Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 2
0. Einleitung 3
1. Entwicklung zur Soziobiologie 5
2. Genetische Prädispositionen und menschliches Verhalten 7
3. Das Big-Five Modell 11
4. Aggression 13
4.1 Vier Aggressions-Hypothesen 14
4.1.1 Die Frustrations-Hypothese 14
4.1.2 Die Triebhypothese 15
4.1.3 Die Reaktions-Hypothese 16
4.2 Das technokratische System 18
4.3 Das verwirrte Lebewesen 19
4.4 Agonistisches Verhalten 21
5. Schlusswort 25
6. Literatur 27
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„Um zu einer besseren Welt zu gelangen, dürfen wir nicht feige auf
0. Einleitung
einen romantischen Traum starren, sondern müssen vorwärts in eine Zukunft blicken, die auf wirklicher Selbsterkenntnis beruht“ (aus: Psychologie heute, August 2001, S. 72).
In dem vorausgehenden Hauptseminar zum Thema „Wer oder Was bestimmt unser Verhalten?“ haben wir uns mit dieser Frage auseinandergesetzt, indem wir versucht haben, Parallelen zwischen der Natur und der menschlichen Umwelt zu ziehen. Das heißt inwieweit die Evolutionstheorie bei der Frage nützlich und sinnvoll sein kann. Dabei haben wir beispielsweise anhand von Untersuchungsergebnissen aus dem Tierreich Schlüsse auf das menschliche Miteinander gezogen.
Es gibt heutzutage noch viele Wissenschaftler, die von der These ausgehen, der Mensch sei zum Zeitpunkt seiner Geburt ein unbeschriebenes Blatt. Dies soll anhand der vorliegenden Arbeit in Frage gestellt werden, denn „in vielen Bereichen unseres Lebens macht es einen Unterschied, ob wir über die ‚angelegten’ Verhaltensdispositionen wissen oder diese ignorieren. Das Wissen um diese Dispositionen ist zum Beispiel von großer Relevanz in der Erziehung“ 1 .
Im ersten Kapitel wird zunächst auf den Forschungszweig der Soziobiologie eingegangen. Dabei werden die Untersuchungen der Zwillingsforschung angesprochen, die in diesem Zusammenhang einige Ergebnisse erzielen konnten. Welche Relevanz hat die Soziobiologie bei der Diskussion um die Frage der menschlichen Persönlichkeitsentwicklung? Welche Rolle spielt die Evolutionstheorie für die Erklärung menschlichen Verhaltens?
Im zweiten Kapitel werden die Ergebnisse der Soziobiologie erläutert, welche von genetischen Prädispositionen und deren Relevanz für das menschliche Verhalten ausgeht. Was sagt die Wissenschaft, insbesondere die Soziobiologie zum Thema „genetische Prädisposition“?
Die Arbeit wird in diesem Zusammenhang nach den Wurzeln der menschlichen Persönlichkeit fragen. Wodurch wird sie festgelegt? Und vor allem in welchem
1 Wuketits, Franz M.: Der Affe in uns (Warum die Kultur an unserer Natur zu scheitern droht), Leipzig: Hirzel, 2002, S. 24.
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Maße wären Gene und Umwelt dafür in Betracht zu ziehen? Welchen Einfluss nimmt die Umwelt auf die Persönlichkeitsentwicklung des Menschen wirklich? Daher dient das dritte Kapitel zur Darlegung des sogenannten „Big-Five- Modells“, welches für die fünf universellen und elementaren Persönlichkeits- merkmale des Menschen steht. Damit wird erörtert, inwieweit unsere Persönlichkeit bereits vorbestimmt ist und inwieweit sie sich durch Umwelteinflüsse beeinflussen lässt.
Im vierten und letzten Kapitel wird die menschliche Persönlichkeit anhand des Phänomens „Aggression“ noch einmal genauer beleuchtet, um der Frage nachzugehen, welche Komponenten dem menschlichen Aggressionsverhalten zugrunde liegen. Sind Menschen von Natur aus aggressiv? Welche Verbindungen lassen sich dabei zum Tierreich ziehen? Im ersten Unterkapitel wird auf vier Aggressions-Hypothesen Bezug genommen, um damit mögliche Ursachen aggressiven Verhaltens zu konstatieren. Anschließend folgt ein Unterkapitel über die Folgen des technokratischen Systems und deren Auswirkungen auf das menschliche Aggressionsverhalten. Es folgt ein drittes Unterkapitel zur Diskussion um die Verwirrung des Menschen und deren mögliche Folgen für unsere Spezies. Es stellt sich dabei die Frage, inwiefern wir durch die Kultur überhaupt in der Lage sind aggressives Verhalten zu kontrollieren? Daran schließt ein viertes Unterkapitel zum agonistischen Verhalten von Tieren und Menschen an.
Bezüglich der Parallelen zum Tierreich hat Edward O. Wilson mit seinem Buch „Biologie als Schicksal“ 2 einen nützlichen Beitrag geleistet. Wilson gilt zudem in der Forschung als Begründer der Soziobiologie.
Was die Diskussion um den Menschen, der als „tabula rasa“ betrachtet wird, betrifft, gibt das Buch von Steven Pinker „Das unbeschriebene Blatt“ 3 hilfreiche Einsichten.
2 Wilson, O. E.: Biologie als Schicksal (Die soziobiologischen Grundlagen menschlichen Verhaltens), Frankfurt am Main, 1980.
3 Pinker, Steven: Das unbeschriebene Blatt (Die moderne Leugnung der menschlichen Natur), Berlin: Berlin Verlag, 2003.
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Einen weiteren wichtigen Beitrag zu der Frage, in welchem Maße das menschliche Verhalten durch die Gene bestimmt sei, liefert Franz M. Wuketits mit seinem Buch „Der Affe in uns“ 4 , worin er aufzeigt, wo die Kultur mit unserer Natur zu kollidieren droht. Die Erbanlage-Umwelt-Debatte ist laut Wuketits längst veraltet. Er behauptet, dass es sich bei der Entwicklung bestimmter Merkmale stets um einen Prozess der Wechselwirkung zwischen Genen und Umwelt handeln würde 5 .
In Bezug auf die Frage nach den Wurzeln der menschlichen Persönlichkeit, bietet sich das Buch von Gerhard Roth „Fühlen, Denken, Handeln“ 6 an, in dem er darauf hinweist, dass die gesellschaftliche Natur des Menschen sich aus seiner (neuro)biologischen Natur ergebe und nicht umgekehrt.
Walter Angst stellt sich in seinem Buch „Aggression bei Affen und Menschen“ 7 unter dem Gesichtspunkt der Evolution, deren Produkt seiner Meinung nach auch der Mensch ist, der Frage des Wie und Warum der Aggression.
1. Entwicklung zur Soziobiologie
Einige Sozialwissenschaftler vertreten die Ansicht, der Mensch würde als „tabula rasa“ geboren. Er sei in dem Sinne ein unbeschriebenes Blatt mit unbegrenzten Entwicklungsmöglichkeiten. Die Erfahrung würde in dem Sinne die Richtung der Entwicklung bestimmen. Das andere Extrem dazu bilden Verfechter eines genetischen Determinismus, der eine Verneinung des freien Willens und der Befähigung zur persönlichen Weiterentwicklung bedeutet. Nach deren Meinung sind wir Gefangene unseres Erbguts. 8 In diesem Kapitel soll der goldene Mittelweg zwischen den beiden dargestellten Extremen aufgezeigt werden. Es geht also um die Annahme, dass Gene zwar einen gewissen Einfluss auf das menschliche Verhalten ausüben können, aber dass dieses Verhalten nicht ausschließlich durch sie bestimmt sein muss.
4 Wuketits, Franz M.: Der Affe in uns (Warum die Kultur an unserer Natur zu scheitern droht), Leipzig 2002.
5 Vgl. Ebd., S. 195.
6 Roth, Gerhard: Fühlen, Denken, Handeln (Wie das Gehirn unser Verhalten steuert), neue, vollständig überarb. Ausgabe, Frankfurt am Main: Suhrkamp Verlag, 2001.
7 Vgl. Angst, Walter: Aggression bei Affen und Menschen, Heidelberg: Springer Verlag, 1980.
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Diesbezüglich wurden einige nützliche Forschungsergebnisse durch die Zwillingsforschung erzielt, worauf im Folgenden kurz eingegangen wird. Die Zwillingsforschung beschäftigt sich mit der Gegenüberstellung von eineiigen, erbgleichen Zwillingspärchen mit zweieiigen, bei denen die genetische Ausstattung nur zur Hälfte übereinstimmt. Vereinzelt werden auch eineiige Zwillinge, die in derselben Familie aufgewachsen sind, mit voneinander getrennt aufgewachsenen eineiigen Zwillingspärchen verglichen. 9 Untersuchungen ergaben, dass eineiige Zwillinge derart ähnlich denken würden, dass man meinen könnte, sie würden in Telepathie miteinander stehen. Würden sie bei der Geburt getrennt werden, und sich dann nach Jahren wieder begegnen, würden sie das Gefühl haben, sich seit Jahren zu kennen. 10 „Die meisten psychologischen Merkmale sind das Produkt vieler Gene mit geringem Effekt, die in ihrer Wirkung durch die Gegenwart anderer Gene beeinflusst werden, und nicht das Ergebnis eines einzigen Gens mit massivem Effekt, der sich unter allen Umständen durchsetzt“ 11 .
Pinker hat mit dieser Aussage deutlich gemacht, dass unser Verhalten sich zwar durch genetische Prädispositionen erklären lässt, aber dass selbst in diesem Bereich mehrere und nicht ausschließlich eine Komponente den Ausschlag geben. An dieser Stelle wird noch auf ein weiteres Zitat von Pinker verwiesen, dass sich auf eine Aussage von Tschechow bezieht, der behauptet hat, dass der Mensch nur durch wahre Selbsterkenntnis zu einem besseren Menschen würde 12 : „In diesem Sinne können die neuen Wissenschaften von der menschlichen Natur den Weg zu einer realistischen, biologisch untermauerten Humanität bahnen. Sie offenbaren die psychologischen Konstanten unserer Art, unabhängig von den oberflächlichen Unterschieden der körperlichen Erscheinung und der engeren Kultur. [...] Sie verheißen uns Natürlichkeit in unseren menschlichen Beziehungen, in dem sie uns ermutigen, uns in unserem Umgang mit Menschen danach zu richten, wie sie wirklich fühlen, und nicht, wie sie sich nach Maßgabe irgendeiner Theorie fühlen sollten“ 13 .
Das Zitat verdeutlicht die Notwendigkeit einer Wissenschaft wie der Soziobiologie.
8 Vgl. Barash, David P.: Soziobiologie und Verhalten, aus dem Amerikanischen übersetzt von Dr. Ingrid Horn, Berlin: Verlag Paul Parey, 1980, S. 276.
9 Vgl. Lawton, S. 36.
10 Vgl. Pinker, S. 74.
11 Ebd., S. 76.
12 Vgl. Ebd., S. 12.
13 Ebd., S. 12.
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2. Genetische Prädispositionen und menschliches
Verhalten
In diesem Kapitel geht es um die Darstellung der Ergebnisse aus der Soziobiologie. Was sagt die Wissenschaft, insbesondere die Soziobiologie zum Thema „genetische Prädisposition“?
Im Bereich der menschlichen Verhaltensforschung wurde bisher viel Material zusammengetragen, das die These widerlegt, der Mensch sei zum Zeitpunkt seiner Geburt ein unbeschriebenes Blatt. Vielmehr wurde bewiesen, dass der Mensch bereits über eine Reihe von angeborenen Verhaltensdispositionen verfüge, die sich durch evolutive natürliche Auslese entwickelt haben. 14 Allerdings leugnen diese Humanethologen nicht, dass der Mensch aus seinen Erfahrungen profitieren und lernen kann. Der Einzelne kann durch Erziehung stark beeinflusst werden, wodurch sein Verhalten in die eine oder andere Richtung gelenkt werden kann. Wuketits macht aber darauf aufmerksam, dass der Glaube an eine Erziehung des Menschengeschlechts nur einer Illusion behaftet sei. 15 Es stellt sich allerdings auch die Frage, wie weit eine solche Erziehung gehen soll. Dass die gesamte Menschheit nicht nur aus friedliebenden, gewaltfreien, gerechten Menschen bestehen kann, liegt in der Logik selbst. Es sollte jedoch ein Bestreben vorhanden sein, das sich darum bemüht, die Welt friedlicher zu gestalten. In diesem Sinne kann man nur auf eine „bessere“ Welt hoffen, darf aber nicht erwarten, dass Erziehung die letztendliche Lösung dafür liefert. So wie wir an uns selbst auch ausprobieren können, unseren Charakter zu formen und unser Verhalten zu lenken und von Zeit zu Zeit doch wieder in „alte Muster“ verfallen. Dawkins wiederum rät uns, dass wir uns gegen unser eigenes stammesgeschichtliches Erbe auflehnen sollten. Er ist der Meinung, dass wir durchaus die Macht besitzen würden, uns den egoistischen Genen unserer Geburt und falls nötig auch den egoistischen Memen 16 unserer Erziehung zu widersetzen. Zudem ist Dawkins der Ansicht, dass der Mensch in der Lage sei, einen selbstlosen Altruismus bewußt zu kultivieren und zu pflegen. Er sagt, dass wir als Genmaschinen gebaut seien und man uns zu Memmaschinen erziehen würde, was
14 Vgl. Eibl-Eibesfeldt (1984), zitiert nach Wuketits, S. 185.
15 Vgl. Wuketits, S. 185.
16 Dawkins umschreibt die kulturellen Errungenschaften mit dem Wort Meme, welches Einheiten darstellen, die zur Weitergabe intellektueller Informationen dienen (vgl. Wuketits, S. 182).
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Daniela Sonntag, 2006, Was prägt das Wesen eines Menschen?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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