Gliederung
1. Wer ist Frank Farrelly?
2. Entstehung der provokativen Therapie
3. Annahmen und Hypothesen
3.1 Typisches Paradigma
3.2 Zwei zentrale Hypothesen
3.3 Ziele
4. Die Rolle des provokativen Therapeuten
4.1 Teufels Advokat
4.2 Spezifische Techniken
5. Die Stellung des Humors
6. Die 4 Sprachen des provokativen Therapeuten
7. Stadien des Prozesses in der provokativen Therapie
8. Provokative Therapie und andere Therapieformen
8.1 Farrelly und Rogers
8.2 Stimmen von anerkannten Therapeuten zu Farrelly
9. Fazit
10. Quellen
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1. Wer ist Frank Farrelly?
Geboren 1931 in Missouri und aufgewachsen in einer sehr kinderreichen Familie.
Wollte zuerst Priester werden; entschied sich dann aber für ein Studium der Sozialarbeit.
Anfang der 60er Jahre entwickelte er am Mental Health Hospital in Madison im Rahmen seiner therapeutischen Arbeit, die von Carl Rogers unterstützt wurde, die prov. Th.
Lehrte an der Uni von Wisconsin an der Schule für soziale Arbeit. Arbeitete viele Jahre therapeutisch mit chronisch schizophrenen, schwer depressiven u. drogenabhängigen Patienten, sowie kriminellen Psychopathen am Mental Health Hospital. Eröffnete dann eine private Praxis in Madison Bildet seit 25 Jahren Therapeuten aus und gibt seit 15 Jahren regelmäßig Seminare in Australien und Europa.
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2. Entstehung der provokativen Therapie
FF arbeitete bzw. lernte von C. Rogers den klientenzentrierten Ansatz und führte diesen auch einige Zeit aus.
Er merkte dann aber, dass ihm diese Art der Gespräche nicht ganz liegt. Zitat: „Ich bin ausgelaugt von dem Versuch, ein Gärtner oder ein Geburtshelfer zu sein (dies sind die typischen Metaphern, die R. zur Beschreibung seines Therapeutenverständnisses verwendet). Ich bin in keiner dieser Rollen gut. Was ich tun will, ist die Panzerung der Leute aufzubrechen, in ihr Herz, in ihr Zentrum einzudringen und etwas Leben in sie hineinzubringen.“ Die Geburtsstunde seines provokativen Ansatzes war das 91. Interview mit einem als chronisch schizophren diagnostizierten Patienten. FF war langsam frustriert vom therapeutischen Prozess, der wie Carl R. zu sagen pflegte, mit der Geschwindigkeit eines Gletschers ablief. Der Pat. gab ihm ständig zu verstehen, er sei wertlos, hoffnungslos, werde sich nie ändern und den Rest seines Lebens in der Anstalt fristen FF versuchte ihm das Gegenteil zu vermitteln und sein Selbstwertgefühl zu heben.
In der 91. Stunde gab FF dann auf und sagte dem Pat. dass dieser recht habe, er habe sich getäuscht, der Pat. sei wirklich hoffnungslos. Nach dieser Aussage war es nicht eine Sache von Wochen oder Monaten, nein, von Sekunden und Minuten, dass der Pat. anders wurde. Er fing an, sich äußerlich und innerlich zu bewegen und bekam Farbe im Gesicht, während FF noch seine Meinung von ihm selber bestätigte. Mit der Zeit merkte FF, dass diese „Herausplatzer“, die ihm als passierten, meist den Nagel auf den Kopf trafen u. hilfreicher waren, als abgewogene professionelle Kompensationen.
Am Anfang war er über diese Herausplatzer eher geschockt, setzte diese dann aber im Laufe der Jahre immer mehr bewusst als therap. Mittel ein. FF lässt also seine Gegenübertragungsgefühle zu, ja mehr noch, er lässt sie bewusst in die Gespräche mit einfließen.
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Denn es sind für FF angemessene und notwendige Infos, mit denen der Pat. etwas anfangen kann.
Der Pat. bekommt hierdurch ungehindert Zugang zu den Gedanken und Gefühlen des Therapeuten.
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3. Annahmen und Hypothesen
Aufgabe des Therap. ist es, den Pat. genügend, aber nicht maßlos herauszufordern (abhängig vom klinischen Urteil), um ihn zu provozieren, neue Verhaltensmuster zu benutzen.
Dabei sind Kampfreaktionen auf Probleme beinahe immer den Fluchtreaktionen vorzuziehen.
Einer der charakteristischen Züge der prov. Th. ist die Art, wie der Therap. die Vermeidung des Patienten nicht duldet, auch nicht beim ersten Kontakt.
Bei der prov. Th. wird versucht, einen bestimmten Typ des Ärgers über sich zu provozieren.
Der erwünschte Typ des Ärgers ist oft charakterisiert durch eine intensive u. umfassende Einstellung, wie z. B. „Ich habe mich gründlich satt, und ich muss mich ändern.“
Dieser Ärger drängt zu Entscheidungen, selbst das Ruder in die Hand zu nehmen.
Viele Therapeuten vermitteln einen ruhigen, kühlen, gesammelten Eindruck gegenüber ihren Patienten.
Dabei versuchen sie in einem beruhigenden, gleichmäßigen, gut modulierten Ton zu sprechen.
Bei prov. Th. genau das Gegenteil: Therapeut will auf das Wahrnehmungsfeld des Pat. stoßen, so dass sie gezwungen sind mitzuarbeiten u. nicht mehr in der Lage sind, dem Therapeuten auszuweichen. FF hat die Erfahrung gemacht, dass Pat. für sich ein psychosozial positiveres Verhalten entwickeln, wenn sie mit einer sie nicht überfordernden Herausforderung konfrontiert werden, mit der sie fertig werden müssen u. die sie nicht vermeiden können.
Wenn die Herausforderung einen Ärger auf sich selbst provoziert, der zu einer Entscheidung führt, sich zu verändern, kann der therap. Prozess beginnen und in der Tat sehr schnell voranschreiten.
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3.1 Typisches Paradigma
FOLIE I (siehe Anhang)
(3) ich es nicht kann (4) ich es nicht will
Pat. stellen das „Ich kann nicht“ in den Vordergrund Der Therap., der sicher glaubt, der Pat. will nicht, stimmt humorvoll zu. Er betont das Schicksal usw. in dem Versuch, den Pat. zu provozieren, anzuerkennen, dass er nicht funktioniert, weil er es nicht will. Angenommen, dass der Pat. (1) akzeptiert, so will er evtl. sein Verhalten, sich selber, erklären, einen Grund finden, ein „Weil“ (2), das ihn fast unweigerlich nach (3) führt.
Die Aufgabe des Therap. ist es, ihn dazu zu bringen, zunächst (4) anzuerkennen, dann zu wählen u. seine Freiheit zu behaupten. Niemand wird sie ihm geben.
Der Therap. arbeitet radikal mit der Annahme, dass der Patient für sein Verhalten verantwortlich ist.
Verantwortung zu übernehmen u. nicht auf andere Personen, Systeme usw. zu projizieren ist schwer, aber entscheidend.
Vielen würde es naiv erscheinen und schrecklich arglos, wenn jemand die Position vertritt, dass Menschen sich selbst in Schwierigkeiten bringen, weil sie sich dazu entschieden haben.
Jedoch für therap. Zwecke u. für die Ziele der Veränderung von Einstellungen, Wahrnehmungen u. Verhaltensweisen nimmt FF das an. Ob dies wahr ist oder nicht, FF´s klinische Erfahrung zeigt, dass dies die Annahme ist, die am besten funktioniert, um Veränderungen im Pat. hervorzurufen und sie zu bewegen, ihren Möglichkeiten gemäß zu leben. !!!
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FF war lange vor dem ersten prov. Gespräch klar geworden, dass das Gefühl der „psychisch Kranken“ ungeliebt und zurückgestoßen zu sein besonders damit zusammenhängt, dass die Pat. wirklich häufig ungeliebt und zurückgestoßen sind.
Klar war auch, wenn sie sich gehasst fühlten, von sich und anderen, dies zumindest teilweise davon abhing, dass vieles was sie taten, hassenswert war.
Klar war FF auch, dass wenn Therapeuten sie ehrlich zurückwiesen, dies viel hilfreicher für sie war, als ein unechtes verkrampftes Annehmen. Oft muss man im klinischen Bereich - wie im Leben auch - zwischen kurz begrenzter „Grausamkeit“ und unbegrenztem Wohlwollen auf der einen Seite sowie von grenzenlosen Nachteilen auf der anderen Seite unterscheiden.
3.2 2 zentrale Hypothesen FOLIE II (siehe Anhang)
3.3 Ziele
Der prov. Therap. versucht, positive und negative affektive Erfahrungen anzustoßen, um den Patienten dahin zu bringen, dass er sich auf 5 unterschiedliche Arten des Verhaltens einlässt:
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PLAKAT (siehe Anhang)
Von Therapeutenseite werden diese 5 Ziele nach einander während der Therapie von dem Patienten angesteuert.
Das Erlernen eines Verhaltens in Übereinstimmung mit diese Zielen scheint an folgende Schritte gebunden sein:
1. Pat. werden dazu provoziert, dem Therapeuten direkt zu antworten 2. Pat. reagieren in der Therapie sprachlich u. affektiv, das letztere manchmal unangemessen.
3. Pat. reagieren auf den Therap. in einer integrierten Form, dabei stimmt der Affekt dann mit dem sprachlichen Inhalt überein.
4. Pat. verhalten sich für den Therap. auch außerhalb der Sitzungen deutlich anders um ihre jetzt integrierten Antworten substantiell zu machen. 5. Pat. lassen sich jetzt ein auf Selbstbejahung. Selbstbestätigung, realistische Selbstverteidigung, gesellschaftliche Anpassung u. Wagnisse in Beziehungen auch außerhalb der therap. Beziehung.
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Arbeit zitieren:
Silke Stabenow, 2004, Provokative Therapie nach Frank Farelly, München, GRIN Verlag GmbH
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