Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Darstellung der Grundproblematik des Seminars 3
2.1. Der Mensch als „animal rationale“ 3
2.2. Zwei Grundansätze philosophischen Denkens: Materialismus und Idealismus 4
2.3. Der philosophische Standpunkt 5
2.4. Determinismus und Freiheit 6
2.5. Das Sittengesetz und die Würde des Menschen 7
2.6. Das Problem der Interpersonalität und die Folgerungen
f ür die Sozialphilosophie 9
3. Überleitung 10
4. Das Menschenbild Sigmund Freuds 11
4.1. Der psychische Apparat 12
4.2. Angst und Abwehrmechanismen 14
4.3. Der Mensch als triebgesteuertes und unbewusstes Wesen 14
5. Eigene Betrachtung 16
5.1. Triebsteuerung und Determination als ultimativer Entschuldigungsgrund? 16
5.2. Wo bleibe „ICH“? 17
5.3. Macht das Leben Sinn für die „Maschine Mensch“? 18
6. Schlusswort mit Bezug zur Sozialarbeit 19
7. Literaturverzeichnis 22
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1. Einleitung
Im Laufe der Geschichte stand der Mensch immer wieder staunend vor der Erkenntnis, dass er anscheinend das einzige - zumindest ihm bekannte - Lebewesen auf der Erde ist, das sich selbst die Frage nach dem eigenen ICH stellen kann: Wer bin ich und wer sind die Anderen? So beschäftigte die Spannung zwischen Vernunft und Phantasie, Rationalem und Irrationalem, die Denker seit Generationen mit der Frage: Was ist der Mensch? Die Anthropologie ist jene Wissenschaft, die versucht, dieser Frage nachzugehen, indem sie ihren Fokus auf den Menschen als Ganzes richtet. Denn „erst die Frage nach dem Menschen als solchem und im Ganzen bringt das Problem des Menschen in Sicht“ (Anzenbacher, 2002, S. 250) und ist damit gerade für die Sozialpädagogik von zentraler Bedeutung. Nur wenn wir für uns klären können, was den Menschen ausmacht und was folglich seine Probleme sind, können wir im Sinne unserer Arbeit versuchen, dem Menschen auch ganzheitlich behilflich zu sein. Welche Elemente umfasst also die Gesamtheit des Menschen? Ist er Körper oder Geist? Oder etwa Beides?
Als „Bürger zweier Welten“ (Anzenbacher, 2002, S.251) ist der Mensch ständig der Gegensätzlichkeit beider Pole ausgesetzt, welche in ihm ein grundsätzliches Leib-Seele-Problem auslösen. Da die Klärung dieser Problematik sowohl zum Verständnis des Menschen als Ganzes, wie auch für sozialpädagogisches Arbeiten, elementar wichtig ist, werde ich diese im ersten Teil der Seminararbeit innerhalb verschiedener Ansätze - gleichzeitig auch als Zusammenfassung der Grundproblematik des Seminars - darstellen.
Im zweiten Teil der Arbeit, widme ich mich einer speziellen Sicht auf den Menschen, für die ich das Menschenbild Sigmund Freuds gewählt habe. Nach einer eigenen Betrachtung seiner „Psychoanalyse“, werde ich abschließend der Frage nachgehen, inwieweit einzelne Elemente daraus für die sozialpädagogische Praxis relevant sein könnten.
2. Darstellung der Grundproblematik des Seminars
2.1. Der Mensch als „animal rationale“
Bei dem Versuch, die Frage nach dem Menschen zu klären, trifft man, wie schon erwähnt, auf zwei Bereiche, die nicht gegensätzlicher sein könnten: Psyche und Physis. Als sogenanntes animal rationale vereinigt der Mensch beide dieser Komponenten in sich -
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wobei diese Beschreibung des Menschen als denkendes, vernunftbegabtes Sinnenwesen, bereits auf Aristoteles zurückgeht.
Danach besitzt und vereinigt der Mensch in sich sowohl physische Gegebenheiten - wie seinen eigenen Körper, seine Sinnlichkeit und Vegetativität, als auch psychische Fähigkeitenseinen Verstand, Selbstbewusstsein - und gehört damit sowohl der materiellen, wie auch der geistigen Wirklichkeit an.
Wenn aber Psyche (Transzendentalität) und Physis (Animalität) zwei grundunterschiedliche Kategorien darstellen - wie kann der Mensch da beides sein - wie ist es ihm möglich, aus zwei, sich gegenseitig ausschließenden Polen, eine personale Einheit zu bilden? Eine vorläufige Antwort kann nur in einer Parallelität beider Elemente gesehen werden: So bietet der Dualismus dieser beiden Komponenten eine Analogie ohne Lösung. Mag der Mensch in biologischer Hinsicht auch ein Tier sein - er ist ein besonderes Tier: Eines, das in der Lage ist, über sich selbst nachzudenken, sein Handeln zu planen und nach seinem Sinn in der Welt zu fragen. So lebt und erlebt der Mensch sein Leben nicht nur, sondern vermag auch, dieses zu reflektieren, seine Chancen in der Welt, aber auch Grenzen seiner eigenen Existenz zu rationalisieren. Es bleiben dennoch folgende Fragen offen: • Gewinnen wir unsere Erkenntnisse von der Welt durch Sinneserfahrungen oder durch die Vernunft?
• Sind alle Gegebenheiten der uns umgebenden Welt auf die Materie reduzierbar und genügen damit rein materiellen Prinzipien oder wird letztendlich alles durch geistige Prinzipien determiniert?
Seit der Antike kennt die Philosophie darauf zwei, sich widersprechende Antworten, die im Folgenden erläutert werden.
2.2. Die zwei Grundansätze philosophischen Denkens: Materialismus und Idealismus 1. Der Materialismus (auch Realismus oder Naturalismus) deutet „die Welt von unten“ (Wuketits, 1987, S. 27): Bei der materialistischen Weltsicht ist letztendlich alles auf die Materie (sinnlich erfahrbare Außenwelt) zurückführbar, welche die einzige Wirklichkeit darstellt. Dies wurde erstmals in der griechischen Philosophie postuliert, wonach sogar die Seele aus kleinsten, im Körper umherschwirrenden Atomen besteht. Für den Menschen bedeutet dies, dass er aufgrund seines Körpers - seiner räumlichen Ausdehnung - existiert; sein Geist kommt einer materiellen Ableitung gleich.
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Der strenge oder krasse Materialismus geht sogar, indem er die sinnlich erfahrbare Welt als einzige Realität ansieht, davon aus, dass es überhaupt keinen Geist gibt. 2. Der Idealismus (auch Rationalismus oder Spiritualismus) deutet nach Wuketits (1987, S.29) die Welt „von oben“: Alle materiellen Phänomene sind nach idealistischem Weltverständnis „Erscheinungsformen des Geistes“ und „Dinge nur Abbilder von Ideen“. Der Geist vermittelt in Form von Vorstellungen, Willenssetzungen und Vernunft die eigentliche Realität und erklärt damit auch das Körperliche. Erst durch das ICH mit seinen Vorstellungen wird die Realität erfahrbar.
2.3. Der philosophische Standpunkt
Selbst wenn der realistische Standpunkt aus idealistischer Sicht zunächst als normal bzw. naturgegeben vorhanden scheint - weil auch die Vernunft zuerst das fixiert, was sinnlich wahrnehmbar ist - eignet er sich dennoch nur bedingt als Grundlage philosophischer Betrachtung.
Denn er ist dem Menschen eben nur durch dessen Vorstellungsvermögen (Geist, Vernunft) zugänglich - realistische Gegebenheiten würden - ohne vom Menschen wahrgenommen zu werden - für diesen eigentlich nicht existieren. Seine selbstverständliche, gewohnheitsmäßige Erscheinung verdankt er einzig der „sinnlichen Fixiertheit “ (Skript Dr. Gerten) des Menschen - da es ihm leichter möglich ist, Phänomene der materiellen Umwelt wahrzunehmen, als in sich selbst hineinzuhören und den eigenen Geist als gegeben zu realisieren. Bevor ich also etwas sinnlich wahrnehmen oder mir vorstellen kann, muss ich überhaupt die Möglichkeit einer Vorstellung davon haben, ob es überhaupt etwas wahrzunehmen gibt: Keine Vorstellung ohne Denken und umgekehrt.
Mein Sein und Wahrnehmen wird schließlich durch meinen denkenden Geist, mein ICH, bestimmt. Der Mensch ist, da er sich von allen anderen Lebewesen unterscheidet, erst Mensch, indem er denkt - oder wie Descartes dies auf einen Punkt bringt: „Cogito ergo sum!“ (Descartes: Meditationen über die Erste Philosophie) Ich denke - also bin ich: Indem ich mein Gehirn einschalte und davon Gebrauch mache, ist mein Da-sein als Mensch überhaupt erst begründet. Das bedeutet auch, dass ich mir etwas Unbegrenztes denken kann, um mich selbst als begrenzt zu erleben. Schließlich ist mir die Materie ohne Bewusstsein nicht zugänglich - auch wenn ich noch so viele Sinnesempfindungen hätte.
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Wahrnehmen kann ich aber nur, indem ich Subjekt meines Bewusstseins bin und mich, auf ein bestimmtes Ziel hin, zum Denken bestimme (logisch fundamentale Dreiheit).
2.4. Determinismus und Freiheit
Obgleich die meisten Menschen wohl davon überzeugt sein werden, im Besitz eines freien Willens zu sein, mit dessen Hilfe sie eigene Entscheidungen treffen und die Zukunft nach ihren Wünschen gestalten können, sind sie gleichzeitig auch davon überzeugt, dass Ereignisse Ursachen und Wirkungen haben, die den Gesetzmäßigkeiten der Natur, bzw. der Umwelt unterworfen sind.
Im alltäglichen Leben scheint dies für uns Menschen kein Problem darzustellen und wir gehen mit beiden Werten um - je nachdem, wie es die momentane Situation von uns erfordert. Als Körper betrachtet, ist der Mensch ein Teil der Natur - und damit, wie alle anderen Körper auch - Naturgesetzen unterworfen.
Das bedeutet - ganz praktisch: Lehnt sich ein Mensch im 37. Stockwerk eines Hochhauses zu weit aus dem Fenster, wird er nach den Gesetzen der Schwerkraft mit großer Sicherheit herunterfallen und höchstwahrscheinlich zu Tode kommen - ob er will oder nicht - denn innerhalb der Ursache- und Wirkungszusammenhänge der physischen Natur, welche sich außerhalb unserer selbst befindet, ist kein Platz für einen freien Willen. Der Stürzende kann im Moment des Fallens vielleicht wollen (und dazu hat er auch die Freiheit), nicht zu fallen - aber dieser Wille wird ihm letztendlich - in Bezug auf sein physisches Ende - nichts nützen.
Auch für die innere - psychische Natur des Menschen - scheint jeder Wirkung eine Ursache vorausgegangen zu sein; sie ist determiniert - beispielsweise durch Triebe (dies thematisiere ich bei Freuds Menschenbild noch einmal gesondert) oder Anforderungen der Umwelt. Frei sein - kann der Mensch als Lebewesen also nicht - weder innerlich noch äußerlich, da seine Natur - auch die in ihm, bestimmten Gesetzmäßigkeiten unterliegt. Wie kann der Mensch aber dennoch frei sein?
Freiheit ist etwas Absolutes und damit nur geistigen, reflektierenden, vernunftbegabten Subjekten gegeben. Sie ist nicht einfach nur vorhanden, sondern muss sich von jedem Individuum selbst erarbeitet werden.
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Arbeit zitieren:
Martina Sedlatschek-Dussling, 2004, Zwischen Trieb und Freiheit - Das psychoanalytische Menschenbild des Sigmund Freud, München, GRIN Verlag GmbH
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