Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis I
Abbildungsverzeichnis II
1. Einleitung. 1
1 Theoretische Grundlagen. 2
1.1 Prospect Theory 2
1.1.1 Das Grundmodell. 3
1.1.2 Verlustaversion 5
1.1.3 Framing. 7
1.2 Mental Accounting 8
1.3 Arten von Referenzpunkten 9
2 Referenzpunktabhängigkeit in anderen Zusammenhängen 9
2.1 Biologie - Animal Model. 10
2.2 Soziologie 11
2.2.1 Bezugsgruppen. 11
2.2.2 Beurteilung sozialen Fortschritts 12
2.3 Psychologie. 14
2.3.1 Referenzpunkte und die „Framing“-Wahl des Sprechers 14
2.3.2 Intertemporale Entscheidungen 16
3 Anwendung. 17
3.1 Referenzpreise 17
3.2 Vergleichende Werbung 19
4 Fazit und Ausblick 20
Literaturverzeichnis 22
I
Abbildungsverzeichnis
Seite
Abbildung 1: Die Wertefunktion 3
Abbildung 2: Referenzpunkte und die „Framing-Wahl“ 14
Abbildung 3: Erwartete Gewinnhöhe auf dem Pfad der Status quo-Verbesserung
1. Einleitung
Die Erwartungsnutzentheorie diente lange Zeit als Standardmodell der Entscheidungstheorie in den Wirtschaftswissenschaften. Mit dieser Theorie lassen sich jedoch viele empirisch festgestellte Anomalien des Entscheidungsverhaltens nicht erklären. Neuere deskriptive Entscheidungstheorien, deren wichtigster Beitrag die Prospect Theory (Kahneman; Tversky, 1979) darstellt, liefern Erklärungsansätze für inkonsistentes Entscheidungsverhalten. Zahlreiche Forschungsergebnisse zeigen, dass nicht Vermögensendpositionen für Entscheidungen von Bedeutung sind, sondern relative Abweichungen von Referenzpunkten in Form von Gewinnen und Verlusten. Die Wissenschaft gelangt immer mehr zu der Erkenntnis, dass sich das Denken in Gewinnen und Verlusten als ein grundlegendes Prinzip des Entscheidungsverhaltens erweist.
Das Ziel der vorliegenden Arbeit ist es zunächst einen Überblick über grundlegende Forschungsergebnisse zur Referenzpunktabhängigkeit von Entscheidungen zu verschaffen sowie die aktuelle Forschungsarbeit auf diesem Gebiet und deren Schwerpunkte aufzuzeigen. Des Weiteren wird dargelegt, dass Referenzpunkte in den unterschiedlichsten Zusammenhängen eine bedeutende Rolle spielen. Mehrere wissenschaftliche Disziplinen befassen sich mit Referenzpunkten und deren Einfluss auf das Entscheidungsverhalten. Die Bedeutung von Referenzpunktabhängigkeit zeigt sich beispielsweise in der Biologie, der Soziologie und der Psychologie. Die Neurowissenschaften versuchen in jüngster Zeit Referenzpunktabhängigkeit physisch abzubilden. Referenzpunktabhängigkeit lässt sich zudem für die Unternehmenspraxis nutzen. Im Marketing können die Erkenntnisse aus der Referenzpunktabhängigkeit im Rahmen der Preisgestaltung und Produktwerbung angewendet werden.
Die Arbeit ist wie folgt aufgebaut: Nach der Einleitung werden im 2. Kapitel die theoretischen Grundlagen der Referenzpunktabhängigkeit mit einer
schwerpunktmäßigen Betrachtung der Prospect Theory dargestellt.
Im 3. Kapitel wird Referenzpunktabhängigkeit in verschiedenen Kontexten behandelt. Es werden Ansätze aus der Biologie, Soziologie und Psychologie präsentiert. Darüber hinaus wird auf die Forschungsarbeit der Neurowissenschaften im Rahmen des „Animal Model“ eingegangen.
1
Das 4. Kapitel zeigt den Praxisbezug von Referenzpunktabhängigkeit für das Marketing. Exemplarisch wird dies anhand der Referenzpreise und der vergleichenden Werbung verdeutlicht. Der Schluss bildet ein kurzes Fazit der zentralen Aussagen der Arbeit und in welchen Bereichen die zukünftige Forschungsarbeit auf dem Gebiet der Referenzpunktabhängigkeit zu sehen ist.
1 Theoretische Grundlagen
Die von Kahneman und Tversky 1979 veröffentlichte Prospect Theory für Entscheidungssituationen unter Risiko gilt als bedeutendster Beitrag zur deskriptiven Entscheidungstheorie, die die Forschung auf diesem Gebiet seitdem maßgeblich prägt. In aktuellen Forschungsarbeiten beschäftigt man sich besonders mit dem Phänomen der Verlustaversion, welches eine zentrale Stellung in der Prospect Theory einnimmt. Es werden Erklärungsansätze für dieses psychologische Phänomen der starken Abneigung gegenüber Verlusten geliefert. Weiter zeigt sich in der Prospect Theory, dass die Darstellung („Framing“) einer Entscheidungssituation großen Einfluss darauf hat, wie Ergebnisalternativen beurteilt werden.
Einen wichtigen Beitrag leistete zudem Thaler (1985), der die Prospect Theory weiterführte, indem er für multiple und kombinierte Spielausgänge vier „Mental Accounting“-Prinzipien entwickelte. 1 Die Forschung hat sich auch mit der Frage auseinandergesetzt, welche verschiedenen Arten von Referenzpunkten existieren.
1.1 Prospect Theory
Kahneman und Tversky entwickelten die Prospect Theory zunächst für einfache Entscheidungssituationen unter Risiko mit lediglich zwei von Null verschiedenen Spielergebnissen. In ihren späteren Arbeiten wurde die Prospect Theory dann in der kumulativen Prospect Theory auf mehrere Spielergebnisse und im Referenzpunktmodel
1 Vgl. Thaler (1985)
2
auf risikolose Entscheidungssituationen mit Handlungsalternativen, die durch mehrere Eigenschaften beschrieben werden, ausgeweitet. 2
1.1.1 Das Grundmodell
Die zentrale Aussage der Prospect Theory ist, dass nicht absolute Größen bei Ergebnisausprägungen von Bedeutung sind, sondern deren relative Abweichungen in Form von Gewinnen oder Verlusten von einem Referenzpunkt („…people normally perceive outcomes as gains and losses, rather than as final states of wealth or welfare“). 3 Der Referenzpunkt wird in der Prospect Theory als „Zustand des unveränderten Wohlstandes“ 4 interpretiert, der den Wert Null annimmt.
Ein wesentlicher Bestandteil der Prospect Theory stellt die Wertefunktion dar. Deren grafische Darstellung verdeutlicht die Kernpunkte der Prospect Theory. Die Wertefunktion ist durch folgende Merkmale gekennzeichnet.
Abb. 1: Die Wertefunktion
Quelle: Kahneman, Tversky (1979)
2 Vgl. Tversky, Kahneman (1991), Tversky, Kahneman (1992)
3 Vgl. Kahneman, Tversky (1979), S. 274
4 Vgl. Herrmann, Bauer (1996), S.679
3
Referenzpunktabhängigkeit: Die Wertefunktion ist durch positive und negative Abweichungen in Form von Gewinnen und Verlusten von einem Referenzpunkt gekennzeichnet. Personen orientieren sich demnach nicht an Endvermögensgrößen, sondern denken in Gewinnen und Verlusten.
Verlustaversion: Die Funktion verläuft im Bereich der Verluste steiler als im Bereich der Gewinne. Personen bewerten Verluste höher als gleich hohe Gewinne.
Abnehmende Sensitivität: Der Wert von Gewinnen und Verlusten nimmt mit zunehmender Entfernung vom Referenzpunkt ab, d. h. dass die Differenz von 10 und 20 Euro größer empfunden wird als von 1010 und 1020 Euro. Die Wertefunktion verläuft daher im Bereich der Gewinne konkav und im Bereich der Verluste konvex. 5
Eine weitere wichtige Aussage der Prospect Theory bezieht sich auf die unterschiedliche Risikoneigung im Bereich der Gewinne und Verluste. Im Bereich der Gewinne verhalten sich Personen risikoscheu. Ein sicherer Gewinn wird einem lediglich wahrscheinlichen Gewinn vorgezogen. Dagegen zeigen Personen spielfreudiges Verhalten bei Verlustspielen. Ein lediglich wahrscheinlicher Verlust wir einem sicheren Verlust vorgezogen. Dieses inverse Risikoverhalten im Bereich der Gewinne und Verluste lässt sich auf die Überbewertung von sicheren Resultaten zurückführen („Certainty Effect“). Zu beachten ist, dass es zu einer Umkehrung der Risikoneigung im Bereich der Gewinne und Verluste für sehr geringe Wahrscheinlichkeiten, d. h. Risikofreude im Bereich der Gewinne und Risikoaversion im Bereich der Verluste, kommt. 6 Dies wird auf die Überbewertung von sehr geringen Wahrscheinlichkeiten zurückgeführt, was auch den großen Markt für Versicherungen und Lotterien erklärt. In der Prospect Theory wird über die Gewichtungsfunktion dem Umstand Rechnung getragen, dass die subjektiven Entscheidungsgewichte („Decision Weights“) von den objektiven Wahrscheinlichkeiten abweichen.
Eine Überprüfung zentraler Aussagen der Prospect Theory wurde von Camerer in einer Feldforschung vorgenommen. Er zeigt anhand von zehn Beispielen, dass sich auch in empirischen Daten die bisher nur aus Experimenten abgeleiteten Aussagen der Prospect Theory bestätigen lassen. 7
5 Vgl. Kahneman (1979), S. 279
6 Vgl. ebenda, S. 285
7 Vgl. Camerer (2000), S. 1
4
Arbeit zitieren:
Marius Nickisch, 2006, Referenzpunktabhängigkeit von Entscheidungen, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Was ist ein Trend und wie werden Trends ermittelt?
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 15 Seiten
Der Schutz der Organmitglieder gegen Benachteiligungen in der RL 2000 ...
Jura - Zivilrecht / Arbeitsrecht
Seminararbeit, 30 Seiten
Investitionsplanung und Investitionsrechnung - Ziele, Verfahren, Kriti...
BWL - Investition und Finanzierung
Hausarbeit (Hauptseminar), 31 Seiten
Japans Medien - Informationskartelle oder „vierte Gewalt“?
Politische Kommunikation im Pr...
Politik - Internationale Politik - Region: Ferner Osten
Hausarbeit (Hauptseminar), 26 Seiten
Die arbeits- und sozialrechtliche Bevorzugung älterer Arbeitnehmer in ...
Jura - Zivilrecht / Arbeitsrecht
Seminararbeit, 25 Seiten
Agency Probleme bei mehreren Aktionen
BWL - Unternehmensführung, Management, Organisation
Seminararbeit, 35 Seiten
Einsatz der Balanced Scorecard in der Personalwirtschaft
BWL - Personal und Organisation
Seminararbeit, 34 Seiten
Guerilla-Marketing als moderne Kommunikationsstrategie im Sport
Sport - Sportökonomie, Sportmanagement
Diplomarbeit, 77 Seiten
Kennzahlengestütztes Personalcontrolling - Praxisrelevanz und Leistung...
BWL - Personal und Organisation
Diplomarbeit, 66 Seiten
Trendforschung als Bestandteil der Marketingforschung
BWL - Marketing, Unternehmenskommunikation, CRM, Marktforschung
Seminararbeit, 21 Seiten
Marius Nickisch's Text Referenzpunktabhängigkeit von Entscheidungen ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Marius Nickisch hat den Text Referenzpunktabhängigkeit von Entscheidungen veröffentlicht
Marius Nickisch hat einen neuen Text hochgeladen
Legitimation ethischer Entscheidungen im Recht
Interdisziplinäre Untersuchung...
Silja Vöneky, Cornelia Hagedorn, Miriam Clados, Jelena von Achenbach
Mein Grundwissen. 9./10. Schuljahr. Schülerbuch. Gymnasium. Neue Recht...
Nachschlagen, Tests, Lösungen
Logistikkonzeptionen Band 1: Theoretische Grundlagen und Modellierung
Theoretische Grundlagen und Mo...
Thomas Schake
Neues Bauen in den Alpen / Architettura alpina contemporanea / New Alp...
Architekturpreis 2006 / Premio...
Christoph Mayr Fingerle
0 Kommentare