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Kunsttherapie mit Kindern
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung
2. Wie entstand die Kunsttherapie
3. Muss man für eine Kunsttherapie künstlerisch begabt sein
4. Was bewirkt Kunsttherapie
5. Ansätze der Kunsttherapie
5.1. Der psychiatrische Ansatz
5.2. Der künstlerisch-kunstpädagogische Ansatz
5.3. Der heilpädagogische Ansatz
5.4. Der psychotherapeutische Ansatz
5.5. Der anthroposophische Ansatz
5.6. Der rezeptive Ansatz
5.7. Der integrative Ansatz
6. Einzel oder Gruppentherapie
7. Kunsttherapie mit Kindern
7.1. Regression in der Kinderkunst
7.2. Notwendige Bedingungen für die erfolgreiche
Kunsttherapie
7.3. Ein diagnostisches Interview
7.4. Ein Bild des therapeutischen Prozesses
7.5. Wie kann die Therapeutin dem Kind zur Äußerung
verhelfen
7.6. Die Evaluationssitzung mit der Familie
7.7. Gruppenkunsttherapie
8. Künstlerische Betätigung hilft auch dem normalen Kind
9. Schlussbemerkungen
10. Anlage
11. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
In meiner Hausarbeit werde ich mich mit dem Thema „Kunsttherapie mit Kindern“ beschäftigen. Zuerst werde ich jedoch Allgemeines zur Kunsttherapie erarbeiten, da mir dies als Einführung notwendig erscheint.
Folgende Fragen werde ich in meiner Hausarbeit versuchen zu beantworten:
- Wie entstand die Kunsttherapie?
- Muss man künstlerisch begabt sein, wenn man sich für die Behandlung durch Kunsttherapie entscheidet?
- Was bewirkt Kunsttherapie?
- Was für Ansätze gibt es bei der Kunsttherapie?
- Für welche Patienten ist eine Einzeltherapie sinnvoller, für welche eine Gruppentherapie?
- Wie funktioniert die Kunsttherapie mit Kindern?
- Welche Bedingungen gibt es, damit eine solche Kunsttherapie erfolgreich ist?
- Welche Formen von Kunsttherapie für Kinder gibt es?
- Wie arbeitet eine Kunsttherapeutin?
Der Einfachheit halber, und weil ich mehr Bücher von KunsttherapeutINNEN als von Kunsttherapeuten gelesen habe, wird in meiner Hausarbeit nur von KunsttherapeutINNEN die Rede sein.
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2. Wie entstand die Kunsttherapie?
Mitte des 19. Jahrhunderts stellten Ärzte fest, dass durch bildnerisches Gestalten bei vielen Patienten eine Besserung des psychischen Gesundheitszustandes erreicht worden war. Damals hatte das Malen aber nur die Funktion, Patienten, die sich schon länger in Spitälern befanden, sinnvoll zu beschäftigen. Das Malen hatte einen Stellenwert wie Haus-, Garten- und Feldarbeit, sollte Langeweile verhindern. (vgl. Kraus, 2002, S. 16) „Der Grund für die Einrichtung sogenannter künstlerischer Werkstätten in den (zumeist privaten) Hospitälern ab 1850 lag weniger in der Erkenntnis, dass mit künstlerischem Schaffen Heilerfolge zu verzeichnen waren, als vielmehr darin, dass sich viele Patienten aus gehobenen Schichten weigerten, anstrengende Arbeiten auszuführen. Das Malen hatte also andere Zielsetzungen und ist mit der heutigen kunsttherapeutischen Arbeit nicht zu vergleichen.“ (Kraus, 2002, S. 16) Etwa um 1910 liegen die Anfänge der Kunsttherapie: Psychoanalytiker, wie Hermann Rohrschach oder Anna Freud, hatten damit begonnen, sich mit den bildnerischen Arbeiten ihrer Patienten auseinanderzusetzen. In den zwanziger und dreißiger Jahren beschäftigen sich dann Analytiker im Rahmen ambulanter Therapien mit Zeichnungen. (vgl. Kraus, 2002, S. 17) „Hier liegen die Anfänge der heutigen Kunsttherapie: der Versuch, mit bildnerischen Mitteln Zugang zur individuellen Geschichte der Patienten zu finden, mit dem Ziel, Konflikte aufzudecken, sie sichtbar und so zu einer bewussten Bearbeitung zugänglich zu machen.“ (Kraus, 2002, S: 17)
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3. Muss man für eine Kunsttherapie künstlerisch begabt sein? Viele Menschen denken, sie müssten künstlerisch begabt sein um sich einer Kunsttherapie zu unterziehen. Das stimmt nicht. Es kommt bei der Kunsttherapie nicht darauf an, „schön“ zu malen, vielmehr zählt der Entstehungsprozess und das bildnerische Gestalten. Es geht darum, dass der Patient seine Gedanken, Gefühle, Träume, Phantasien und Ängste zum Ausdruck bringt. Oft ist dies für den Patienten sehr schmerzlich, diese in sich zu finden, sie durch Malerei auszudrücken und sich dabei mit ihnen auseinanderzusetzen. (vgl. Kraus, 2002, S. 13) „Aber nur so können innere Prozesse bewusst gemacht und Lösungsmöglichkeiten entwickelt werden.“ (Kraus, 2002, S. 13) Auch haben die Patienten oft Angst, dass die Therapeutin bereits Sachverhalte erkennen kann, die die Patienten (noch) nicht bereit sind mitzuteilen. (vgl. Kraus, 2002, S. 13)
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4. Was bewirkt Kunsttherapie?
Bei Patienten bewirkt die Kunsttherapie,
- dass verlorene kreative Fähigkeiten wiederentdeckt werden,
- das Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl aufgebaut wird,
- dass sie sich ihrer Mit- und Umwelt verstärkt öffnen,
- dass sie in der Gruppenarbeit soziale Erfahrungen machen und soziale Kompetenzen entwickeln,
- dass sie psychische Stabilität erlangen und damit Lebensfreude zurückgewinnen.
(vgl. Kraus, 2002, S. 10)
Die Aufgaben der Kunsttherapie im Bereich der Klinik sind folgende:
- „bei schwer zugänglichen Patienten eine (zunächst nonverbale) Kontaktmöglichkeit anzubahnen und damit auch Wege für andere therapeutische Verfahren zu eröffnen,
- schwer fassbare innere Prozesse anschaubar zu machen und so deren bewusste Verarbeitung einzuleiten,
- Gefühlen wie Ängsten, Erwartungen und Sehnsüchten gestaltend Ausdruck zu verleihen,
- Verborgene kreative Kräfte zu aktivieren und damit gesunde Persönlichkeitsanteile zu stärken.“ (Kraus, 2002, S. 10)
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5. Ansätze der Kunsttherapie:
Die verschiedenen Ansätze lassen sich in sieben Gruppen unterteilen, wobei die Zuteilungen nicht immer eindeutig sind, da sich die Methoden häufig überschneiden. (vgl. Kraus, 2002, S. 19)
5.1. Der psychiatrische Ansatz
„Der psychiatrische Ansatz der Kunsttherapie geht von neurobiologischen Erkenntnissen und der Annahme aus, dass den bildnerischen Darstellungen des Menschen eine Art „biologische Matrix“ in Form endogener Bildmuster zugrunde liegt und sich in dieser Matrix Elementarstrukturen unserer Wahrnehmung zeigen.“ (Kraus, 2002, S. 19) Das heißt, dass angenommen wird, dass die Menschen mit ihren bildnerischen Darstellungen eine Interpretation davon ausdrücken, was sie aus der Umgebung aufnehmen. Denn das, was wir sehen, wird von unserem Nervensystem aufgenommen und interpretiert. Bei kranken Menschen, vor allem bei Schizophrenen, ist dieses System gestört. Die Wahrnehmung ist verändert und dadurch kommt es zu einer Veränderung der bildnerischen Darstellung innerer und äußerer Bilder. (vgl. Kraus, 2002, S. 19) „In der Psychose kommt es also zu Störungen der Interpretation dessen, was wahrgenommen wird, und der angemessenen Gefühlsreaktion darauf.“ (Kraus, 2002, S. 19) Hier ist das Ziel der Kunsttherapie, diese Deformationen wieder rückgängig zu machen. Dieses erreicht man durch Nachzeichnen realer Strukturen. Dadurch wird das deformierte Wahrnehmungssystem verbessert; das Formenzeichnen hat eine heilende und stabilisierende Wirkung. (vgl. Kraus, 2002, S. 19) „Durch sich wiederholende, gleichförmige, rhythmische Bewegungsmuster auf dem Papier entstehen sich weiterentwickelnde Gebilde, wobei der Gestaltungsprozess beruhigend und entspannend wirken und die Stabilisierung fördern kann.“ (Kraus, 2002, S. 20) Für mich klingt es einleuchtend, dass der Gestaltungsprozess beruhigend und entspannend wirkt und dass durch Nachzeichnen realer Bilder die geschädigte Wahrnehmung positiv beeinflusst - eventuell sogar geheilt - werden kann.
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5.2. Der künstlerisch-kunstpädagogische Ansatz
Die Vertreter des künstlerisch-kunstpädagogischen Ansatzes der Kunsttherapie, vor allem Johannes Itten, Wassily Kandinsky und Paul Klee, „gehen davon aus, dass die Beziehungen zwischen Bewegung, Form, Geist, Seele und Körper insbesondere aus dem emotionalen, nicht aus dem intellektuellen Bereich heraus erfolgen und entscheidende Bedingungen für die künstlerische Tätigkeit sind.“ (Kraus, 2002, S. 20) „Ein Beispiel für eine erlebnisorientierte kunsttherapeutische Methode, bei der nicht das fertige Bild, sondern der Malprozess und das persönliche Erleben im Vordergrund steht, ist das „messpainting“. Kraus (2002, S. 20) zitiert Gertraud Schottenloher: „es lässt den spontanen bildnerischen Prozess in seiner heilenden und selbstregulierenden Wirkung zum Tragen kommen, ohne Deutung und Interpretation der Bilder.“ Innerhalb einer kurzen vorgegebenen Zeit soll ein Bild gemalt werden, möglichst viel der Malfläche, 70 bis 90 Prozent, soll bearbeitet werden. Dadurch wird der Anspruch ein „gutes“ Bild zu malen ausgeschlossen und Gefühle jeglicher Art, wie Ärger, Wut, Traurigkeit und Freude können zugelassen und ausgedrückt werden. Diese Art des Malens nennt man „messpainting“. (vgl. Kraus, 2002, S. 20 – 21) „Messpainting ist geeignet, den kreativen Prozess in Gang zu bringen und trägt dazu bei, Hemmungen und Blockierungen abzubauen. Das „messpainting“ kann in abgewandelter Form dadurch praktiziert werden, dass z. B. ein Gegenstand in immer kürzeren Zeitabständen gezeichnet, beziehungsweise gemalt wird und die Therapeutin zum Teil auch selbst in den Gestaltungsprozess eingreift, indem sie verschiedene Malmaterialien auf das gerade in Arbeit befindliche Paper aufträgt. Auch hier besteht die Möglichkeit, manchmal sogar die Notwendigkeit, die subjektiven Erlebnisse beim Gestaltungsvorgang und die Bilder selbst zu besprechen.“ (Kraus, 2002, S. 21)
Ich denke, dass das Messpainting für die Anfangsphase gut geeignet ist, damit der Patient entspannter an die Sache herangehen kann und nicht unter dem Druck steht, etwas „schön“ zu malen.
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5.3. Der heilpädagogische Ansatz
Die Heilpädagogik beschäftigt sich vor allem mit behinderten Menschen. Die Kunsttherapie wird hier mit Erfolg angewendet, da sie nonverbale Kommunikation ermöglicht und dadurch soziale Kompetenzen fördern kann. Die Kunsttherapie beschränkt sich hier auf den Umgang mit bildnerisch-ästhetischen Mitteln, wobei den größten Teil der Heilpädagogik die Ergotherapie ausmacht. (vgl. Kraus, 2002, S. 21 – 22) Meines Erachtens ist die Kunsttherapie für Menschen, die nicht sprechen können besonders gut geeignet.
5.4. Der psychotherapeutische Ansatz
Da erkannt wurde, welche Bedeutung nonverbale Ausdrucksformen haben können, werden die bildnerischen Arbeiten von Patienten immer häufiger in gesprächsorientierte Verfahren, wie die klassische Psychoanalyse, miteinbezogen. Immer mehr Psychotherapeuten lassen sich auf kunsttherapeutischen Gebiet ausbilden. Bei der psychoanalytischen Kunsttherapie steht der Erkenntnisprozess im Vordergrund. Das Erkennen und Bewusstwerden bezieht sich auf alle aus der Psychoanalyse bekannten und vertrauten psychischen Abläufe: die Abwehrmechanismen, Funktionen des Ich, Übertragung und Gegenübertragung und der Widerstand. Jeder Mensch träumt und denkt in Bildern, daher ist es naheliegend, dass Schwierigkeiten oder Probleme auch bildnerisch dargestellt werden. Wichtig dabei ist es, den Patienten zu beobachten und ihm aufmerksam zuzuhören: seine Mimik, Gestik, Kommentare, Innehalten des Patienten an einer bestimmten Stelle, ein plötzliches Wechseln der Farbe, Veränderungen seines Verhaltens wahrzunehmen. (vgl. Kraus, 2002, S. 22) „Informationen also, die der Patient zusätzlich und meistens unbewusst zu seiner Gestaltung gibt. Dieses „Material“ eröffnet Möglichkeiten weiterzuarbeiten, Ressourcen aufzuspüren und Konfliktstrategien zu ändern, wobei das therapeutische Gespräch eine bedeutende Rolle spielt.“ (Kraus, 2002, S. 22) Einen anderen psychotherapeutischen Ansatz entwickelte Bettina Egger: „Sie lässt therapeutische Interventionen immer während des Malprozesses ablaufen, nicht im Anschluss daran, und hat diese Vorgehensweise zu ihrer Methode gemacht, die sie „Begleitendes Malen nach Bettina Egger“ nennt.“ (Kraus, 2002, S. 22 – 23)
Arbeit zitieren:
Silke Wilkens, 2003, Kunsttherapie mit Kindern, München, GRIN Verlag GmbH
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