2
Inhaltsverzeichnis
Vorbemerkung Seite 3
1. Die handschriftliche Überlieferung und ihre Übertragung ins
Neuhochdeutsche
1.1. Die handschriftliche Überlieferung Seite 4
1.2. Text nach der Handschrift C Seite 5
1.3. Übertragung ins Neuhochdeutsche Seite 8
2. Formal-stilistische Aspekte Seite 9
3. Interpretation Interpretation
3.1. Versuch einer textimmanent-historisch-rezeptiven Interpreta-
tion Seite 11
3.2. Der Zusammenhang zwischen Frô-Welt-Motiv in der dar-
stellenden Kunst und mittelalterlicher Literatur Seite 16
3.3. Deutungsaspekte des Begriffs Ze herberge varn Seite 18
4. Verzeichnis über benutzte und zitierte Literatur Seite 20
3
Das literarische Gesamtwerk Walthers von der Vogelweide lässt sich im we- sentlichen in folgende drei Bereiche unterteilen: Minnesang, Sangspruchdich- tung und verschiedene Lieder. Der Komplex ´verschiedene Lieder´ umfasst einen sog. Leich, diverse Lieder zum Thema Kreuzzug bzw. Heiliges Land und die Alterslyrik, also Gedichte aus Walthers späterer Schaffenszeit. Aus dieser sind besonders die ´Weltklagelieder´ hervorzuheben. Diese „Spätdichtung ent- zieht sich teilweise der üblichen Unterscheidung von Minnelied und Spruch. Das beruht nicht so sehr auf der Fragwürdigkeit dieser Kategorien als auf der Reife eines persönlich gewordenen dichterischen Vermögens, das die Grenzen ü- berspielt und kühn die verschiedenen Bereiche sich transzendieren und berüh- ren lässt, vor allem auch: Geistliches und Weltliches neu in Beziehung setzt und
1 , so Max Werli. Die ´Weltklage´ ist kein fes-
als Ganzes zu verantworten sucht.“ ter Stofftypus, sondern ein vielmehr ein Komplex von Motiven, welche in wech- selnder Beleuchtung erscheinen und gerade in dieser Bedeutungsbreite erlau- ben, sich über gattungstypische Grenzen hinwegzusetzen und so zu einer neuar- tigen poetischen Selbstbesinnung zu kommen. In Walthers Alterslyrik gibt es mehrere Lieder, in denen der Dichter seine Sicht und Einstellung gegenüber der Welt kundtut.
Walther von der Vogelweide kann ohne Zweifel als der erste Dichter gesehen werden, der das Bild von der doppelseitigen ´Frau Welt´ des hochmittelalterli-
2 ,
chen Menschen, von der höfischen Vorderseite und der negativen Kehrseite in die deutsche Dichtung einführte.
Im Rahmen dieser Abhandlung wird Walthers Weltabsagelied „Frô Welt ir sult dem wirte sagen“, Lachmann 100,24 näher untersucht, da sich dieses Gedicht durch die Personifikation der ´Frau Welt´ im wesentlichen von den übrigen ´Weltklageliedern´ unterscheidet.
1 Wehrli, Max: Geschichte der deutschen Literatur. Band I. Vom frühen Mittelalter bis zum Ende des 16. Jahrhunderts. Stuttgart 1980, S.389.
2 Vgl. Thiel, Gisela: Das Frau Welt-Motiv in der Literatur des Mittelalters.
Saarbrücken 1956, S. 98-111.
4 Den Schwerpunkt dabei bildet eine möglichst textgetreue Übertragung ins Neu- hochdeutsche und die Interpretation der einzelnen Strophen, sowohl textimma- nent, als auch im historischen Kontext. Des Weiteren stehen eine metrische Analyse sowie der Blick auf die Rezeptionsgeschichte insbesondere im Be- reich der darstellenden Kunst, der Frau-Welt-Motivik im Zentrum dieser Arbeit.
1. Die handschriftliche Überlieferung und ihre Übertragung ins Neu-
1.1. Die handschriftliche Überlieferung
Das Weltabsagelied 100,24 ´Frô Welt ir sult dem wirte sagen´ ist in drei Hand- schriften überliefert, vollständig jedoch nur in der Großen Heidelberger Lieder- handschrift´. In der ´Kleinen Heidelberger Liederhandschrift´ sind l ediglich die x nur die erste Strophe des Gedichtes, in der fragmentarischen Handschrift w ersten zweieinhalb Zeilen tradiert.
Zum besseren Verständnis werden im folgenden die einzelnen Handschriften
3 , in welchen dieses Lied jeweils vorkommt.
kurz charakterisiert
A/a = `Kleine Heidelberger Handschrift`: Universitätsbibliothek Heidelberg cpg 357. Pergament, 45 Blätter 18,5 x 13,5 cm, Ende des 13. Jahrhunderts wahrscheinlich im Elsass (Strassburg?) geschrieben. Sie enthält Texte von 151 Strophen unter Walthers Namen, dazu einige weitere unter anderen Namen o- der ohne Namensnennung bzw. Autorenzuweisung, die in anderen Handschrif- ten jedoch Walther zugeschrieben werden.
C = `Große Heidelberger bzw. Manessische (früher: Pariser) Liederhand- schrift`: Universitätsbibliothek Heidelberg cpg 848. Pergament, 426 Blätter. 35,5 x 25 cm , 138 Miniaturen, in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts wohl in der Schweiz (Zürich?) geschrieben. Die Handschrift C bildet die größte Sammlung von Walther-Texten.
3 Vgl. Brunner H., Hahn G., Müller U. und Spechtler F. V.: Walther von der Vogelweide. München, 1996. S.31-34.
5
w x = Landeskirchliches Archiv Braunschweig H 1a (ehemals: Wolfenbüttel): 2
Fragmente einer offenbar im 13. Jahrhundert im Raum Köln entstandenen
Handschrift mit einem Textumfang von 7 Strophen, die an anderen Stellen Wal-
ther zugeordnet werden.
4 :
Analyse der handschriftlichen Umgebung
x nur die ersten drei Zeilen erhalten sind, die dem Während in der Handschrift w
Alterston folgen, überliefert die Handschrift C das gesamte Lied, an welches
sich direkt die Strophen des ´König Heinrichston´ anschließen. Edwards be-
merkt sehr richtig, dass die Handschrift C „größte Anzahl der ´letzen Lieder´“
anbietet. „Die Lieder sind aber unregelmäßig über die ganze Handschrift ver-
x lässt sich eine eindeutige Gruppierung ablesen; beide teilt. Nur in E und w
Handschriften überliefern jedoch ein fragmentarisches Korpus.“
5
1.2. Text nach der Handschrift C
I
Frô Welt, ir sult dem wirte sagen,
daz ich im gar vergolten habe,
min groeste gülte ist abe geslagen,
daz er mich von dem briefe schabe.
5 Swer im iht sol, der mac wol sorgen,
ê ich im lange schuldic wære,
ich wolt ez zeinem juden borgen.
er swîget unz an einen tac,
sô wil er danne ein wette hân,
4 Edwards, Cyril: Kodikologie und Chronologie: Zu den ´letzten Liedern´ Walthers von der Vogelweide. In: Hone-
mann, Volker, Palmer, Nigel (Hg.): Deutsche Handschriften 1100-1400. Oxforder Kolloquium 1985. Tübingen 1988.
S.307.
5 Textgrundlage: Cormeau, Christoph: Walther von der Vogelweide. Leich, Lieder, Sangsprüche. Berlin und New
York 1996. S. 217-218.
6
10 sô jener niht vergelten mac.
II
› Walther, dû zürnest âne nôt, dû solt bî mir belîben hie. gedenke, waz ich dir êren bôt 6 , waz ich dir dînes willen lie,
5 Als dicke dû mich sêre bæte. mir was vil inneklîche leit, daz dûz
10 sôn wirst dû niemer wol gemuot.‹
III
Frô Welt, ich hân ze vil gesogen, ich wil entwonen, des ist zît. dîn zart hât mich vil nâch betrogen, wand er vil süezer fröiden gît.
5 Dô ich dich gesach recht under ougen, dô was dîn schouwen wunderlich [...] al sunder lougen.
doch was der schanden alse vil, dô ich dîn hinden wart gewar,
10 daz ich dich iemer schelten wil.
IV
›Sît ich dich niht erwenden mac, sô tuo doch ein dinc, des ich ger. gedenke an mangen liehten tac und sich doch underwîlent her,
5 Niuwan sô dich der zît betrâge.‹ daz tæt ich wunderlîchen gerne, wan daz ich fürhte dîne lâge, vor der sich nieman kan bewarn. got gebe iu, frowe, guote naht.
10 ich wil ze herberge varn. 6 Erwähnenswert sind die verschiedenen Konjekturen in Vers drei der zweiten Strophe. Während Wilmanns und Michels wie ich dir êren bôt schreiben, geben Brinkmann waz ich êren bôt, Lachmann / Kraus dagegen wie ich dirz erbôt in der jeweiligen Ausgabe an.
Quote paper:
Klaus Ludwig Hohn, 1998, Walther von der Vogelweide - Alterslyrik am Beispiel: Fro welt ir sult dem wirte sagen (Lachmann 100,24), Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Der Europa-Gedanke im Werk Heinrich und Thomas Manns im Vergleich mit ...
German Studies - Comparative Literature
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 30 Pages
Die Darstellung der Schizophrenie in Georg Büchners "Lenz"-E...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 29 Pages
Jürgen Habermas und die kommunikative Rationalität
Presentation (Elaboration), 19 Pages
Tess of the D Urbervilles by Thomas Hardy
English Language and Literature Studies - Literature
Script, 16 Pages
Kitty and Vivie Warren in G.B. Shaws "Mrs. Warren's Profressi...
English Language and Literature Studies - Literature
Scholary Paper (Seminar), 10 Pages
Women in Charles Dickens’ "Great Expectations"
English Language and Literature Studies - Literature
Termpaper, 16 Pages
The Ryan Air Model - Success and Impact on the European Aviation Marke...
Business economics - Miscellaneous
Bachelor Thesis, 30 Pages
Chancen- und und Risikomanagement in Projekten (und SWOT)
Scholary Paper (Seminar), 21 Pages
„Owê war sint verswunden alliu mîniu jâr!“ - Eine Analyse des Gedichte...
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 15 Pages
Sprache und Kultur der Rußlanddeutschen im Rückblick auf die Geschicht...
German Studies - Miscellaneous
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
Wertewandel. Der Ansatz Ronald Ingleharts
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
German Studies - Older German Literature, Mediaevistik
Scholary Paper (Seminar), 25 Pages
Türkische Frauen in Deutschland - Auf dem Weg in die Moderne?
Thesis (M.A.), 100 Pages
Wertvorstellungen Jugendlicher in Deutschland
Pedagogy - Common Didactics, Educational Objectives, Methods
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 10 Pages
Büchners LENZ: eine Analyse seiner geistigen Krankheit
German Studies - Literature of History, Eras
Scholary Paper (Seminar), 14 Pages
Mrs. Warren and the problem of prostitution and the temptations of Viv...
English Language and Literature Studies - Literature
Scholary Paper (Seminar), 13 Pages
Ein Einblick in den Umgang mit der Orthographie in den neuen Medien am...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 18 Pages
Analyse der Wahnsinnsentwicklung in Georg Büchners 'Lenz'
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 25 Pages
Klaus Ludwig Hohn has published the text Walther von der Vogelweide - Alterslyrik am Beispiel: Fro welt ir sult dem wirte sagen (Lachmann 100,24)
Klaus Ludwig Hohn has uploaded a new text
Walther von der Vogelweide und die Literaturtheorie
Neun Modellanalysen von "Nemt,...
Johannes Keller, Lydia Miklautsch
Die ,Reinmar-Lieder' Walthers von der Vogelweide
Literarische Kommunikation als...
Ricarda Bauschke
Expectations and the Meaning of Institutions: Essays in Economics by L...
Ludwig M. Lachmann, Don Lavoie
0 comments