1. Einleitung
Der berühmte Philosoph und Theologe Aurelius Augustinus hat entscheidend das Denken des christlichen Abendlandes geprägt. Sein Einfluss auf die Literatur, die bildende Kunst und die Philosophie ist bis heute allgegenwärtig.
Zu Beginn des 5. nachchristlichen Jahrhunderts begegnen wir einem Mann, zu dessen Lebenszeit sich der Wandel von antiker Tradition zur prägenden christlichen Kultur im Mittelalter als persönliches Ereignis beobachten lässt. Aus diesem Grund ist es wichtig sich im Vorfeld mit der damaligen politischen und gesellschaftlichen Situation zu befassen.
Nach dem Wirken Diocletians (284-305) und Constantins (306-337) hat sich das römische Reich neu begründet. Das oströmische Reich wurde durch die herrschende Schicht unterdrückt. Durch verschiedene soziale Unruhen, wie die Aufsässigkeit des Proletariats in manchen Gebieten sowie durch den Ansturm der Barbaren von außen, fiel im 5. Jahrhundert das römische Kaiserreich. 1 Die Vandalen durchzogen ganz Europa bis nach Spanien und Gibraltar. Dort zerstörten sie auch in Nordafrika und Karthago die römische Herrschaft. Später wurde auch Augustinus’ Bischofsstadt Hippo belagert. Trotz dieser politischen Wirren lebte Augustinus auch in einer Zeit, in der das Christentum mit der Bekehrung Constantins unwiderruflich Staatsreligion geworden war. Die christliche Idee wiesen sowohl die Aristokratie als auch die Bauern jedoch immer noch zurück. 2 Das 5. Jahrhundert nach Christus kann trotz allem als ein goldenes Zeitalter der Wissenschaft und Kunst bezeichnet werden, denn Kirchenväter und Mönche brachten bedeutende nachklassische Werke hervor. Es erscheint sinnvoll sich mit dem Lebenslauf und der Grundausbildung Augustinus zu beschäftigen, denn sie beeinflussten sein späteres Denken und seine Werke in entscheidender Weise.
1 H. J. OESTERLE, Augustinus- Leben, In: Lexikon des Mittelalters (München/Zürich 1980) 1223.
2 W.v. LOEWENICH, Augustin. Leben und Werk (Hamburg/München 1965) 29.
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Die folgende Seminararbeit will den Versuch unternehmen, diesbezüglich Aussagen zu treffen und seine Biografie näher in den Blick zu nehmen.
Vorwiegend aus Erkenntnissen des 20. Jahrhunderts geht hervor, dass gerade Geschehnisse in kindlichen und jugendlichen Entwicklungsphasen für die erwachsene Persönlichkeit prägend sind und den gesamten Lebensweg stark beeinflussen. 3 Auch das Leben des Augustinus´ war gekennzeichnet durch starke Veränderungen sowohl in theologischer als auch persönlicher Hinsicht.
3 J. PIAGET, Die sozialen Faktoren der geistigen Entwicklung (Frankfurt 1970).
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2. Quellenlage
Im Gegensatz zu den meisten Persönlichkeiten der Antike und der alten Kirche sind unsere Einblicke über Augustinus sehr ausführlich. Die ausgezeichnete Quellenlage ist unter anderem auf die autobiographische Literatur zurückzuführen. Augustinus verfasste sein Werk Confessiones -Bekenntnisse, welches zwischen Ende 397 und 401 fertig gestellt wurde. 4
Diese außerordentliche, philosophisch-religiöse Selbstdarstellung ist in dreizehn Bücher eingeteilt. Augustinus hatte in ihr seinen Werdegang von frühester Jugend bis zu seiner Bekehrung zum Christentum verarbeitet. Er bekennt seine Sünden und die Abwendung von Gott in seinen frühen Lebensjahren. Im Grunde ist das Werk eine theologische Anthropologie, mit deren Hilfe Augustinus sein eigenes Leben und das Leben eines jeden Menschen interpretiert. 5
Neben den Confessiones dienten auch Augustins Bücher, Briefe und Predigten als Quelle. Im Jahre 426/427 verfasste er die so genannten Retractationes- Nachprüfungen, welche beachtliche Informationen über sein Leben beinhalten. 6 In diesen hat er jedes einzelne seiner Werke durchgesehen und gegebenenfalls Korrekturen vorgenommen, was in dieser Form einzigartig in der Geschichte ist. Es gibt Informationen zur Chronologie, Echtheit, Titeldiskussionen sowie Einblicke in die Entwicklungslinien Augustins´ Denken.
Einige biographische Informationen erhalten wir auch aus Augustins´ De beata vita, welche die Reflexion eines wichtigen Lebensabschnittes in seinem Leben beinhaltet. In Form eines Protokolls beschreibt er ein dreitägiges Gespräch zwischen ihm und Freunden, Schülern, Vettern, seinem Bruder, seiner Mutter sowie seinem Sohn Adeodatus. In der Hauptsache wurde über die Bedeutung des Philosophierens diskutiert.
Durch geschicktes Befragen seiner Gesprächspartner versuchte er dabei deren Standpunkte herauszufinden und zu eruieren, ob sie seine Ansichten zu teilen bereit waren.
4 TH. FUHRER, Augustinus (Darmstadt 2004) 14.
5 W. GEERLINGS, Augustinus. Leben und Werk (Paderborn 2002) 36.
6 A. AUGUSTINUS, Sancti Aurelii Augustini retractionum libri duo (Wien 1902).
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Des Weiteren erhalten wir wertvolle autobiographische Informationen in der S. Aurelii Augustini Hipponensis episcopi vita, welche von einem Zeitgenossen und Vertrauten Augustins`, Bischof Possidius von Calama, stammt.
Die vorliegende Arbeit bezieht sich überwiegend auf die Confessiones, sofern sie autobiographische Stoffe verarbeiten. Die verwendeten Abkürzungen folgen dem Schlüssel des AL. 7
7 AL, hg. von C. P. MAYER, Vol. 1 Fasc. 1 (Stuttgart 1986).
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3. Zur Biografie
Nach römischer Auffassung wurde die Lebenszeit eines Menschen in sieben Altersstufen eingeteilt. Generell unterschied Augustinus seine Lebenszeiten nach Begebenheiten, die vor der eigenen Erinnerung liegen, die infantia und pueritia und in Ereignisse die eine deutliche Erinnerung besitzen, die adulescentia. 8
3. 1. infantia und pueritia
Augustinus wurde am 13. November („idibus novembribus mihi natalis dies erat“) 9 354 in der kleinen nordafrikanischen Stadt Thagaste geboren, welche zur römischen Provinz Numidien gehörte, die am Rande des Römischen Reiches lag. 10
„ex provincia ergo Africana, civitate Thagastensi, de numero curialium parentibus honestis & christianis progenitus erat; alitusque, ac nutritus eorm cura & dilligentia impensisque, secularibus litteris eruditus apprime, omnibus videlicet disciplinis imbutus, quas liberales vocant.” 11
Es ist bekannt, dass zur Zeit seiner Geburt der Vater Patricius noch Heide war. Augustinus besaß kein großes Vermögen und war ein Mitglied der städtischen curia. 12 Zwar achtete Augustinus seinen Vater gebührend, empfand jedoch ihm gegenüber keine besondere Zuneigung oder Liebe.
Vielmehr beschreibt er ihn als jähzornigen und untreuen Mann. Im Gegensatz dazu spielte seine Mutter Monnica eine besondere Rolle und hatte einen größeren Einfluss auf die geistige Entwicklung und Erziehung ihres Sohnes.
Sie war gläubige Katholikin und erzog ihre nicht getauften Kinder christlich: „audieram enim ego adhuc puer de vita aeterna promissa nobis per humilitatem domini dei nostri descendentis ad superbiam nostram, et signabar iam signo crucis eius, et condiebar eius sale iam inde ab utero matris meae, quae multum speravit in te.“ 13
8 Die Confessiones des Augustinus von Hippo. Einführung und Interpretation zu den 13 Büchern, hg. von N. FISCHER; C. MAYER (Freiburg 1998) 87.
9 Beata v. 6.
10 C. HORN, Augustinus (München 1995) 13.
11 S. POSSIDIUS 1,1.
12 LOEWENICH 28.
13 Conf. I, 11, 17.
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Quote paper:
Susanne Schröder, 2006, Augustinus von Hippo - Jugend und Erziehung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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