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INHALTSVERZEICHNIS
Seitenzahlen
DARSTELLUNGSVERZEICHNIS 4
A. Grundlegung 5-7
I. Einleitung 5
II. Fragestellung 6
III. Gang der Untersuchung 7
B. Theoretische Grundlagen des interkulturellen Kompetenzerwerbs 8-59
I. Soziale und interkulturelle Kompetenzen 8-16
1. Begriffskennzeichnung „soziale Kompetenz“ und
„sozial kompetentes Verhalten“ 8-10
2. Die Bestimmung sozialer Kompetenzen 11-12
3. Interkulturelle Kompetenz 13-16
II. Dimensionen von Kulturen 17-54
1. Begriffskennzeichnung Kultur 17-18
2. Kulturelle Manifestationen 19-20
3. Kultur als Bedingung für Fremdheit 20-21
4. Kulturelle Prägung von Individuen 21-24
5. Der Umgang mit Vorurteilen 25-26
6. Problematiken bei Kulturvergleichen 26-27
7. Strukturierung und Vergleich von Kulturen 28-54
7.1 Einführung in die Kulturvergleichsstudien Geert Hofstedes 28-29
7.2 Machtdistanz - die Toleranz gegenüber Machtgefällen 30-34
7.3 Individualismus und Kollektivismus 34-40
7.4 Maskulinität und Femininität 40-45
7.5 Die Unsicherheitsvermeidung 45-49
7.6 Die Langfristorientierung - Kultur als Wettbewerbsvorteil? 49-52
7.7 Kritische Würdigung der Kulturvergleichsstudien von Hofstede 52-55
III. Besondere Anforderungen an die Interkulturelle Kommunikation
mittels Sprache 55-59
1. Sprache und kulturelle Identität 55-57
2. „High-Context“, - und „Low-Context“- Kommunikationsstile nach Hall 57-59
C. Trainingsmethoden zum Erwerb interkultureller Kompetenzen 60-69
1. Diagnose Interkultureller Handlungskompetenzen: Die Assessment
Center -Methode 60-62
2. Grundlagen interkulturellen Lernens 62-64
3
3. Interkulturelle Trainingsmethoden und Coaching 64-69
D. Zusammenfassung der Ergebnisse und offene Fragen 70-71
LITERATURVERZEICHNIS 72-75
Individualismus/Kollektivismus 35 Tabelle 1: Machtdistanzindexwerte von 50 Ländern und 3 Länderregionen 33-34 Tabelle 2: Individualismusindexwerte von 50 Ländern und 3 Länderregionen 36-37 Tabelle 3: Maskulinitätsindexwerte von 50 Ländern und 3 Länderregionen 41-42 Tabelle 4: Unsicherheitsvermeidungsindexwert von 50 Ländern und 3 Regionen 46-47
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A. Grundlegung
I. Einleitung
Die in den letzten Jahrzehnten stetige Zunahme von Unternehmensaktivitäten auf weltweiten Märkten führt dazu, dass sich Unternehmenskulturen von ihren vormals rein nationalen Ausrichtungen zur internationalen Orientierung wandeln. Geschäftliches Tätigwerden ist kulturübergreifender geworden. Soziale Kontakte zwischen Menschen aus verschiedenen Kulturen dauern länger und sind intensiver geworden. Dies gilt nicht nur für touristisch motivierte Auslandsaufenthalte, sondern insbesondere für das Geschäftsleben. Interkulturelle Zusammenarbeit ist bereits schon in mittleren Führungsebenen und für Angestellte alltäglich. Hierfür müssen die Beteiligten nicht zwangsläufig ins Ausland reisen. Globale Projekte involvieren die Mitarbeiter von ihren Schreibtischen im eigenen Land aus.
Nur Firmen, die kulturelle Besonderheiten ihrer globalen Kundschaft und Mitarbeiter kennen und mit diesen kompetent kommunizieren können, sind dauerhaft in weltweiten Märkten erfolgreich. Deshalb ist es ein Anliegen der Wirtschaftskommunikation, die Zusammenarbeit zwischen Angehörigen verschiedener Kulturen zu erleichtern und zu optimieren. Interkulturell erfolgreiches Handeln setzt bestimmte soziale Kompetenzen voraus. Daneben ist Wissen über Kulturen von Bedeutung. Deshalb hat diese Arbeit einzelne Aspekte, in denen sich die Kulturen unterscheiden können zum Gegenstand, und bietet einen tieferen Einblick in das, was wir Kultur nennen. Durch die Beschreibung von spezifischen Trainings wird in dieser Diplomarbeit darauf hingedeutet, wie interkulturelle Kompetenzen praktisch zu erlangen sind. Denn nicht zuletzt durch diese Kompetenzen können die kulturellen Unterschiede der mit einem Unternehmen verbundenen Menschen, seien es Kunden, Mitarbeiter oder Geschäftspartner, erfolgreich gemanagt und genutzt werden. Interkulturelle Kompetenz hilft letztendlich unternehmerische Chancen zu ergreifen und Risiken zu minimieren.
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II. Fragestellung
Thema der Diplomarbeit: Interkulturelle Kompetenz -Kulturbetrachtung und interkultureller Kompetenzerwerb
Diese Diplomarbeit beschäftigt sich mit Kulturen und interkultureller Kompetenz. Den Schwerpunkt bildet dabei die Frage, was bei der Auseinandersetzung mit kulturellen Unterschieden zu beachten ist. Dadurch soll die Arbeit auch einen Leitfaden darstellen, der die Lesenden für die Betrachtung ihrer eigenen und fremder Kulturen sensibilisiert und zeigt, auf welchen Wegen interkulturelle Kompetenzen erworben werden können.
Aus dem Thema resultierende Fragestellungen:
1. Worauf basieren interkulturelle Kompetenzen und sind sie erweiter- und erlernbar? 2. Welche wesentlichen Elemente von Kulturen lassen sich beschreiben, die bei der interkulturellen Kommunikation besonders zu berücksichtigen sind? 3. Auf welchen praktischen Wegen können solche Kompetenzen aufgebaut werden?
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III. Gang der Untersuchungen
Um in der Geschäftswelt und zu anderen Anlässen erfolgreich mit Menschen aus anderen Kulturen kommunizieren zu können, bedarf es spezifischer Kompetenzen. Den sozialen Kompetenzen fällt hierbei besonderes Gewicht zu. Daher wird im I. Teil des Abschnitts B zunächst der Begriff der Kompetenz themenadäquat bestimmt, um anschließend eine Arbeitsdefinition aufzustellen, die sich auf vier zentrale Merkmale zur Bestimmung sozialer Kompetenz beschränkt. Aufbauend auf diesen Ergebnissen schließt dieser Teil mit der Untersuchung von Zugangsmöglichkeiten zur Entwicklung der interkulturellen Kompetenz ab.
Der II. Teil des Abschnitts B vertieft sich in die konkrete Betrachtung von Kulturen, indem er zentrale Dimensionen erläutert, die zu Kulturvergleichen herangezogen werden können. Diese zentralen Dimensionen erleichtern es Menschen, die sich in einer fremden Kultur zurechtfinden müssen, diese Kultur im Hinblick auf Kernmerkmale zu analysieren und zu verstehen. Hierfür stützt sich die Arbeit insbesondere auf die Ergebnisse der umfassenden Kulturvergleichsstudien des niederländischen Organisationspsychologen Geert Hofstede.
Weiterhin beschäftigt sich dieser Abschnitt mit der kulturellen Prägung von Menschen, legt dar, weshalb ein Individuum mehr als nur einer Kultur angehört, und geht dem Wesen und den Umgang mit Vorurteilen auf den Grund.
Die Sprache ist das bedeutendste Kommunikationsmittel der Menschen. Insbesondere in der Geschäftswelt ist eine Verständigung, die einzig auf Gestik und Mimik beruht, kaum vorstellbar. Um die Möglichkeiten und Grenzen der Sprache als Kommunikationsinstrument für interkulturelle Interaktionen aufzuzeigen, beschäftigt sich der III. Teil des Abschnitts B mit der gegenseitigen Beeinflussung von Sprache und Kultur, sowie unterschiedlichen kulturell geprägten Kommunikationsstilen.
Der Abschnitt C befasst sich mit der praktischeren Seite des interkulturellen Kompetenzerwerbes. Hier wird die Assessment Center-Methode im Hinblick auf die Diagnose interkultureller Kompetenzen vorgestellt, sowie eine Systematisierung von Trainingsmethoden zum Erwerb interkultureller Kompetenzen vorgenommen, die in Form von Seminaren oder Coaching verbreitet sind.
Im Abschnitt D werden abschließend die Ergebnisse der Arbeit genannt, und auf offene Fragen und Forschungsaspekte des Themas hingewiesen.
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B. Theoretische Grundlagen des interkulturellen Kompetenzerwerbs
I. Soziale und interkulturelle Kompetenzen
1. Begriffskennzeichnung „soziale Kompetenz“ und „sozial kompetentes
Verhalten“
Soziale Kontakte zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen hat es im Laufe der Geschichte schon immer gegeben. Heutzutage sind diese Kontakte, sei es aus geschäftlichen, wissenschaftlichen, politischen oder privaten Anlässen, häufiger und länger andauernd geworden. Interkulturelle Begegnungen betreffen unterschiedliche Personenkreise, so z.B. Studierende in Auslandssemestern, interkulturelle Projektgruppen oder SoldatInnen in Auslandseinsätzen. An diese Menschen werden hohe Anforderungen an Kooperation gestellt. In interkulturellen Interaktionen treffen nicht Kulturen, sondern Menschen aufeinander. Diese sind in unterschiedlichen kulturellen Kontexten sozialisiert wurden und haben daher eine spezifische Art der Wahrnehmung und des Handelns entwickelt. Eine interkulturelle Interaktion kann somit als ein Spezialfall des sozialen Handelns aufgefasst werden. 1 Für den Erfolg zwischenmenschlicher Kommunikation ist soziale Kompetenz unabdingbar. Sie ist bei der Untersuchung des Erfolgs von interkulturellen Interaktionen von besonderer Bedeutung und wird deshalb im folgenden Abschnitt behandelt.
Zuerst werden die Begriffe Kompetenz und kompetentes Verhalten voneinander abgegrenzt, um dann anschließend eine Arbeitsdefinition der sozialen Kompetenzen aufzustellen. Daran schließen sich Überlegungen an, wie soziale Kompetenzen bestimmt werden können.
Im Geschäftsleben ist unabhängig von der Branche oft von Kompetenz die Rede. Es wird danach gefragt, ob eine Handwerkerin kompetent genug ist, Reparaturen vorzunehmen, ein Mitarbeiter in der Kreditabteilung einer Bank die erforderliche Kompetenz besitzt, die Kundschaft in Finanzangelegenheiten zu beraten, oder ob eine Polizistin in kritischen Situationen kompetent mit unterschiedlichsten Menschen kommunizieren kann. Unter dieser oft genannten Kompetenz wird gewöhnlich verstanden, ob ein Mensch die besondere Fähigkeit und Befugnis hat, eine bestimmte Aufgabe erfolgreich zu erledigen. Nach Frei u.a. wird unter Kompetenz verstanden, dass ein Individuum die Möglichkeit hat, in Abhängigkeit von seinen Lebensbedingungen seine Fähigkeiten so zu ordnen und einzusetzen, dass es seine Wünsche, Ziele und Interessen verwirklichen kann. 2
1 Vgl. Layes: Grundformen, 2000, S. 37; Aschenbrenner-Wellmann: Interkulturelle Kompetenz, 2003, S. 85. 2 Vgl. Frei; Hugentobler; Alioth; Dell; Ruch: Organisation, 1993, S. 14.
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Eine Trennung der Ausdrücke Kompetenz und kompetentes Verhalten erscheint sinnvoll. Die Kompetenz wird bei Frei u.a. als das Potential eines Individuums betrachtet, sich kompetent zu verhalten. Auch Kanning spricht von der Kompetenz als den „Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Menschen (…) ein bestimmtes (z.B. soziales - Einfügung N.Sauer) Verhalten zu zeigen“ 3 . Unter dem kompetenten Verhalten versteht er ein konkretes, beobachtbares Verhalten in einer spezifischen Situation. 4 Somit kann festgehalten werden, dass die soziale Kompetenz über die ein Mensch verfügt, einzig die Grundlage für sozial kompetentes Verhalten darstellt, aber keine Garantie dafür ist, das sich dieser auch so verhält.
In ihrer Arbeit charakterisieren Frei u.a. an der Kompetenz weiterhin, dass der inhaltliche maximale Umfang einer Kompetenz nicht bestimmbar ist. Darüber hinaus ist für die Autoren die Kompetenz nicht auf eine gesamte Unternehmung von einem Anfangspunkt A zu einem Endpunkt B bezogen, sondern auf einzelne Tätigkeiten einer Person innerhalb dieser Unternehmung. 5 Demnach ließen sich so viele unterschiedliche Kompetenzen vorstellen, wie es Tätigkeitsfelder gibt.
Aufgrund der Komplexität der natürlichen, technischen, kulturellen und sozialen Umwelt ist unverkennbar, dass eine einzelne generalisierte Kompetenz nicht ausreicht, um sich in den vielfältigen Situationen des privaten Umganges und des Berufslebens kompetent zu verhalten. Von der erforderlichen Kompetenz für die Lösung eines Problems im Singular zu sprechen, ist daher unpräzise. Vielmehr erfordert die Bewältigung von Problemen jeglicher Art das Zusammenspiel unterschiedlichster Kompetenzen.
Zusammenfassend kann daher gesagt werden, dass es sich bei Kompetenzen um Fertigkeiten und Fähigkeiten handelt, die in ihrem Zusammenwirken einem Individuum die Möglichkeit geben, spezifische Probleme zu lösen.
Mit dem Eintritt in das Informationszeitalter verändern sich auch die gewöhnlichen Tätigkeiten und Arbeitsabläufe in vielen Berufszweigen. Anstelle der bloßen Delegation von Arbeiten von oben nach unten, trat eine Zunahme von eigenverantwortlichem und selbstständigem Tätigwerden einzelner Mitarbeiter und Teams in teilweise globalem Umfang. Diese Veränderung erfordert auch eine Zunahme von Informationsaustausch und Abstimmungsvorgängen. Dieser Entwicklung folgt eine wachsende Bedeutung von zwischenmenschlichen Interaktionen, auch kulturübergreifend und über Ländergrenzen
3 Kanning: Diagnostik, 2003, S. 13.
4 Vgl. ebd., S. 13.
5 Vgl. Frei; Duell; Baitsch: Kompetenzentwicklung, 1984.
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hinweg. Eine Zunahme solcher Beziehungen bedingt wiederum eine Zunahme an Problemen des sozialen Umganges, zu deren Lösung spezifische Kompetenzen benötigt werden. Um diesen Anforderungen zu genügen, sind von Mitarbeitern heutzutage Kompetenzen gefordert, die als sozial bezeichnet werden.
Neben Frei u.a. 6 trifft auch Kanning eine Unterscheidung zwischen den Begriffen Kompetenz und kompetentem Verhalten und definiert soziale Kompetenz als die „Gesamtheit des Wissens, der Fähigkeiten und Fertigkeiten einer Person, welche die Qualität eigenen Sozialverhaltens...fördert.“ 7
In einer sozialen Interaktion wirken immer mehrere Kompetenzen zusammen, so dass es präziser ist, von sozialen Kompetenzen im Plural zu sprechen. Dies wird auch in der in der von Kanning vorgenommenen Unterscheidung sozialer Kompetenz in die drei Bereiche Wissen, Fähigkeiten und Fertigkeiten deutlich. 8 Der erste Teilbereich der sozialen Kompetenz - das Wissen - beinhaltet alle Informationen über grundlegende Verhaltensregeln zwischenmenschlichen Interagierens. Dazu zählt beispielsweise stark kulturabhängiges Wissen um gesellschaftliche Werte, Normen, Rollenvorgaben, Begrüßungsrituale oder das Verhalten in öffentlichen Räumen.
Der zweite Baustein - die Fähigkeiten - umfassen breitere Basiskompetenzen, denen oft auch eine genetische Determination unterstellt wird. Dazu zählen z.B. die Intro- oder Extraversion, sowie die Fähigkeiten soziale Situationen angemessen wahrzunehmen und zu beurteilen. Andere erlernte Kompetenzen wie z.B. die motorische Ausführung des Essens mit Stäbchen finden sich in dem dritten Teilbereich, den Fertigkeiten, wieder. Soziale Kompetenz existiert also nicht als ein generalisiertes Konstrukt, sondern setzt sich aus gespeichertem Wissen und diversen sozialen Fähigkeiten und Fertigkeiten zusammen.
6 Vgl. Frei; Hugentobler; Alioth; Dell; Ruch: Organisation, 1993, S. 14.
7 Kanning: Diagnostik, 2003, S. 15. 8 Vgl. ebd., S. 16ff.
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2. Die Bestimmung sozialer Kompetenzen
Aus den im vorangegangenen Abschnitt beschriebenen Bausteinen, aus denen sich soziale Kompetenz zusammensetzt, wird deutlich, dass soziale Kompetenzen zum großen Teil erlern-und erweiterbar sind. Neben dem Wissen lassen sich auch Fertigkeiten und Fähigkeiten der sozialen Kompetenz unter Einschränkungen, wie z.B. Behinderungen, bei allen Menschen ausbauen.
McFall äußert sich im Hinblick auf soziale Kompetenz: „The key here is that the term (soziale Kompetenz - Einfügung N.Sauer) is an evaluative generalization. … The key is that the term skills refers to specific abilities” 9 . Soziale Kompetenz besteht für ihn aus einer unbestimmten Anzahl sozialer Fertigkeiten und Fähigkeiten. Demnach kann eine Person soziale Fertigkeiten und Fähigkeiten besitzen, aber dennoch in einer spezifischen Situation sozial inkompetent handeln, da sie nicht über alle sozialen Fertigkeiten und Fähigkeiten verfügt, die in dieser Situation notwendig wären, um sozial kompetent zu handeln. Daher muss festgehalten werden, dass die sozialen Kompetenzen einer Person niemals allein aufgrund ihres Verhaltens in einer isolierten Situation beurteilt werden können. Denn die sozialen Fertigkeiten und Fähigkeiten einer Person können für Situation A nicht ausreichend oder ungeeignet, aber für ein sozial kompetentes Einschreiten in Situation B vollkommen tauglich sein. Die Situationsspezifität ist demnach ein Bestimmungsmerkmal sozialer Kompetenzen. Beispielsweise sollte in Bewerbungsgesprächen daher nicht einfach nach dem Vorhandensein einer generellen sozialen Kompetenz gefragt werden. Es sollte vielmehr geprüft werden, ob die Kandidaten auf den bestimmten Job und das Arbeitsumfeld bezogene soziale Kompetenzen besitzen. Hierzu ist eine Analyse der typischen Anforderungen des Aufgabenbereiches Voraussetzung. Von der Situationsspezifität ableitend kann auch davon ausgegangen werden, dass soziale Fertigkeiten trainierbar sind, indem die Lernenden mit bislang unbekannten oder kulturspezifischen Situationen, z.B. in Seminaren mit Rollenspielen oder anderen Schulungsmaßnahmen, vertraut gemacht werden.
Neben der Situationsspezifität ist die zwischenmenschliche Interaktion eine weitere wesentliche Bestimmungsgröße sozialer Kompetenz, denn sie bezieht sich ja auf den Umgang mit Menschen. Sozial kompetentes Verhalten kann sich nur in Situationen zeigen, in denen direkt oder indirekt zwei oder mehrere Personen involviert sind. Beispielhaft hierfür sind Teammeetings, Verhandlungsgespräche zwischen Geschäftspartnern, Kritikgespräche zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern oder Kundengespräche. Alle zwischenmenschlichen Interaktionen werden mit einer bestimmten Zielsetzung der Beteiligten durchgeführt. Anknüpfend an das oben genannte Beispiel des Kritikgespräches könnte das Ziel des Vorgesetzten die Motivation des Mitarbeiters bzw. das Ziel des Mitarbeiters das Einholen von
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Feedback sein. Die Orientierung des Handelns an eigenen Zielen ist somit ein weiteres Bestimmungsmerkmal sozial kompetenten Verhaltens. 10
Um von den Mitmenschen als sozial kompetent eingestuft zu werden, sind dem zielgerichteten Verhalten jedoch Grenzen gesetzt. Nach Kanning ist ein Verhalten sozial kompetent, wenn es in einer spezifische Situation dazu beiträgt, die eigenen Ziele zu verwirklichen, aber gleichzeitig die soziale Akzeptanz des Verhaltens gewahrt wird. 11
Auch Riemann und Allgöwer definieren sozial kompetentes Verhalten dementsprechend. Nach ihnen wird soziale Kompetenz Personen zugesprochen, die fähig sind, mit anderen so zu interagieren, dass aus ihrem Verhalten ein Maximum an positiven und ein Minimum an negativen Konsequenzen für alle Beteiligten folgt. Das Verhalten muss zudem als mindestens sozial akzeptabel gelten. 12 Die soziale Akzeptanz variiert von Kultur zu Kultur. Um Normen, Werte und soziale Anforderungen in anderen Kulturbereichen zu erfassen und das eigene Verhalten danach auszurichten, ist eine Auseinandersetzung mit den jeweiligen sozial akzeptierten Verhaltensstandards wie z.B. Geschäftspraktiken unumgänglich. Zusammenfassend lassen sich vier Bestimmungsmerkmale sozial kompetenten Verhaltens charakterisieren. Dazu zählt der Grundsatz der Angemessenheit des zielorientierten Verhaltens, so dass für alle Beteiligte ein Maximum an positiven und ein Minimum an negativen Konsequenzen folgt. Dieser bedingt eine Zweckrationalität der eingesetzten Mittel zur Zielerreichung. Diese Zweckrationalität wird neben der Situationsspezifität, der Interaktion von mindestens zwei Personen und der Zielorientierung als viertes Bestimmungsmerkmal sozial kompetenten Verhaltens herangezogen. 13 Aus diesen Charakteristika lässt sich eine Arbeitsdefinition der sozialen Kompetenz konstruieren. Demnach handelt eine Person sozial kompetent, wenn sie ihr Handeln in einer spezifischen zwischenmenschlichen Interaktion an den eigenen Zielen ausrichtet und dabei die Angemessenheit der eingesetzten Mittel wahrt.
9 McFall: Concept, 1982, S.12 f, zit. nach Karkoschka: Validität,1998, S. 22.
10 Vgl. Karkoschka: Validität, 1998, S. 24. 11 Kanning: Diagnostik, 2003, S. 15.
12 Riemann; Allgöwer: „Interpersonal Competence Questionaire“, Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie, 1993, S. 153, zit. nach Karkoschka: Validität, 1998, S. 24f. 13 Vgl. Karkoschka: Validität, 1998, S. 26.
13
3. Interkulturelle Kompetenz
Bei der interkulturellen Interaktion begegnen sich nicht Kulturen, sondern Menschen. Deshalb ging die Arbeit in den vorangegangenen Abschnitten bereits detailliert auf die soziale Kompetenz, die für erfolgreiches zwischenmenschliches Interagieren wesentlich ist, ein. Lang bezeichnet soziale Kompetenz als „die Fähigkeit eines Mannes oder einer Frau, mit anderen Personen beiderlei Geschlechts aus allen gesellschaftlichen Schichten angemessen umgehen zu können“ 14 , betont also die Relevanz von Geschlecht und unterschiedlicher sozialer Hintergründe in zwischenmenschlichen Interaktionen. Es ist somit immer im Bewusstsein zu behalten, dass die prägenden Subkulturen, denen eine Person zugehörig ist, sei es das Geschlecht, die Altersgruppe, soziale Hintergründe, Bildungsschichten oder Religionsgemeinschaften, neben der nationalkulturellen Prägung wesentlichen Einfluss auf ihre Wahrnehmung und das Verhalten haben.
Neben diesen personalen Faktoren wird die Ausprägung interkultureller Kompetenz von situativen Aspekten beeinflusst. Die Verschiedenartigkeit möglicher sozialer Situationen ist in ihrer Komplexität kaum zu fassen. Konstellationen in denen fremdkulturelle Menschen miteinander interagieren unterscheiden sich u.a. darin, ob es sich z.B. um das Gastland oder das Heimatland, um eine private oder geschäftliche Situation handelt. Weiterhin an welchen Orten, zu welchen Zeiten und mit welchen Interaktionspartnern die Kommunikation stattfindet, ferner können klimatische Bedingungen, der Status der Handelnden, die zwischen ihnen bestehenden Machtverhältnisse oder das Vorhandensein von Rückzugsmöglichkeiten beeinflussende Faktoren sein. Diese situative Faktoren können den Aufbau interkultureller Kompetenz erleichtern oder erschweren. Die individuelle Verarbeitung der objektiven Umweltgegebenheit ist entscheidend. 15 Nur eine angemessene Situationsinterpretation erlaubt auch ein angemessenes soziales Verhalten. Wie bei jeder sozialen Interaktion wirken beim interkulturellen Handeln persönliche und situationsbedingte Faktoren zusammen. Es kommt zudem der Faktor Kultur hinzu, so dass eine interkulturelle Interaktion als ein Spezialfall der sozialen Interaktion gesehen werden kann.
Interkulturelle Kompetenz wird in der Fachliteratur häufig als Zusammenspiel aus Wissen, Motivation, Einstellung sowie Fähigkeiten und Fertigkeiten beschrieben, deren kombinierter Einsatz den erfolgreichen, angemessenen Verlauf interkultureller Begegnungen fördert. Das Bewusstsein der eigenen kulturellen Prägungen und ihre Auswirkungen auf die Wahrnehmung und das Handeln sind ein zentraler Bestandteil interkultureller Kompetenz. Dieses Bewusstsein führt zu dem Verständnis, dass auch Menschen aus anderen Kulturen spezifisch geprägt wurden und daher eine eigene Art der Weltinterpretation, der Situationswahrnehmung und des Handelns
14 Lang: Schlüsselqualifikationen, 2000, S. 353. 15 Vgl. Stahl: Internationaler Einsatz, 1998, S. 63.
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entwickelt haben. Interkulturelle Kompetenz zeichnet sich daher auch dadurch aus, zuerst einmal die richtigen Fragen zu stellen. Thomas und Müller haben für interkulturelle Situationen folgende generelle Fragen aufgestellt: 16
Was ist für mein fremdkulturelles Gegenüber in dieser Situation bedeutsam? Worauf ist die Aufmerksamkeit meiner Interaktionspartner gerichtet? Was kann ich tun, damit meine Absicht richtig interpretiert wird? Welche Verhaltensweisen werden von mir erwartet?
Sechs Zugangsmöglichkeiten zur Entwicklung interkultureller Kompetenz beschreibt Aschenbrenner-Wellmann 17 : Als eine sieht sie den Anpassungs- und Angleichungsprozess, den Menschen durchlaufen, wenn sie in eine fremde Kultur gelangen. Ihrzufolge können auch Menschen, die unter starkem Akkulturationsstress 18 leiden, in einer fremden Kultur erfolgreich handeln und z.B. in ihrer Arbeit und der Interaktion mit fremdkulturellen Geschäftspartnern erfolgreich sein. Das letzte Stadium des Anpassungs- und Angleichungsprozesses in einer fremden Kultur stellt dann das persönliche Wohlbefinden dar. Wenn sich eine Person in der fremdkulturellen Umgebung mit fremdkulturellen Menschen wohl fühlt, zwischen den Kulturen wandern kann und der Akkulturationsstress somit minimiert ist. Eine weitere Zugangsmöglichkeit liegt nach Aschenbrenner-Wellmann in spezifischen Persönlichkeits- und Einstellungsmerkmalen, die für erfolgreiche interkulturelle Kommunikation notwendig sind. Hierzu zählen Eigenschaften wie Empathie, Flexibilität, Toleranz, Selbstsicherheit oder Eigeninitiative. Die Problematik in diesem Ansatz besteht darin, dass Persönlichkeitsmerkmale in verschiedenen Kulturen unterschiedlich wahrgenommen werden. So wird z.B. ein extravertierter Mensch in einigen Kulturen als offen und umgänglich eingeschätzt, hingegen in Kulturen, in denen die Eigenschaften Bescheidenheit und Zurückhaltung bei Menschen wertgeschätzt werden, wird eine extravertierte Person entsprechend anders wahrgenommen. Deshalb ist der Zusammenhang zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und interkultureller Kompetenz
16 Vgl. Müller; Thomas: Studienhalber in den USA, 1995, In: Thomas; Kinast; Schroll-Machl (Hrsg.): Interkulturelle Kommunikation, 2003 a, S. 145
17 Vgl. Aschenbrenner-Wellmann: Interkulturelle Kompetenz, 2003, S. 93ff.
18 Vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Akkulturation; Seite besucht am 15.11.2004: Der Begriff Akkulturation bezeichnet das Hineinwachsen einer Person in ihre kulturelle Umwelt. In der Regel bezieht sich der Begriff auf Heranwachsende, also Kinder und Jugendliche in der Phase der Adoleszenz. Es kann aber auch der Assimilationsprozess Erwachsener gemeint sein, die sich z.B. als Immigranten oder zeitweilige Besucher mit einer ihnen fremden Kultur vertraut machen.; Fremdwörter Lexikon, Wissen Verlag, 1991: Akkulturation: Anpassung an kulturelle Gegebenheiten, freiwillige oder unfreiwillige Übernahme fremder Kulturelemente.
15
empirisch schwer nachzuweisen.
Einen dritten Ansatz für die Entwicklung interkultureller Kompetenz besteht in der Aneignung von Wissen über Kulturen. Dieser Annahme folgend, müsste eine Anhäufung von theoretischem Wissen über die Zielkultur zu einer gesteigerten interkulturellen Kompetenz führen. Kritisch anzumerken ist bei diesem Ansatz, dass aus der Lehr- und Lernforschung bekannt ist, dass eine Anhäufung von Informationen zu trägem Wissen führt, dass schwer in realen Situationen anwendbar ist. 19
Die Kommunikation mit Menschen aus fremden Kulturen kann weiterhin durch allgemeine linguistische und soziale Fähigkeiten erleichtert werden. Besonders durch Sprachkompetenz können kulturelle Missverständnisse schneller aufgelöst werden. Eine psychologische Herangehensweise an die interkulturelle Kommunikation prägte den Begriff der interkulturellen Handlungskompetenz. 20 Der Fokus wird hier auf die Handlungsaspekte gelegt. Zur Erlangung interkultureller Handlungskompetenz ist die Anpassung an kulturspezifische Verhaltensmuster und Standards erforderlich. Eine Anwendung eigenkultureller Verhaltensmuster in einer fremden Kultur kann zu Missverständnissen führen. Bei einer weiteren Zugangsmöglichkeit zur interkulturellen Kompetenz wird sie der sozialen Kompetenz gleichgesetzt. Demnach braucht ein Mensch für interkulturellen Handlungserfolg dieselben sozialen Fähigkeiten wie in der eigenen Kultur.
Für sich allein betrachtet, eignet sich keine Zugangsmöglichkeit, um interkulturelle Kompetenz zu definieren. Eine Kombination aller Betrachtungsweisen erlaubt die Beschreibung interkultureller Kompetenz am ehesten. Auch Thomas weist darauf hin, dass sich interkulturelle Handlungskompetenz, genau wie soziale Kompetenz aus verschiedenen Bereichen zusammensetzt und zum großen Teil durch lernintensive interkulturelle Begegnungs-und Erfahrungsprozesse entwickelt werden kann. 21 Hierzu müssen in einem ersten Schritt in realen oder in Trainings inszenierten Situationen, Erfahrungen gemacht werden, die dabei helfen das eigene kulturelle Orientierungssystem zu reflektieren, und sich dabei darüber bewusst zu werden, wie das eigene Denken und Handeln dadurch bestimmt wird. In einem zweiten Schritt werden die Lernenden Wissen über das fremdkulturelle Orientierungssystems erwerben, und die Fremdheit und Andersartigkeit des Verhaltens von Menschen aus der anderen Kultur in ihrer kulturellen Bedingtheit wahrnehmen. So können sie nachvollziehen, warum Menschen in entsprechenden Situationen so andersartig wahrnehmen, beurteilen und handeln. Es muss bei den Lernenden darüber hinaus eine Bereitschaft entwickelt werden, diese Denk- und Verhaltensweisen zu respektieren, und im Kontext der fremden Kultur zu beurteilen. Interkulturelle Kompetenz beinhaltet nicht zuletzt die Fähigkeit, die eigene und die fremde
19 Vgl. Aschenbrenner-Wellmann: Interkulturelle Kompetenz, 2003, S. 93ff. 20 Vgl Thomas; Kinast; Schroll-Machl (Hrsg.): Interkulturelle Kommunikation, 2003 a. 21 Vgl. ebd., S. 138 ff.
Arbeit zitieren:
Diplom Wirtschafts-Kommunikationswirtin (FH) Nancy Sauer, 2005, Interkulturelle Kompetenz - Kulturbetrachtung und interkultureller Kompetenzerwerb, München, GRIN Verlag GmbH
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