II
Inhaltsverzeichnis
Einleitung. 1
Hauptteil. 2
1. Die Kleidung als Spiegelbild des gesellschaftlichen Standes. 2
2. Die Kleiderordnungen als System der Aufrechterhaltung der
Standesordnungen. 4
3. Das Erscheinungsbild der Menschen im 18. Jahrhundert. 6
3.1. Der Adel. 7
3.2. Das Bürgertum. 10
3.3. Bauern und Arbeiter. 11
Literaturverzeichnis
1
Einleitung
Unter dem Begriff Mode soll hier die Art behandelt werden, in der Personen ihr äußeres Erscheinungsbild innerhalb gesellschaftlicher Normen gestalten. Mit der zunehmenden Ausdifferenzierung der europäischen Gesellschaft seit dem Mittelalter endete zusehends das Bestreben, den Angehörigen der Stände eine spezielle Bekleidung durch Kleiderordnungen vorzuschreiben. In diesem Kontext fungierte die Kleidung als ein Ordnungssystem, indem die standesgemäße Bekleidung auf die Stellung des Trägers innerhalb der Gesellschaft wies und dessen Ansprüche nach außen hin legitimierte. Durch die Kleiderordnungen erfuhr die Mode als Ordnungssystem eine rechtliche Komponente, wonach es beispielsweise nur dem freien Mann gestattet war, seine Haare offen zu tragen und einen Degen zu führen. Dieses Recht, bestimmte Kleidungen tragen zu dürfen, verpflichtete den Träger aber auch zu bestimmten Verhaltensweisen, mit der Konsequenz, dass kein Lebensbereich von der Mode ausgespart blieb.
Das 18. Jahrhundert war geprägt von dem Niedergang der höfischen Mode und zugleich der Zeitraum, in dem die bürgerliche Mode ihren ersten Ausdruck fand. Während die höfische Mode unter dem französischen Absolutismus ihre späteste Ausprägung erfuhr, riefen die bürgerlichen Emanzipationsbestrebungen auch auf dem Gebiet der Mode Neuerungen hervor. Sie nahmen vor allem von England ihren Ausgang und griffen von dort auf den Kontinent über und führten während der Französischen Revolution zum Durchbruch der bürgerlichen Mode. Je mehr der Adel zu einer parasitären Klasse wurde und seine gesellschaftlichen Funktionen nicht mehr ausübte, desto affektierter wurden seine Umgangsformen und raffinierter seine Kleidung.
Das durch Ideen der Aufklärung wie Individualisierung und Rationalisierung getragene Bürgertum indes etablierte sich im letzten Drittel des 18. Jahrhunderts endgültig und im Zuge der Französischen Revolution setzte sich die bürgerliche Kleidung in ganz Europa durch. Von daher war das 18.Jahrhundert die letzte Zeit, in der die höfische Mode mit der ständischen die einzigen Kleidungsnormen darstelle, die von nun an in einer reinen Zeremonialkleidung erstarrten.
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich in dem ersten Abschnitt mit der Frage, welche Funktion der Mode bei der Wahrung des gesellschaftlichen Ständesystems zukommt, um sich im zweiten Abschnitt mit den rechtlichen Manifestierungen, den Kleiderordnungen, auseinander zu setzen. Der letzte Abschnitt (3) ist dem Erscheinungsbild der Menschen im 18.
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Jahrhundert gewidmet, wodurch die beiden ersten Kapitel eine gewisse Konkretisierung erfahren.
1. Die Kleidung als Spiegelbild des gesellschaftlichen Standes Wie es scheint, kann die Mode völlig frei
und ungebunden jeder Laune nachgeben.
In Wirklichkeit jedoch bewegt sie sich in
weitgehend vorgezeichneten Bahnen und
verfügt letztlich nur über einen begrenzten
Fächer an Möglichkeiten.
Fernand Braudel
Die Gliederung der Gesellschaft in Stände entsprach im Mittelalter der Vorstellung, den Zustand einer von Gott gewollten Seinsweise aufrecht zu erhalten. So wurde jede Gruppierung, jede Funktion und jeder Beruf als Stand angesehen und bezeichnete somit eine feste Gruppe, der jedes Individuum im sozialen Gefüge zugeordnet wurde. Die früh- und hochmittelalterliche Gesellschaft war durch Geburts- und Herrschaftsstände strukturiert, die eine grundlegende Zweiteilung zwischen den Angehörigen des Adels (bzw. Freien) einerseits und Unfreien (bzw. Halbfreien) andererseits vornahm. Der nach „adliger Prälatur“ und „niederer Pfaffheit“ getrennte Klerus ordnete sich der aristokratisch verfassten Kirche zu und nahm somit die profane Gesellschaftsordnung auf. Diese Gesellschaftsordnung sah sich seit dem 13. Jahrhundert mit der neuen Tatsache der Städtebewohner und deren Anspruch konfrontiert. Zugewanderte Kaufleute begannen, sich als Wortführer und Vertreter der vom Adel abhängigen Handwerkerschaft zu profilieren und grenzten sich so gegenüber den Stadtherren ab. Diese bürgerliche Oberschicht bemächtigte sich nach und nach der meisten Hoheitsrechte, bis an der freien ständischen Qualität der bürgerlichen Oberschicht nicht mehr zu zweifeln war. So trat der freie, nicht adlige Stadtbewohner als „Bürger“ neben die alten Stände des Adligen und des unfreien Bauern (Eisenbart 1962: 53). In seinem Werk „Sozialgeschichte des 15.- 18. Jahrhunderts- Der Alltag“ stellt Braudel (1990: 345) die Frage, ob die Mode nicht eher, im Gegensatz zu der sonst üblichen Einschätzung als einer oberflächlichen Erscheinung, ebenso ein Indiz für die Befindlichkeit einer Gesellschaft sei, wie ein Spiegelbild der Bedürfnisse und Sehnsüchte, der Möglichkeiten und Ansprüche der in ihr lebenden Menschen. Denn im 18 Jahrhundert schien die Mode zum größten Teil dem Wunsch der Privilegierten zu entsprechen, sich um jeden Preis von der
3
breiten Masse abzuheben, „denn nichts verleidet den Edelleuten die goldurchwirkten Gewänder mehr, als sie am Leibe der geringsten dieser Erde zu erblicken“, wie ein Sizilianer auf der Durchreise aus Paris 1714 bemerkte (Braudel: 345). Um sich von dem Rest der Bevölkerung abzugrenzen mußten und müssen anscheinend immer wieder neue Unterscheidungsmerkmale gefunden werden. Die Entwicklung der Mode des Bürgertums führte dazu, dass sie sich nicht mehr wesentlich von der des Adels unterschied, mit der Folge, dass dieser wieder eine neue Mode finden musste (Braudel: 347). Und auch der Soziologe König verweist in diesem Zusammenhang auf die Tatsache, dass gesellschaftliche Gruppen sich eine eigene Kleidungsnorm schaffen, um sich von anderen Gruppen zu differentzieren. In diesem Zusammenhang nennt er die Sonderkleidung der Berufe und bestimmter Autoritätspersonen - wie Priestern, Häuptlingen und Aristokraten - die sich dadurch auszeichnet, dass sie mit einem bestimmten Schnitt oder Farbe zu den Privilegien gehört. So war es in der Entwicklung der sozialen Rangordnung üblich, dass jeder Stand und nochmals innerhalb der Stände einzelne Teilgruppen, vor allem die Berufe, ihre eigene Kleidung hatten. So war es möglich, dass die Standeskleidung eine Wiedererkennungsfunktion ausübte, indem der Stand der Menschen einfach von der Kleidung abzulesen war (König 1971: 97).
Hier haben wir es mit dem Phänomen zu tun, dass bestimmte Moden nicht nachgeahmt werden, weil sie nicht nachgeahmt werden dürfen, da sonst die bestehenden Kleiderordnungen missachtet würden. Die strenge Ständeordnung der mittelalterlichen Gesellschaft kannte also nur die Differenzierung und keine Nachahmung. Die Nachahmung trat erst in Erscheinung, als die Ständeordnung zerfiel, die Gesellschaft also „offen“ wurde. Von da an ahmten die unteren Stände bei modischen Bewegungen die oberen nach, wodurch diese wiederum zu einem Modewandel gezwungen wurden (König: 98). Für die modischen Bewegungen ist das Verhältnis von Akteuren und Zuschauern maßgebend (König: 183). Es kommt zu einem Wechselspiel zwischen den Auszeichnungen der Akteure und Anerkennung durch die Zuschauer. Indem der Akteur eine Mode begründet, zeichnet er sich damit aus und strebt nach Anerkennung durch die Zuschauer. Der Zuschauer kann die Mode anerkennen und sich zu eigen machen, um dadurch selbst Teil der Auszeichnung durch andere zu werden. Bei diesem Wechselspiel ist schnell der Grad einer Sättigung erreicht. Wenn zu viele Zuschauer nach der Auszeichnung des Akteuers streben, also mit der Mode gehen, stellt das modische Merkmal keine Auszeichnung gegenüber den breiten Massen mehr da. Wenn alle Mitglieder einer Gesellschaft ausgezeichnet sind, so ist Keines mehr gegenüber den Anderen ausgezeichnet. So erliegt jede Mode immer wieder dem Schicksal,
Arbeit zitieren:
Axel Limpert, 2005, Die Kleidung als Hinweis auf den gesellschaftlichen Stand am Beispiel des 18. Jahrhunderts, München, GRIN Verlag GmbH
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