Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung. 4
II. Die Intellektualisierung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland 7
1. Die Neue Rechte. 7
1.1 Der Begriff „Neue Rechte“ in der Fachliteratur. 7
1.2 Entstehung und Entwicklung der Neuen Rechten. 8
1.2.1 Die Herausbildung in den siebziger Jahren. 8
1.2.2 Der „Neue Nationalismus“ der achtziger Jahre. 10
1.2.3 Die Neue Rechte seit den neunziger Jahren. 11
1.3 Die Strategie der Neuen Rechten. 13
1.3.1 Die „Nouvelle Droite“ in Frankreich. 13
1.3.2 Strategie und Taktik der Neuen Rechten in Deutschland. 14
1.4 Die Ideologie der Neuen Rechten. 14
1.4.1 Der Bezug zur „Konservativen Revolution“ 14
1.4.2 Dezisionismus statt Normativismus. 15
1.4.3 Identitäre statt pluralistische Demokratie. 16
1.4.4 Die Ablehnung der Westbindung. 17
2. Organisationen und Medien des intellektuellen Rechtsextremismus. 18
2.1 Publikationsorgane. 18
2.1.1 „Junge Freiheit“ 18
2.1.2 „Criticón“ 19
2.1.3 „Nation Europa - Deutsche Monatshefte“ 20
2.1.4 Weitere Publikationsorgane. 20
2.2 Organisationen und Netzwerke. 22
2.2.1 „Thule-Seminar“ 22
2.2.2 „Deutsches Kolleg“ 23
2.2.3 „Gesellschaft für freie Publizistik“ 24
2.2.4 „Institut für Staatspolitik“ 25
2.2.5 Studentische Verbindungen. 25
3. Die „Dresdner Schule“ der NPD. 27
3.1 Protagonisten. 27
3.2 Konzeption. 28
2
3.3 Zielsetzung. 31
3.4 Tätigkeitsfelder und Wirkung. 31
3.5 Ausblick. 33
III. Schlussbemerkung. 35
Abk ürzungsverzeichnis. 37
Quellen - und Literaturverzeichnis. 38
Anhang. 44
3
I. Einleitung
Am 19. September 2004 zog die NPD in Sachsen mit einem überraschend hohen Ergebnis von 9,2 Prozent der Wählerstimmen erstmals seit Jahrzehnten wieder in einen deutschen Landtag ein. Diese neue Landtagspräsenz, die sowohl bei inländischen als auch bei ausländischen Medien verhältnismäßig großes Interesse erweckte, bietet der Partei seitdem eine weitaus bessere Plattform für eine wirksame Öffentlichkeitsarbeit und mediale Verbreitung ihrer Grundsätze, als das in der jüngeren Vergangenheit davor der Fall war. Der Einzug in das sächsische Landesparlament wird von der NPD selbst als „Entstehungsimpuls“ 1 für die Erschaffung der „Dresdner Schule“ angesehen. Zum Verständnis dieser Programmatik scheint auf den ersten Blick ein höherer politischer Sachverstand nötig zu sein als bei der Studie des Parteiprogramms der NPD. 2
Die Dresdner Schule ist nur eine der verschiedenen Bemühungen zur Intellektualisierung rechtsextremistischer Strömungen in Deutschland in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Die weitläufig verbreitete Meinung, Rechtsextremisten seien bis auf einige wenige Ewiggestrige eine Masse von Schlägertrupps, die aufgrund ihres niedrigen Bildungsniveaus der nationalsozialistischen Diktatur huldigen und deswegen nicht ernst zu nehmen sind, erweist sich in diesem Kontext und im Allgemeinen als unzutreffend.
Politische und gesellschaftliche Aktionen können qualitativ und quantitativ relativ gut bestimmt werden. Die Aktivitäten von Intellektuellen - als einer sehr heterogenen Gruppe von Menschen, welche sich akademisch, geistig, künstlerisch, publizistisch betätigen und hier im Speziellen vor allem ideologie-theoretisch im Feld des Rechtsextremismus wirken - und deren Wirkung sind ungleich schwerer zu erfassen. Sie bereiten die politischen und gesellschaftlichen Aktionen geistig vor. Jeder politische Umsturz in der Vergangenheit wurde durch Gelehrte, Philosophen oder Künstler gedanklich vorbereitet und auf eine ideologische Grundlage gestellt. Dies impliziert keineswegs, dass die jeweilige Grundlagenarbeit überhaupt Beachtung findet, die alleinige Ursache für Systemwandel darstellt oder gar die Vorhaben aller Intellektuellengruppen eins zu eins in die Tat umgesetzt werden. Dennoch haben geistige Strömungen als ein Wirkungsfaktor für politische Veränderungen eine nicht zu unterschätzende Bedeutung.
Die vorliegende Arbeit nun fragt infolgedessen nach den verschiedenen rechtsextremen intellektuellen Köpfen und Vordenkern Nachkriegsdeutschlands. Dazu gehören sowohl ihre
1 Richter, Karl (2005): Die „Dresdner Schule“ - Anspruch - Inhalte - Strukturen, auf: http://www.npdsachsen.de/npd_sa_startseiten/aktuell.html; Zugriff: 20.07.2006.
2 NPD-Parteiprogramm, auf: http://www.npd.de/medien/pdf/parteiprogramm.pdf; Zugriff: 23.07.06.
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jeweilige Entwicklungsgeschichte als auch die ideologischen Standpunkte, die Strategie und ihre Wirkung innerhalb des eigenen politischen Lagers und nach außen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der „Neuen Rechten“, die - obwohl stets mit internen Differenzen und nie mit fester, alle ihre Organisationen und Medien umschließender Struktur existent - als kontinuierliche rechtsintellektuelle Strömung mit dem gemeinsamen Nenner des Bezugs auf die Konservative Revolution der Weimarer Republik bezeichnet werden kann. Den zweiten Schwerpunkt bildet die angedeutete „Dresdner Schule“ der NPD als der jüngste Versuch einer Intellektualisierung des deutschen Rechtsextremismus.
Der erste Abschnitt behandelt nach einer kurzen Bestimmung des Begriffes die Entwicklungsgeschichte der Neuen Rechten seit ihrer Entstehung in den siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Um die Heterogenität dieser Strömung zu verdeutlichen geschieht dies verhältnismäßig ausführlich und jeweils mit kurzem Blick auf die internen Auseinandersetzungen und unterschiedlichen Sichtweisen zwischen den einzelnen Protagonisten. Es folgen die Darstellungen der Strategie, Taktik und ideologischen Grundkomponenten der Neuen Rechten. Letztere haben trotz erwähnter interner Differenzen die einzelnen Vertreter gemeinsam, weshalb sich diese zusammenfassende Schilderung anbietet. Der zweite Abschnitt beschreibt die einflussreichsten und wichtigsten rechtsintellektuellen Medien und (Kultur-) Organisationen. Dies beinhaltet sowohl jene, die der Neuen Rechten zuzuordnen sind als auch solche, die von deren Strategie und Ideologie abweichen, dennoch aber eine theoriebildende Funktion im rechtsextremen Spektrum einnehmen (wollen). Die Untersuchung der Protagonisten, des Konzepts, der Zielsetzungen, der Tätigkeitsfelder und Wirkungen sowie der Perspektiven der Dresdner Schule bildet den Abschluss dieser Arbeit. Es gibt eine lange Reihe der Literatur insbesondere zur Neuen Rechten, die sich zum Teil in ihren Ausführungen widerspricht und erhebliche Differenzen bei der neurechten Begriffsbestimmung und Interpretation enthält (s. Abschnitt 1.1). Hervorzuheben ist die Abhandlung von Klaus Schönekäs 3 , die eine ausführliche und nüchterne historische Darstellung der Entwicklung der Neuen Rechten beinhaltet. Auch die Werke von Armin Pfahl-Traughber 4 und Alice Brauner-Orthen 5 , die eher politikwissenschaftlich angelegt sind, zeichnen sich durch eine objektive und den gesamten Kontext beachtende Sichtweise aus. Dies ist bei vielen Auto-
3 Greß,Franz / Jaschke, Hans-Gerd / Schönekäs, Klaus (1990): Neue Rechte und Rechtsextremismus in Europa. Bundesrepublik, Frankreich, Großbritannien, Opladen.
4 Pfahl-Traughber, Armin (1998): „Konservative Revolution“ und „Neue Rechte“. Rechtsextremistische Intellektuelle gegen den demokratischen Verfassungsstaat, Opladen.
5 Brauner-Orthen, Alice (2001): Die Neue Rechte in Deutschland. Antidemokratische und antisemitische Tendenzen, Opladen.
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ren nicht der Fall, da sie - wie häufig bei Themen des Extremismus - eher politisch als poli-
tikwissenschaftlich argumentieren.
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II. Die Intellektualisierung des Rechtsextremismus in der Bundesre-
1.1Der Begriff „Neue Rechte“ in der Fachliteratur
Zunächst ist festzustellen, dass der in der einschlägigen Fachliteratur weithin verbreitete Begriff der „Neuen Rechten“ für politikwissenschaftliche Zwecke nicht durchgängig sinnvoll erscheint, da er eine dafür notwendige Trennschärfe vermissen lässt. Das lässt sich zum einen damit begründen, dass die Termini „Neu“ und „Rechts“ für sich sehr unpräzise sind und auch in Kombination keinesfalls für eine einzige politische Bewegung reserviert werden können. Zum anderen ist die hier zu behandelnde Strömung nicht als homogen zu bezeichnen. In der Reihe der bisher erschienenen Arbeiten zu dieser Thematik wird die Neue Rechte von den jeweiligen Autoren teilweise sehr unterschiedlich definiert bzw. eingegrenzt. So reicht das Spektrum unter anderem von überwiegend historisch ausgerichteten Abhandlungen der verschiedenen theoretischen und organisatorischen Strömungen innerhalb der Neuen Rechten 6 über Sichtweisen von deren parteiunabhängiger Ausrichtung am Gedankengut der Konservativen Revolution der Weimarer Republik, bei denen nationalrevolutionäre Positionen ausgeschlossen werden, da sie sich nicht durch Etatismus kennzeichnen. 7 Teilweise wird eine „Scharnierfunktion“ der Neuen Rechten zwischen demokratischen Konservatismus und Rechtsextremismus 8 erkannt. Dieser Einschätzung schließt sich die Interpretation als eine Gruppe Intellektueller an, die dem Kollektiv des Volkes, der Nation und des Staates den Vorrang vor dem Individuum einräumen und „den im Grundgesetz angelegten Pluralismus zu Gunsten homogener Einheiten zurückdrängen möchten“. 9
6 Greß / Jaschke / Schönekäs (1990), s. Anm. 3.
7 Pfahl-Traughber (1998), s. Anm. 4.
8 Gessenharter, Wolfgang (1994): Kippt die Republik? Die Neue Rechte und ihre Unterstützung durch Politik und Medien, München; ders. (1998): Neue radikale Rechte, intellektuelle Neue Rechte und Rechtsextremismus: Zur theoretischen und empirischen Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes, in: ders. / Fröchling, Helmut (Hrsg.): Rechtsextremismus und Neue Rechte in Deutschland. Neuvermessung eines politisch-ideologischen Raumes?, Opladen, S. 25-66; Mantino, Susanne (1992): Die „Neue Rechte“ in der „Grauzone“ zwischen Rechtsextremismus und Konservatismus, Frankfurt/Main.
9 Pfeiffer, Thomas (2002): Für Volk und Vaterland. Das Mediennetz der Rechten - Presse, Musik, Internet, Berlin, S. 27.
7
All diese Einschätzungen haben für die Analyse der Neuen Rechten ihre Vorteile und Schwachstellen. Das zu beurteilen oder eine neue Abgrenzung vorzunehmen soll aber nicht Anliegen der vorliegenden Arbeit sein, da sich deren Thematik nicht nur auf die Neue Rechte, sondern auf intellektuelle rechtsextremistische Bewegungen im Allgemeinen bezieht. Dazu ist die Neue Rechte zweifellos zu rechnen.
1.2 Entstehung und Entwicklung der Neuen Rechten
1.2.1 Die Herausbildung in den siebziger Jahren
Nach den Erfolgen der NPD mit dem Einzug in sieben deutsche Länderparlamente in den Jahren 1966 - 69 scheiterte sie bei der Bundestagswahl 1969 knapp an der Fünf-Prozent-Hürde. Infolgedessen und aufgrund interner Auseinandersetzungen über den Kurs der Partei erlitt die NPD einen Niedergang. 10 Nach der Formierung eines gemäßigteren Flügels um den bisherigen Vorsitzenden Adolf von Thadden und eines radikaleren um den bayerischen Lan-desvorsitzenden Siegfried Pöhlmann wurde 1970 um einer endgültigen Spaltung zuvorzukommen die Aktion Widerstand als ein Zusammenschluss rechtsextremer Interessengruppen ins Leben gerufen, die sich vordergründig gegen die Ostpolitik der sozialliberalen Regierung wenden sollte. Außerdem versuchte die „Alte“ Rechte in diesem Zuge das junge, radikalere Potenzial, überwiegend bestehend aus Mitgliedern der NPD-Jugendorganisation JN, stärker einzubinden. Das Vorhaben scheiterte an deren aggressiver Militanz, woraufhin der Niedergang der Partei eher noch beschleunigt wurde. In der Folge gründete Pöhlmann 1972 mit dem aktionistischen Teil der NPD und anderen, kleineren Gruppierungen die Aktion Neue Rechte (ANR), an deren Gründungszeitpunkt man auch den Beginn einer „Neuen Rechten“ in Deutschland datieren kann. 11
Grundbestrebung der ANR war die Entwicklung der langfristigen Ideologie eines „neuen Nationalismus“ mit antimarxistischem, antikapitalistischem und antiimperialistischem Hinter-grund zur Schaffung eines „modernen europäischen Sozialismus“. 12 Dennoch gab es in der sehr heterogen zusammengesetzten ANR interne Differenzen zwischen Anhängern des „Alten Nationalismus“ der NPD und an nationalrevolutionären Positionen der Zeit der Weimarer
10 Vgl. Pfahl-Traughber, Armin (2000): Der organisierte Rechtsextremismus in Deutschland nach 1945. Zur Entwicklung auf den Handlungsfeldern „Aktion“-„Gewalt“-„Kultur“-„Politik“, in: Schubarth, Wilfried / Stöss, Richard: Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland. Eine Bilanz, Bonn, S. 77f.
11 Vgl. Brauner-Orthen (2001), s. Anm. 5, S. 17f.
12 Vgl. Feit, Margret (1987): Die „Neue Rechte“ in der Bundesrepublik. Organisation - Ideologie - Strategie, Frankfurt/Main / New York, S. 43.
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Republik anknüpfenden Mitgliedern, die 1974 zu ihrer Spaltung führten. Es bildete sich die Nationalrevolutionäre Aufbauorganisation (NRAO), die sogleich wieder - hauptsächlich auf-grund von Auseinandersetzungen um das Sozialismuskonzept - in zwei Lager aufging: Zum einen in die Solidaristische Volksbewegung (SVB) unter der Führung von Lothar Penz, zum anderen in die Sache des Volkes/Nationalrevolutionäre Aufbauorganisation (SdV/NRAO). 13 Die Mitglieder der SVB bezeichneten sich selbst als „Solidaristen“ und verfochten eine verfassungskonforme Systemveränderung, die sich im Rahmen der Abkehr von den „idealistischen“ Philosophien (Liberalismus) und „materialistischen Ideologien“ (Marxismus) bewegte und auf der Grundlage „naturalistischer“ Philosophie und eines „realistischen“ Menschenbildes basierte. Ausgangspunkt politischer und sozialer Überlegungen sei die „angeborene Triebverfassung“ und damit die Abhängigkeit des Menschen von der Natur. Konkret wurde ein metapolitischer - im Sinne von kulturrevolutionär - „Dritter Weg“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus angestrebt, der sich vordergründig an die sozialen Bewegungen richtete, die sich Mitte der siebziger/Anfang der achtziger Jahre in der Ökologiebewegung formierten. 14
Die übrigen Basisgruppen der Neuen Rechten bildeten mit der SdV/NRAO eine für mehrere Jahre konstante Organisation, die sich gezielt als „Nationalrevolutionäre“ bezeichnete. 15 Der radikale, konspirativ-zentralistische und elitäre Charakter wurde stark betont. Die Klientel der SdV war neben der Ökologiebewegung die maoistische Neue Linke und jüngere Leute aus dem Kreise der Alten Rechten. 16 Ihre Bemühungen richtete sie vor allem gegen die Vorherrschaft der USA und der Sowjetunion und den Materialismus als „Herrschaftsinstrument“. Ziel war demnach die „Neuschaffung Deutschlands“ im Zuge des Kampfes gegen Liberalismus und Marxismus. Praktisch konzentrierte man sich auf die interne Programmatik und die Auslegung des Sozialismusbegriffs und versuchte sich dabei linken Strömungen im Umfeld der neuen sozialen Bewegungen zu öffnen. 17 Die SdV spaltete sich im November 1979 infolge der Kritik einer Gruppe um die Zeitschrift laser an der unzureichenden Missbilligung des Kapitalismus, der antisowjetischen Ausrichtung und der zentralistischen Struktur der SdV. Zusammen mit einer weiteren Gruppe um die Zeitschrift wir selbst, deren Wirken hauptsächlich auf die Ökologiebewegung abzielte, bildete sie im April 1980 den Nationalrevolutionären Koordinationsausschuss (NRKA), in den auch Mitglieder maoistischer Parteien involviert
13 Vgl. Mantino (1992), s. Anm. 8, S. 44f.
14 Vgl. Greß / Jaschke / Schönekäs (1990), s. Anm. 3, S. 256ff.
15 Vgl. ebenda, S. 253.
16 Vgl. Stöss, Richard (1989): Die extreme Rechte in der Bundesrepublik. Entwicklung - Ursachen - Gegenmaßnahmen, Opladen, S. 151f.
17 Vgl. Mantino (1992), s. Anm. 8, S. 44f.
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waren. Zwischen der SVB - die sich 1980 in Bund Deutscher Solidaristen (BDS) umbenannte - und der Rest-SdV kam es kurze Zeit später wieder zu einer Annäherung. Aufgrund verschiedener Anfeindungen an den NRKA sowohl aus dem rechten als auch aus dem linken Lager und um die eigene Arbeit auf eine breitere Grundlage zu stellen wurde er 1987 durch die Politische Offensive (PO) ersetzt. 18
Ein dritter Teilbereich der Neuen Rechten von Mitte bis Ende der 70er Jahre war der „konservativ-revolutionäre“ Flügel unter Armin Mohler, der sich eher durch publizistische Veröffentlichungen auszeichnete als durch gezielte organisatorische Zusammenhänge. Mohlers Ideologie hat ihren Ursprung in der „Konservativen Revolution“ der Weimarer Republik, die er durch eine Neuinterpretation zeitgemäß darstellen wollte und die vordergründig in der Zeitschrift criticón und im Sinus-Verlag ihren publizistischen Niederschlag fand. 19 Angestrebt wurde ein autoritärer Staat unter der Regie von Eliten, der das Volk als „formlose Masse“ zu modellieren hatte. 20
Die Neue Rechte der siebziger Jahre existierte offiziell und in der Namensgebung der einzelnen Organisationen nach der Spaltung der ANR nicht mehr. Dies impliziert jedoch nicht, dass politisch-ideologische Inhalte und Zielsetzungen im neurechten Sinne nicht weitergepflegt und -entwickelt wurden. Dass die Neue Rechte als Strömung dennoch nur als metapolitische Randerscheinung dieser Zeit bezeichnet werden kann, liegt vor allem an der überlagernden Diskussion dieses Jahrzehnts um den linken Extremismus und Terrorismus und in diesem Kontext hauptsächlich um die Rote-Armee-Fraktion (RAF). 21
1.2.2 Der „Neue Nationalismus“ der achtziger Jahre
Im Rahmen der Regierungsübernahme der christlich-liberalen Koalition im Jahre 1982 und der in etwa zeitgleichen Debatte um den Neokonservatismus als Leitidee muss der Begriff „Neue Rechte“ eine Erweiterung erfahren, an der sich dessen Gruppierungen orientierten. Er lässt sich demzufolge in zwei grobe Richtungen gliedern: Zum Ersten die „wertkonservativen“ und „nationalrevolutionären“ Zirkel, die sich bis 1983/84 im Umfeld der Grünen 22 festzusetzen versuchten und nach dem Scheitern der Zusammenarbeit mit diesen als „rechtsnatio-
18 Vgl.Stöss (1989), s. Anm. 16, S. 152f.
19 Vgl. Greß / Jaschke / Schönekäs (1990), s. Anm. 3, S. 258ff; Armin Mohler (1920-2003) gilt als geistiger Vater der Neuen Rechten in Deutschland, der das Verständnis der Konservativen Revolution und den Leitfaden zur weiteren Auseinandersetzung mit ihr prägte und damit jüngere rechtskonservative Intellektuelle maßgeblich in seinem Sinne beeinflusste; vgl. dazu: .
20 Vgl. Brauner-Orthen (2001), s. Anm. 5, S. 20f.
21 Vgl. Gessenharter (1994), s. Anm. 8, S. 55f.
22 Die neuen sozialen Bewegungen etablierten sich etwa zu dieser Zeit mit der parlamentarisch-politischen Vertretung Die Grünen dauerhaft in der bundesdeutschen Parteienlandschaft.
10
nal-wertkonservativ“ und „linksnational-sozialistisch“ differenzieren ließen. Zum Zweiten der „konservativ-revolutionäre“ Flügel, der in Umgebung machtpolitischer Eliten agierte und darauf abzielte im Einklang mit neokonservativen und rechts-nationalen Kreisen ein „neues Nationalbewusstsein“ ins Zentrum bundesrepublikanischer politischer Kultur zu rücken. 23 Diesen Variationen zum Trotz konnte das Ziel eines „neuen Nationalismus“ als minimaler Grundkonsens im neurechten Lager verzeichnet werden. Topoi wie „Deutsche Konföderation“, „nationale Identität“, „Entkriminalisierung der deutschen (Zeit-)Geschichte“ oder „Rückkehr zur staatlichen Normalität“ gehörten diesbezüglich zum durchgängigen Repertoire der Vertreter. 24 Verwurzelt waren solche Denkansätze im Wesentlichen bei den Theoretikern der Konservativen Revolution der Weimarer Republik, wie unter anderem Carl Schmitt, Arthur Moeller van den Bruck, Oswald Spengler und Edgar Julius Jung. Demokratie und Parlamentarismus wurden demnach als liberalistisches Ordnungsprinzip abgelehnt und sollten durch eine geistig-kulturelle Revolution überwunden werden um in diesem Zuge neue Verhältnisse zu schaffen, die es in einer vom Liberalismus zerstörten Welt zu erhalten gelte. 25 Als führend erweist sich hier erneut Armin Mohler, der die - auch „jungkonservativ“ genannten - Vorstellungen von einem cäsaristisch-autoritären System, das sich stark am italienischen Faschismus anlehnt, propagierte und bis zu seinem Tode bemüht war die Abgrenzungen zwischen Konservatismus und Rechtsextremismus zu verwischen. 26 Diese Gesinnung richtet sich im Wesentlichen an etablierte Eliten und jüngere Vertreter des neuen Nationalbewusstseins im Umfeld der Burschenschaften. 27
Dennoch ist es der Neuen Rechten der Bundesrepublik auch in den achtziger Jahren nicht gelungen ihre ideologische Heterogenität zu überwinden oder sich selbst eine klare und konstante Organisationsstruktur zugrunde zu legen und somit als annähernd politisch durchsetzungsfähige Bewegung auftreten zu können. 28
1.2.3 Die Neue Rechte seit den neunziger Jahren
Zu Beginn der neunziger Jahre war eine Zäsur in der Strömung „Neue Rechte“ zu verzeichnen. Nach der deutschen Wiedervereinigung entstand eine neue Generation, die sich selbst als „89er“ bezeichnete und unter dem als „Stichwortgeber“ und „Wortführer“ agieren-
23 Vgl.Greß / Jaschke / Schönekäs (1990), s. Anm. 3, S. 264.
24 Vgl. ebenda, S. 264f.
25 Vgl. Brauner-Orthen (2001), s. Anm. 5, S. 22.
26 Vgl. dazu: Mohler, Armin / Weißmann, Karlheinz (2005): Die Konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Ein Handbuch, Graz.
27 Vgl. Brauner-Orthen (2001), s. Anm. 5, S. 22.
28 Vgl. ebenda, S. 23.
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Jens Wittig, 2006, Die Intellektualisierung des Rechtsextremismus in der Bundesrepublik Deutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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