Gliederung
Einleitung 3
Darstellung 3
1. Ausgangslage 03
2. Moskaureise Adenauers 06
3. Tauwetterphase 07
4. Römische Verträge 10
5. Krise um Berlin 11
6. Spaltung Berlins 13
7. Pluralismus der Mächte 14
8. Regierungszeit Erhard 17
Auswertung 19
Literaturverzeichnis 22
2
Einleitung
Wie etabliert man sich als Verlierer, dem nach Jahren des Hoffens die Souveränität geschenkt wurde, unter den Siegern? Wem kann man vertrauen, dass er die Interessen der Bundesrepublik vertritt und wie erreicht man die als Ziel im Grundgesetz verankerte Wiedervereinigung?
Meine Hausarbeit beschäftigt mit der Zeit der Etablierung der Bundesrepublik im Westen in den Jahren von 1955 bis 1966, als sich eben diese Fragen unter Bundeskanzler Adenauer und Bundeskanzler Erhard stellten. Die Frage, die sich mir stellt und die ich beantworten möchte, ist, ob die Bundesrepublik außenpolitisch ihr eigener Herr war in dieser Phase oder nur Spielball im Gegeneinander der Sieger. Zuerst werde ich den Verlauf der Ereignisse dieser Jahre darstellen, wieder in Phasen unterteilt um abschließend meine Bewertung abzugeben. Als Literaturgrundlage dienen mir die drei Bände von Hans-Peter Schwarz und Klaus Hildebrand aus der Reihe „Geschichte der Bundesrepublik Deutschland“, der Oldenburgband von Rudolf Morsey zur Bundesrepublik Deutschland, Andreas Hillgrubers „Deutsche Geschichte 1945-1986“ und Christian Hackes „Weltmacht wider Willen“.
Darstellung
1. Ausgangslage
Das Scheitern der EVG empfand Adenauer als ein außenpolitisches Debakel 1 . Er erwartete, dass die Sowjetunion die Situation ausnutzen könnte, und befürchtete, dass nationalistische Tendenzen in der Bundesrepublik nun aufblühen und eine Wiedervereinigung der deutschen Territorien auf Kosten der Freiheit würden zu erringen versuchen 2 . Churchill gratulierte wider Erwarten Adenauer zum Scheitern der EVG 3 . Auch ein Lösungsvorschlag der Misere erfolgte von britischer Seite. Außenminister Eden schlug eine Einbeziehung der Bundesrepublik in die NATO vor 4 .
1 Christian Hacke: Weltmacht wider Willen. Die Aussenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt/M.
1993, S. 78.
2 Ebenda, S. 78.
3 Ebenda, S. 78.
4 Ebenda, S. 78.
3
Innerhalb von vier Monaten wurden neue Verträge ausgearbeitet, nicht zuletzt unter dem Druck Adenauers 5 . Einem möglichen wiederholten Ausscheren Frankreichs wirkten die Vereinigten Staaten und Großbritannien mit der Drohung entgegen, notfalls einen eigenen Militärpakt mit der Bundesrepublik abzuschließen 6 .
Verhandelt wurde schließlich auf den Konferenzen von London (28.9.-3.10.) und Paris (19-23.10.) über die NATO-Aufnahme 7 . Die USA und Frankreich erhofften sich dadurch die deutschen Streitmächte kontrollieren zu können, Großbritannien wollte hingegen vor allem eine eigene weitere supranationale Bindung an Europa verhindern 8 . Viel mehr erhoffte sich Adenauer. Zuallererst wäre die NATO-Aufnahme die lang angestrebte Westbindung der Bundesrepublik mit der Chance auf sofortige Anerkennung der Souveränität 9 . Auch hatte man in der Bundesrepublik erkannt, dass die weitere Truppenstationierung der Siegermächte eine Sicherheitsgarantie ersten Ranges war 10 , zumal man mit der eigenen Rüstung 10 Jahre im Rückstand lag 11 . Hierbei erhoffte man sich nun Hilfe durch die Vereinigten Staaten. Nicht zuletzt strebte Adenauer auch eine Gleichberechtigung und Gleichstellung der BRD mit Frankreich und England an 12 , auch wenn er vermied, sich in Hinsicht auf den zweiten Punkt in der Öffentlichkeit zu äußern.
In den Konferenzen wurde bei den Verhandlungen die deutsche Frage der Vereinigung der Territorien ausgeklammert und auch im Artikel 7 eine Aufschiebung bezüglich der Grenzfestlegungen festgesetzt 13 . Zwei wesentliche Streitpunkte waren damit vom Tisch. Festgelegt wurde hingegen eine Truppenstärke von 500.000 Mann 14 für die neu zu gründende Armee der Bundesrepublik, welche dann komplett der NATO unterstehen sollte 15 . Die Bundesrepublik wurde zu einer Gewaltverzichtsklausel bewogen, die eine Wiedervereinigung der deutschen Territorien durch einen militärischen Alleingang der BRD ausschließen sollte 16 . Weiterhin sollten die Sonderrechte der Westmächte weiterhin in Kraft bleiben, die u.a. eine
5 Hans-Peter Schwarz: Die Ära Adenauer.Gründerjahre der Republik 1949-1957, Stuttgart 1981, S. 246.
6 Ebenda, S. 248.
7 Ebenda, S. 247.
8 Ebenda, S. 248.
9 Ebenda, S. 249.
10 Christian Hacke: Weltmacht wider Willen. Die Aussenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt/M.
1993, S. 78.
11 Hans-Peter Schwarz: Die Ära Adenauer. Gründerjahre der Republik 1949-1957, Stuttgart 1981, S. 252.
12 Christian Hacke: Weltmacht wider Willen. Die Aussenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt/M.
1993, S. 81.
13 Andreas Hillgruber: Deutsche Geschichte 1945-1986:die „deutsche Frage“ in der Weltpolitik, Stuttgart 1989, S. 60.
14 Christian Hacke: Weltmacht wider Willen. Die Aussenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt/M.
1993, S. 79.
15 Hans-Peter Schwarz: Die Ära Adenauer. Gründerjahre der Republik 1949-1957, Stuttgart 1981, S. 251.
16 Ebenda, S. 253.
4
weitere Truppenstationierung auf bundesrepublikanischem Boden garantierten 17 . Im Gegenzug verpflichteten sie sich, weiterhin die Sicherheit der BRD zu gewährleisten, die Wiedervereinigung anzustreben und Alleinvertretungsanspruch der Bundesrepublik zu unterstützen 18 . Auf Wunsch Frankreichs wurde eine Sonderregelung in der Saarfrage getroffen. Dieses bis dato französische Protektorat sollte autonom und durch Währungs- und Zollunion an Frankreich gebunden werden. Später sollte dieser Status einer Volksabstimmung unterworfen werden, von der sich Frankreich wahrscheinlich einen Anschluss des Gebietes an das eigene Territorium erhoffte 19 .
Unterzeichnet wurden die Verträge am 25.Oktober 1954 in Paris und traten am 5.Mai 1955 in Kraft 20 . Die Ratifizierung der Verträge in den Parlamenten war äußerst wackelig. In Frankreich wurde er zuerst von der Nationalversammlung abgelehnt und erst am 30. Dezember diese Entscheidung zurückgezogen. Im Bundestag wurde aufgrund des Saarstatutes eine große Diskussion erwartet, welche jedoch ausblieb, sodass die Pariser Verträge mit der notwendigen Mehrheit ratifiziert werden konnten. Letztendlich hatte Adenauer damit sehr viel mehr erreicht als ihm die EVG hätte bieten können 21 und damit war Churchills Gratulation auch mehr als gerechtfertigt.
Im Zuge der Pariser Verträge erfolgte auch der Beitritt der Bundesrepublik und Italiens zur Westeuropäischen Union, die nun aus dem Brüsseler Pakt entstand 22 . Frühere Mitglieder waren schon Großbritannien, Frankreich und die Beneluxstaaten. Dieses Bündnis sollte nun vor allem der Rüstungskontrolle dienen und damit die Furcht der Franzosen vor einem unkontollierten Aufbau deutscher Truppen entgegenwirken. Motivation Frankreichs war auch die Bildung eines Rüstungspools, der eine Beteiligung an amerikanischer Rüstungshilfe ermöglicht hätte. Dies wurde jedoch von den anderen Staaten abgelehnt. Stattdessen der verzichtete Adenauer im Zuge Verhandlungen auf die Herstellung deutscher ABC-Waffen, um Frankreich zu besänftigen, welches dadurch motiviert, dem Beitritt der BRD zur NATO zustimmte 23 .
17 Andreas Hillgruber: Deutsche Geschichte 1945-1986:die „deutsche Frage“ in der Weltpolitik, Stuttgart 1989, S. 59.
18 Christian Hacke: Weltmacht wider Willen. Die Aussenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt/M.
1993, S. 81.
19 Rudolf Morsey: Die Bundesrepublik Deutschland. Entstehung und Entwicklung bis 1969, München
1995, S. 39.
20 Andreas Hillgruber: Deutsche Geschichte 1945-1986:die „deutsche Frage“ in der Weltpolitik, Stuttgart 1989, S. 60.
21 Hans-Peter Schwarz: Die Ära Adenauer. Gründerjahre der Republik 1949-1957, Stuttgart 1981, S. 254.
22 Andreas Hillgruber: Deutsche Geschichte 1945-1986:die „deutsche Frage“ in der Weltpolitik, Stuttgart 1989, S. 59.
23 Hans-Peter Schwarz: Die Ära Adenauer. Gründerjahre der Republik 1949-1957, Stuttgart 1981, S. 249.
5
Die Ostblockländer verurteilten noch im Dezember 1954 den Beitritt der BRD zur NATO und kündigten gegebenen Falls die Errichtung eines eigenen Bündnisses an. Am 14. Mai 1955 entstand der Warschauer Pakt unter Führung der Sowjetunion mit Beteiligung deutscher Truppen aus der sowjetischen Besatzungszone 24 . Damit waren nun beide deutschen Territorien in die beiden konträren Blöcke eingegliedert und eine Vereinigung erstmals in weite Ferne gerückt.
2. Moskaureise Adenauers
Im Januar 1955 hatte die Sowjetunion den Kriegszustand mit Deutschland für beendet erklärt, behielt sich aber Rechte aus dem Viermächteabkommen vor, weshalb dieser Schritt keine wesentlichen Folgen hatte. Die 6 Monate später stattfindende Gipfelkonferenz in Genf blieb ebenso ergebnislos 25 , sodass keine langfristigen Erfolge Adenauers gegenüber der UdSSR bisher zu erkennen waren.
Als am 7. Juni 1955 eine Einladung nach Moskau eintraf 26 wollte Adenauer dieser zu erst nicht nachkommen 27 . Am 26. Juli hatte zudem Chruschtschow bei einer Kundgebung ist Ost-Berlin die Zwei-Staaten-Theorie verkündet, wonach es nun zwei deutsche Staaten gab, konträr dem Alleinvertretungsanspruch der Regierung in Bonn. Eben diesen sah man nun auch gefährdet, wenn eine Aufnahme diplomatischer Beziehungen mit der Sowjetunion erfolgen würde 28 .
Jedoch wurde Adenauer durch den Druck Eisenhowers genötigt, diesen Schritt zu tun, und rechtfertigte ihn mit der Notwendigkeit der Unterhaltung von Beziehungen zur vierten Besatzungsmacht 29 .
Der Aufenthalt verlief vom 9. bis zum 13. September 1955 30 . Klar formuliert wurde, dass damit keine gegenseitige Anerkennung der Machtbereiche einherging und die Bundesrepublik weiter auf ihrem Alleinvertretungsanspruch beharrte 31 . Stattdessen betonte aber man das
24 Andreas Hillgruber: Deutsche Geschichte 1945-1986:die „deutsche Frage“ in der Weltpolitik, Stuttgart 1989, S.60
25 Ebenda, S. 63/65.
26 Ebenda, S. 63.
27 Christian Hacke: Weltmacht wider Willen. Die Aussenpolitik der Bundesrepublik Deutschland, Frankfurt/M.
1993, S. 89.
28 Ebenda, S. 89.
29 Ebenda, S. 90.
30 Andreas Hillgruber: Deutsche Geschichte 1945-1986:die „deutsche Frage“ in der Weltpolitik, Stuttgart 1989, S. 63.
31 Hans-Peter Schwarz: Die Ära Adenauer. Gründerjahre der Republik 1949-1957, Stuttgart 1981, S. 258.
6
Quote paper:
Conny Löffler, 2005, Die Bundesrepublik etabliert sich im Westen 1955-1966, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Praktikumsbericht Lehramt an Grund- und Hauptschulen
Internship Report, 67 Pages
Interpretation von Joseph von Eichendorffs "Zauberei im Herbste&q...
German Studies - Modern German Literature
Termpaper, 23 Pages
Die Kriegschuldfrage des zweiten Punischen Krieges
History - World History - Early and Ancient History
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Entwicklung und Entwicklungstheorie
Politics - International Politics - Topic: German Foreign Policy
Termpaper, 22 Pages
Das geothermale Phänomen Geysir - Ein Unterrichtsversuch zur Wärmelehr...
Lesson Plan, 37 Pages
Sozialisation in und durch die peer-group
Sociology - Children and Youth
Presentation (Elaboration), 36 Pages
Eltern und Gleichaltrige (Peers) als Instanzen politischer Sozialisati...
Sociology - Children and Youth
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Charakteristik psychischer Belastung im Wettkampf - Darstellung möglic...
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 21 Pages
Das Osmanische Reich im 19./20. Jahrhundert
History Europe - Other Countries - Ages of World Wars
Scholary Paper (Seminar), 24 Pages
Politics - International Politics - Topic: Public International Law and Human Rights
Scholary Paper (Seminar), 17 Pages
Politikdidaktische Perspektiven - Theorie und Praxis
Politics - Didactics, Political Education
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 27 Pages
Conny Löffler has published the text Die Bundesrepublik etabliert sich im Westen 1955-1966
Conny Löffler has uploaded a new text
Der institutionelle Wandel der KSZE/OSZE nach dem Ende des Ost-West-Ko...
Formen und Wandel von Sicherhe...
Eva Maria Velickovic
Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2009 / Design Award of the ...
Rat für Formgebung
The Definitive Rock 'n Roll Collection (1955-1966), Alto Saxophone
Hal Leonard Publishing Corporation
0 comments