Warum gewinnen variable Vergütungssysteme immer mehr an Bedeutung?
Die Ausgestaltung eines variablen Vergütungssystems
von: Dagmar Gnida
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung 1
2 Vergütungsformen im Wandel der Zeit 2
3 Vergütung nach Leistung und Erfolg 4
3.1 Moderne Vergütungssysteme 4
3.1.1 Die Zeitperspektive: Short-Term- und Long-Term-Incentives 5
3.1.2 Der Beteiligungscharakter: Erfolgs- und Kapitalbeteiligungen 6
3.1.3 Variable sonstige Nebenleistungen 6
3.2 Ausgestaltung eines variablen Vergütungssystems 7
3.2.1 Komponenten variabler Vergütung 7
3.2.2 Balanced Scorecard und Zielkaskadierung bei Short-Term-Incentives 9
3.2.3 Zielvereinbarungssysteme und Mitarbeitergespräche 11
4 Bedeutung variabler Vergütung in der Praxis 13
5 Kritische Würdigung und Zusammenfassung 16
6 Anhang 20
Literaturverzeichnis 24
1 Problemstellung
Lange Zeit wurden Arbeitnehmer anhand klassischer Entlohnungsformen, wie Akkord-, Prämien- oder Zeitlohn vergütet. Die traditionellen Entlohnungsgrundsätze reichten aus, den Erwartungen von Arbeitnehmern und Unternehmen gerecht zu werden. Durch die Auswirkungen von Globalisierung, steigendem Wettbewerbsdruck und dem Wandel zur Dienstleistungsgesellschaft wird es immer bedeutender, die Vergütungspolitik flexibler und marktorientierter zu gestalten.
Auch der Gedankenwandel bezüglich der Rolle und Bedeutung von Mitarbeitern rückt in den Vordergrund: Arbeitnehmer werden nicht mehr nur als Kostenfaktor betrachtet, der möglichst minimiert werden sollte, vielmehr wird ihnen ein Anteil an der Wertschöpfung beigemessen. Ihr Beitrag zum Unternehmenserfolg in Form ihrer Arbeitsleistung soll entsprechend honoriert werden.
Hier kommt die Einführung eines variablen Vergütungssystems ins Spiel, das gleichzeitig eine Anreizwirkung und eine Belohnungsfunktion innehat. Zum einen werden Mitarbeiter zu höheren Leistungen motiviert und für diese mit einem leistungs- bzw. erfolgsabhängigen Vergütungsbestandteil entlohnt. Zum anderen wird dabei eine Übereinstimmung der Handlungen der Arbeitnehmer mit den Unternehmenszielen angestrebt. Variable Entlohnungssysteme befinden sich hierbei auf dem Vormarsch. Neben dem nichttariflichen Bereich werden diese zunehmend auch im öffentlichen Dienst und im tariflichen Bereich angewendet. Während in Kapitel 2 der Wandel traditioneller Entlohnungsgrundsätze im Zeitablauf beschrieben wird, wird in Kapitel 3 erörtert, wie eine Vergütung nach Leistung und Erfolg im Rahmen eines variablen Vergütungssystems erfolgen kann. In Abschnitt 3.1 werden dabei die möglichen Komponenten eines modernen Vergütungssystems dargestellt, während sich Abschnitt 3.2 der konkreten Ausgestaltung eines variablen Entlohnungssystems widmet. Um die Bedeutung variabler Vergütungssysteme zu untermauern, stellt Kapitel 4 die möglichen Vorteile aus variablen Anreizsystemen in den Vordergrund und bekräftigt den verstärkten Einfluss variabler Entlohnungssysteme in der Praxis. Kapitel 5 rundet die Darstellung mit der Erläuterung negativer Auswirkungen aus leistungsabhängigen, variablen Vergütungssystemen ab.
2 Vergütungsformen im Wandel der Zeit
Vor dem Hintergrund der neuen Technologien ist die weitere Anwendung der traditionellen Entlohnungsformen zu überdenken. Um die Arbeitsleistung und somit auch die Arbeitsproduktivität zu steigern, können Anreize zur Förderung der Leistung durch die Wahl einer modernen Lohnform geschaffen werden.1 Denn neue Entlohnungssysteme beruhen auf einer Entlohnung nach vereinbarter Leistung und nicht auf einer Entlohnung, die von erbrachter Leistung ausgeht.2
Mit dem Wandel der Produktionstechnik ist ein Rückgang des Einsatzes der Akkordvergütung zu beobachten. Durch neue Produktionskonzepte und der Etablierung rechnergestützter Fertigungssysteme besteht die Gefahr, dass Arbeitsvorgänge der Bedingung der Akkordfähigkeit nicht mehr genügen, denn die individuelle Zurechnung der Arbeitsergebnisse ist nicht mehr eindeutig möglich.3
Außerdem äußert sich ein Wandel der Arbeitsorganisation „in der Umstrukturierung der Leistungsbezugsgrößen von spezifischen zu eher unspezifischen Größen, wie zum Beispiel dem Erfüllungsgrad von Leistungserwartungen, der Abkehr von quantifizierbaren, messbaren Leistungsgrößen hin zu Leistungsverhalten. Der Leistungsvergleich wird zur Grundlage der Leistungsbewertung“.4 Weiter ist festzuhalten, dass die Zeitmessung mit einem großen und vor allem kostenintensiven Erfassungs- und Pflegeaufwand gekoppelt ist.5 Die geänderten Rahmenbedingungen beinhalten auch die Zuwendung zu Einzel- bzw. Kleinserienfertigungen, wobei hier im Gegensatz zu großen Serien die wirtschaftliche Vorgabezeitermittlung kaum noch möglich ist. Im Vordergrund stehen nun nicht mehr die maximale Stückzahl, sondern ein reibungsloser Ablauf der Arbeitsvorgänge und eine optimale Auslastung der Anlage.6 Die Betriebe wechseln folglich zu neuen Entlohnungsformen. Oft wird der Akkordlohn einfach durch den Prämien- oder Zeitlohn ersetzt. Insgesamt hat die Vergütung nach dem Prämiensystem im Gegensatz zum Akkordlohn im Zeitverlauf zugenommen, während der Anteil der Zeitlohnvergütung weitgehend stabil geblieben ist (s. Tabelle 1).
Tabelle 1: Verbreitungsgrad tariflicher Entlohnungsformen in der Metallindustrie (in %)7 [Tabelle in der Downloaddatei vorhanden]
Der Prämienlohn hält den geänderten Rahmenbedingungen in seiner Grundform ebenfalls nicht stand. Um trotz schwankender Auftragslagen und unterschiedlicher Kapazitätsauslastungen eine hohe Arbeitsproduktivität zu erzielen, müssen die Unternehmen ihre Mitarbeiter flexibel einsetzen können und sie bspw. in andere Abteilungen/Arbeitsbereiche versetzen. Da Leistungslöhne meist an den jeweiligen Arbeitsplatz gebunden sind, ist die Flexibilität eingeschränkt und Unternehmensziele können nicht vollständig erreicht werden.8
3 Vergütung nach Leistung und Erfolg
[...]
1 Vgl. J. Hentze / D. Olschinski,, 2003, S. 765-767.
2 Vgl. N. Harlander / C. Heidack / F. Köpfler / K.-D. Müller, 1994, S. 348.
3 Vgl. G. Lay / C. Rainfurth / R. Suhrheinrich, 1999, S. 287
4 Vgl. A. Kurdelbusch, 2002, S. 39-40.
5 Vgl. N. Harlander / C. Heidack / F. Köpfler / K.-D. Müller, 1994, S. 355.
6 Vgl. A. Kurdelbusch, 2002, S. 39; J. M. Lang, 2001, S. 57
7 In Anlehnung an: K. Tondorf, 1994, S. 83
Die Entwicklung in der Metallindustrie dient als Exempel, da ausführliche Erhebungen aus anderen Branchen
fehlen. Es ist aber anzunehmen, dass sich die Entlohnungsformen in anderen Branchen ähnlich entwickelt haben.
8 Vgl. J. M. Lang, 2001, S. 57-58
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Dagmar Gnida, 2006, Warum gewinnen variable Vergütungssysteme immer mehr an Bedeutung? Die Ausgestaltung eines variablen Vergütungssystems, Munich, GRIN Publishing GmbH
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