Inhaltsverzeichnis
1. Übersetzung
1.1. Mt 6,19-24 1
1.2. Lk 12,33-34 (Mt 6,19-21par) 2
1.3. Lk 11,34-36 (Mt 6,22-23par) 2
1.4. Lk 16,13 (Mt 6,24par) 2-3
2. Die Spruchquelle Q 3
3. Textanalyse Mt 6,19-24
3.1. Abgrenzung des Textes und Kontextstellung 4
3.2. Textaufbau 4-5
4. Textanalyse Lk 12,33-34
4.1. Abgrenzung des Textes und Kontextstellung 5
4.2. Textaufbau 6
5. Textanalyse Lk 11,34-36
5.1. Abgrenzung des Textes und Kontextstellung 6-7
5.2. Textaufbau 7
6. Textanalyse Lk 16,13
6.1. Abgrenzung des Textes und Kontextanalyse 7
7. Synoptischer Vergleich 8-9
8. Interpretation von Mt 6,19-24 9-15
9. Interpretation von Lk 12,33-34 / Lk 11,34-36 / Lk 16,13 16-20
10. Zusammenfassung 20-21
11. Literaturverzeichnis 22
1. Übersetzung
1. 1. Mt 6,19-24:
19) Μη θησαυριζετε υμιν θησαυρους επι της γης, οπου σης και βρωσις αϕανιζει και οπου κλεπται διορυσσουσιν και κλεπτουσιν.
Sammelt euch nicht Schätze auf der Erde, wo Motte und Fraß vernichtet und wo Diebe einbrechen und stehlen.
20) θησαυριζετε δε υμιν θησαυρους εν ουρανω, οπου ουτε σης ουτε βρωσις αϕανιζει και οπου κλεπται ου διορυσσουσιν ουδε κλεπτουσιν.
Sammelt euch aber Schätze im Himmel, wo weder Motte noch Fraß vernichtet und wo Diebe nicht einbrechen und nicht stehlen.
21) οπου γαρ εστιν ο θησαυρος σου, εκει εσται και η καρδια σου. Denn wo dein Schatz ist, dort wird auch dein Herz sein.
22) Ο λυχνος του σωματος εστιν ο οϕθαλμος. εαν ουν η ο οϕθαλμος σου απλους, ολον το σωμα σου ϕωτεινον εσται.
Die Lampe des Leibes ist das Auge. Wenn nun dein Auge schlicht ist, wird dein ganzer Leib hell sein.
23) εαν δε ο οϕθαλμος σου πονερος η, ολον το σωμα σου σκοτεινον εσται. ει ουν το ϕως το εν σοι σκοτος εστιν, το σκοτος ποσον.
Wenn aber dein Auge schlecht ist, wird dein ganzer Leib dunkel sein. Wenn nun das Licht, das in dir ist, Dunkelheit ist, wie groß ist (dann) die Dunkelheit.
24) Ουδεις δυναται δυσι κυριοις δουλευειν. η γαρ τον ενα μισησει και τον ετερον αγαπησει, η ενος ανθεξεται και του ετερου καταϕρονησει. ου δυνασθε θεω δουλευειν και μαμονα.
Niemand kann zwei Herren dienen. Denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen festhalten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
1
1.2. Lk 12,33-34 (Mt 6,19-21par):
33) Πωλησατε τα υπαρχοντα υμων και δοτε ελεημοσυνην. ποιησατε εαυτοις βαλλαντια μη παλαιουμενα, θησαυρον ανεκλειπτον εν τοις ουρανοις, οπου κλεπτης ουκ εγγιζει ουδε σης διαϕθειρει.
Verkauft eure Habe und gebt Almosen. Macht für euch selbst Geldbeutel, die nicht alt werden, einen unerschöpflichen Schatz in den Himmeln, wo ein Dieb sich nicht nähert und eine Motte nicht zerstört.
34) οπου γαρ εστιν ο θησαυρος υμων, εκει και η καρδια υμων εσται. Denn wo euer Schatz ist, dort wird auch euer Herz sein.
1.3. Lk 11,34-36 (Mt 6,22-23par):
34) Ο λυχνος του σωματος εστιν ο οϕθαλμος σου. οταν ο οϕθαλμος σου απλους η, και ολον το σωμα σου ϕωτεινον εστιν. επαν δε πονηρος η, και το σωμα σου σκοτεινον.
Die Lampe des Leibes ist dein Auge. Wenn dein Auge schlicht ist, ist auch dein ganzer Leib hell. Wenn es aber schlecht ist, ist auch dein Leib dunkel.
35) σκοπει ουν μη το ϕως το εν σοι σκοτος εστιν.
Sieh dich nun vor, dass das Licht, das in dir ist, nicht Dunkelheit ist.
36) ει ουν σωμα σου ολον ϕωτεινον, μη εχον μερος τι σκοτεινον, εσται ϕωτεινον ολον ως οταν ο λυχνος τη αστραπη ϕωτιζη σε.
Wenn nun dein Leib ganz hell ist und nicht ein Teil von ihm dunkel ist, wird er ganz hell sein, wie wenn die Lampe dich mit dem Strahl erleuchtet.
1.4. Lk 16,13 (Mt 6,24par):
Ουδεις οικετης δυναται δυσι κυριοις δουλευειν. η γαρ τον ενα μισησει και τον ετερον αγαπησει, η ενος ανθεξεται και του ετερου καταϕρονησει. ου δυνασθε θεω δουλευειν και μαμωνα.
2
Kein Sklave kann zwei Herren dienen. Denn entweder wird er den einen hassen und den anderen lieben, oder er wird an dem einen festhalten und den anderen verachten. Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
2. Die Spruchquelle Q:
Bei der Quelle Q handelt es sich um eine Sammlung von Aussprüchen und Reden Jesu. Sie ist nicht mehr erhalten und kann daher nur noch rekonstruiert werden. Sie muss den Evangelisten Matthäus und Lukas als Vorlage gedient haben, denn Q enthält nur Material, das sich bei Matthäus und Lukas findet. In der Forschung setzte sich in den 50er Jahren die Ansicht durch, dass Q ein eigenes Kerygma und eine eigene Theologie enthalte. 1 Damit war eine Analyse von Q selbst möglich.
Die Überlieferung, die Q zugrunde liegt, wurde zuerst von Wanderpredigern in Galiläa weitergetragen. Das Signifikante in ihrer Botschaft ist die Nähe der Herrschaft Gottes. Eine planvolle Heidenmission ist in Q nicht zu erkennen, damit richtet sie sich an Juden. In der Forschung gehen die Meinungen auseinander, ob es einen Übergang von der freien Wandermission zur Bildung einer sesshaften Gemeinde gegeben habe, der zur Endredaktion von Q führte oder ob Wandermission und sesshafte Gemeinden nebeneinander bestanden. 2 Es wird angenommen, dass sich für die Datierung der Endredaktion von Q die Zeit um 70 n.Chr. ergibt. Ob die Endredaktion in Galiläa geschah, woher die verarbeiteten Traditionen in Q stammen, oder in Jerusalem, ist nicht sichergestellt.
Wie bereits oben erwähnt, besitzt Q einen eigenständigen theologischen Entwurf. Es ist festzuhalten, dass die Bedeutung Jesu in Q ohne Passions- und Auferstehungserzählung ausgedrückt wird. Der Kreuzestod und die Auferstehung haben daher für das Heil der Menschen keine Bedeutung. In Q entspricht der Tod Jesu dem Propheten-Schicksal. Jesus wirkt in Q vorwiegend als Wortverkündiger, während er im Markusevangelium stärker als Wundertäter auftritt.
1 Vgl. P. Hoffmann, Die Spruchquelle Q, S. 13f.
2 ebd. S. 20
3
3. Textanalyse Mt 6, 19-24
3.1. Abgrenzung des Textes und Kontextstellung:
Das 6. Kapitel des Matthäusevangeliums handelt hauptsächlich von der Warnung vor dem Streben nach irdischer Anerkennung. Die Komposition der Logien vom Schätze sammeln, vom Auge als Lampe des Leibes und vom Dienst zweier Herren folgt auf die Aufforderungen des Almosengebens, Fastens und Betens, in denen vor irdischer Anerkennung gewarnt wird. Inhaltlich beziehen sich die Logien auf die Warnung der vorausgehenden Verse, denn wer falsche Schätze sammelt, sein inneres Licht verdunkelt und versucht, zwei Herrn zu dienen, der versagt sich die Gnade Gottes. Dies wird im Anschluss an Vers 24 deutlich. Die Wendung δια τουτο λεγω υμιν stellt den Bezug zu der Logiensammlung Mt 6,19-24 her und führt die Konsequenzen aus dem richtigen Handeln aus, nämlich dass derjenige, der nach dem Reich Gottes und Gottes Gerechtigkeit strebt, auch alle täglichen Bedürfnisse von Gott erfüllt bekommt.
Das 6. Kapitel des Matthäusevangeliums befindet sich innerhalb der Bergpredigt (Mt 5-7), in der im Sinne des Evangelisten die Lehre Jesu repräsentiert wird. Sie wird mit neun Seligpreisungen eröffnet, die in die beiden Bildworte vom Salz und Licht münden. Den Eingangsrahmen der Rede bilden 5,17-20. Die Forderung der besseren Gerechtigkeit (5,20) findet schließlich in den folgenden Antithesen exemplarisch Gestalt. Nach der Warnung vor irdischer Anerkennung folgt eine Warnung vor überheblichem Richten. Schließlich wird die Lehre der Bergpredigt mit der „goldenen Regel“ (7,12) zusammengefasst. Abschließend folgt noch eine Warnung vor „Pseudopropheten“ und das Doppelgleichnis vom Hausbau, welche das Tun der Worte Jesu einschärfen sollen.
3.2. Textaufbau:
In der Komposition des Matthäus lassen sich drei einzelne Logien erkennen: 6, 19-21. 22-23. 24. Die Logien sind von Parallelismen durchsetzt, was zeigt, dass sie einer redaktionellen Bearbeitung unterstanden. Die Verse 19 und 20 sind ein „antithetischer Doppelspruch“. 3 Vers 19 enthält ein Verbot, irdische Schätze zu sammeln, Vers 20 dagegen ein Gebot, sich Schätze
3 Vgl. G. Strecker, Die Bergpredigt, S. 135
4
Arbeit zitieren:
Christine Hoppe, 2006, Exegese Mt 6, 19-24par. Matthäus und Lukas als Bearbeiter der Logienquelle Q, München, GRIN Verlag GmbH
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