Inhaltsverzeichnis
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1. Einleitung
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2. Die Merkmale des modernen Sports
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2.1 Weltlichkeit
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2.2 Chancengleichheit
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2.3 Spezialisierung
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2.4 Rationalisierung
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2.5 Bürokratisierung
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2.6 Quantifizierung
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2.7 Rekordstreben
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3. Zur Zivilisationstheorie von Elias
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4. Die Ursachen der Entstehung des modernen Sports in England
4.1 Ideologische und politische Veränderungsprozesse im 17. und 18. Jahrhundert 10
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4.1.1 Die Puritaner
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4.1.2 Politische Pazifizierung
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4.2 Die Eigendynamik des Sports
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4.3 Entwicklungsprozesse im 19. Jahrhundert
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4.3.1 Public Schools und die Mittelschicht
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4.3.2 Die Industrialisierung und die Unterschicht
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5. Zusammenfassung
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6. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Der Sport ist ein gesellschaftliches Phänomen, das sich auf der ganzen Welt immer größerer Begeisterung erfreut und dessen Beliebtheit sowie dessen Nutzen sich wohl auch in Zukunft weiter verstärken wird. Die hier vorliegende Arbeit soll sich mit der Entstehung des modernen Sports befassen, der das Produkt eines sich im England des 18. und 19. Jahrhunderts über gut zwei Jahrhunderte erstreckenden Entwicklungsprozesses ist, und sich von dort ausgehend zuerst in den Kolonien des Empires und anschließend auf der ganzen Welt verbreitete. Um den Entwicklungsprozess des Sports zum modernen Sport nachzuvollziehen, ist es zunächst einmal wichtig zu wissen was letzteren eigentlich ausmacht. Zu diesem Zweck wird sich der erste Teil der Arbeit mit den Charakteristika des modernen Sports nach Allen Guttmann beschäftigen und diese vorstellen, erklären und gegeneinander abgrenzen. Im Folgenden geht es dann um die Bildung eines sozialwissenschaftstheoretischen Rahmens, dessen Rolle die Zivilisationstheorie des „Menschenwissenschaftlers“ Norbert Elias einnehmen wird, und vor dessen Hintergrund die Entstehung und die Ursachen für die Entstehung des modernen Sports in England beleuchtet werden sollen. Zu diesem Zweck wird es die Aufgabe sein die zivilisationstheoretischen Kernaussagen zusammenzutragen und zu durchdringen.
Im eigentlichen Hauptteil wird dann in, im Großen und Ganzen, chronologischer Reihenfolge der Entwicklungsweg des modernen Sports nachvollzogen werden, wobei die Darstellungen unter anderem um Begriffe wie Zivilisierung, Prestige, Konkurrenz, Vergesellschaftung, Fairplay, Kommerzialisierung, Amateur- und Profitum, etc. kreisen werden. Weiterhin wird es Ziel dieser Arbeit sein die gewonnen Erkenntnisse in interdependenten, figurationalen Zusammenhängen darzustellen und zu diskutieren, sodass am Ende ein möglichst logisches, gesamtgesellschaftliches und facettenreiches Abbild der Entstehungsursachen des modernen, englischen Sports und seines Weges hin zu diesem entsteht. Dabei wird die Reise, angefangen von rohen „blood sports“ und „pastimes“, über wettende und konkurrierende Gentlemen bis hin zu professionellen, am kommerzialisierten Sport verdienenden Profi-Wettkämpfern gehen.
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2. Die Merkmale des modernen Sports
Um die Ursachen, die zur Entstehung des modernen Sports führten zu analysieren, ist es zunächst einmal von grundlegender Bedeutung zu wissen, wie dieser sich charakterisieren und vom unmodernen Sport früherer Epochen unterscheiden lässt. Zu diesem Zweck findet Allen Guttmann (1979) sieben Wesensmerkmale, die nach seiner Ansicht den modernen Sport und insbesondere den Hochleistungssport der heutigen Zeit prägen (vgl. S. 26), die beim in der Vergangenheit betriebenen, unmodernen Sport aber nur teilweise oder gar nicht vorhanden waren. Im Folgenden sollen diese sieben Merkmale vorgestellt und erläutert werden.
2.1 Weltlichkeit
Der moderne Sport ist in dem Sinne weltlich, als dass ihm nicht wie etwa in früheren Kulturen ausschließlich oder überwiegend rituelle, utilitäre Bedeutung zukommt. So liefen zum Beispiel Urvölker „um die Erde fruchtbar zu machen, nicht um des Laufens Willen“ (Guttmann 1979, S. 26), die athletischen Feste der Griechen waren kultische Akte zu Ehren der jeweilig verehrten Gottheit 1 und die im Rahmen dieser Spiele stattfindenden Agone spiegelten Kampftechniken wider, die auch im Krieg zur Anwendung kamen (vgl. Elias o.J., S. 91).
Der moderne Sport hingegen wird „um seiner selbst willen [oder] wegen anderer genauso weltlicher Zwecke“ (Guttmann 1979, S. 35) betrieben, wie etwa Aufnahme und Pflege sozialer Kontakte oder Verbesserung der Gesundheit. Er ist allenfalls noch in so fern heilig, als dass er selbst für einige Menschen den Stellenwert einer weltlichen Religion einnimmt, der Unterschied dabei ist aber, dass er hier das Ziel und nicht das (utilitäre) Mittel zum Zweck ist.
1 Zeus bei den Olympischen- , Apollon bei den Pythischen-, Poseidon bei den Isthmischen und wiederum
Apollon bei den Nemeischen Spielen (vgl. Guttmann 1979, S. 31, Tab. 1)
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2.2 Chancengleichheit
Chancengleichheit lässt sich nach Guttmann zunächst einmal in zwei Kategorien unterscheiden. Zum einen gibt es die Chancengleichheit in der Vorbereitung des Wettkampfes und die Chancengleichheit im Wettkampf selbst. Letztere sei leichter zu realisieren und ein Muss im modernen, alles quantifizierenden Sport und auch im Antiken Sport der Griechen sei auf Chancengleichheit im Wettkampf weitestgehend geachtet worden 2 . Dagegen ist die Chancengleichheit im Bezug auf die Wettkampfvorbereitung (Trainingsmöglichkeiten) - und auf die Partizipationsmöglichkeiten überhaupt - im modernen Sport auch erst seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts vollständig gegeben. Erst allmählich wurde dieser von Schichten-, Rassen- und Geschlechterdiskriminierung befreit. Hinsichtlich der Trainingsmöglichkeiten und der damit in Korrelation stehenden Leistungsfähigkeit wird eine Differenzierung in Profi- und Amateursport vorgenommen, was Guttmann (1979) allerdings als „anachronistischen Unsinn“ (S. 41) ansieht. Er plädiert stattdessen für eine strikt leistungsabhängige Unterscheidungsvariante wie etwa im Open Tennis (vgl. S. 41).
2.3 Spezialisierung
Die Spezialisierung auf einzelne Sportarten gab es schon in der Antike und führte zu professionellen Sportlern. Zwar verschwand dieses Phänomen im Sport des Mittelalters, im modernen Sport ist es allerdings allgegenwärtig. Die Rollenspezialisierung bezieht sich dabei nicht nur auf die Ebene der Sportart, es gibt auch innerhalb der Sportart Spezialisierungen auf bestimmte Positionen, wie zum Beispiel Stürmer und Torwart. Auf einer höheren Ebene gibt es die berufliche Spezialisierung auf den Sport, die Professionalisierung, und schließlich wird zwischen den Aktiven, Zuschauern und Trainern, Managern etc. unterschieden (vgl. Guttmann 1979, S. 45- 48).
2 So gab es Hellanodiken, die Regelverstöße bestraften, und eine Differenzierung der Teilnehmer in eine
Knaben- und eine Männerklasse; nach Gewicht wurde allerdings nicht unterschieden (vgl. Guttmann 1979, S.
37 f.)
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2.4 Rationalisierung
Rationalität im modernen Sport bezieht sich zum einen auf die in der Sportart geltenden Regeln, die als Mittel zum Zweck dienen, allgemeingültig sind und beliebig und zweckmäßig modifiziert werden können (vgl. Guttmann 1979, S. 49 f.), etwa um die Chancengleichheit in der Sportart zu verbessern, die Attraktivität für das Publikum zu erhöhen oder die zur Anwendung kommende Gewalt zu steigern bzw. zu vermindern. Damit würden sie sich beispielsweise von denen der Mayas und Azteken unterscheiden, deren Regeln nicht willkürlich zweckrational, sondern traditionell überliefert waren und nicht einfach der Nützlichkeit halber geändert werden konnten. Außerdem meint Rationalisierung auch eine optimierte Wettkampfvorbereitung und zu guter Letzt eine theoretische Durchdringung des Sports, die heutzutage immer weiter vorangetrieben wird.
2.5 Bürokratisierung
Die Bürokratisierung im Sport beschreibt das Vorhandensein von Verbänden, denen die Sportvereine untergeordnet sind und denen die offizielle Überwachung, Organisation, Reglementierung und Standardisierung des Sports, bzw. einzelner Sportarten obliegt. Bei den Verbänden gibt es wiederum verschiedene, hinsichtlich ihrer Kompetenz hierarchisch geordnete Ebenen, sodass nationale Verbände den regionalen übergeordnet sind, jedoch den internationalen unterstehen. Ein großer, weit verzweigter Bürokratieapparat ist charakteristisch für den modernen Sport.
2.6 Quantifizierung
Charakteristisch ist es auch, dass sportliche Leistungen bis ins kleinste Detail erfasst werden. Während die Griechen lediglich daran interessiert waren die Sieger zu ermitteln und die Römer immerhin schon die Platzierungen aller Athleten verfolgten, gibt es, laut Guttmann (1979), im modernen Sport ein extrem großes „Quantifizierungsbedürfnis“ (S. 58). Dieses ist so stark, dass sogar eine objektiv überhaupt nicht zu beurteilende Sportart wie das Turnen über ein Punktesystem erfasst wird, und darin erzielte Leistungen untereinander und sogar mit in anderen Sportarten erbrachten Leistungen verglichen werden.
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Arbeit zitieren:
Mathias Wick, 2005, Zu den Ursachen für die Entstehung des modernen Sports in England unter Einbeziehung zivilisationstheoretischer Aspekte, München, GRIN Verlag GmbH
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