2
Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1 Leben und Werdegang von Rousseau 4
2 „Von der bürgerlichen Religion“ 6
3 Betrachtung von Religion im 21. Jahrhundert 12
4 Resümee 15
Literaturverzeichnis 17
Die Beschäftigung mit dem Ursprung und Sinn des menschlichen Lebens sowie der Natur- und Tierwelt scheint ein Grundbedürfnis der Menschheit zu sein. Religiöse Deutungssysteme sind eine Möglichkeit, wie Menschen versuchen, ihre Welt und den sie umgebenden Kosmos zu verstehen. Jedoch gibt es viele verschiedene religiöse Systeme und jedes versucht auf seine Art und Weise, Ursprung und Bedeutung der menschlichen Existenz zu erklären. Letztlich gibt es keine Kultur bzw. keinen Kulturkreis, der gänzlich ohne eine Religion auskommt. So findet beispielsweise der staatlich verordnete Atheismus sozialistischer Staaten keinen Rückhalt in der traditionell gläubigen Bevölkerung. 1 Das Wort Religion leitet sich vom lateinischen religio ab und bedeutet Gottesfurcht. In vielen anderen religiösen Systemen wie dem Buddhismus oder Hinduismus findet sich allerdings kein adäquates Wort für das im mitteleuropäischen Sprachraum gebräuchliche Wort Religion. 2 Im westlichen Kontext bezeichnet Religion einen „Oberbegriff für verschiedene Arten transzendentaler Systeme, die sich durch ein philosophisch-mythologisches Denkgebäude (…) auszeichnen“ 3 . In der vorliegenden Arbeit soll sich aufgrund der Vielfalt und Komplexität religiöser Systeme auf Religion aus westlicher Sicht konzentriert werden. Im christlich geprägten Abendland versuchten diverse Philosophen, immer wieder den vorherrschenden christlichen Glauben zu analysieren, zu kritisieren oder sogar nach eigenen Vorstellungen zu modifizieren. Auch Rousseau gehört zu denjenigen Denkern, die die verschiedenen religiösen Deutungssysteme von der Antike bis ins 18. Jahrhundert näher betrachtet hatten. Er ging so weit, dass er im Rahmen seines Werks Du Contrat Social eine neue Definition bzw. Vorstellung von Religion, die mit den Idealen des im Gesellschaftsvertrag entwickelten
1 O. V.: „Religion“, in: Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2003.
2 Michaels (1998), S. 30 ff.
3 O. V.: „Religion“, in: Microsoft Encarta Enzyklopädie Professional 2003.
4
Staates konform gehen, konzipierte. Auf den folgenden Seiten soll Rousseaus Ansicht von Religion mit der heutigen verglichen werden. Dem Hauptteil der Arbeit wird eine kurze Biographie über Rousseau vorangestellt, um besser die Zusammenhänge zwischen seinem Leben und der in seinem Werk Du Contrat Social entwickelten Religion zu verstehen. Der Schwerpunkt liegt auf dem achten Kapitel, in welchem Rousseau „Von der bürgerlichen Religion“ 4 schreibt.
1 Leben und Werdegang von Rousseau
Rousseau ist ein wichtiger Denker des 18. Jahrhunderts, der unter anderem dadurch auffällt, dass er nicht, wie viele seiner Zeitgenossen, eine klassische akademische Ausbildung genoss und zudem eher der proletarischen Schicht entstammte und letztlich nie bürgerlich wurde. Rousseau, der am 28. Juni 1712 in Genf als Sohn eines Uhrmachers geboren wurde, steht geistig zwischen der Zeit des Rationalismus und der Aufklärung. Als sechzehnjähriger flieht er aus Genf, „um eine lebenslange Wanderschaft zu beginnen“ 5 . Auch beruflich war sein Leben von Unruhe geprägt: Er versucht sich als Bediensteter, als Sekretär und als Musiklehrer. In Annecy lernt er Madame de Warens, eine vornehme katholische Dame, kennen, durch deren Einfluss er zum Katholizismus konvertiert ist. Es sei darauf hingewiesen, dass er später dem Katholizismus wieder abschwört, da es unter anderem zu persönlichen und religiösen Auseinandersetzungen zwischen ihm und der Kirche von Genf gekommen war. 6 Fortan erscheint Rousseau die
4 Rousseau: „Du Contrat Social Ou Principes Du Droit Politique“, 1762, übers. v. Brockard
(1986), S. 140.
5 Maier, in: ders./ Denzer ( 2 2004), S. 59.
6 Grimsley (1986), S. 78.
5
protestantische Kirche sowohl in persönlicher als auch in religiöser Hinsicht sympathischer. 7
Rousseaus Wandertrieb konnte ihn auch nicht ewig im Hause bei Madame de Warens halten, sein Ehrgeiz treibt ihn nach Paris. In Paris findet Rousseau schnell neue Freunde, vor allem im Kreis der Enzyklopädisten um Denis Diderot und Jean Le Rond d’Alembert. Bald beginnt er sich von Paris innerlich zu lösen, da er „unter dem Zwang zur Verstellung und Heuchelei“ 8 zu zerbrechen droht. Ein Höhepunkt in Rousseaus Leben sollte sein, als er im Jahre 1749 an der Ausschreibung der Akademie von Dijon zu der Frage, „ob der Fortschritt der Künste und Wissenschaften dazu beigetragen hat, die Sitten zu reinigen“ 9 , teilgenommen hat. Rousseaus Beitrag gewinnt den Preis und der einst unbekannte Autor wird über Nacht berühmt. Doch sein ruheloses und angefochtenes Leben, welches schließlich in Verfolgungswahn und Wahnsinn sein Ende finden sollte, geht weiter. 10 Als ihm nach einem erneuten Erfolg in der Pariser Gesellschaft mit seiner Oper Le devin de village eine königliche Pension angeboten worden ist, lehnt er diese bewusst ab. „Er will nicht mehr abhängig sein“ 11 ; er trägt fortan bürgerliche Kleidung und bestreitet seinen Lebensunterhalt mit Notenschreiben. Obgleich er nun aufgrund seiner Berühmtheit alles besitzen könnte, lehnt er „brüsk“ 12 den Ruhm und die damit verbundene Abhängigkeit ab. Er wohnt weiterhin in Paris, obwohl ihm die Stadt mittlerweile „hassenswert“ 13 erscheint. Er denkt sogar über einen Umzug nach Genf, welches er voller Verbitterung in seinen Jugendjahren verlassen hat, nach. In Paris hat sich währenddessen langsam der Bruch mit dem Kreis der Enzyklopädisten vollzogen und die Stadt ist für ihn immer uninteressanter geworden. Es zieht ihn in die Provinz, wo er sich verstärkt dem Schreiben widmet. 1759 erscheint sein erster Roman und Welterfolg La nouvelle Héloise - „romantische Gefühlsliteratur mit dem Hintergrund der Alpen und des Genfer Sees“ 14 . Zu jener Zeit erfreut sich Rousseau einflussreicher
7 ebd., S. 77.
8 Maier, in: ders./ Denzer ( 2 2004), S. 60.
9 ebd.
10 ebd., S. 61.
11 ebd.
12 ebd.
13 ebd.
14 ebd.
Arbeit zitieren:
Ishan Hegele, 2006, Ein Vergleich zwischen Rousseaus Zivilreligion und Religion aus heutiger Sichtweise, München, GRIN Verlag GmbH
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