II
INHALTSVERZEICHNIS
Abbildungsverzeichnis III
1. Einführung 1
2 Die Ricardo-Theorie. 2
2.1 Annahmen und Aussagen der Ricardo-Theorie. 2
2.2 Illustration der Ricardo-Theorie anhand eines Zahlenbeispiels. 3
3 Komparativer Kostenvorteil bei einem Kontinuum von Gütern 5
3.1 Angebotsseite des DFS-Modells 6
3.2 Nachfrageseite und Gleichgewicht im DFS-Modell 8
3.3 Die Rolle nicht-handelbarer Güter für die Handelsstruktur 10
4 Empirische Evidenz der ricardianischen Theorie. 12
5 Wirtschaftspolitische Implikationen der ricardianischen Theorie für die
Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den MOEL 14
5.1 Allgemeine wirtschaftspolitische Schlussfolgerungen. 14
5.2 Effekte der Integration der MOEL in den (globalen) Güteraustausch. 15
5.3 Technischer Fortschritt in den MOEL. 16
6 Fazit 17
LITERATURVERZEICHNIS 19
III
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: Arbeitskoeffizienten des (fiktiven) Zahlenbeispiel Ricardos.
Abbildung 2: Bestimmung des Lohnverhältnisses und des Spezialisierungsmusters im DFS-
Modell
Abbildung 3: Die Rolle nicht-handelbarer Güter für die Handelsstruktur.
Abbildung 4: Korrelation zwischen Produktivität und Exporten.
Abbildung 5: Integration der MOEL in den (globalen) Güteraustausch
1
1. Einführung
Der Begriff der „Globalisierung“ ist spätestens seit Ende des zwanzigsten Jahrhunderts ein weit verbreitetes Schlagwort, welches für unterschiedlichste Phänomene der zunehmenden politischen, kulturellen und vor allem ökonomischen Verflechtung der Welt verwendet wird 1 . Die öffentliche Debatte darüber ist in Deutschland häufig mit negativen Assoziationen, wie der Angst vor Arbeitsplatzverlagerungen in so genannte Billiglohnländer, verbunden. Dabei fokussieren sich diese Ängste zumeist auf zwei Wachstumsregionen dieser Welt, Südostasien mit China und Indien auf der einen Seite sowie die Staaten Mittel- und Osteuropas auf der anderen Seite.
Globalisierungskritiker befürchten vor allem, dass die fortschreitende ökonomische Verflechtung zu einer Zunahme der weltweiten sozialen Diskrepanzen führt. Befürworter der Globalisierung wenden hiergegen ein, dass transnationaler Handel durch Spezialisierung, Arbeitsteilung und Freihandel im Rahmen internationaler Wertschöpfungsketten zu Wohlstandsgewinnen führt. Den theoretischen Grundstein für diese Argumentation legte schon lange vor der Globalisierungsdebatte 2 der britische Ökonom David Ricardo (1772-1823) in seinem Werk „On the Principles of Political Economy and Taxation“ (1817) 3 mit dessen Theorie der „komparativen Kostenvorteile“ die „Geburtsstunde der modernen Au-ßenhandelstheorie“ schlug 4 .
Ziel dieser Arbeit ist es zu prüfen, welche wirtschaftspolitischen Implikationen die Theorie Ricardos für einen Teilaspekt der zunehmenden wirtschaftlichen Verflechtung der Welt liefert: Die ökonomischen Beziehungen zwischen Deutschland und den Staaten Mittel- und Osteuropas (im Folgenden auch MOEL) 5 seit der Transformation der ehemals sozialistischen Planwirtschaften zu Marktwirtschaften westlichen Vorbilds. Zu diesem Zweck wird sowohl das originäre einfache Zwei-Länder-Zwei-Güter-Modell Ricardos als
1 Vgl. Pflüger 2002: 6.
2 Einen guten Überblick über die Globalisierungsdebatte bietet z.B. Fischer 2003: 1ff.
3 Für die Außenhandelstheorie ist hierbei vor allem sein Kapitel 7 „About Foreign Trade“ maßgeblich, in
dem Ricardo seine Theorie der „komparativen Kosten“ entwickelt. Siehe dazu die dritte Auflage des Origi-
nalwerks: Ricardo 1821: Kapitel 7.
4 Rose/Sauernheimer 1999: 373.
5 Hierunter werden in dieser Arbeit die acht 2004 der EU beigetretenen Staaten der Region verstanden, da
diese von ihren Rahmenbedingungen her soweit miteinander vergleichbar sind, dass man sie zu einer Region
zusammenfassen kann, was bei einer weiteren Begriffsdefinition kaum noch möglich wäre. Kleinere Unter-schiede zwischen diesen Volkswirtschaften werden dabei außer Betracht gelassen, da diese für das grundsätz-
liche Ergebnis dieser Arbeit nicht relevant sind. Es handelt sich im Einzelnen also um Polen, Ungarn, Tsche-
chien, Slowakei, Slowenien, Estland, Lettland und Litauen. Die Abkürzung MOEL bedeutet „mittel- und
osteuropäische Länder“.
2
auch ein in der Tradition Ricardos stehendes, verallgemeinertes Modell mit einem Kontinuum von Gütern der Ökonomen Dornbusch, Fischer und Samuelson 6 (im Folgenden DFS-Modell) vorgestellt und anschließend in einem zweiten Schritt auf ihre wirtschaftspolitischen Implikationen hinsichtlich der Handelsbeziehungen zwischen Deutschland und den MOEL seit Beginn der (wirtschaftlichen) Transformation in Mittel- und Osteuropa untersucht.
2 Die Ricardo-Theorie
2.1 Annahmen und Aussagen der Ricardo-Theorie
Zentrales Element der Theorie Ricardos ist die Aussage, dass sich die Aufnahme von Au-ßenhandelsbeziehungen für alle Beteiligten lohnt, selbst dann wenn ein Land bei allen Gütern gegenüber dem anderen Land absolute Kostenvorteile besitzt. Ricardo gelingt der Nachweis, dass in einem solchem Fall die Aufnahme von Außenhandel auch dem (absolut) Benachteiligten Vorteile bringt, wenn trotz absoluter Kostendifferenzen in der Erzeugung der Produkte komparative Kostenunterschiede existieren. Damit ist gemeint, dass die absoluten Differenzen bei den einzelnen Produkten unterschiedlich groß sind. Vor Ricardo war hingegen die Ansicht weit verbreitet, Außenhandel beruhe ausschließlich auf absoluten Kostenvorteilen 7 .
Ricardos Theorem der komparativen Kostenvorteile beruht, wie andere Standardmodelle der reinen Theorie des internationalen Handels 8 auf den Annahmen des vollkommenen Wettbewerbs. Folglich werden u.a. konstante Präferenzen und homogene Güter unterstellt und es wird von der unbegrenzten Mobilität der Produktionsfaktoren ausgegangen 9 . Der einzige relevante Produktionsfaktor in Ricardos Modell ist Arbeit L 10 . Dieser ist annahmegemäß konstant, vollbeschäftigt, homogen und national unbegrenzt intersektoral mobil. International ist der Faktor Arbeit hingegen völlig immobil. Für den Verbraucher spielt es keine Rolle, woher ein Gut stammt, da beide Güter sowohl im In- als auch im Ausland in identischer Qualität produziert werden können. Die Entscheidung, welches Land welches
6 Über die Vorteile dieses Modells in Bezug auf die Fragestellung wird zu Beginn von Kapitel 3 eingegan-
gen.
7 Wichtigster Vertreter dieser Theorie ist Adam Smith.
8 Zu den grundlegenden Annahmen der reinen Theorie, siehe u.a. Rose/Sauernheimer 1999: 371ff; einen
guten Überblick über die verschiedenen Modelle gibt bspw. Gandolfo 1998: 9ff.
9 Vgl. Rose/Sauernheimer 1999: 379ff.
10 Andere denkbare Produktionsfaktoren wie Kapital und Boden spielen in Ricardos Modell keine Rolle
3
Gut produziert, hängt nur davon ab, welches der beiden Länder jeweils komparative Kos-tenvorteile besitzt. Diese liegen nach Ricardo allein in relativen Unterschieden der Arbeitsproduktivität aufgrund unterschiedlicher Produktionstechnologien in den beiden Staaten begründet, andere denkbare Ursachen spielen keine Rolle 11 . Gemessen wird die Arbeitsproduktivität des jeweiligen Gutes anhand des reziproken Wertes des Arbeitskoeffizienten a, welcher die Anzahl der Arbeitsmenge angibt, die zur Herstellung einer Produkteinheit eines Gutes notwendig ist 12 . Entscheidend ist folglich allein die relative Effizienz des einzigen Produktionsfaktors Arbeit. Aufgrund der zusätzlichen Annahme konstanter Skalenerträge sind die Arbeitskoeffizienten konstant 13 . Ricardo argumentiert in seiner Theorie vor dem Hintergrund der so genannten „Arbeitswertlehre“, die im frühen 19. Jahrhundert weit verbreitet war und die vor allem auch die Konzentration auf den Produktionsfaktor Arbeit erklärt 14 . Dieser Lehre zufolge entspricht der Wert der eingesetzten Arbeitskraft dem Wert der Produktion und damit dem Wert des Gutes. Da außerdem der Faktor Arbeit annahmegemäß intersektoral mobil ist, muss der Lohn in beiden Sektoren identisch sein, so dass das nationale Preisverhältnis der beiden Güter durch das (konstante) Verhältnis der sektoralen Arbeitskoeffizienten a 1 und a 2 determiniert ist 15 . Das Preisverhältnis entspricht überdies der (konstanten) Grenzrate der Transformation und damit dem Grenzkostenverhältnis 16 . Insgesamt geht Ricardo in seiner Argumentation ausschließlich von Angebotsaspekten aus. Eine kohärente Beschreibung der Nachfrageseite sucht man bei Ricardo vergeblich.
2.2 Illustration der Ricardo-Theorie anhand eines Zahlenbeispiels
Die Argumentation Ricardos soll anhand eines Zahlenbeispiels für den stark vereinfachenden Zwei-Länder-Zwei-Güter-Fall 17 noch einmal verdeutlicht werden. Die beiden (fikti-
11 Vorstellbarwären z. B. auch Unterschiede in den Faktorausstattungen von Staaten hinsichtlich verschiede-
ner Produktionsfaktoren (Arbeit, Kapital, Boden), welche im Modell von Heckscher-Ohlin eine entscheiden-
de Rolle für die Entstehung komparativer Vorteile spielen. Zur näheren Beschäftigung mit diesem Modell
siehe Gandolfo 1998: 65ff. Eine weitere denkbare Ursache wäre die Nutzung von Größenvorteilen, die insbe-
sondere Handel zwischen ähnlich strukturierten Staaten erklären kann (vgl. Krugman/Obstfeld 1994: 28).
12 Vgl. Krugman/Obstfeld 1994: 11ff.
13 Vgl. Rose/Sauernheimer 1999: 43.
14 Vgl. Gandolfo 1998: 9, Anmerkung 1.
15 p 1 /p 2 = a 1 /a 2. Vgl. Siebert 2000: 30; Rose/Sauernheimer 1999:439.
16 Vgl. Rose/Sauernheimer 1999: 439f.
17 Ricardo selbst argumentiert in einem solchen Rahmen. Eine Übertragung der dadurch gewonnenen Er-
kenntnisse auf ein Mehr-Länder-Mehr-Güter Fall ist (unter Zuhilfenahme einiger Umformulierungen) mög-
lich (vgl. Rose/Sauernheimer 1999: 372). Ricardo selbst argumentiert in einem solchen Rahmen.
Arbeit zitieren:
Urban Kaiser, 2006, Die wirtschaftspolitischen Implikationen der Ricardo-Theorie sowie ihrer Verallgemeinerung durch Zornbusch/Fischer/Samuelson am Beispiel der Handelsstruktur zwischen Deutschland und den Staaten Mittel- und Osteuropas seit Beginn der Transformation, München, GRIN Verlag GmbH
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