Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Das Gleichnis allgemeingültige Aussagen als Vorverständnis für die Exegese 4
2.1 Definition des Begriffes Gleichnis 4
2.2 Gegenstand der Gleichnisse 5
2.3 Strukturelle Motive des Gleichnisses 6
2.3.1 Form 6
2.3.2 Aufbau 7
2.3.3 Stil 8
2.4 Botschaft der Gleichnisse 8
2.5 Verfasser der Gleichnisse 9
2.5.1 Jesus 9
2.5.2 Schriftliche Verfasser 10
2.5.2.1 Unterschiede bei den Synoptikern 11
2.6 Adressaten der Gleichnisse 12
2.7 Der metaphorische Ansatz in der Gleichnisauslegung 13
3. Exegese des Gleichnisses vom Senfkorn 15
3.1 Strukturelle Motive 15
3.1.1 Form 15
3.1.2 Aufbau 16
3.1.2.1 Markus-Evangelium 16
3.1.2.2 Matthäus-Evangelium 16
3.1.2.3 Lukas-Evangelium 17
3.1.3 Stil 17
3.1.3.1 Markus-Evangelium 18
3.1.3.2 Matthäus-Evangelium 18
3.1.3.3 Lukas-Evangelium 19
3.2 Thematik und Botschaft des Gleichnisses 20
3.2.1 Thematik und Botschaft des Gleichnisses vom Senfkorn 20
3.2.2 Parallelen zu dem Gleichnis vom Sauerteig 22
3.3 Entstehungsbedingungen 22
3.4 Adressatenkreis des Gleichnisses 24
3.5 Metaphorischer Ansatz des Gleichnisses 25
4. Das Gleichnis vom Senfkorn im Religionsunterricht der Hauptschule 27
4.1 Bildungsplan 27
4.1.1 Kompetenzen 27
4.1.2 Dimensionen und Inhalte in den jeweiligen Klassenstufen 29
4.2 Verstehensvoraussetzungen der Schüler 31
4.3 Didaktische Analyse 32
4.4 Beispiele für das methodische Vorgehen 34
5. Schluss 37
6. Anhang 38
6.1 Dokumentation: Eigene Gleichnisse von Schüler innen einer 9 Klasse 38
6.2 Lied: Kleines Senfkorn Hoffnung 39
7. Literaturverzeichnis 40
2
1. Einleitung
Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit dem Gleichnis vom Senfkorn. Dies ist eines der 38 Gleichnisse, die sich in den synoptischen Evangelien des Neuen Testaments finden. Es gilt zusammen mit dem Gleichnis vom Sauerteig als ein Doppelgleichnis, dass den Kontrast des kleinen Anfangs und des großen Endes schildert.
Die Hausarbeit ist in drei aufeinander folgende Teile gegliedert, die aufeinander aufbauen. Im ersten Teil erfolgt eine Untersuchung über das Gleichnis im Allgemeinen, die die Vielseitigkeit und die Komplexität des Gleichnisses aufzeigt. Im Kontext der Exegese des Gleichnisses vom Senfkorn, die im zweiten Teil folgt, erscheint dies sehr wichtig, da diese Exegese ohne ein bestimmtes Vorwissen nicht zu leisten ist. Anknüpfend daran wird über den pädagogischen Wert des Gleichnisses diskutiert und es erfolgt eine Eingliederung in den Religionsunterricht der 6. Klasse in der Hauptschule, die sich an dem neuen Bildungsplan 2004 orientiert.
Das Gleichnis vom Senfkorn ist eine interessante literarische Form und bietet viele Ansatzmöglichkeiten zur Untersuchung. Doch bei der Beschäftigung mit Gleichnissen können auch Schwierigkeiten auftreten, denn die Fülle von Gleichnistheorien, erschweren es dem Betrachter einen roten Faden in der Untersuchung einzuhalten. Es ist wichtig sich vor der genauen Exegese mit den allgemeingültigen Aussagen des Gleichnisses zu beschäftigen, um einen Überblick der Theorien zu erhalten. Im folgenden wird dieser Überblick vorgenommen.
3
2. Das Gleichnis – allgemeingültige Aussagen als Vorverständnis für die
Exegese
2.1 Definition des Begriffes „Gleichnis“
Allgemein formuliert, ist ein Gleichnis eine Bildgeschichte, die eine geistige, religiöse oder ethische Aussage vermittelt. Diese kurze Definition erschließt jedoch nur zu einem kleinen Teil den Charakter eines Gleichnisses, deshalb ist es für die Erklärung dessen wichtig, genauer auf Geschichte und Wortbildung einzugehen.
Bereits im Alten Testament wurde ein bestimmter Begriff für die biblischen Reden verschiedenster Art verwendet, worunter auch das Gleichnis, aber auch der einfache Vergleich, das Bildwort, das Rätselwort, das Sprichwort, der Weisheitsspruch, das Spottwort und die Allegorie fällt, nämlich der Begriff „maschál“. Definieren lässt er sich als Spruch, hinter dem eine besondere Bedeutung steckt, die nicht auf den ersten Blick erschlossen werden kann. Später wurde in der Septuaginta, der ältesten und wichtigsten Übertragung des Alten Testaments ins Griechische, der Begriff „parabolé“ für maschál verwendet. Dieser meint die Nebeneinanderstellung, den Vergleich, wie auch die Gegenüberstellung zweier Wirklichkeiten, nämlich der Wirklichkeit aus dem irdischen Erfahrungsbereich und der religiösen Wirklichkeit. Mit dem Begriff „parabolé“ werden somit die beiden wichtigsten Aussagen des Gleichnisses angesprochen: Bildhälfte und Sachhälfte. „Die Gleichniserzählung ist das ganze Wort des Erzählers an seine ursprünglichen Hörer.“ 1 Mit diesem Zitat lassen sich die beiden „Hälften“ des Gleichnisses besser verstehen, denn die Bildhälfte wurde aus der Situation heraus formuliert, demnach aus dem irdischen Erfahrungsbereich, und lässt den Hörer das Gleichnis unmittelbar verstehen, da er die Ausgangssituation nachvollziehen kann, zum Beispiel das Wachsen der Saat. Die Sachhälfte richtet sich primär nach dem Sinn des Gleichnisses, den es beinhaltet und der die Aufforderung an den Hörer stellt sich selbst mit dem Gleichnis zu identifizieren. Bild- und Sachhälfte bedingen einander: „…das Gesamtgeschehen in der Bildhälfte weist auf den entscheidenden Grundgedanken hin, der als Vergleichspunkt dient.“ 2
1 Sorger, K., S. 12
2 Knoch, O., S. 12
4
Der in diesem Zitat angesprochene Grundgedanke kann dabei als die Sachhälfte bezeichnet werden. Dennoch kann man Bild- und Sachhälfte nicht explizit und allgemein in einem Gleichnis benennen, denn: „Die Begriffe Bild- und Sachhälfte sind also auf die Blickrichtung des Auslegers zugeschnitten und nur in dieser sinnvoll.“ 3 Zudem erzielen beide Hälften zwei Verstehensebenen mit dem der Charakter des Gleichnisses erschlossen wird: „die vordergründige der erzählten Geschichte und die hintergründige Beziehung auf die eigentlich gemeinte Wirklichkeit beziehungsweise Sache.“ 4 Gleichnisse standen unter dem Untersuchungsaspekt vieler Theologen und anderer Wissenschaftler. Der wohl bekannteste unter ihnen ist Adolf Jülicher, der um 1900 eine Gleichnisauslegung formuliert hat, die sich mit der Allogerese beschäftigte. „Bei der Allogerese wird der Gleichnistext als eine Kette von Bildern bzw. Metaphern gesehen, die auf der Grundlage von einschlägigem religiösen Vorwissen dechiffriert werden und dadurch eine belehrende Funktion bekommen.“ 5 Diese Art der Gleichnisauslegung fand lange Zeit regen Zuspruch, wurde aber trotzdem kritisiert und weiterentwickelt.
2.2 Gegenstand der Gleichnisse
Der primäre Gegenstand der Gleichnisse ist das Reich und die Herrschaft Gottes. Otto Knoch untersuchte in seinem Buch „Wer Ohren hat, der höre“, diese Thematik unter dem Aspekt der Metapher. Dabei stellte er die Aussage auf, dass das „Reich Gottes“ das Subjekt, das Verbindungswort beziehungsweise die Kopula des Satzes darstellt, während die eigentliche Gleichniserzählung als Prädikat und damit als Satzaussage angesehen werden kann. 6 Anknüpfend an diese Aussage ist anzufügen, dass Jesus die Gleichnisse ausgesprochen hat und eine Unterteilung der Gegenstände in den primären Gegenstand, nämlich dem Reich Gottes, und den weiterführenden Gegenständen erfolgt, die zum einen die Situation und die Erkenntnis darstellen, aus der das Gleichnis heraus formuliert wurde, und zum anderen Jesus selbst in den Vordergrund platzieren: seine Person, seine Sendung, seine Vollmacht in Bezug auf das Reich Gottes und seiner Bedeutung für das Heil seiner Hörer.
3 Sorger, K., S. 12
4 Knoch, O., S. 12
5 Becker, U., S. 56
6 vgl. Weder, Hans
5
2.3 Strukturelle Motive des Gleichnisses
2.3.1 Form
Definition und Gegenstand der Gleichnisse zeigen bereits die Komplexität dessen auf. Doch auch formale Kriterien bergen ein hohes Kapital:
So gibt es Gleichnisse im weiteren Sinne, die für die Vergleiche, die Ähnlichkeiten, die Entsprechungen und der Gleichheit verschiedener Gegebenheiten stehen. Dazu zählen Gleichnisse im engeren Sinne, sogenannte Bildgeschichten, die einen Sachverhalt, eine Wirklichkeit oder ein Geschehen mit einem anderen vergleichen und daraus eine Lebensweisheit oder eine Erkenntnis ableiten. Ihr Inhalt beläuft sich auf einen typischen Fall beziehungsweise einen regelmäßigen Vorgang und es erzählt von einer Situation, die sich immer ereignet hat und auch noch immer ereignen wird sowie von etwas was jeder tut oder tun würde. Hierzu kann zum Beispiel das Gleichnis vom Senfkorn 7 gezählt werden.
Weiterhin zählen zu den Gleichnissen im weiteren Sinne auch Parabeln, die dem Hörer erzählen, was jemand einmal getan hat. Sie kommen jedoch als Einzelfall unter den weiteren Gleichnissen vor, während Gleichnisse im engeren Sinne eher zum Regelfall gehören. Ein Beispiel für eine Parabel ist die Geschichte vom umbarmherzigen Knecht. Auch Beispielerzählungen, wie beispielsweise die vom barmherzigen Samariter 8 , gliedern sich an die Gleichnisse im weiteren Sinne an. Sie erzählen von einem Musterfall, bei dem richtiges oder falsches Verhalten erläutert wird, und stehen demnach nicht unter dem Aspekt der Deutung.
Die Allegorie kann unter besonderen Berücksichtigungen zu den Gleichnissen im weiteren Sinne hinzugezählt werden, denn sie ist zunächst ein Rätselwort. Als zusammenhängende Rede definiert, stellt sie eine Art verschlüsselter Rede dar, da sie etwas anderes zu sagen scheint, als sie ursprünglich erzählt. Für „nicht-wissende“ Hörer ist sie daher nur schwer oder gar nicht zu entschlüsseln beziehungsweise zu verstehen. Ein
7 vgl. Mk 4, 30-32, Mt 13,31-32, Lk 13, 18-19
8 vgl. Lk 10, 25-35
6
Beispiel hierfür ist die Allegorie im 17. Kapitel des Buches Ezechiel, indem von einem großen Adler mit gewaltigen Flügeln erzählt wird, der bildhaft für den König von Babel steht.
Abschließend sei zu sagen, dass die Frage danach, was als Gleichnis bezeichnet werden kann, aus der Perspektive des Erzählers beantwortet werden muss: „Argumentiert es mit etwas Selbstverständlichem, das jeder anerkennen muß, oder will er mit der Erzählung einer (zwar möglichen, aber nicht alltäglichen) Begebenheit überzeugen, die so „arrangiert“ ist, dass sie den Hörer gefangennimmt und in die gewünschte Richtung lenkt?“ 9
2.3.2 Aufbau
Mit dem Wissen dieser Unterscheidungen kann nun der Aufbau eines Gleichnisses erschlossen werden: Die Einleitungsformel bezieht den Hörer meist in einen Vergleich mit ein. Hier kann zwischen dem Nominativanfang und dem Dativanfang unterschieden werden, wobei der Nominativanfang ohne eine Einleitungsformel steht, wie es meist bei Lukas der Fall ist. Der Anfang des Gleichnisses von den beiden Schuldnern 10 dient als dementsprechendes Beispiel: „Jesus antwortete Simon: „Simon, ich habe dir etwas zu sagen!“ Der gab zurück: „Lehrer, sprich!“ Jesus begann: „Ein Gläubiger hatte zwei Schuldner….“. Der Dativanfang erschließt meist einen Vergleich mit dem Himmelreich beziehungsweise mit dem Reich Gottes: „Das Himmelreich gleicht einem …“, „Womit wollen wir das Reich Gottes vergleichen, und durch welches Gleichnis wollen wir es abbilden?“.
Anschließend findet sich der Hörer in den weiteren Szenen des Gleichnisses wieder. Die Szenenabfolge erfolgt stufenweise, wodurch eine leichte Bewegung mit ins Spiel kommt und auch das angestrebte Aussage- und Anredeziel erreicht wird. Zudem sind die Szenen meist breit entfaltet, um die wichtigen Züge in dieser Szene hervorzuheben und dem Hörer nahe zu legen. Einige Gleichnisse zeichnen sich durch Wiederholungen von Aussagen oder Vorgängen aus. Dies führt ebenfalls zu der Einprägsamkeit und weist im besonderen noch auf wichtige Elemente hin, die für das Verstehen des Gleichnisses wichtig sind.
9 Sorger, K., S. 54
10 vgl. Lk 7, 40-43
7
Der Schluss eines Gleichnisses ist ebenso unterschiedlich wie es die Gleichnisse in ihrem Charakter sind. Mal kann ein Gleichnis ohne jede Beifügung eines Schlusssatzes stehen, mal ist der Schluss als Frage oder als Imperativ gestellt, oder es steht als einfaches Schlusswort der Ausdruck „hútós“ (= so). Manche Schlussformeln wurden erst später, zum Beispiel von der nachösterlichen Gemeinde oder den Evangelisten, hinzugefügt. Die Gestalt beziehungsweise die Form der Gleichnisse wurde zum Teil durch verschiedene Faktoren verändert, unter anderem durch die Übersetzung vom Galiläisch- Aramäischen ins Griechische, durch die Übertragung in den hellenistischen Kulturkreis, durch die Einwirkungen des Alten Testaments und anderen Faktoren.
2.3.3 Stil
Liegt das Gleichnis vor dem Leser, so wird dieser sich im ersten Moment über dessen Kürze wundern, denn die Knappheit der Schilderung macht den Stil des Gleichnisses aus. Maximal zwei oder drei Personen treten in der Szenenabfolge auf, während nur das Notwendigste erzählt wird. Zudem werden kaum Affekte und Motive geschildert, denn die Charaktere zeichnen sich meist durch ihr eigenes Verhalten, ihre Worte oder durch das Urteil einer anderen Person aus. Zuweilen treten noch andere Stilmittel auf, die aber hier nur kurz genannt werden, da eine genauere Erläuterung den Rahmen sprengen würde: die konkrete Formulierung, die direkte Rede, das Selbstgespräch, die Wiederholung des gleichen Wortlauts, die Verwendung der Dreizahl, die Gegenüberstellung zweier Typen und die Schilderung des Wichtigsten an letzter Stelle („Achtergewicht“). 11
2.4 Botschaft der Gleichnisse
Die Botschaft der Gleichnisse lässt sich primär anreihend an den Gegenstand erschließen: die Gleichnisse erzählen von dem Reich Gottes beziehungsweise von dem Geheimnis des Reich Gottes. Dieses lässt sich noch weiter ausformulieren, denn die Botschaft bezieht sich auch auf die neue, unbedingte und gnädige Zuwendung Gottes und sein Erbarmen mit den Menschen als Sündern. „Sie wollen den Blick auf die neue, endgültige Wirklichkeit der Liebe Gottes zum sündigen Menschen öffnen und zur Annahme dieses Gnadenangebots aufrufen und bereiten.“ 12
11 Sorger, K., S. 17
12 Knoch, O., S. 34
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Arbeit zitieren:
Anne Schaneng, 2006, Das Gleichnis vom Senfkorn, München, GRIN Verlag GmbH
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