I
Inhaltsverzeichnis
Abkürzungsverzeichnis III
Abbildungsverzeichnis IV
1. Einleitung 1
1.1 Motivation und Problemstellung 1
1.2 Vorgehensweise und Aufbau der Untersuchung 2
2. Der Mittelstand in Deutschland 3
2.1 Was ist der „Mittelstand“? Definitionen 3
2.1.1 Die Definition der Europäischen Union 3
2.1.2 Die Definition des IfM Bonn 4
2.2 Die wirtschaftliche Bedeutung 5
2.2.1 Die Bedeutung des Mittelstands in Deutschland 5
2.2.2 Die Stellung der KMU im europäischen Vergleich 9
2.3 Die Finanzstruktur des Mittelstands 9
2.3.1 Die Bedeutung der Finanzierungsquellen 10
2.3.2 Der Finanzmarkt im Wandel 14
3. Finanztheoretische und empirische Evidenz 19
3.1 Eigenkapitallücke und Eigenkapitalrationierung 19
3.2 Das Auftreten asymmetrischer Information 20
3.3 Theoretische Modelle der Kreditrationierung 21
3.4 Theoretische Modelle der Eigenkapitalrationierung 22
3.5 Empirische Untersuchung 25
3.5.1 Vorbemerkungen 25
3.5.2 Die Auswirkungen des Finanzsystems 26
3.5.3 Verfügbarkeit der Eigenkapitalfinanzierungsinstrumente 28
3.6 Zusammenfassung und Zwischenfazit 41
4. Staatliche Förderung der Eigenkapitalfinanzierung 44
4.1 Die KfW Bankengruppe 44
4.1.1 Auftrag und Bedeutung 44
4.1.2 Die Struktur der KfW Bankengruppe 44
II
4.2 Die KfW Mittelstandsbank 45
4.3 Die Beteiligungsfinanzierung der KfW Mittelstandsbank 46
4.3.1 Die Early-Stage Förderung 46
4.3.2 Die Later-Stage Förderung 47
4.4 „Eigenkapital für den breiten Mittelstand“ 49
4.4.1 Die Zielgruppe 50
4.4.2 Die Ziele 50
4.4.3 Der Kerngedanke und Lösungsansatz 51
4.4.4 Der Private Equity-Ansatz 53
4.4.5 Der MBG-Ansatz 54
4.4.6 Die Umsetzung am Beispiel des HessenFonds 56
4.5 Die Mezzanine Förderung Unternehmerkapital 59
5. Die Evidenz der Förderung 60
5.1 Die theoretische Rechtfertigung staatlicher Förderung 60
5.2 Die Gestaltung staatlicher Förderung 64
5.2.1 Breitenwirksame vs. gezielte Förderung 64
5.2.2 Ex ante vs. ex post Förderung 65
5.2.3 Direkte Finanzierung vs. Haftungsübernahme 66
5.3 EK für den breiten Mittelstand Subvention oder Innovation? 66
5.3.1 Ist die Förderung des „breiten Mittelstands“ gerechtfertigt? 67
5.3.2 Die Ausgestaltung des Förderprogramms 69
5.3.3 Die Beurteilung der Initiative 70
6. Resümee 73
Literaturverzeichnis VI
IV
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1: KMU Definition der EU Stand 01 01 2005
Abbildung 2: KMU Definition des IfM Bonn Stand 01 01 2002
Abbildung 3: Struktur des Mittelstands nach Branchen
Abbildung 4: Die Größenverteilung der Beschäftigung im Mittelstand
Abbildung 5: Anteil der investierenden Unternehmen 2004
Abbildung 6: Finanzierungsalternativen nach Mittelherkunft
Abbildung 7: Die Bedeutung der Finanzierungsquellen
Abbildung 8: Die Eigenkapitalausstattung des Mittelstands
Abbildung 9: Eigenkapitalquoten verschiedener Institutionen
Abbildung 10: Eigenkapitalquoten im internationalen Vergleich
Abbildung 11: Die Finanzierungsstruktur nichtfinanzieller Kapitalgesellschaften
Abbildung 12: Eigenkapitalrentabilität von Kreditinstituten im internationalen
Vergleich
Abbildung 13: Die Veränderung der Kreditaufnahme
Abbildung 14: Gründe für die Verschlechterung der Kreditaufnahme
Abbildung 15: Der Unternehmenslebenszyklus
Abbildung 16: Entwicklung des Gesamtportfolios in Deutschland
Abbildung 17: Entwicklung der Bruttoinvestitionen
Abbildung 18: Neuinvestitionen in Unternehmen nach Mitarbeiterzahl
Abbildung 19: Neuinvestitionen in Unternehmen
Abbildung 20: Gründe für ein „Unzureichendes“ Angebot an Beteiligungskapital
für den „breiten“ Mittelstand“
Abbildung 21: Die zukünftige Bedeutung von Finanzierungsquellen
Abbildung 22: Gründe für die Nichterhöhung der Eigenkapitalquote
Abbildung 23: Herkunft der Mittel für eine angestrebte Eigenkapitalerhöhung
Abbildung 24: Mezzanine Angebot in Deutschland
Abbildung 25: Die Marken der KfW und ihre Aufgaben
Abbildung 26: Die Geschäftszahlen der KfW Mittelstandsbank
Abbildung 27: KfW Initiative „Eigenkapital für den breiten Mittelstand“
Abbildung 28: Der PE-Ansatz
V
Abbildung 29: Der MBG-Ansatz
Abbildung 30: Das Förderprogramm „Unternehmerkapital“
Abbildung 31: Verteilung der Auszubildenden
1
1. Einleitung
1.1 Motivation und Problemstellung
„Der Mittelstand jammert, auch über ihn wird gejammert – besonders über seine Eigenkapitalschwäche“ 1 , so beurteilen die Autoren der Studie „Aufbruch aus dem Jammertal“ der Ruhr Universität Bochum die Diskussion um die Situation des Mittelstands in Deutschland. Seit der Einigung auf die Bestimmungen der neuen Baseler Eigenkapitalverordnung (Basel II), der anhaltenden konjunkturellen Schwäche in Deutschland und dem Wandel auf den internationalen Finanzmärkten ist das Finanzierungsumfeld des deutschen Mittelstands verstärkt in den Fokus von Politikern und Wirtschaftsanalysten geraten. Obwohl sich die finanzielle Situation der kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) in Deutschland im letzten Jahr tendenziell verbessert hat, scheinen weiterhin Finanzierungshemmnisse zu bestehen, die Investitions- und Finanzierungsvorhaben erschweren und teilweise sogar verhindern. 2 Als einer der Hauptgründe für die Finanzierungsprobleme wird im „Jammertal“ der erschwerte Zugang zu Krediten aufgrund zu geringer Eigenkapitalquoten im deutschen Mittelstand genannt. Daher wurde eine stärkere staatliche Unterstützung der KMU durch Förderung der Eigenkapitalfinanzierung gefordert, worauf der Staat bereits reagiert hat: Neben der Förderung junger, innovativer KMU in Deutschland wurde im Jahr 2003 auf Betreiben der Mittelstandsbank der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) die Initiative „Eigenkapital für den breiten Mittelstand“ ins Leben gerufen. Sie soll dem „breiten Mittelstand“ in Deutschland verstärkt Eigenkapital zur Verfügung stellen. Wie bei allen staatlichen Eingriffen muss jedoch auch hier nach dem Sinn einer staatlichen Eigenkapitalförderung gefragt werden.
Liegt im vorliegenden Fall ein Versagen des Marktes vor, das den Eingriff des Staates rechtfertigt?
Kann der Staat an dieser Stelle tatsächlich eine Leistung effizienter zur Verfügung stellen als der Markt?
Wenn ja, wie sollte die staatliche Förderung ausgestaltet sein?
1 Ruhr-Universität Bochum (2004), Pressemitteilung.
2 KfW Bankengruppe (2005c), Presseerklärung.
2
1.2 Vorgehensweise und Aufbau der Untersuchung
Zur Beantwortung dieser Fragen wird zunächst definiert, was unter „Mittelstand“ in Deutschland verstanden wird (Kapitel 2). Es folgt eine Einschätzung seiner Bedeutung für die deutsche Wirtschaft und seiner Stellung im europäischen Vergleich. Des Weiteren werden die Instrumente dargestellt, die dem Mittelstand zur Finanzierung seiner Unternehmertätigkeit bisher zur Verfügung stehen. Der Erläuterung der Bedeutung der Finanzierungsquellen folgt eine Einschätzung der sich verändernden Finanzmarktbedingungen und seiner Auswirkungen auf das Finanzierungsverhalten im Mittelstand. Das 3. Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, in wieweit hier eine „Equity Gap“ existiert und von einem Versagen des Marktes ausgegangen werden kann. Aufbauend auf den Definitionen von Eigenkapitallücke und Eigenkapitalrationierung werden unterschiedliche Modelle der Kredit- und Eigenkapitalrationierung dargestellt. Dem theoretischen Teil folgt eine empirische Untersuchung über die Finanzierungssituation der KMU in Deutschland. Dabei werden die Instrumente der Eigenkapitalfinanzierung bezüglich ihrer Verfügbarkeit für den Mittelstand unter Beachtung der Struktur des deutschen Finanzmarkts untersucht und die Notwendigkeit eines staatlichen Eingriffs diskutiert.
Im 4. Kapitel folgt zunächst eine Darstellung der bedeutendsten mittelständischen Förderbank, der KfW Mittelstandsbank, und ihre Förder-programme. Dabei geht es vor allem um die die Förderinstrumente mit Beteiligungskapital und Mezzanine Mittel und insbesondere um die Initiative „Eigenkapital für den breiten Mittelstand“.
Im 5. Kapitel werden die Berechtigung einer staatlichen Förderung und die optimale Ausgestaltung eines staatlichen Eingriffs auf theoretischer und empirischer Ebene diskutiert. Es folgt eine Untersuchung, in wieweit das neue Förderprogramm den gestellten Ansprüchen gerecht wird. In Kapitel 6 werden die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit in einer Schluss- folgerung noch einmal zusammenfassend dargestellt.
3
2. Der Mittelstand in Deutschland
2.1 Was ist der „Mittelstand“? – Definitionen
Eine gesetzliche oder allgemeingültige Definition für den „Mittelstand“ gibt es bisher nicht. 3 Für empirische Untersuchungen ist jedoch eine Eingrenzung des Begriffs aufgrund seiner Vieldeutigkeit unumgänglich.
Die derzeit gebräuchlichste Definition für den Mittelstand, bzw. für kleine und mittlere Unternehmen (KMU 4 ) ist die der Europäischen Union (EU). Sie wurde auf Empfehlung der Europäischen Kommission vom 6. Mai 2003 5 aktualisiert und trat zum 01.01.2005 in Kraft. Vielen Datenerhebungen der letzten Jahre liegt jedoch noch die KMU Definition des IfM Bonn zu Grunde. 6 Es erscheint daher sinnvoll, beide Definitionen kurz darzustellen. Sie berücksichtigen ökonomische, gesellschaftliche und psychologische Aspekte, die über quantitative und qualitative Merkmale 7 bestimmt werden. 8
2.1.1 Die Definition der Europäischen Union
Kleine und mittlere Unternehmen sollen nach der Empfehlung der EU anhand ihrer Mitarbeiteranzahl, ihres Jahresumsatzes oder ihrer Bilanzsumme klassifiziert werden. Dies dient in erster Linie der Identifizierung von Empfängern von EU-Fördermitteln und im Rahmen des EU-Beihilferechts auch zur wettbewerbsrechtlichen Prüfung nationaler Unterstützungsmaßnahmen für den Mittelstand. 9 Im Vergleich zur alten EU-Definition vom 03.04.1996 wurden bei der Aktualisierung 2003 die Schwellenwerte der Mitarbeiterzahlen beibehalten, die Werte für Umsatz und Bilanzsumme wurden jedoch an Inflation und Produktivitätssteigerung der letzten Jahre angepasst und deutlich angehoben. 10 (siehe Abbildung 1)
3 Vgl. HK Hamburg (2005).
4 Abgeleitet aus dem Englischen: „small and medium sized enterprises“ (SME). Der Begriff KMU steht in den meisten Ländern der Europäischen Union für einen rein statistisch definierten Teil der Gesamtwirtschaft. Da er in der deutschen Fachliteratur mit dem Begriff Mittelstand gleichgesetzt wird, werden in dieser Arbeit die Begriffe gleichbedeutend verwendet.
5 Siehe dazu auch: Europäische Kommission (2003).
6 So z.B. die Veröffentlichungen der Bundesministerien für Wirtschaft und Arbeit.
7 Zu den quantitativen Kriterien zählen u.a. die Beschäftigtenzahl, der Jahresumsatz, die Bilanzsumme und die Bruttowertschöpfung der Unternehmen. Typische qualitative Kriterien des Mittelstands sind insbesondere die Einheit von Eigentum, Haftung und Führung.
8 Vgl. Günterberg/Wolter (2002), S.1.
9 Vgl. HK Hamburg (2005).
10 Vgl. IfM Bonn (2005).
4
Nach den Kriterien werden drei Klassen unterschieden:
Abbildung 1: KMU Definition der EU - Stand 01.01.2005
Die jeweiligen quantitativen Schwellenwerte beziehen sich auf den aktuellsten Jahresabschluss eines Unternehmens. Zur Klassifizierung muss dieser in zwei aufeinander folgenden Jahren unter-, bzw. überschritten worden sein. Liegt bei einem neu gegründeten Betrieb der Jahresabschluss noch nicht vor, werden die Werte für das erste Geschäftsjahr geschätzt.
Die Anzahl der Mitarbeiter wird anhand von Jahresarbeitseinheiten (JAE) berechnet.
Um als KMU eingestuft werden zu können, muss ein Unternehmen zudem seine Unabhängigkeit wahren (das qualitative Merkmal erfüllen). Werden 25% des Kapitals oder der Stimmen direkt oder indirekt von der öffentlichen Hand gehalten, so zählt es nicht als KMU. Ausnahmen sind jedoch Beteiligungen von Forschungszentren oder Universitäten, die keinen Gewinn-Zweck beinhalten und die nicht mit dem Betrieb verbunden sind.
Je nachdem, ob es sich um ein verbundenes Unternehmen, ein Partnerunternehmen oder ein eigenständiges Unternehmen handelt, führt die KfW in Deutschland auf Antrag unterschiedliche Verfahren durch, um die KMU-Zulassungskriterien des jeweiligen Unternehmens zu prüfen. 11
2.1.2 Die Definition des IfM Bonn
Die IfM Bonn unterteilt den Mittelstand nach quantitativen Merkmalen lediglich in zwei Klassen, wobei nur die Anzahl der Mitarbeiter und der Umsatz pro Jahr berücksichtigt werden. Zudem wird in Bezug auf die Größe des Unternehmens lediglich zwischen kleinen und mittleren Unternehmen differenziert. (siehe Abbildung 2)
11 Vgl. KfW Mittelstandsbank (2005d), S. 1-2.
5
Abbildung 2: KMU Definition des IfM Bonn - Stand 01.01.2002
Daneben gelten qualitative Abgrenzungskriterien wie die Einheit von Eigentum, Haftung und Führung, die Konzern-Unabhängigkeit des Unternehmens und die weitgehende Verantwortlichkeit des Inhabers für alle unternehmensrelevanten Entscheidungen. 12
2.2 Die wirtschaftliche Bedeutung
2.2.1 Die Bedeutung des Mittelstands in Deutschland
Der Mittelstand wird in Deutschland auch als „Wachstumsmotor“ 13 , „Rückgrat“ 14 oder „Fundament“ 15 der Wirtschaft bezeichnet. Untersuchungen unterschiedlicher Wirtschaftsinstitute bestätigen diese außergewöhnliche Stellung des Mittelstands für die deutsche Volkswirtschaft. Nach der KMU-Definition der Europäischen Union gab es im Jahr 2003 in Deutschland ca. 2,9 Millionen 16 mittelständische Unternehmen. 17 Das sind etwa 99,7% des gesamten Unternehmensbestandes. Ca. 99,5 % der Unternehmen beschäftigten im Jahr 2004 weniger als 250 Mitarbeiter, etwa 66,1% sogar weniger als vier. Die Unternehmen mit einem Umsatz von bis 50 Millionen Euro erwirtschafteten im Jahr 2001 272.288 Millionen Euro, das entsprach etwa 42,1% des Gesamtumsatzes aller deutschen Unternehmen. 18 Berechnungen des IfM Bonn zufolge war der Mittelstand mit 1,34 Mio. Auszubildenden und einer Anteilsquote von 82,4% im Jahr 2004 19 eindeutig der
12 Vgl. HK Hamburg (2005).
13 Vgl. Finanzgruppe DSGV (2005), S. 6.
14 Vgl. Creditreform (2005), S. 1.
15 Vgl. SPD (2005), S. 5.
16 Nach Berechnungen des IfM Bonn gab es im gleichen Jahr ca. 3,3 Mio. mittelständische Unternehmen; das entsprach einem Anteil von ca. 99,7% der umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen mit einem Anteil von 40,8% an allen steuerpflichtigen Umsätzen in diesem Jahr. Vgl. IfM Bonn (2005).
17 Berücksichtigt wurden Firmen mit einem Umsatz von max. 50 Mio. Euro pro Jahr.
18 Vgl. ifm Uni-Mannheim (2006).
19 Das ifm der Uni-Mannheim errechnet für das gleiche Jahr für Betriebe bis 249 Mitarbeiter einen Anteil von ca. 68,5%. Vgl. ifm Uni-Mannheim (2006).
6
Ausbildungsmotor der Gesellschaft. Inklusive der Auszubildenden und der aktiven Inhaber ergab sich in diesem Jahr ein Beschäftigungsanteil von 70,5% an der deutschen Gesamtbeschäftigung. Die KMU erzielten mit ca. 48,8% 20 knapp die Hälfte der gesamtdeutschen Bruttowertschöpfung. Auch ein Anteil von ca. 51,5% an den Bruttoinvestitionen der Unternehmen im Jahr 2003 bestätigt seine außergewöhnliche, wirtschaftliche Bedeutung. 21
1) Die Struktur des Mittelstands
Befragungen der KfW Mittelstandsbank zeigten, dass im Jahr 2004 etwa 2,7 Millionen Unternehmen - das sind mehr als drei Viertel der mittelständischen Unternehmen - im Dienstleistungssektor tätig waren. Jedoch nur etwa 1% der KMU in Deutschland betreiben Forschung und Entwicklung (F&E). 22 (siehe Abbildung 3)
Abbildung 3: Struktur des Mittelstands nach Branchen 23
Grundlage der Daten ist das KfW Mittelstandspanel, eine repräsentative Wiederholungsbefragung von 15.000 Unternehmen mit einem Jahresumsatz von
20 Die Untersuchungen des IfM Bonn beziehen sich auf die aktuellsten Zahlen aus dem Jahr 1999.
21 Vgl. IfM Bonn (2005).
22 Vgl. Reize (2005), S. 15.
23 Anzahl der mittelständischen Unternehmen in Tausend nach Branchenzugehörigkeit in Tausend.
7
unter 500 Millionen Euro. 24 Als einzige Studie berücksichtigt das Panel auch die
Unternehmen des Mittelstands, die weniger als 5 Beschäftigte haben. 25 Dabei
bilden diese mit ca. 2,7 Millionen, das sind ca. 79%, aller Unternehmen die
größte Gruppe. 26
Da nur ca. 12% der Unternehmen 5-9 und etwa 7% 10 bis 49 Mitarbeiter
beschäftigen, haben im Mittelstand nur etwa 2% der Unternehmen 50 und mehr
FTE-Beschäftigte. 27 (Siehe Abbildung 4)
Abbildung 4: Die Größenverteilung der Beschäftigung im Mittelstand
28
Quelle: Reize (2005), S. 16.
2) Investitions-, Innovations- und F&E-Tätigkeit im Mittelstand 29
Während der Mittelstand im Jahr 2003 noch 190 Mrd. Euro investierte, waren es
im Jahr 2004 nur noch 172 Mrd. Euro. 30 Das entspricht einem Rückgang von
knapp 10%. 31
24 Nach der Berechnung der KMU auf Basis einer Umsatzgrenze von 500 Millionen Euro gibt es
ca. 3,5 Mio. KMU in Deutschland, d.h. ca. 200.000 mehr als bei den Untersuchungen des IfM Bonn (Umsatzgrenze von 50 Millionen Euro). Vgl. Reize (2005), S.12.
25 Anders als z.B. das Mittelstandspanel des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V.
(BDI).
26 Gemessen mit dem Full-Time-Equivalent (FTE), das bedeutet, dass die vollzeitäquivalenten
Beschäftigten als Strukturmerkmal der Unternehmensgröße herangezogen werden. Bei der Berechnung des FTE werden Vollzeitbeschäftigte mit dem Faktor 1 und Teilzeitbeschäftigte mit einem Multiplikator von 0,5 berücksichtigt.
27 Vgl. Reize (2005), S. 16.
28 Anzahl der mittelständischen Unternehmen in Tausend nach Zahl der FTE-Beschäftigten in
Tausend.
29 Als Innovation werden üblicherweise verbesserte Produkte und Prozesse bezeichnet, die in den
Markt eingeführt bzw. in den Produktionsprozess implementiert worden sind. Vgl. Reize (2005), S. 27.
30 Im Jahr 2002 wurden sogar knapp 207 Mrd. Euro investiert.
31 Vgl. Reize (2005), S. 20-21.
8
Aufgrund des Rückläufigen Investitionsvolumens der KMU sprach der Vorstandssprecher der KfW Bankengruppe Hans W. Reich anlässlich der Veröffentlichung des Mittelstandspanels 2005, von einer „schwierigen Situation“ im Mittelstand. Eine Vielzahl von Investitionen seien auch in diesem Jahr nicht zu realisieren. 32
Trotz der Probleme trägt der Mittelstand jedoch auch weiterhin entscheidend zur Wirtschaftskraft in Deutschland bei. So flossen im Jahr 2004 117 Mrd. Euro an Investitionen in neue Anlagen und Bauten, das entspricht einem Anteil von 30% der gesamten Bruttoanlageinvestitionen und 52% aller Unternehmensinvestitionen. Im Jahr 2004 investierten immerhin 46% aller mittelständischen Unternehmen. 33 Abbildung 5 verdeutlicht jedoch, dass der Anteil investierender Unternehmen mit sinkender Unternehmensgröße stark abnimmt.
Abbildung 5: Anteil der investierenden Unternehmen 2004 34
Quelle: Reize (2005), S. 19.
So investierten 80% der Unternehmen mit 50 und mehr Beschäftigten, bei den Unternehmen mit weniger als 5 Beschäftigten waren es lediglich 42%. Die Innovationstätigkeiten der KMU in Deutschland sind hingegen von 2002 bis 2004 von 38% auf 41% gestiegen. Den Hauptanteil mit 60% haben daran Unternehmen aus dem entwicklungsintensiven, verarbeitenden Gewerbe. Unternehmen mit mehr als 50 Mitarbeitern zeigten dabei eine weitaus größere
32 Hans W. Reich zitiert nach KfW Bankengruppe (2005c), Presseerklärung.
33 Das sind etwa 1,6 Millionen Unternehmen.
34 Im Vergleich zu Jahr 2003 nach Unternehmensgröße.
9
Innovationstätigkeit als Unternehmen mit weniger als 5 Beschäftigten. Der Anteil junger Unternehmen war 2004 sogar rückläufig. Auch die F&E-Tätigkeit im Mittelstand ging seit 2002 zurück. Betrieben 2002 noch ca. 81% keine F&E, waren es 2004 bereits etwa 86%. 35
2.2.2 Die Stellung der KMU im europäischen Vergleich
Nach Berechnungen des ifm der Universität Mannheim sind die Zahlen für Europa mit denen in Deutschland vergleichbar. Aufgeteilt nach Beschäftigungsklassen hatten gemäß der KMU-Definition der Europäischen Union im Jahr 2003 99,8% aller Betriebe 1 bis 250 Mitarbeiter und waren damit dem Mittelstand zuzurechnen. 92,3% aller Unternehmen lagen sogar bei lediglich 1-9 Beschäftigten. 36
Insgesamt stellte der Mittelstand für knapp 100 Millionen Menschen in Europa einen Arbeitsplatz bereit, das entsprach 2003 etwa zwei Drittel aller Beschäftigten in Europa. 37 Im Durchschnitt bot ein europäisches Unternehmen 7 Personen eine Beschäftigung und war damit ein Kleinstunternehmen. 38
2.3 Die Finanzstruktur des Mittelstands
Die Finanzstruktur eines Unternehmens beschreibt, wie sein Unternehmensvermögen finanziert ist. 39 Von besonderem Interesse ist das Verhältnis von Eigenkapital (EK) zu Fremdkapital (FK), der sog. Verschuldungsgrad (Leverage), 40 und der Anteil langfristiger Mittel (EK, Rückstellungen und Verbindlichkeiten) an der Bilanzsumme eines Unternehmens. Anhand dieser Kennzahlen kann viel über die Nachhaltigkeit der Finanzstruktur eines Unternehmens ausgesagt werden. 41 Abbildung 6 gibt eine knappe Übersicht über die Finanzierungsalternativen eines Unternehmens. 42
35 Vgl. Reize (2005), S. 17-43.
36 Vgl. ifm Uni-Mannheim (2006).
37 In Europa waren im Jahr 2003 etwa 140 Millionen Menschen in insgesamt etwa 19.310 Unternehmen beschäftigt; bei etwa 40 Unternehmen handelte es sich um „große“ Unternehmen.
38 Vgl. Europäische Kommission (2004), S. 27-30. Siehe auch Anhang 1, Bedeutung der KMU in europäischen Ländern.
39 Vgl. Plattner/Skambracks/Tchouvakhina (2005), S. 13.
40 Vgl. Lichtblau/Utzig (2002), S. 15. Für Details siehe auch Anhang 2, Definition Verschuldungsgrad und Leverage.
41 Vgl. Plattner/Skambracks/Tchouvakhina (2005), S. 13.
42 Für Details zu den Finanzierungsalternativen siehe Anhang 3.
10
Abbildung 6: Finanzierungsalternativen nach Mittelherkunft
Quelle: Selch (2005), Folie 10.
Das Finanzierungsverhalten des Mittelstands unterscheidet sich in einigen Punkten deutlich von dem größerer Unternehmen und von KMU in anderen Ländern und bedarf deswegen einer genaueren Betrachtung.
2.3.1 Die Bedeutung der Finanzierungsquellen
Nach einer breitflächigen Unternehmensbefragung der KfW aus dem 1. Quartal 2005 ist die Innenfinanzierung aus eingehaltenen Gewinnen, Abschreibungen, oder Rückstellungen nach wie vor die wichtigste Finanzierungsquelle für Unternehmen in Deutschland. 43 Dieses Ergebnis ist unabhängig von Branche und Größe des Unternehmens. Die Bedeutung der Innenfinanzierung nimmt jedoch mit wachsender Größe des Unternehmens zu. Die zweitwichtigste Finanzierungsquelle stellen lang- und kurzfristige Kredite dar, gefolgt von Leasing und Lieferantenkrediten. Auffällig ist, dass die Zahl und Höhe von Leasingverträgen und Lieferantenkrediten mit steigender Unternehmensgröße zunimmt. Abbildung 7 lässt erkennen, dass Finanzierungsformen, wie die Finanzierung über Private Equity, Mezzanine Mittel 44 oder durch Factoring 45 , eher wenig genutzt werden. Auch derivate Finanzierungsquellen, wie z.B.
43 Die Befragung erfolgt jährlich auf Initiative der KfW Bankengruppe gemeinsam mit 25 Fach-und Regionalverbänden der Wirtschaft. Befragt werden Unternehmen aller Größenklassen, Branchen und Rechtsformen.
44 Finanzierungsmittel, die die Finanzierungslücke zwischen FK und EK in der Kapitalstruktur füllen. Vgl. BVK (2004), S. 10.
45 Idee des Factoring: Umwandlung nicht liquider Finanzaktiva (Forderungen) in liquide Mittel durch vertraglich festgelegten, laufenden Verkauf von Forderungen aus Waren- und Dienstleistungsgeschäften vor deren Fälligkeit an ein spezialisiertes Finanzierungsinstitut („Factor“). Vgl. Selch (2005), Folie 37.
11
Unternehmensanleihen oder Schuldverschreibungen spielen für Unternehmen in Deutschland eine eher untergeordnete Rolle. 46
Abbildung 7: Die Bedeutung der Finanzierungsquellen 47
Das Finanzierungsverhalten der KMU in Deutschland spiegelt sich auch in ihrer Eigenkapitalausstattung wieder. Nach einer aktuellen Untersuchung von Creditreform im Herbst 2005 hatten nur etwa 22,2% aller KMU eine Eigenkapitalausstattung von über 30% der Bilanzsumme. Bei ca. 36,6 der KMU liegt der Eigenkapitalanteil sogar unter 10%. 48 (siehe Abbildung 8)
46 Vgl. Zimmermann/Schumacher (2005) S. 47-54.
47 Nach Umsatzgrößenklassen.
48 Vgl. Creditreform (2005), S.19.
12
Abbildung 8: Die Eigenkapitalausstattung des Mittelstands
Es ist jedoch zu beachten, dass es in Deutschland kein zentrales, nationales Unternehmensregister gibt, das die Daten der Finanzstruktur von KMU aufarbeitet. So sind die Ergebnisse eher als Nebenprodukt der Tätigkeit verschiedener Institutionen zu werten. Eine Vergleichbarkeit ist nicht immer gegeben, da in der Regel unterschiedliche Ermittlungsmethoden und Grundgesamtheiten verwendet werden.
Abbildung 9: Eigenkapitalquoten 49 verschiedener Institutionen
49 Mit Bilanzsumme gewichteter Durchschnitt (Deutsche Bundesbank), Median (KfW- Bilanzdatenbank, Dafne Bilanzdatenbank, DSGV).
13
Abbildung 9 verdeutlicht die Unterschiede. 50 Aufgrund der Unterschiedlichkeit der Ergebnisse kann eine einheitliche Eigenkapitalquote des Mittelstands nicht ermittelt werden. Es lassen sich dennoch gemeinsame Tendenzen in der Entwicklung der Eigenkapitalquoten ermitteln. So belegt Abbildung 9, dass die Eigenkapitalquoten mit zunehmender Unternehmensgröße ansteigen. Zudem ist die generelle Eigenkapitalausstattung der Unternehmen in den letzten Jahren tendenziell gestiegen. insbesondere für mittlere Unternehmen. Nach den Daten des DSGV stieg die Eigenkapitalquote der mittleren Unternehmen von 2001 bis 2003 um mehr als 30% (bis 2004: 60%), laut KfW immerhin um 20%. Die Zunahme der Eigenkapitalquote resultiert sowohl aus einer Zunahme der Eigenmittel als auch aus einer Abnahme der Bankverbindlichkeiten. 51
Deutsche KMU weisen damit aber immer noch deutlich geringere Eigenkapitalquoten als vergleichbare Unternehmen anderer europäischen Staaten oder der USA aus. 52 (siehe Abbildung 10)
Abbildung 10: Eigenkapitalquoten im internationalen Vergleich 53
40
30
20
10
0
Quelle: Paul/Stein(2005), S. 40 - eigene Darstellung.
Auch die Unterschiede zwischen KMU und den Großunternehmen sind in Deutschland ausgeprägter als in den meisten anderen Ländern. 54 Große Unternehmen differenzieren ihre Finanzierungsstruktur stärker durch die Nutzung von Rücklagen, Pensionsrückstellungen oder des Kapitalmarkts 55 als Finanzierungsquelle.
50 Siehe auch Anhang 4: Datenquellen zur Ermittlung der Eigenkapitalquote deutscher Unternehmen.
51 Vgl. Engel/Kohlberger/Pfaffenholz/Plattner (2006), S. 157-164.
52 Vgl. Paul/Stein (2005), S. 40.
53 In Prozent der Bilanzsumme, Zusammenstellung Creditreform 2004.
54 Vgl. Plattner/Skambracks/Tchouvakhina (2005), S. 14.
14
Abbildung 11: Die Finanzierungsstruktur nichtfinanzieller Kapitalgesellschaften 56
Quelle: Sachverständigenrat (2005), S. 459.
Abbildung 11 verdeutlicht, dass die KMU in anderen Ländern insbesondere Lieferantenkredite intensiver in Anspruch nehmen. In den USA und in GB hat zudem die außerbörsliche Beteiligungsfinanzierung einen weitaus höheren Stellenwert für die Unternehmensfinanzierung als in Deutschland. 57
2.3.2 Der Finanzmarkt im Wandel
Seit einigen Jahren befindet sich das Finanzierungsumfeld europäischer und deutscher Unternehmen in einem starken Wandel. Fortschritte in Informations-und Kommunikationstechnologien und die Deregulierung nationaler Kapital- und Finanzmärkte haben zu einer verstärkten Globalisierung und Integration der
55 In Form von „going public“, Beteiligungs- oder Kreditfinanzierung.
56 Ausgewählte Länder 2003: Deutschland (DE), Frankreich (FR), Japan (JP), Vereinigtes Königreich (UK), Vereinigte Staaten (USA).
57 Vgl. Pfaffenholz (2005), S.92-93.
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Andreas Garscha, 2006, Förderung der Eigenkapitalfinanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen in Deutschland, Munich, GRIN Publishing GmbH
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