dabei unterscheidet Peirce zwischen Qualizeichen, Sinzeichen und Legizeichen. Das Qualizeichen beschreibt hierbei eine reine Qualität, deren Fähigkeit, ein Objekt zu beschreiben, eine bloße Möglichkeit darstellt. (z. B. Beschreibung von Form und Farbe)
Das Sinzeichen bezieht sich auf ein real existierendes Zeichen, was wirklich als Ding oder Ereignis vorhanden ist. (z. B. Kopfnicken in einer bestimmten Situation oder eine rote Ampel) Das Legizeichen zeichnet sich durch seine gesetzmäßige Gegebenheit aus und entspricht somit einem allgemeinen statt singulären Typ. Jedes konventionelle Zeichen ist ein Legizeichen, von dem Übereinkommen darüber besteht, dass es Bedeutung hat. Die Konventionalität ist dabei aber keine Grundvoraussetzung für einen solchen Zeichentypen. (z. B. das Alphabet oder jedes Wort einer Sprache) 32
2. Trichotomie - Objektaspekt
Diese Grundkategorie beinhaltet das Zeichen in Relation auf sein Objekt als indexikalisches, ikonisches und symbolisches Zeichen. Das Ikon ist ein abbildendes Zeichen, was mit seinem wirklichen oder fiktiven Objekt eine Ähnlichkeit aufweist. (z. B. Foto oder Piktogramme)
31 Vgl. Nöth (2000), S. 64 f.
32 Ebd. S. 65 f.
Abb. 2: Ikon: Verkehrszeichen - Vorsicht Baustelle
Abbildung 2 ist ein typisches Beispiel für ein ikonisches Zeichen. Bei dem Verkehrszeichen Vorsicht Baustelle besteht eine Ähnlichkeit zwischen der auf dem Schild abgebildeten Situation und der Bedeutung des Verkehrszeichens. Die vorhandene Baustelle (reales Objekt) wird durch das ikonische Zeichen bildhaft imitiert. Das indexikalische Zeichen befindet sich in einer kausalen und unmittelbaren Beziehung bzw. Abhängigkeit zum Objekt. Es existiert in keiner abbildenden Funktion zu seinem Objekt, sondern tritt in einer realen Beziehung auf. Das Verhältnis kann auf unterschiedlichen Relationen beruhen, dessen Art und Weise die „[...]Ursache-Wirkung [...], Zweck-Mittel, Konvention-Handlung [...]“ 33 näher beschreibt. Außerdem setzt der Zeichenbenutzer ein Index nicht bewusst ein, sondern es ergibt sich aus den „außersprachlichen Handlungsabläufen.“ 34 (z. B. Ausschlag als Zeichen für eine Krankheit, ein Wegweiser, Rauch der beim Feuer aufsteigt)
Abb. 3: Index: Verkehrszeichen - Wegweiser
Abbildung 3 zeigt einen Wegweiser, der dem Interpreten darauf verweist, dass der Weg nach Hildesheim hier entlang geht. Die Zuordnung von Form und Bedeutung stützt sich auf räumliche und zeitliche Nähe zwischen der Form und der Bedeutung. Das Symbol bezeichnet sein Objekt aufgrund eines Gesetzes und ist somit immer ein Legizeichen.
33 Ernst (2004), S. 191.
34 Ebd.
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 21
Der symbolische Charakter eines Zeichens zu seinem bezeichneten Objekt beruht „weder auf Ähnlichkeit, noch auf einem Ursache-Folge-Verhältnis.“ 35 Für das Verständnis von Symbolen sind die Zeichenbenutzer auf die Übereinkunft untereinander bzw. auf Konventionen angewiesen. (z. B. Laut- und Schriftzeichen der menschlichen Sprache)
Abb. 4: Symbol: Symbol der Weiblichkeit
Beim Symbol der Weiblichkeit stehen Form und Bedeutung in keinerlei unmittelbarer Beziehung zueinander (kein Index), ebenso existiert keine Ähnlichkeit zwischen ihnen (kein Ikon). Der Interpret benötigt eine Übereinkunft (Konvention), um das Zeichen zu verstehen.
3. Trichotomie - Interpretantenaspekt
Hinsichtlich des Interpretantenbezugs ist die 3. Trichotomie in Rhema, Dicent und Argument unterteilt. Nicht nur die Beziehung zum Objekt, sondern auch diejenige zum interpretierenden Zeichen kann unterschiedlich ausfallen. Das rhematische Zeichen ist in der Lage, für sich alleine zu stehen und braucht keinen Bezug zu anderen Zeichen. Daher kann es zwar einen Nachfolger haben, aber es determiniert ihn nicht, ebenso verändert der Nachfolger das Zeichen nicht. 36 Ein Rhema „behauptet nichts, es ist daher für sich allein weder wahr noch falsch.“ 37 (z. B. Wörter, die im Wörterbuch stehen) Im Gegensatz zum rhematischen Zeichen ist das dicentische Zeichen wahrheitsfähig. In seinem Objektbezug ist es bestimmt, aber in seinem Interpretantenbezug noch offen. Zwei visuelle Zeichen sind so miteinander verbunden, das daraus ein Verhältnis zwischen ihnen erfolgt und sie Inhalt einer Kette sind. (z. B. Wörter eines Satzes)
35 Ernst (2004), S. 191.
36 Vgl. Engell (2006), S. 7 f.
37 Ebd.
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 22
In der dritten Unterkategorie bezieht sich Peirce auf das Argument als Zeichen, welches in einem vollständigen Sinnzusammenhang integriert ist, den es darin erklärt und erfüllt. Dieser Komplex setzt Zeichen verschiedenen Typus in Beziehung zueinander. Die Struktur eines derartigen Zeichens kann z. B. logisch, ästhetisch oder ideologisch konstruiert sein. 38
2.3 Das semiotische Dreieck
Nachdem die bisherigen Ausführungen die Zeichenkonstituenten (Korrelate) und deren Zeichenrelationen fokussierten, wird der nachfolgende Abschnitt diese Elemente des Zeichens im semiotischen Dreieck von Ogden und Richards von 1923 zeigen. Hinzuzufügen ist, dass Peirce nie die Konstituenten des Zeichens in Form eines Dreiecks darstellte.
zutreffend*
symbolisiert
(eine kausale Beziehung)
Abb. 5: Das semiotische Dreieck von Ogden et al. (1923)
Quelle: Ogden et al. (1923) zit. n.: Nöth (2000), S. 140.
Das semiotische Dreieck entwickeln Ogden et al. mit anderen Bezeichnungen für die drei Korrelate, die erklärungsbedürftig sind. Das Korrelat des Zeichenträgers benennen sie als Symbol. Den Ort der Bedeutung, bei Peirce als Interpretant bezeichnet, heißt Gedanke oder Bezug. Den Ort des Referenzobjektes betiteln sie als Referent. Die Beziehungen zwischen den einzelnen Korrelaten heben die Autoren durch die unterschiedlich gestalteten Verbindungslinien hervor. Die Basislinie des Dreiecks zwischen Symbol und Referent zeichnen sie gestrichelt, da es sich hierbei um eine indirekte Beziehung handelt. Das
38 Vgl. Engell (2006), S. 8.
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 23
Symbol wird dazu benutzt, um einen Referenten zu vertreten, diese Verbindung heißt Referenz. Anders gesagt: Wenn beispielsweise ein Wort auf das Objekt weist, gibt es noch keine Beziehung vom Wort zum Objekt, da sich erst im Gedanken von jemandem das Wort Bezug zum Objekt verschafft. 39 Der Gedanke oder Bezug bildet sich erst innerhalb eines Gedankensystems und ist das, was im Gedanken dem Wort entspricht. Die Linie zwischen Symbol und Gedanke oder Bezug symbolisiert eine kausale Beziehung, die in Form der Bedeutung vermittelt wird. Ähnlich verhält es sich mit der Verbindung zwischen Referent und dem Gedanken oder Bezug, die ebenfalls kausal miteinander verbunden sind. Die Korrelate des semiotischen Dreiecks verschmelzen beim täglichen kommunizieren untereinander.
Wenn wir über etwas reden, dann verschmelzen der Gegenstand, über
den wir reden, das Wort für diesen Gegenstand und der zugehörige
Begriff in unserem Denken miteinander. 40 Die vorangegangenen Ausführungen werden in der folgenden Abbildung in Form des semiotischen Dreiecks zusammengefasst. Diese Darstellung beinhaltet ein Beispiel für einen Zeichenprozess und zeigt gleichzeitig die unterschiedlichen Interpretationen der Zeichenkonstituenten von Saussure, Peirce und Ogden et al. 41
Abb. 6: Semiotisches Dreieck mit unterschiedlichen Definitionen
Quelle: Eigene Darstellung
39 Vgl. Straub (2001), online.
40 Ebd.
41 Umberto Eco konzipierte ein semiotisches Dreieck, welches die unterschiedlichen
Interpretationen der Zeichenkonstituenten umfasst. Die eigene Abbildung beruht auf
seiner Darstellung. Vgl. Eco (1977), S. 30.
2 Bild, Schrift und Sprache - eine Systematik 24
2.4 Schrift und Sprache als Zeichensystem
Schrift und Sprache als Zeichensystem geht der Fragestellung nach, ob die Schrift überhaupt ein autonomes Zeichensystem ist. Darüber hinaus stellt sich die Frage, in welcher Beziehung Schrift und Sprache aus semiotischer Sicht zueinander stehen. Außerdem spiegelt das folgende Kapitel einen kurzen Abriss der Entwicklungsgeschichte in ihren wichtigsten Phasen wieder.
Aus historischer Sicht ist die mündliche Sprache der Vorläufer der Schrift, dabei ist aber nicht zu vergessen, dass schon die Vorfahren der Menschheit die nonverbale Kommunikation zur Verständigung nutzten. Die Geschichte der Schrift teilt sich in die „phonetische und die semantische 42 Verschriftung.“ 43 In der Geschichte der Schrift sind die semantischen bzw. piktografisch und ideografischen Schriftzeichen älter, als jene der phonetischen Verschriftung.
Die Schriftentwicklung in Vorderasien und Europa blickt auf vorschriftliche Kommunikationsformen von Bilderschriften und schließlich auf Silben- und Lautschriften zurück. Jahrtausende der Menschheitsgeschichte vergingen von den ersten Anfängen der Schrift, den Ideenschriften wie Felszeichnungen, Zähl- und Symbolzeichen bis hin zur Etablierung der Alphabetschriften. Anfänglich existierte eine Bilderschrift ohne jegliche Konvention und erfüllte nur ästhetische Zwecke. Später entstanden daraus solche Bilder die dazu dienten, Gedanken mit zunächst „deskriptivdarstellenden“ 44 Zeichen, später mit „identifizierend-mnemonischen“ 45 Zeichen darzustellen. Die zweite Klassifizierung der Bilder diente als Hilfe zum besseren Merken von Namen, Ereignissen und Objekten. Schließlich kam es zur Systematisierung von Sprache mit der ersten Entsprechung von Lautsprache und Schrift. Auf die ikonischen Schriftzeichen folgten die symbolischen Schriftzeichen, welche zu Buchstabenschriften führten. 46 Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sämtliche Schriftsysteme letztlich aus Piktogrammen entstanden sind. Probleme im Umgang mit
42 Die Semantik untersucht die Wörter und Sätze auf deren Bedeutung und Inhalte hin.
Die vielschichtige Disziplin der Linguistik beschäftigt sich u. a. mit der grammatischen,
lexikalischen, sozialen und deskriptiven Bedeutung.
43 Nöth (2000), S. 349.
44 Gelb (1963) zit. n. Nöth (2000), S. 349.
45 Ebd.
46 Vgl. ebd.
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derartigen Abbildungen in der Mehrdeutigkeit und unzureichenden Ausdrucksmöglichkeiten führten zur Phonetisierung, die etwa 3000 vor Chr. einsetzte. Für den Schreiber stand nun nicht mehr die Bedeutung des darzustellenden Gegenstandes im Vordergrund, sondern dessen Lautwert. Außerdem entdeckten sie das Rebusprinzip, was ihnen die Möglichkeit gab, piktografische und ideografische Zeichen auf die Bezeichnung von Begriffen zu erweitern, die sprachlich homophon mit ihnen waren. 47
Nach der Phonetisierung ging die Schrift in ihre nächste Entwicklungsphase über. Zu deren ältesten Schriften gehören die Keilschrift und die Hieroglyphen. Die Keilschrift übernahmen mehrere Völker des babylonischen Kulturkreises. Die Zeichen der Keilschrift hatten Wort- und Lautwerte. Parallel dazu entwickelte sich in den ägyptischen Reichen (um 3200 - um 700 v. Chr.) die Hieroglyphenschrift. Neben dem System der Hieroglyphen als Bilderschrift, entwickelte sich aber auch dort eine Silbenschrift. Beide Schriften verwendete man auch als Mischform mit phonetisierten Schriftelementen.
Als einschneidender Schritt für die Weiterentwicklung der Schrift gilt das erste Alphabet, das die Phönizier im 2. Jahrtausend v. Chr. schufen. Die Rolle der Schrift breitete sich in ganz Europa und schließlich weltweit aus. Auf Grundlage der phönizischen Schrift basierten nach vielen Wandlungen die Alphabete der griechischen und dann der römischen Kultur. Die lateinische Schrift besitzt noch heute mit wenigen Änderungen Gültigkeit und ist die Schrift, die wir heute schreiben. Ebenfalls ist die Entwicklung der althebräischen Schrift und des arabischen Alphabets auf die Grundlage der phönizischen Schrift zurückzuführen. 48 Bemerkenswert ist auch, dass einige Schriften den Weg von einer Silbenschrift zu einer Buchstabenschrift nicht vollzogen haben. Die chinesische Schrift beispielsweise beinhaltet heute noch immer nichtphonetische Prinzipien der Verschriftung. Deren Anzahl von Schriftzeichen liegt zwischen 2000 und 50 000 Schriftzeichen, die je nach Textart in ihrer Anwendung erheblich variieren. 49
47 Vgl. Nöth (2000), S. 351.
48 Vgl. Presser (2001), S. 55 f.
49 Vgl. Nöth (2000), S. 352.
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Die Frage nach der Abhängigkeit der Schrift und Sprache als Zeichensysteme ist in der semiotischen Wissenschaft kontrovers. Schrift als ein abgeleitetes und sekundäres System steht der Auffassung gegenüber, ein autonomes semiotisches Konstrukt zu sein. Vertreter der „Heteronomie der Schrift“ 50 wie z. B. Saussure, formulieren die sekundäre Funktion der Schrift im Bezug auf die Sprache wie folgt: „Sprache und Schrift sind zwei verschiedene Systeme von Zeichen, das letztere besteht nur zu dem Zweck, um das erstere darzustellen.“ 51 Gegen Saussures heteronome Sichtweise postuliert beispielsweise Derrida 52 in seinen Texten die Autonomie der Schrift.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Schrift weit mehr als eine Ergänzung zur Sprache bzw. des Gesprochenen ist. Sie dient der symbolischen Erkenntnis zum Verstehen und als ‚Speichermedium’, welches durch rationales Denken entscheidend geprägt ist. Allgemein formuliert ist Schrift ein Zeichensystem zur zwischenmenschlichen Kommunikation mit optisch wahrnehmbaren Zeichen. Schrift hat die menschliche Kultur transformiert und die menschliche Kognition von Schrift verändert. „Das Schriftsystem einer Kultur wird nämlich zum semiotischen Modell der Wahrnehmung von und des Wissens über Sprache in dieser Kultur allgemein.“ 53
2.5 Bild als Zeichensystem
Im nächsten Gliederungspunkt betrachtet die vorliegende Arbeit das Verhältnis der Semiotik zu den Medien. Darin wird das Bild als Zeichensystem und als Untersuchungsgegenstand der Sprach- und Literaturwissenschaft etabliert. Nach diesem kurzen Einblick steht das Bild als Zeichensystem im Fokus, dessen Zeichenhaftigkeit eine allgemeine Charakterisierung seitens der Semiotik ist. Zum Schluss blickt das vorliegende Kapitel auf eine Dreiteilung von möglichen Bildbedeutungen. In der Semiotik spielt der Terminus Medium 54 eine Schlüsselrolle, denn in
50 Nöth (2000), S. 359.
51 Bally et al. (Hg.) (1967), S. 28.
52 Derrida (1967 und 1968) zit. n. Nöth (2000), S. 363.
53 Nöth (2000), S. 364.
54 Die Bezeichnung Medium ist vielschichtig und findet Verwendung in den
unterschiedlichsten Wissenschaften und im alltäglichen Gebrauch. Die Vieldeutigkeit
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Kommunikationsprozessen gibt es keine Kommunikation ohne ein Medium. Schon Peirce vertrat die Ansicht, dass selbst Zeichen den Charakter eines Mediums haben. Die Angewandte Semiotik stellt seit den 60er Jahren einen Bezug zur Medienforschung her. Die bisherigen Forschungen über Literatur und Sprache erweiterten die Sprach- und Literaturwissenschaftler auf die Untersuchung von Texten und Sprache im audiovisuellen Kontext. Das Bild ist dabei nur ein Beispiel für diese Ergänzung und steht neben der Erforschung der Fotografie, Werbung, Film und Fernsehen oder der Presse. Eine derartige Medienanalyse geschieht vor einem literaturwissenschaftlich-linguistischen Hintergrund. Texte der Medien bieten eine vielfältige Auswahl an sprachlichen Zeichen, die Nonverbales und Verbales miteinander verbinden. Ebenfalls betten sich derartige Texte in einen kulturellen Zusammenhang, der nicht in einem Kommunikationsprozess mit Medien fehlen darf. 55 Die nachfolgenden Ausführungen beschäftigen sich mit der Zeichenhaftigkeit von Bildern. Das mentale Bild im Kopf bezeichnet das, was für die Vorstellung steht. Im gegenständlichen Bild vereinigt sich das Gezeichnete, Filmische, Gemalte und Fotografische. Peirce Theorien über die indexikalischen, symbolischen und ikonischen Zeichen ermöglichen eine Analyse im Kontext der Medien und einen Einstieg in die Zeichenhaftigkeit, da sie vielseitig anwendbar sind. Die Dichotomie des Bildes beschreibt die Möglichkeit, entweder als ein ikonisches oder plastisches Zeichen aufzutreten. Mit dem Ersteren bezieht sie sich auf ein Abbild der Wirklichkeit in Ausschnitten. Bei der zweiten Sichtweise handelt es sich um die eigene Form bzw. farbliche Gestaltung des Bildes selbst. Beide Bildvarianten stehen in einem oppositionellen
und Komplexität des Gegenstandsbereiches resultiert aus den unterschiedlichen
Interessen der Wissenschaften an diesem Begriff. Aus dem lateinischen übersetzt,
bedeutet der Terminus ‚Mitte’. Aus sprachwissenschaftlicher Perspektive steht der
Begriff besonders im Alt-Griechischen als Mittelform zwischen Aktiv und Passiv und
im Deutschen ist es reflexiv ausgedrückt. Vgl. Bußmann (2002), S. 426.
Jede Kommunikation benötigt ein Übertragungsmedium, welches vielfältig sein kann.
Der Begriff steht auch als Sammelbegriff für die technischen Medien wie Film, Funk,
Presse und Fernsehen, sowie das Internet. Aber auch natürliche
Verständigungssysteme wie die Sprache bezeichnet der Terminus. Für die
vorliegende Arbeit steht der Medienbegriff im Vordergrund, der die individuelle und
gesellschaftliche Kommunikation bezeichnet. Kommunikation benötigt immer ein
Medium, um Informationen zu vermitteln. Vgl. Hickethier (2003), S. 18 ff.
55 Vgl. Nöth (2000), S. 467 f.
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Verhältnis zueinander. 56 Die ikonischen Bilder beinhalten Abbildungen und Nachahmungen 57 der Wirklichkeit. Beide Kriterien gehören zu den klassischen Beschreibungen des Bildes und gehen zurück auf Augustinus. Bei der semiotischen Betrachtung des Bildes am Beispiel des triadischen Zeichenmodells, verweist das Bild auf ein Referenzobjekt, welches im Betrachter eine Vorstellung des Objektes bewirkt. Das Bild selbst fungiert innerhalb des Modells als Zeichenträger, der visuell ist. Plastische Bilder sind ebenfalls vollständige Zeichen, die über eine Ausdrucks- und Inhaltsseite verfügen und primär als Index und Symbol vorkommen. Zu der Inhaltsseite des plastischen Zeichens gehören für den Betrachter bildeigene Kriterien wie Farbe und Form. 58 Nach der ersten allgemeinen Einordnung des Bildes in das Zeichensystem, behandelt der nächste Abschnitt die Termini Denotation, Konnotation und den Begriff der Ikonizität. Der Grund liegt darin, dass diese Termini Basis für eine linguistische Betrachtung des Bildes sind. Der große Einfluss von Peirce auf die Zeichentheorie resultiert daraus, dass er eine Grundlage für die Auseinandersetzung mit visuellen Zeichen setzte, indem er den Begriff der Ikonizität bzw. des Ikons formulierte. In Anbetracht dessen, spricht sich u. a. Stöckl dafür aus, dass Bilder innerhalb der Ikonizität aus linguistischer Sicht als begrenzte, flächige Objekte zu betrachten sind. Ihnen kommt eine kommunikative Absicht zu, die meist ohne Sprache den Inhalt in Texten unterstreicht. 59 Zeichen bzw. Bilder können unterschiedliche Bedeutungsebenen enthalten, deren Unterscheidung die Begriffe Denotation, Konnotation und Assoziation markieren. Die Denotation bezieht sich auf die in einem Bild dargestellten „Objekte, Personen, Sachverhalte und Handlungen.“ 60 Das Erkennen derartiger Denotationen unterliegt Konventionen, deren Vereinbarungen zwischen den Zeichenbenutzern innerhalb einer Kultur verwurzelt sind. Stöckl nennt als weiteres Kriterium beim Verstehen der
56 Vgl. Nöth (2000), S. 473.
57 Das Prinzip der Mimesis drückt in den Künsten die Nachahmung im Sinne des
Philosophen Aristoteles aus, der sich innerhalb der Poetik mit der Mimesis befasste.
Darin gewann er die Erkenntnis, dass die nachahmende Darstellung einer Handlung
das wichtigste Charakteristikum für die Literatur sei.
58 Vgl. Nöth (2000), S. 473.
59 Vgl. Stöckl (2004), S. 93.
60 Stöckl (2004), S. 13.
Arbeit zitieren:
Judith Hampel, 2006, Sprachwissenschaftliche Analyse von Bild, Schrift und Sprache in Print- und Onlinezeitungen, München, GRIN Verlag GmbH
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