Vorwort
Während meines Studiums und dem Entstehen dieser Arbeit boten mir etliche Personen stets ihre Unterstützung an, denen ich an dieser Stelle nun meinen aufrichtigen Dank aussprechen möchte.
Mein besonderer Dank gilt meinen Diplomarbeitsbetreuern Mag. Gerhard Stiegler und Mag. Herbert Kohlmaier, die mich während dieser Arbeit unterstützten und immer Zeit für Fragen hatten.
Bedanken möchte ich mich auch bei meinen Freunden und Studienkollegen, bei meinem Freund Jürgen Zechner, bei meiner Korrekturleserin Mag. Sigrun Schuller und bei meiner Schwester Mag. Birgit Edtbauer, die mir beim Layout dieser Arbeit half.
Schließlich möchte ich mich bei meiner Familie bedanken, die mir während meiner Studienzeit Rückhalt gegeben hat.
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INHALTSVERZEICHNIS
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 6
2. Geschichte 7
2.1. Eroberung Südamerikas 9
2.2. Eroberung Asiens 10
2.3. Eroberung Afrikas 12
2.4. Folgen des Kolonialismus 14
3. Kaffee 16
3.1. Geschichte der Verbreitung des Kaffees 16
3.2. Die Kaffee-Anbaugebiete der Welt 21
3.3. Der Handel mit Kaffee 21
3.4. Das schaurige Märchen vom Kaffeekönig und dem Campesino Pedro 24
4. Tee 26
4.1. Geschichte des Tees 27
4.2. Verbreitung des Tees 30
4.3. Der Handel mit Tee 31
5. Kakao 33
5.1. Herkunft und Verbreitung 33
5.2. Handel mit Kakao 37
6. Der faire Handel 38
6.1. Definition des fairen Handels 38
6.2. Geschichte des fairen Handels 39
6.3. Worum geht es beim fairen Handel 40
6.4. Die Ziele des fairen Handels 40
6.5. Fairer Handel - Vorteile für Produzenten und Konsumenten 41
6.6. Fachgeschäfte für Lebensmittel aus ökologischem Anbau und fairem
Handel - Siegel und Kennzeichen 42
7. Fairtrade 44
7.1 Geschichtliche Entwicklung des fairen Handels 45
7.2. Label-Initiativen 46
7.3. Label-Entwicklung In Österreich 46
7.4. Fairtrade Kriterien 48
7.5. Fairtrade Vertriebskanäle 50
7.6. Fairtrade Marktanteile 51
7.7. Fairtrade in Zahlen 51
7.8. Internationale Fairtrade Dachorganisationen 52
7.9. Der Erfolg von Fairtrade 54
7.10. Ökologie und Fairtrade 54
7.11. Kaffee, Tee und Kakao (Schokolade) 55
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INHALTSVERZEICHNIS
7.11.1. Kaffee 55
7.11.2. Tee 56
7.11.3. Kakao (Schokolade) 58
8. EZA
Entwicklungszusammenarbeit mit der Dritten Welt 60
8.1. Leitsätze der EZA Dritte Welt 60
8.2. Kriterien für die Projektpartner der EZA 61
8.3. Maßnahmen zur Förderung 63
8.4. Die EZA als Handelspartner des fairen Handels 64
8.5. Partner der EZA 65
8.6. Vertriebskanäle der EZA 65
9. Die Max Havelaar-Stiftung (Schweiz) 67
9.1. Ziele 67
9.2. Das Max Havelaar-Gütesiegel 68
9.3. Funktionsweise und Produkte der Stiftung 69
9.4. Die internationalen Fair-Trade Standards 69
9.5. Qualitative Ergebnisse 70
9.6. Max Havelaar und andere Initiativen 71
10. ARGE Weltläden 72
10.1. Aufgaben der ARGE Weltläden 72
10.2. Ziele der ARGE Weltläden 73
10.2.1. Warenverkauf 73
10.2.2. Information und Bildungsarbeit 74
10.2.3. Politische Aktionen 74
10.2.4. Produktauswahl 74
10.2.5. Kooperation mit Institutionen des fairen Handels und der
Entwicklungszusammenarbeit 74
10.3. Kriterien für Weltläden 75
10.4. Entwicklung und Perspektiven 76
11. Welthaus 78
12. Schlussbetrachtung 80
Literaturverzeichnis 81
4
INHALTSVERZEICHNIS
Abbildungsverzeichnis
Abb. Titel Seite
2.1 Ankunft des Christoph Kolumbus in San Salvador 8
2.2 Europäische Besitzungen in Amerika im 18 Jhdt. 10
2.3 Asien um 1914 12
2.4 Afrika um 1914 14
3.1 Ursprung des Kaffees und seiner Verbreitung 20
3.2 Kaffee-Anbaugebiete 21
3.3 Angebot und Nachfrage des Kaffees weltweit 23
4.1 Ursprung des Tees in Asien und seine Verbreitung über die Erde 31
5.1 Ursprung des Kakao 36
6.1 Einkaufen verändert die Welt 38
7.1 TransFair / Fairtrade Logo 47
7.2 Das Kontrollsystem 49
7.3 Fairtrade Umsatz 2003 nach Produktgruppen in Österreich 52
8.1 Anteil am Umsatz 66
9.1 Max Havelaar Gütesiegel 68
10.1 ARGE Weltläden Logo 73
10.2 Umsatzentwicklung der ARGE Weltläden 77
Tabellenverzeichnis
Tab. Titel Seite
3.1 Aufschlüsselung des Kaffeepreises 23
4.1 Pro-Kopf Verbrauch nach Ländern (1985 ) 27
5.1 Rohkakao im weltweiten Vergleich 35
7.1 Fairtrade Marktanteile in Österreich 2003 51
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1. Einleitung
Bereits während meiner Schulzeit befasste ich mich mit dem Thema des fairen Handels. Ich wählte dieses Thema auch als Spezialgebiet für meine Matura in Geographie und Wirtschaftskunde.
Am Ende meines Studiums wählte ich dieses Thema für diese Diplomarbeit erneut, um mich intensiver mit dem fairen Handel zu befassen. Ein besonderes Anliegen waren mir die Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten, welche durch eine globalisierte Welt entstehen und entstanden sind, aufzuzeigen und den Grund ihrer Entstehung näher zu beleuchten.
Der Beginn dieser Arbeit soll einen Hintergrund zu dem Thema schaffen. Dabei wird die Geschichte der Kolonialisierung behandelt. Hierbei wird die Geschichte der Kontinente Südamerika, Afrika und Asien in Kontext mit dem Welthandel gestellt. Weiters werden die Exportgüter (Kaffee, Tee und Kakao) aus den ehemaligen Kolonialländern, die noch immer einen wichtigen Stellenwert für das Bruttoinlandsprodukt der betreffenden Länder haben, näher beschrieben. Der Hauptteil dieser Arbeit befasst sich mit Organisationen, die eben diese ehemaligen Kolonialwaren fair, das heißt zu einem gerechten Preis handeln und verkaufen, anbieten. Einer näheren Betrachtung werden die Organisationen Fairtrade, Max Havelaar, EZA und den ARGE Weltläden unterzogen.
Die Autorin bekennt sich zur Gleichberechtigung der Geschlechter. Aus Platzgründen und um die Arbeit besser lesbar zu machen, wird in den folgenden Kapiteln die maskuline Form verwendet.
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2. Geschichte
Schon lange vor dem so genannten Entdeckungszeitalter, dem 15. und 16. Jahrhundert nach Christus, beschränkten sich die geographischen Kenntnisse der antiken Kulturvölker nicht nur auf den Mittelmeerraum und auf Vorderasien. Entdeckungs- und Handelsfahrten der Phöniker, Araber, Griechen, Inder und Chinesen hatten vielmehr einen weltweiten wirtschaftlichen Austausch geschaffen, in dem nur noch Nordostasien, die beiden Teile Amerikas und die Südspitze Afrikas völlig unbekannt waren. Die Kaufleute unternahmen die waghalsigsten Entdeckungsfahrten auf ihren kleinen, nur für die Küstenfahrt ausgerüsteten Schiffen, und legten ohne Zweifel die weitesten Strecken auch auf den Weltmeeren zurück. Sie entdeckten aber nicht nur die Meere und ihre Küsten, weite und entbehrungsreiche Reisen führten die Kaufleute der „Alten Welt“ tief ins Innere der Kontinente, ja selbst über die höchsten Gebirge hinweg zu den noch unerschlossenen Schätzen der Erde. 1
Die Geschichte der europäisch-überseeischen Beziehungen ist bis zum Beginn des vorletzten Jahrhunderts weitgehend als Entdeckungsgeschichte verstanden und beschrieben worden. Das zivilisatorische Sendungsbewusstsein des imperialistischen Zeitalters begünstigte diese Sichtweise, welche die Leistung des weißen Forschungsreisenden als notwendige Vorstufe kolonialpolitischer Einflussnahme, wirtschaftlicher Erschließungen und Ausbeutung begriff. Mit dem Akt der Entdeckung hatte der Europäer, so meinte man, dem überseeischen Territorium erst eigentlich zu seiner überlieferungswürdigen Existenz verholfen. Dem zu folge ließen die Historiker ihre Darstellung zu dem Zeitpunkt beginnen, da der europäische Seefahrer erstmals seinen Fuß an Land gesetzt hatte. In solch einer Perspektive erschien die überseeische Kultur nicht als Phänomen von selbstständiger Bedeutung, sondern lediglich als der mehr oder minder gefügige Rohstoff in den Händen des kolonisierenden Europäer. 2 Die Europäer verhielten sich zu Beginn der überseeischen Kulturberührungen zumeist sehr friedlich, was aber nicht bedeutete, dass man den Vormachtsanspruch aufgegeben hätte. Denn ganz im Gegenteil: Alles, was die Europäer nach ihrem Eintreffen an fremden Küsten unternahmen, zielte darauf ab, klarzustellen, dass mit ihrer Präsenz eine neue und letzte Instanz auf den Plan getreten war. Bereits bei der Landung und beim Betreten der fremden Küste achtete man auf ein bestimmtes Zeremoniell, sowohl um sich selbst die Bedeutung der Entdeckung, die durch die Konstruktion des Finder- 1 vgl.Berneck Ludwig, 1964, Kaufleute erobern die Welt, Wien, Seite 79.
2 vgl. Bitterli Urs, 1992, Alte Welt - Neue Welt, München, Vorwort.
7
rechts nahezu einem Akt der Besitzergreifung gleichkam, vor Augen zu führen als auch um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen und Respekt einzuflößen. Sie feuerten Salutschüsse ab, setzten Flaggen, kleideten sich besonders prächtig und formierten einen Cortege aus den wichtigsten Persönlichkeiten an Bord, der zuerst das neue Land betrat. Besonders berühmt ist die Ankunft des Christoph Kolumbus auf der Insel San Salvador, welche später vom Kupferstecher Theodor de Bry festgehalten wurde (siehe Abb. 2.1). 3
Es gibt keinen Zweifel, dass die Spanier in der Abwicklung solcher Zeremonielle eine herausragende Meisterschaft entwickelten. Ihren grotesken Höhepunkt erreichten solche Akte potenzieller Besitzergreifung, wenn den anwesenden Eingeborenen das so genannte „Requerimiento“ feierlich vorgetragen wurde, ein halb mahnendes und halb drohendes Angebot, sie möchten sich als getreue Untertanen der Krone unterwerfen. Auch wenn später gelegentlich Dolmetscher eingesetzt wurden, verstand natürlich niemand unter den Eingeborenen auch nur annähernd den Sinn dieses Rituals, was seinen Respekt einflößenden Charakter noch verstärkte. Doch nicht nur die Spanier, auch die Portugiesen, Franzosen und Engländer traten in ähnlicher Weise auf und es war klar, dass man bei solch einer Feierlichkeit bereits an die handfesten Profite dachte, die man aus dem Umgang mit den Eingeborenen zu ziehen hoffte. 4
3 vgl. Bitterli Urs, 1992, Alte Welt - Neue Welt, München, Seite 21.
4 vgl. Bitterli Urs, 1992, Alte Welt - Neue Welt, München, Seite 21.
8
2.1. Eroberung Südamerikas
Die Entdeckung und Inbesitznahme Lateinamerikas, die mit der Landung der kleinen Flotte von Kolumbus im Oktober 1492 auf einer der Bahamainseln begann, erfolgte in zwei Schüben. Während der ersten Etappe, die etwa bis 1508 dauerte, brachten die Spanier die Antillen unter ihre Kontrolle und erkundeten die zentral- und südamerikanischen Küsten. Nachdem sie sich auf diese Weise in der Neuen Welt eine sichere Operationsbasis geschaffen hatten, vollzog sich die eigentliche Eroberung Zentral- und Südamerikas in einem atemberaubenden Tempo. Mit der raschen Ausdehnung des spanischen Machtbereichs in Mittel- und Südamerika veränderten sich auch die Pläne über die Art der Beherrschung und Durchdringung der eroberten Gebiete. Sollten ursprünglich, entsprechend dem portugiesischen Vorbild, nur Handelsstützpunkte gegründet werden, so entstanden nun regelrechte Siedlungskolonien. Die erste Stadt, deren Bürger nicht nur als Händler gekommen, sondern in erster Linie an Landbesitz interessiert waren, war Santo Domingo auf der Insel „Hispaniola“ (heute: Dominikanische Republik). Sie diente als Ausgangspunkt zahlreicher weiterer Unternehmungen und bildete das Muster für spätere Stadtgründungen. Die Siedler strebten vor allem nach Gold, Arbeitskräften und Land. Das wirtschaftliche Interesse sowohl der Krone als auch ihrer Untertanen galt aber in erster Linie den Edelmetallschätzen des neuen Kontinents, bis etwa 1560 dem Gold, danach dem Silber. Die Gold- und Silberfunde lockten aber auch die Briten, Franzosen und Holländer und in den Randzonen Lateinamerikas gelang es ihnen Handelsstützpunkte zu errichten (siehe Abb. 2.2). Nachdem man den Indios allen Schmuck und alle Gold- und Silbervorräte weggenommen hatte, begann man systematisch nach dem Edelmetall zu suchen beziehungsweise diese in Bergwerken zu fördern. 5
In der Nähe der Städte entstanden allmählich große landwirtschaftliche Güter, Haciendas oder Estancias genannt, die den städtischen Markt mit Getreide und Fleisch belieferten. Je nach Größe, Art der Arbeitsbeziehungen und Verhältnis zur indianischen Eigenwirtschaft bildete sich eine Vielfalt von Latifundien heraus, wie sie vor allem im Inneren Kolumbiens und Venezuelas sowie auf den Hochebenen Mexikos und des Andenraumes anzutreffen sind. Im Allgemeinen war für sie eine Tendenz zu großflächiger Bewirtschaftung bei geringer Produktivität und Binnenmarktorientierung kennzeichnend. Dadurch unterschieden sie sich von den vor allem in den Küstenzonen der
5 vgl. Waldmann Peter, 1990, Lateinamerika, Informationen zur politischen Bildung, München, Francis.
9
Andengebiete und Brasiliens, sowie auf den Antillen verbreiteten Plantagen. Diese Plantagen sind auf den Export ausgerichtet, eine kapital- und arbeitsintensive Form der Bodenbewirtschaftung, bei der auf der Basis von Sklavenarbeit in Monokultur Güter wie Zucker, Tabak, Kakao und Baumwolle produziert wurden. Die Kolonialherren ließen sich dafür afrikanische Sklaven ins Land holen, vor allem nach Brasilien und auf die Karibikinseln, aber auch in Gebiete auf dem spanisch-amerikanischen Festland. 6
2.2. Eroberung Asiens
Um 1500 betrieben Kaufleute aus Europa bereits seit über 1.000 Jahren Warenhandel auf dem Landweg über Eurasien oder auf dem Seeweg über den Indischen Ozean mit Asien. Im Jahr 1498 unternahmen drei portugiesische Schiffe unter dem Befehl von Vasco da Gama die erste Reise vom Atlantik um das Kap der Guten Hoffnung bis zur Ostküste Afrikas und weiter nach Indien. Die Portugiesen hatten die Intention, die muslimisch dominierten Handelswege zu unterbrechen, auf denen Gewürze und andere hochwertige asiatische Produkte in den Mittelmeerraum gelangten. Darüber hinaus wollten sie die Vorherrschaft über das Herkunftsgebiet der Gewürze erringen, eine
6 vgl. Waldmann Peter, 1990, Lateinamerika, Informationen zur politischen Bildung, München, Francis.
10
Gruppe kleiner Inseln in Indonesien, welche die Europäer „Gewürzinseln” nannten. Zwar eroberten die Portugiesen 1510 Goa an der Westküste Indiens, wo sie erst 1961 die Macht abgaben und Malakka, von wo aus einer der beiden bewährten Seewege zwischen dem Indischen Ozean und dem Südchinesischen Meer geschützt wurde, die Meerenge zwischen der malaiischen Halbinsel und Sumatra, doch waren sie nicht sehr erfolgreich und erlitten in anderen Regionen Niederlagen. Sie griffen die muslimische Handelsstraße zwischen Indien, dem Roten Meer und dem Persischen Golf an, konnten diese aber nicht ständig von der Versorgung abschneiden. Die Portugiesen haben es auch nicht geschafft, die Regionen im südlichen Indien, in denen Pfeffer angebaut wurde, unter ihre Kontrolle zu bringen. Auch bei den lang gesuchten Gewürzinseln schafften sie und die Spanier, die auf der von Magellan begonnenen Weltreise dorthin gelangten, lediglich, dass ein neuer Krisenherd zwischen Christen und Muslimen angefacht wurde. Die neuen weltweiten Handelswege, die von den Europäern eingerichtet wurden, welche über den Atlantik um Afrika und gegen Mitte des 16. Jahrhunderts auch über den Pazifik segelten, änderten das Wesen des Handels deutlich. In Europa herrschte eine große Nachfrage nach Gewürzen und Nelken, Muskatnüssen und Muskatblüten von den Gewürzinseln. Die indischen Baumwoll- und Seidentextilien verkauften sich im gesamten Südostasien, im muslimischen Mittleren Osten, in Europa und in den amerikanischen Kolonien hervorragend. Schiffe transportierten amerikanisches Silber in alle Himmelsrichtungen, vor allem nach China. In China lernten die Europäer den Tee, im Jemen und in Java den Kaffee und als Getränke kennen schätzen. Die neuen Handelsverbindungen trugen zum Reichtum vieler Nationen bei und führten zum raschen Anwachsen der Weltbevölkerung. 7
7 vgl. Microsoft Encarta 2004, Asien.
11
2.3. Eroberung Afrikas
Das letzte große unerschlossene Gebiet, das unsere Erde dem europäischen Kaufmann bot, war der afrikanische Kontinent. Dass sich die Erschließung Afrikas sich so spät vollzog, hat verschiedene Gründe. Einer davon war, dass die Europäer in Afrika auf erhebliche arabische Gegenwirkung gestoßen waren. Die ursprünglich von „Negerfürsten“ geführten Eingeborenenstaaten waren zum Teil von arabischen Räuberstämmen, von „mohammedanischen“ Beduinen, besonders energischen Führungsgruppen arabischer Abstammung und anderen übernommen worden. Sie begünstigten klarerweise den Handel mit dem islamischen Teil der Welt und erkannten schneller als die gutgläubige „Negerbevölkerung“, welche Folgen die Niederlassung der Weißen in Afrika nach sich ziehen würde. 8
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts erschütterte die französische Revolution die Grundfesten des französischen Staates und darüber hinaus auch alle anderen europäischen Regierungen so sehr, dass ganz Europa keinen Sinn für koloniale Abenteuer zeigte. Einzig allein die Engländer bewahrten sich auch in dieser Zeit ihre Weltaufgeschlossenheit. Der eine Grund dafür war, dass sie glaubten, durch den Ärmelkanal vor der französischen Revolution geschützt zu sein. Der andere Grund lag in dem amerikanischen Unabhängigkeitskrieg, durch den sie eben erst viel Land verloren hatten. Sie
8 vgl. Berneck Ludwig, 1964, Kaufleute erobern die Welt, Wien, Seite 305.
12
hielten daher Ausschau nach einem Erdteil, in dem es nicht wie in Amerika und Europa dermaßen störende Unruhen geben könne. Südamerika war bereits in festen Händen und daher für die Engländer verloren, Australien war noch kaum bekannt und erschien wenig verlockend und in Indien hatten die Engländer an energischer Kolonisierungsarbeit mehr geleistet, als ihrem Ansehen in der Welt zuträglich gewesen war. Was blieb, war jener dunkle Erdteil, der bisher noch arabischen und einigen weißen „Sklavenjägern“ überlassen worden war.
Alles sprach dafür, sich um Afrika anzunehmen, und zwar so schnell wie möglich, ehe andere Nationen ein Interesse an diesem Kontinent zeigen würden. So gründeten einige idealistisch denkende und gebildete Engländer die „British Association for promoting the discovery of the interior parts of Africa“ (Britische Gesellschaft für die Förderung der Entdeckung der inneren Gebiete Afrikas). Es blieb aber nicht nur bei einer Erforschung Afrikas zu wissenschaftlichen oder idealistischen Zwecken, denn die Geldgeber, die alle Afrika-Expeditionen ausrüsteten, verfolgten selbstverständlich wirtschaftliche Interessen. In Afrika entstanden die schlimmsten Formen des Kolonialismus zu einer Zeit, da sich in den anderen von Europäern eroberten Kontinenten schon die ersten Widerstände gegen ihre Herrschaft bemerkbar machten. 9 Ohne aus dem zu lernen, was sich in Nord- und Südamerika begeben hatte, begingen die europäischen Nationen, die den dunklen Erdteil eroberten, noch einmal all die Fehler, die die Spanier und Portugiesen bei ihrer Kolonisierung im 16. Jahrhundert begangen hatten. Unsinniges Blutvergießen, Ausrottungen ganzer Stämme und blinde Zerstörungswut nahmen den Europäern die letzte Chance, im schwarzen Erdteil als Lehrmeister gewürdigt zu werden. 10
9 vgl. Berneck Ludwig, 1964, Kaufleute erobern die Welt, Wien, Seite 307.
10 vgl. Berneck Ludwig, 1964, Kaufleute erobern die Welt, Wien, Seite 307.
13
2.4. Folgen des Kolonialismus
Die meisten ehemaligen Kolonialländer haben heute zwar eine formale Unabhängigkeit erlangt, sind jedoch mehr denn je abhängig von einer zentralen wirtschaftlichen Macht in den Industriestaaten. Ein großer Teil der Menschen in der so genannten „Dritten Welt“ lebt heute unter Bedingungen, die unseren Vorstellungen von einem menschenwürdigen Dasein zuwiderlaufen und für viele ist die Befriedigung der elementaren Bedürfnisse nicht gesichert beziehungsweise gefährdet. Die internationalen Wirtschaftsbeziehungen sind gekennzeichnet vom Recht des Stärkeren. Dazu kommen starke innere Gegensätze in den betroffenen Ländern als Hinterlassenschaft des Kolonialismus. So werden von den Regierenden nur selten die Interessen der armen Bevölkerungsschichten vertreten. Häufiger sind diese in die Rollen der ehemaligen Kolonialherren geschlüpft und wirken nun als Statthalter ausländischer Kapitalinteressen unter gleichzeitiger Wahrung persönlicher Privilegien und interner Ausbeutungsstrukturen. 11
11 vgl. http://www.nefkom.net/dritte-welt-laden/grundsatzprogramm.htm, 16.03.2005.
14
Die heutige katastrophale, wirtschaftliche und soziale Lage der meisten ehemaligen Kolonien lässt sich eindeutig auf die Ausbeutung und Unterdrückung der letzten 200 Jahre zurückführen. Durch den oftmals plötzlichen Abzug der ehemaligen Kolonialmächte und das damit einhergehende Aufflammen unterdrückter Konflikte, welche die oft willkürliche Grenzziehung verursachte, machten diese Länder wirtschaftlich lebensunfähig. Dadurch begünstigt, fand eine neue Art des Kolonialismus in diesen Ländern Einzug, nämlich der des Kapitals. Die Regierungen der oft sehr ressourcenreichen Länder wurden von westlichen Wirtschaftstycoons korrumpiert, was zu einer weiteren Abhängigkeit und Unterdrückung der Bevölkerung führte. In den folgenden drei Kapiteln wird die Rolle der Exportgüter Kaffee, Tee und Kakao, welche einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung der ehemaligen Kolonien nahmen und noch immer nehmen, näher beschrieben.
15
3. Kaffee
Kaffee ist nach Erdöl eine der wichtigsten Handelswaren der Welt, den rund 70 Staaten des Südens, in denen Kaffee angebaut wird, erhalten durch den Export des Kaffees dringend benötigte Devisen. Über zehn Milliarden US-Dollar werden im Jahr mit Kaffee umgesetzt, wobei 20 Millionen Menschen in den Entwicklungsländern vom Kaffee und dessen Verarbeitung leben. Kaffee ist noch immer eine klassische Kolonialware. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts schmuggelte die niederländische Ostindien-Gesellschaft Kaffeesamen nach Batavia und ließ malaiische Sklaven auf den Plantagen arbeiten. Die ersten Kaffeepflanzungen in Südamerika wurden ebenfalls von Sklaven angelegt. Die Weltmarktpreise für Kaffee schwanken derzeit beträchtlich, wobei die Konsumenten die niedrigen Preise genießen. Auf die Plantagenarbeiter entfallen aber nur drei bis fünf Prozent davon. 12
3.1. Geschichte der Verbreitung des Kaffees
Der Kaffee ist erst ziemlich spät in den abendländischen Kulturkreis getreten und gerade deshalb lohnt sich eine Auseinandersetzung mit der Geschichte seiner Herkunft und seiner Verbreitung. Um die Wende des 14. zum 15. Jahrhunderts tauchte in Südarabien der Aufguss von kleinen Früchten eines Baumes des afrikanischen Gegengestades auf. Dieses Getränk hat dabei eine belebende Wirkung bei Abspannung und Müdigkeit. Mit dem Beginn der Hochrenaissance, dem Zeitalter der Reformation, begann der Kaffeegenuss von Arabien aus, seinen Marsch nach Europa und dem Westen und die Türken übernahmen den Kaffee als Getränk. Von Ägypten (Alexandrien) und den türkischen Mittelmeerhäfen aus verbreitete sich das Trinken von Kaffee dann in Europa noch vor der großen Türkenschlacht bei Wien, wobei der Kaffee im Süden über Venedig und Marseille und im Norden über Rotterdam, London und Hamburg Einzug fand. Auf diesem Weg gab es natürlich oft heftigen Widerstand. Das Kaffeetrinken wurde nicht nur von vielen Ärzten und Heilkundigen der damaligen Zeit als sehr gefährlich verurteilt, auch seitens der Regierungen und Steuerbehörden war man aus oft verschiedenen Gründen nicht mit der neuen Sitte des Kaffeetrinkens einverstanden. 13
12 vgl. Neuberger Günter, 1999, Zum Beispiel Kaffee, Göttingen, Lamuv, Klappentext.
13 vgl. Schröder Rudolf, 1991, Kaffee, Tee und Kardamon, Stuttgart, Ulmer, Seite 27-30.
16
Die Kaffeeart Arabica (Coffea arabica), die heute zu etwa 75 % den Welthandel bestreitet, stammt als Unterholzpflanze aus den wechselfeuchten Bergwäldern Äthiopiens und des angrenzenden Sudan. Händler und auch gegen die Perser eingesetzte Soldaten führten wahrscheinlich die Pflanze und den Konsum im südarabischen Jemen ein. Die damals schon über zweitausendjährige Landwirtschaftskultur im Jemen ermöglichte im regenreicheren Südwesten der arabischen Halbinsel dem Kaffeeanbau eine erste Wirtschaftsblüte und über die großen Karawanenstraßen wurde der Genuss des neuen Getränks dann im Orient verbreitet. Das Klima im Jemen ist nicht ideal für den Kaffeeanbau, doch die intensive Hinwendung der Bewohner zum Landbau, verbunden mit einem optimalen Bewässerungssystem für die Bergterrassen, brachten den ersten marktfähigen Kaffee hervor. Die Kaffeebäume wurden in Saatbeeten aus dem Samen gezogen und später auf die Terrassen hinaus verpflanzt. Der Gedanke, Kaffeeanbau unter Schattenbäumen zu pflegen, um wenigstens einigermaßen den ursprünglichen Gegebenheiten dieser Unterholzpflanze nahe zu kommen, stammt ebenfalls von den jemenitischen Bergbauern.
Neben dem Karawanentransport wurde der Kaffee noch über die Häfen Dschidda und vor allem über Mocha (Mokka) im äußersten Süden der arabischen Halbinsel verschifft. Später wurde Kaffee der arabischen Halbinsel unter der Bezeichnung des Ausfuhrhafens Mocha als „Mokka“ zu einem Qualitätsbegriff. Davon geblieben ist heute nur noch der Name für einen besonders starken Kaffee.
Die Araber waren aber nicht nur Kaffeetrinker, sondern sie erkannten auch bald die wirtschaftliche Bedeutung dieses neuen Produkts. Durch ihre hoch entwickelte Schifffahrt, trugen sie weiters zur Verbreitung des Kaffees bei. Dem stärkeren Verbrauch folgend, mussten die Anbauflächen im Jemen ausgeweitet werden. Der Kaffeehandel wurde ein sehr lohnendes Geschäft. So lag etwa um 1650 der Export über Mocha etwa zwanzigmal höher als die gesamten heutigen Kaffeeausfuhren des Jemen. Dabei ver-standen es die Jemeniten, ihr Wirtschaftsmonopol mit Kaffee über längere Zeit zu wahren. Niederländische, englische und französische Schiffe ankerten in dieser Zeit und auch später noch neben den arabischen Dhaus vor Mocha, um den steigenden Kaffeebedarf in Europa zu befriedigen.
Von einer Pilgerfahrt nach Mekka nahm ein in Indien lebender Islamist, verborgen in den Falten seiner Kleidung, ganze sieben noch keimfähige Kaffeebohnen mit in seine Heimat Indien. 14
14 vgl. Schröder Rudolf, 1991, Kaffee, Tee und Kardamom, Stuttgart, Ulmer, Seite 27-30.
17
Quote paper:
Bettina Edtbauer, 2005, Fairer Handel für faire Chancen - Alternative Formen zum konventionellen Welthandel mit Kaffee, Tee und Kakao, Munich, GRIN Publishing GmbH
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