INHALTSVERZEICHNIS
Titel
1. Einleitung 3
2. Die ersten Schritte Richtung „Deutsches Wörterbuch“ 4
3. Wie das „Deutsche Wörterbuch“ entstand 6
4. Ziel und Rahmen des „Deutschen Wörterbuchs“ 7
4.1. Das Ziel 7
4.2. Der Rahmen 8
5. Stichwortbestand im „Deutschen Wörterbuch“ 9
5.1. Der Wortansatz 9
5.2. Vornamen und geographische Namen: Eigennamen 10
5.3. Fremdwörter in der deutschen Sprache 10
5.4. Fachsprachliche Begriffe 12
5.5.Volkssprachliche Wörter 12
6. Die Wortartikel 13
6.1. Die Struktur der Wortartikel 13
6.2. Der etymologische Anteil 15
6.3. Worterklärung und Wortbedeutung 17
6.4. Belege aus der Literatur 18
7. Die Erstausgabe und die Neubearbeitung des „Deutschen Wörterbuches“ 19
8. Resümee 24
9. Literaturverzeichnis 27
2
1. Einleitung
Die Hauptaufgabe historischer Wörterbüchern liegt darin, die Entwicklung der Wörter auf den verschiedenen Stufen der Sprachgeschichte zu verfolgen und die Herkunft und Veränderung ihrer Bedeutung darzustellen. 1 Das erkannten auch die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm. Neben ihrer bekannten Märchensammlung haben sie eine viel größere Rolle für die Germanistik gespielt. Die Germanistik verdankt ihnen das „Deutsche Wörterbuch“, obwohl sie nur drei Bände, der inzwischen auf 32 Bänden erweiterten Sammlung, selbst geschrieben haben. Aufgrund seiner umfangreichen und reichhaltigen lexikographischen Dokumentation des Deutschen nimmt das „Deutsche Wörterbuch“ der Gebrüder Grimm in der deutschen Sprachlexikographie eine Sonderstellung ein. Von seinen Begründern als "philologisch orientiertes Belegwörterbuch mit sprachhistorischer Ausrichtung" konzipiert und die "vollere, lebendige" Sammlung aller deutschen Wörter anstrebend, gilt es heutzutage als "worthistorisches Grundlagenwerk für die deutsche Sprache." 2 Das Deutsche Wörterbuch von Grimm strebt, wie in der Neubearbeitung formuliert, an, ein Verzeichnis des hochdeutschen, schriftsprachlichen Wortbestand von der Mitte des 15. Jahrhunderts, dem Beginn des Buchdrucks, bis zur Gegenwart zu liefern, wobei es sich auf den im älteren Neuhochdeutschen gebräuchlichen Wortschatz beschränkt.
Mittelpunkt dieser Arbeit soll neben der Entstehungsgeschichte, dem Vergleich zwischen Alt- und Neuausgabe, den Vorläufern des „Deutschen Wörterbuchs“ auch der Aufbau sein. Zum Schluss werde ich versuchen ein Resümee zu ziehen.
1 Vgl. Kühn. Lexikologie: Eine Einführung. Tübingen 1994, S. 7-8
2 Vgl. Kirkness. Zur Einführung: Von der philologischen zur metalexikographischen Beschreibung und Beurteilung
des Deutschen Wörterbuches. Band I. Tübingen 1991, S. VII
3
2. Die ersten Schritte Richtung „Deutsches Wörterbuch“
Als Vorstufe zum Wörterbuch kann man die Glossierungen sehen. Sie waren als Texterklärung am Rand oder zwischen den Zeilen in Büchern zu finden. Später, im 11. Jahrhundert folgten die ´Derivitationes´. Diese reihen die Ableitungen des Grundwortes aneinander. Im 14. Jahrhundert folgte man dem verbreitetem ´Vocabularis Brevilogus´, das der lateinischen Tradition folgte, welche mit einer alphabetisch-sachlichen Anordnung arbeitete. Ebenfalls im 14. Jahrhundert entstanden Glossare, die erstmals Erklärungen in deutscher Sprache gaben; durch den Buchdruck verstärkte sich ihre Verbreitung. Dadurch setzte sich die deutsche Sprache auch allmählich gegenüber der vorherrschenden lateinischen Sprache durch. Erst im 15. Jahrhundert folgten die deutschen Glossare der reinen Alphabetisierung; im 16. Jahrhundert bildete sich die ´humanistische Lexikographie´ heraus, deren Wörterverzeichnisse der Erlernung einer gepflegten Sprache dienen sollte. Die Brüder Grimm sahen in dem Wörterbuch von dem Arzt Petrus Dasypodius von 1537 das erste deutsche Wörterbuch. 3 Dieses „[…]prägte die nothwendigkeit alphabetischer Wortsammlungen unserer spreche aufs anschaulichste ein.“ 4 1561 veröffentlichte Josua Maler sein Dictionarium ´Die Teütsche spraach´, das Jacob Grimm als „das erste wahrhafte deutsche wörterbuch“ 5 betrachtete. In diesem Wörterbuch waren neben Wortschatz auch Redensarten der deutschen Schriftsprache erfasst.
Ebenfalls bekannt sind auch die Vokabularien von J. Christoph Adelung und von J. Heinrich Campe. Adelung sah als das Hochdeutsche das Oberdeutsche an, d.h. das Hochdeutsche wurde nach Adelung nur oberhalb der Sprachgrenze gesprochen. Jacob Grimm äußerte sich hierzu:
3 Vgl. Grimm, Jacob: Deutsches Wörterbuch. Vorrede. (1854). In: J. und W. Grimm: Deutsches Wörterbuch. Bd. 1,
Leipzig 1854, Sp. XX
4 Vgl. Grimm. Sp. XXI
5 Ebd. Sp. XXI
4
„[…] doch das erste gebot eines wörterbuchs, die unparteiische zulassung und pflege aller ausdrücke muste einer falschen ansicht weichen, die ADELUNG von der natur unserer schriftsprache gefaszt hatte. nur ein in Obersachsen verfeinertes hochdeutsch, gleichsam die hofsprache der gelehrsamkeit, meinte
er, dürfte den ton anstimmen […]“ 6
Aus heutiger Sicht kann jedoch gesagt werden, dass Adelung bestrebt war den Wortschatz des gesamten deutschsprachigen Raumes aufzunehmen. 7 Zu erwähnen ist, dass er als erster zur Bestimmung eines Wortes fast ausnahmslos die deutsche Sprache benutzte.
Das Wörterbuch von Campe kam vor allem durch sein Konkurrenzdenken gegenüber Adelung zustande, „dessen Wörterbuch er vor allem in der Konzeption für nicht gelungen hielt.“ 8 Er wollte eine Ergänzung, Erweiterung und inhaltliche Konkretisierung zu Adelungs Werk leisten. Genauso wie Grimm, warf Campe Adelung vor, nur das Meissnische als Grundlage verwendet zuhaben. Grimm wiederum kritisierte Campes „unverständigen purismus […] alle fremden wörter aus der sprache zu tilgen“ 9 . Zusammenfassend kann man bei Adelung und Campe folgende Gemeinsamkeiten finden 10 :
- die möglichst vollständige Erfassung der Gegenwartssprache - Quellen und Belege - synchroner und diachroner Wortschatz - alphabetische Anordnung
- Bestrebung, grammatische Kategorien und Orthographie festzulegen - semantischer Teil, der zunächst Hauptbedeutung festlegt, aus der sich weitere ergeben
- etymologischer Teil mit Belegen aus alten Quellen
6 Vgl. Grimm, Jacob. Deutsches Wörterbuch. Vorrede. Leipzig 1854. Sp. XXIII
7 Vgl. Szlek. Zur deutschen Lexikographie. Bern 1999, S. 74
8 Ebd. S. 84
9 Vgl. Grimm, Jacob. Deutsches Wörterbuch. Vorrede. Leipzig 1854. Sp. XXIV
10 Vgl. Szlek. Zur deutschen Lexikographie. Bern 1999, S. 92 f
5
Was alle weiteren Wörterbücher nach Adelung und Campe betrifft, so bezweifelte Jacob Grimm: „ob irgend ein einziges unter ihnen der sprache selbst wahren und dauerhaften dienst geleistet habe.“ 11
3. Wie das „Deutsche Wörterbuch“ entstand
In seiner Vorrede des Ersten Bandes des „Deutschen Wörterbuchs“ von 1854 beschreibt Jakob Grimm sehr gut, wie es zur Entstehung dieses Wissenschaftsprojektes kam. So erwähnt er, dass nach der Amtsenthebung 1838 beider Brüder durch König Ernst August von Hannover aufgrund ihrer Beteiligung am Protest der „Göttinger Sieben“ sie sich in einer schwierigen Lage befanden. Diesen Zeitpunkt nutzte die Weidmannsche Buchhandlung aus Leipzig. Man unterbreitete den als großen Wissenschaftlern bekannten Brüdern das Angebot, ein „neues, groszes wörterbuch der deutschen sprache“ 12 abzufassen. Bereits 1830 hatte der Inhaber der Buchhandlung, Karl Reimer, versucht Jacob Grimm von diesem Vorhaben zu überzeugen. Nun schrieb er am 3.3.1838 zusammen mit Moriz Haupt, Dozenten für klassische Philologie in Leipzig, erneut einen Brief an Wilhelm Grimm. Indem Brief hieß es: Hochverehrter Herr Professor!
Schon vor acht Jahren, […], nahm ich mir die Freiheit an Sie und Ihren Herrn Bruder eine Anfrage über ein Unternehmen von außerordentlicher Bedeutung und großer Wichtigkeit zu richten. Damals genügte es mir, dass Ihr Herr Bruder mich mit der Idee eines von Ihnen herauszugebenden großen neuhochdeutschen Wörterbuchs nicht geradezu abwies, da ich bei der Größe des Unternehmens eine augenblickliche Zusage nicht hoffen durfte. Seitdem haben wir die Sache viel bedacht […] Besonders eifrig erfasste Herr Dr. Haupt den Plan und war, […], der Ueberzeugung, dass nur unter Ihrer Leitung das Werk das rechte Gedeihen haben und das werden könne, was es müße. […] Jetzt dürfen wir Sie
wohl eher bitten, die Sache gütigst in Ueberlegung zu nehmen. […] 13
11 Vgl. Grimm, Jacob. Deutsches Wörterbuch. Vorrede. Leipzig 1854. Sp. XXVI
12 Vgl. Grimm, Jacob. Deutsches Wörterbuch. Vorrede. Leipzig 1854. Sp. I
13 Vgl. Kirkness. Geschichte des Deutschen Wörterbuchs. 1838-1863. Dokumente zu den Lexikographen Grimm.
Beitrag v. Denecke. Stuttgart 1980, S. 53
6
Am 26. April 1838 erklärte sich Jacob Grimm auch im Namen seines Bruders Wilhelm in einem Brief an Reimer damit einverstanden, das Projekt zu übernehmen. 14 Wie Jacob in seiner Vorrede erläutert, war es für beide jetzt eine Art Herausforderung. Sie ahnten zwar, welche Arbeit sich für sie ergeben würde, zugleich reizte es aber, ein solches, bis dahin noch nie existierendes Werk zu verfassen. Des Weiteren meinte Jacob, der richtige Zeitpunkt sei gekommen, da sich die deutsche Philologie im Aufschwung befand und das Volk auf seine Muttersprache sehr bedacht sei. So kam es am 6. Oktober 1838 zum Vertrag zwischen der Weidmannschen Buchhandlung und Jacob Grimm.
4. Ziel und Rahmen des „Deutschen Wörterbuchs“
4.1. Das Ziel
Da es sich bei diesem Werk um ein sehr umfangreiches handelt, vereinigte es zugleich mehrere Zielstellungen seiner Autoren. Beide Brüder hatten sich der Altphilologie und damit auch der Pflege der alten Sprache verschrieben, und so drückt es Jacob in seiner Vorrede mit den hochtrabenden Worten aus:
Es soll ein heiligthum der sprache gründen, ihren ganzen schatz bewahren, allen zu ihm den eingang offen halten. das niedergelegte gut wächst wie die wabe und wird ein hehres denkmal des volks, dessen
vergangenheit und gegenwart in ihm sich verknüpfen. 15
Im Vergleich zu Adelungs Wörterbuch, welches hauptsächlich der Konservierung von Wörtern diente, sollte demnach also ein Werk entstehen, das neben altem Wortschatz zugleich auch die Neuerungen des Neuhochdeutschen aufnimmt und damit das „Leben“ von Sprache verdeutlicht. Zielgruppe waren nicht nur Gelehrte, sondern „leser jedes standes und alters“ 16 . So schlägt Jacob es beispielsweise als Abendlektüre für Vater und Sohn vor, der die Mutter auch gerne lauschen wird. Gleichzeitig betont er, dass es nicht nötig ist, dass jeder jedes Wort versteht.
14 Vgl. Kirkness. Geschichte des Deutschen Wörterbuchs, S. 64
15 Vgl. Grimm, Jacob. Deutsches Wörterbuch. Vorrede. Leipzig 1854. Sp. XII
16 Vgl. Grimm, Jacob. Deutsches Wörterbuch. Vorrede. Leipzig 1854. Sp. XII
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Arbeit zitieren:
Farida Latrach, 2005, Die Brüder Grimm und ihr Deutsches Wörterbuch, München, GRIN Verlag GmbH
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