Inhaltsverzeichnis
Vorwort Seite 3
1. Formaler Aufbau der Schachnovelle Seite 4
1.1. Die Novelle als geeignete literarische Gattungsform Seite 4
1.2. Rahmen und Binnenerzählung Seite 5
2. Das Motiv des Schachspiels Seite 6
2.1. Das Spiel Seite 6
2.2. Die Spieler Seite 8
3. Stefan Zweig und die Schachnovelle Seite 10
4. Fazit Seite 12
Literaturverzeichnis Seite 13
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Vorwort
Schon die flüchtige Begegnung mit dem Schachspiel offenbart, dass es sich um einen spielerischen Ersatz für die „Kunst“ des Krieges handelt. Gleich einem tatsächlichen Krieg treten Armeen gegeneinander an, um mit Strategie und Taktik die gegnerischen Züge vorauszuahnen und eigene Angriffslinien aufzubauen. Ein Kampf, der nicht auf physischen sondern auf rein psychischen Fähigkeiten basiert, macht die Faszination dieses Spieles aus und birgt gleichzeitig dessen Gefahr.
Stefan Zweigs Schachnovelle 1 gilt als eine der gelungensten literarischen Auseinandersetzungen mit dem Schachspiel und als eindrucksvolle Darstellung totalitärer Herrschaftssysteme.
Anhand des besonderen Charakters des Schachspiels und der Eigenarten seiner Spieler lassen sich Gegensätze und unvereinbare Weltanschauungen auf ein dichtes Zusammen und Gegeneinander zweier Spieler und das dazwischenliegende acht mal acht Felder umfassende Spielbrett projizieren. Die individuell und sehr speziell gezeichneten Figuren der Schachnovelle, die Verflechtung ihrer Beziehungen untereinander und der äußere Rahmen, die Bedingungen und unterschiedlichen Voraussetzungen ihres Zusammentreffens auf einem Passagierschiff, stehen stellvertretend für das Aufeinanderprallen unvereinbarer Weltanschauungen in ihren extremsten Ausprägungen. So verdeutlicht die Schachnovelle gegensätzliche Ideologien anhand einzelner „Typen“ in einem komplexen und sehr konzentrierten Kontext. Das Schachspiel wird durch seinen besonderen Charakter zum verbindenden und gleichzeitig trennenden Element zwischen den Figuren und den von ihnen repräsentierten Systemen.
Die folgende Arbeit versucht zu erläutern, inwieweit die Zwiespältigkeit in Stefan Zweigs Lebensgefühl, in den unterschiedlichen Weltanschauungen und Ideologien und in den individuellen Charakterdarstellungen im formalen und inhaltlichen Aufbau der Novelle, vor allem jedoch im Motiv des Schachspiels Ausdruck findet.
1 Stefan Zweig: Schachnovelle, 45. Aufl., Frankfurt am Main 1999.
Die Seiten – und Zeilenangaben innerhalb der Arbeit beziehen sich auf diese Ausgabe.
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1. Formaler Aufbau der Schachnovelle 1.1 Die Novelle als geeignete literarische Gattungsform
Bereits im Titel zeigt Stefan Zweig die Gattungszugehörigkeit seiner Erzählung auf. Eine Untersuchung der Schachnovelle ist zunächst auf die formalen Strukturen der Novelle hin erforderlich um zu zeigen, dass gerade die Novelle in ihren formalen und inhaltlichen Ausprägungen dazu geeignet ist, unvorstellbare und unfassbare Ereignisse und Begebenheiten greifbar zu machen und sie damit wenigstens ansatzweise zu erklären.
Die Grundbedeutung der Novelle liegt in der Darstellung einer „Begebenheit“. Der Begriff impliziert zum einen den Realismus der dargestellten Geschichte, zum anderen aber auch, dass Geschehnisse sich „begeben“ also nicht selbst zu verantworten sind. 2 Bereits hier stößt man auf einen direkten Bezug zu Stefan Zweigs Biografie, anhand derer sich ihm ein Hang zum Fatalismus nachsagen lässt. Zweigs abwartende, passive Haltung wurde von seinen Freunden oft kritisiert, er jedoch war der Überzeugung, das Leben sei vorbestimmt und die Geschichte die Herrscherin über das Leben.
Zur Reflexion der Novelle gehört es, die „Begebenheit“ als „unerhört“ und „unwahrscheinlich“ zu qualifizieren. Der Begriff kann dabei im Sinne von „neu“, also noch nie gehört oder im Sinne einer durch Normenbruch erzielten Außerordentlichkeit verstanden werden. 3 Die „außerordentliche“ Geschichte des Dr. B. wird zur Projektionsfläche für systemimmanente Strukturen. Zweig verweist auf millionenfache Schicksale, indem er die psychische Befindlichkeit eines einzelnen Menschen erzählt. Hier liegt die Besonderheit und Größe der Schachnovelle, der es gelingt, einem System, das man als Abstraktum nur schwer nachvollziehen kann, ein Gesicht zu geben. Dadurch wird dem Leser ermöglicht, das Anonyme zu personifizieren und das Abstrakte zu konkretisieren.
2 Vgl. Hugo Aust: Novelle, 2. Aufl., Stuttgart 1995, S.10.
3 Ebd. S. 11.
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Arbeit zitieren:
Angelika Stegmeyer, 2005, Zweig, Stefan - Schachnovelle, München, GRIN Verlag GmbH
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