1. Einleitung 2
2. Nünnings Typologie der historischen Romane 3
2.1 Grundlagen 3
2.2 Klassifikationsmerkmale 3
2.2.1 Selektionsstruktur 3
2.2.2 Relationierung und Gestaltung der Erzählebenen 4
2.2.3 Dominanter Zeitbezug und Vermittlungsformen 5
2.2.4 Verhältnis zum Wissen der Historiographie. 6
2.2.5 Dominante Illusionstypen und Funktionspotential. 7
2.3 Fünf Typen historischer Romane. 8
3. Was ist Postmoderne? 9
4. Anwendung des Rasters, der expliziten historiographischen Metafiktion
auf Stefan Heyms „König David Bericht“ 12
4.1 Selektionsstruktur 13
4.2 Relationierung und Gestaltung der Erzählebenen 14
4.4 Verhältnis zum Wissen der Historiographie 17
4.5 Dominante Illusionstypen und Funktionspotential. 18
5. Fazit 19
6. Literaturangaben. 20
1
1. Einleitung
Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt auf der Analyse der Fragestellung, ob es eigentlich eine deutschsprachige postmoderne Literatur gibt. Das theoretische Untersuchungsraster bildet die Typologie des historischen Romans von A. Nünning, deshalb soll dieses Raster hier eingeführt und erläutert werden. Zuerst werden seine theoretischen Prämissen vorgestellt und danach seine fünf Typen des historischen Romans umrissen. Im nächsten Schritt soll in die Postmoderne - Problematik eingeführt werden, eingangs werden die zentralen Prozesse und Problematiken der Postmoderne vorgestellt, und danach wird versucht Parallelen zwischen den allgemeinen Annahmen zur Postmoderne und Nünnings postmodernen Typus, der expliziten historiographischen Metafiktion, aufzuzeigen.
Nach der Einführung in die Postmoderne soll anhand Nünnings Merkmalsbündel zur explizit historiographischen Metafiktion, was seine Bezeichnung für den postmodernen Roman ist, untersucht werden, ob Analysen zur angelsächsischen Postmoderne auch auf die deutschsprachige Literatur übertragbar sind.
Exemplarisch für den deutschen postmodernen Roman soll in dieser Arbeit Stefan Heyms „Der König David Bericht“ stehen, dieser Roman wird dann anhand Nünnings Typus dahingehend untersucht, ob er Merkmale der Postmoderne trägt und inwieweit dann von einem postmodernen Roman, nach Nünnings Definition, gesprochen werden kann.
Vorweg sei noch gesagt, dass die Darstellung und Argumentation in Kapitel 2 weit gehend Nünnings Argumentation folgt, die Kapitelüberschriften der Merkmalsbündel sind identisch mit den Überschriften in seiner Untersuchung, dies soll der Orientierung des Lesers dienlich sein. Da die Argumentation nahe an Nünnings Vorgehensweise orientiert ist, wird in diesem Kapitel meist auf Quellenangaben verzichtet, ohne dass sich der Autor die Gedanken zu Eigen machen möchte, abweichende, wichtige oder direkte Zitate sind aber belegt.
2
2. Nünnings Typologie der historischen Romane
2.1 Grundlagen
Unter Rückgriff auf geschichts- und erzähltheoretische Kategorien versucht Nünning interdisziplinär ausgerichtete Beschreibungsmodelle für die Analyse der literarischen Aneignung von ‚Geschichte’ im Roman zu entwickeln. 1 Als Ausgangspunkt dient Nünning weder eine dichotome noch eine stoffliche Subklassifizierung des historischen Romans. Vielmehr führt er ein systematisches Raster von Differenzierungskriterien ein, mit dessen Hilfe ein gattungstypologisches Modell unterschiedlicher Erscheinungsformen narrativ-fiktionaler Geschichtsdarstellung erstellt werden soll. 2 Nünning möchte ein systematisches Raster von Kategorien entwickeln, das eine metatextuelle Beschreibung und typologische Differenzierung von Erscheinungsformen narrativ-fiktionaler Geschichtsdarstellung ermöglicht. Diese Kriterien sollen dann die Grundlage für die skalierende Einordnung formal bestimmter Typen des historischen Romans liefern. 3 Durch dieses deduktive Vorgehen ist es Nünning möglich die Unterschiede der Typen in sein Modell aufzunehmen. Um diese Unterschiede erfassen zu können entwickelt Nünning ein Raster von Kategorien, aus denen sich Anhaltspunkte für eine typologische Klassifizierung des historischen Romans ableiten lassen. 4 Nünning ordnet die Differenzierungskriterien fünf Gruppen zu, es sind die Gruppen ‚Selektionsstruktur’, ‚Zeitbezug’, ‚Vermittlungsformen’, ‚Verhältnis zum Wissen der Historiographie’ und ‚Dominante Illusionstypen und Funktionspotential’. Diese Gruppen sollen im folgenden Kapitel nun aufgelöst werden, um die Differenzierungsmerkmale beleuchten zu können.
2.2 Klassifikationsmerkmale
2.2.1 Selektionsstruktur
Je nach dominanter Referenzrichtung sind dominant heteroreferentielle historische Romane von dominant autoreferentiellen zu unterscheiden. Bei dominant heteroreferentiellen historischen Romanen stehen Fremdreferenzen, also außer- oder intertextuelle Bezüge auf geschichtliche Personen, Ereignisse oder Texte, im Vordergrund. Im Gegen-
1 Vgl.Nünning, Ansgar: Von historischer Fiktion zu historiographischer Metafiktion. Band 1 Theorie, Typologie und Poetik des historischen Romans. Trier 1995. S. 205.
2 Vgl. Nünning S. 19.
3 Vgl. Ebd. S. 208.
4 Vgl. Ebd. S. 220.
3
satz dazu, haben in dominant autoreferentiellen Romanen die selbstreflexiven Elemente und Bezüge mehr Gewicht, als Fremdreferenzen.
Die Bestimmung des Dominanzverhältnisses zwischen Referenzen auf außertextuelle Realität und fiktionale Elementen, lässt sich durch das Kriterium der Zahl, Art und Streubreite von Realitätsreferenzen weiter präzisieren.
Wichtige Kriterien um das Dominanzverhältnis weiter differenzieren zu können, sind nach Nünning, „das quantitative Kriterium der zahlenmäßigen Verteilung historisch belegter und erfundener Elemente sowie durch ein qualitatives Kriterium, den Grad an Deutlichkeit, mit dem die Fiktionalität markiert ist.“ 5
Wichtig ist weiter, ob der außertextuelle Referenzbereich vergangene Geschichte ist, oder ob die Referenzen, Aspekte der Historiographie oder Probleme der Geschichtsthe-orie behandeln.
2.2.2 Relationierung und Gestaltung der Erzählebenen
Das Kriterium der Relationierung der Erzählebenen bezieht sich auf die unterschiedlichen Kommunikationsebenen und die Frage welche der Ebenen im Roman dominant ist. Dabei lässt sich unterscheiden ob Geschichte primär diegetisch, extradiegetisch oder hypodiegetisch vermittelt wird. Wenn Geschichte dominant diegetisch vermittelt wird, was für klassische historische Romane kennzeichnend ist 6 , dann wird auf der Ebene der Handlung ein historischer Handlungszusammenhang szenisch geschildert, der mit Hilfe von Zeit- und Ortsangaben einer geschichtlichen Epoche zugeordnet werden kann. Extradiegetische Geschichtsdarstellung zeichnet sich dadurch aus, dass sich der Akzent von der Figuren- und Handlungsebene auf die Erzählerebene verschiebt, auf der Erzählinstanzen über ein zurückliegendes Geschehen oder Historiographie reflektieren. Von hypodiegetisch vermittelter Geschichte spricht man, wenn Figuren auf der diegetischen Ebene mit Hilfe von eingebetteten Erzählungen geschichtliche Ereignisse schildern. Das Kriterium Gestaltung der Erzählebenen untersucht die Art und Weise wie das Geschehen vermittelt wird. Die Gestaltung der diegetischen Ebene kann in zwei Pole unterteilt werden, auf der einen Seite sind historische Romane anzusiedeln, die sich durch ein tendenziell ereignishaftes, handlungsreiches, spannendes und kohärentes Erzählen auszeichnen, diese Texte unterstreichen die Authentizität des Dargestellten. Den Gegenpol bilden Romane, die durch metafiktionale Elemente oder weitere illusionsdurchbrechende Verfahren zu einer Destabilisierung und Entwertung von Geschichte
5 Ebd. S. 223.
6 Vgl. Ebd. S. 228.
4
oder Fakten führen. Hinsichtlich der Gestaltung der extradiegetischen Ebene lassen sich auch zwei diametral entgegengesetzte Ausprägungen narrativ-fiktionaler Geschichtsdarstellung unterscheiden, die als Transparenz oder Explizität der erzählerischen Vermittlung bezeichnet werden. 7
Den einen Pol bilden Romane, in denen die Sprache und die Ebene der erzählerischen Vermittlung so neutral gestaltet sind, dass sie wie ein transparentes Medium anmutet, das einen direkten Blick auf vergangenes Geschehen erlaubt. Demgegenüber stehen Romane, in denen durch eine Präsenz einer expliziten Erzählinstanz, welche die Aufmerksamkeit auf die auffällig gestaltete extradiegetische Ebene lenken. Dies kann über häufige Leseranregungen, Digressionen des Erzählers, metasprachliche, metanarrative, metafiktionale und metahistoriographische Äußerungen, die Radikalisierung multiperspektivischer Erzähltechniken und die illusionsstörende Verwendung nichtnarrativer Diskussionsformen 8 geschehen.
2.2.3 Dominanter Zeitbezug und Vermittlungsformen
Das erste differenzierende Kriterium untersucht den dominanten Zeitbezug, ob ein Roman eher vergangenheits- oder gegenwartsorientiert angelegt ist. Nach Nünning ist ein konstitutives Merkmal des historischen Romans der doppelte Zeitbezug, das bedeutet, dass die beiden Zeitbezüge sich nicht wechselseitig ausschließen, sondern dass die Romane immer zwischen den Zeitbezügen pendeln. 9 Im Falle diegetisch vermittelter Geschichte liegt nach Nünning meist Vergangenheitsbezug vor, bei extradiegetischer Vermittlung dagegen dominiert Gegenwartsbezug. 10
Ein weiteres differenzierendes Kriterium betrifft die temporale Konfiguration des Erzählten, die „zeitliche Anordnung des Geschehens auf der syntagmatischen Achse der Kombination.“ 11 Historische Romane können zwei Ausprägungen annehmen, die linear- chronologische oder die anachronische Erzählweise. Im ersten Fall wird das Erzählte mit einer natürlichen Zeitfolge erzählt, im zweiten Fall wird die Ereignischronologie durchbrochen.
Das dritte Kriterium betrifft die narrative Form der Geschichtsvermittlung, ob in Romanen die dynamischen Erzählmodi des Erzählerberichts und der Figurenrede vorherr-
7 Vgl.Wolf, Werner: Ästhetische Illusion und Illusionsdurchbrechung in der Erzählkunst. Theorie und Geschichte mit Schwerpunkt auf englischem illusionsstörenden Erzählen. Buchreihe der Anglia. Zeitschrift für englische Philologie Band 32. Tübingen 1993. S. 199ff, 211ff.
8 Nünning S. 229
9 Vgl. Ebd. S. 231.
10 Vgl. Ebd. S. 231.
11 Ebd. S. 233.
5
Arbeit zitieren:
Thomas Jung, 2003, Gibt es eine deutsche Postmoderne? Versuch der Anwendung von A. Nünnings Theorie auf den 'König David Bericht' von Stefan Heym, München, GRIN Verlag GmbH
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