Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 1
2. „Chickamauga“ 2
2.1 Der erste Leseeindruck 2
2.2 Der Rückblick 6
3. “Occurrence at Owl Creek Bridge 8
3.1 Der erste Leseeindruck 8
3.2 Der Rückblick 9
4. Schlußbetrachtung 13
5. Literatur 15
5.1 Primärliteratur. 15
5.2 Sekundärliteratur 15
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Ambrose Bierce wurde 1842 als zehntes von dreizehn Kindern In Ohio geboren. Im Alter von 17 Jahren nahm er am Bürgerkrieg teil. Er war an verschiedenen Schlachten beteiligt, darunter auch die Schlacht von Chickamauga. Aufgrund seines Lebenslaufs spürte er die Grausamkeiten des Krieges am eigenen Leibe; sein militärischer Werdegang endete mit einer Kopfverletzung im Juni 1864. Nicht lange nach seiner Genesung begann seine literarische Karriere. Er arbeitete für verschiedene Zeitschriften als Journalist und Kolumnist. 1872 erschien seine erste Kurzgeschichte, „The Haunted Valley“. Bis zu seinem Tod blieb der Krieg das wichtigste Thema seiner Dichtung.
Neben Kriegsgeschichten und Geschichten, die sich mit dem Übernatürlichen befassen, veröffentlichte er auch eine Anzahl grotesker Erzählungen, die sich jeder Gattungseinordnung entziehen. Eine Anthologie seiner Kurzgeschichten teilt diese in drei Kategorien ein: „7KH:RUOGRI+RUURU“, „7KH:RUOGRI:DU“ und „7KH :RUOGRI7DOO7DOHV“ 1 .
„Bitter Bierce“ war gefürchtet wegen seines Zynismus und seiner kritischen Äußerungen. Dieser Zynismus, gepaart mit dem Hang zum Grotesken findet sich in den meisten seiner Kurzgeschichten wieder, so auch in „Chickamauga“. Während seine Horrorgeschichten menschliche Ängste häufig von der psychologischen Seite her betrachten, manifestiert sich der Schreck in den Kriegsgeschichten oft in der schonungslosen Schilderung der Grausamkeit des Krieges. Neben dieser expliziten Darstellung dieser Greuel verstand Bierce sich darauf, die psychologische Schrecken zu beschreiben, den seine Protagonisten in den Geschichten erleben.
Die beiden hier betrachteten Kurzgeschichten haben eine Sache gemeinsam: In beiden Geschichten wird dem Leser eine wichtige Information, die für ein Verständnis der Handlung essentiell ist, bis zum Schluß vorenthalten. Zwar werden unterschwellig Andeutungen gegeben, die auf diese Information hinweisen, aber erst bei erneutem Lesen der Geschichte kann der Leser diese Hinweise richtig einordnen. Um der Handlung einen Sinn abzugewinnen, ist also
1 Bierce, Ambrose. 7KH&RPSOHWH6KRUW6WRULHVRI$PEURVH%LHUFH Lincoln, London: University of Nebraska
Press, 1984.
1
ein zweiter Lesevorgang unbedingt erforderlich. Folglich muß bei der Untersuchung der Geschichten einerseits die Wirkung betrachtet werden, die diese auf den Leser beim ersten Lesen hat; diese wird kontrastiert in Bezug auf die zahlreichen Hinweise, die sich dem Leser erst bei zweiten Lesen erschließen. Schwerpunkt dieser Arbeit ist die Untersuchung der Erzähltechniken, die Bierce einsetzt, um den Leser auf die falsche Fährte zu führen.
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Bierce setzt in „Chickamauga“ einen Erzähler ein, der über weite Strecken zurücktritt und die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven wiedergibt. Vorherrschend ist die Perspektive des Protagonisten; parallel dazu wird die Handlung aus der Sicht eines „HOGHUREVHUYHU“ bzw. eines „REVHUYHURIEHWWHU H[SHULHQFH“ dargestellt. Die Geschichte beginnt mit der Schilderung des
Kriegsspiels eines Jungen, der sich von seinem Elternhaus in den nahegelegenen Wald zurückzieht. Die Sprache, in der diese erste Passage geschrieben ist, hat den Charakter von Kriegspropaganda.
[…] this child's spirit, in bodies of its ancestors, had for thousands of years been trained to memorable feats of discovery and conquest--victories in battles whose critical moments were centuries, whose victors' camps were cities of hewn stone. From the cradle of its race it had conquered its way through two continents and passing a great sea had penetrated a third, there to be born to war and dominion as a heritage. 2
Krieg wird als eine noble Sache dargestellt, die dem Protagonisten aufgrund seiner Herkunft gewissermaßen im Blut liegt. Der Sechsjährige hat seine Begeisterung für den Kampf aus den Büchern und den Bildern seines Vaters. Mit dem selbstgebasteltem Holzschwert zieht er nun in den Kampf, der vom Autor in einer mit Euphemismen geradezu überladenen Sprache geschildert wird. Der imaginäre Kampf endet mit der „Heldentat“ des Kindes, das sämtliche Feinde mit dem Schwert tötet, beschrieben mit dem Euphemismus „putting all to the sword“ 3 .
2 “Chickamauga” 313
3 “Chickamauga” 314
2
Now that the battle had been won, prudence required that he withdraw to his base of operations. Alas; like many a mightier conqueror, and like one, the mightiest, he could not
Diese alte Kriegsweisheit, die scheinbar didaktischen Charakter hat, führt den Leser schon hier auf eine falsche Fährte. Dieser stellt sich darauf ein, daß die Grundtendenz der Geschichte eine Patriotische ist. Der Junge, der sich zu neuen Heldentaten aufmacht, trifft aber sogleich auf einen „more formidable enemy“ 5 einen Hasen. An dieser Stelle ändert sich sowohl der Stil der Geschichte als auch die Perspektive. Die Handlung wird jetzt aus der kindlichen Sicht des Protagonisten wiedergegeben. Dieser verläuft sich im Wald, wo er verstört einschläft. Sein „Schwert“ ist jetzt nicht länger eine Waffe, sondern ein Gefährte; er hält es während des Schlafes fest umklammert.
Diese Perspektive sowie der verniedlichende Stil („the little sleeper rose to his feet“ 6 ) werden zunächst beibehalten. Dies steht in krassem Gegensatz zu der Kriegsmetaphorik und der vorherigen Beschreibung seiner „Heldentaten“. Der Protagonist ist nicht mehr der furchtlose Krieger, sondern ein einsames Kind, welches ängstlich nach dem Heimweg sucht.
Erst als der Protagonist auf die ersten Verwundeten der Schlacht stößt, die stattgefunden hat, ohne daß er oder der Rezipient der Geschichte davon erfahren, erfolgt ein erneuter Perspektivenwechsel. Während das Kind den ersten Überlebenden, der sich durch den Wald schleppt, als „strange moving object“ wahrnimmt, welches es zunächst nicht näher definieren kann, erhält der Leser einige Zusatzinformationen über das Geschehen.
Der Erzähler schaltet sich ein und beschreibt die grausame Szenerie, diesmal allerdings aus der Perspektive eines erwachsenen Beobachters. Erst allmählich wird dem Leser die Ernsthaftigkeit der Situation voll bewußt. Von diesem Zeitpunkt an existieren zwei verschiedene Perspektiven gleichzeitig: die des Lesers, der aufgrund seiner Erfahrungen einen Wissensvorsprung gegenüber dem Kind hat, und die des Kindes, welches die Lage nicht zu deuten weiß und
4 “ Chickamauga” 314
5 “ Chickamauga” 314
6 “ Chickamauga” 314
3
Arbeit zitieren:
Wolfgang Scholz, 2001, Retrospektive Sinnstiftung in den Kurzgeschichten An Occurrence at Owl Creek Bridge und Chickamauga von Ambrose Bierce, München, GRIN Verlag GmbH
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