GEORG-SIMON-OHM FACHHOCHSCHULE NÜRNBERG
Fachbereich Betriebswirtschaft, Fach: Fallstudien
SS 2006, Abgabetermin: 27. Juni 2006
Nachrang- und partiarische Darlehen
von: Steffen Kolb
Inhaltsverzeichnis
A. Einleitung - 1 -
B. Grundlagen mezzaniner Finanzierung - 3 -
I. Definition Mezzanine-Kapital - 3 -
II. Charakteristika Mezzanine-Kapital - 3 -
III. Überblick über mezzanine Finanzierungsinstrumente - 5 -
C. Nachrang- und partiarische Darlehen - 6 -
I. Definition Nachrangdarlehen - 6 -
II. Merkmale und Ausgestaltung - 7 -
1. Zinsgestaltung - 7 -
2. Volumina, Laufzeit und Tilgung - 9 -
3. Rechtliche Aspekte - 9 -
III. Bilanzielle Behandlung - 10 -
IV. Partiarische Darlehen als Sonderform - 11 -
D. Nachrangdarlehen zur Mittelstandsfinanzierung - 12 -
I. Anwendungsbereiche für den Mittelstand - 12 -
II. Vor- und Nachteile für den Mittelstand - 14 -
E. Fazit und Ausblick - 17 -
Anhang IV
Literaturverzeichnis IX
A. Einleitung
Die tragende Säule der deutschen Wirtschaft besteht hauptsächlich aus kleinen und mittleren Unternehmen (KMU). Dies wird deutlich, wenn man bedenkt, dass die rund 3,3 Mio. mittelständischen Unternehmen in Deutschland 70 Prozent aller Arbeitnehmer beschäftigen und circa die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften (Vgl. Institut für Mittelstandsforschung Bonn 2006). Dass der deutsche Mittelstand1 immer häufiger mit Finanzierungsschwierigkeiten konfrontiert ist, ist seit längerem bekannt. Die anhaltend angespannte Wirtschaftslage erschwert die Eigenkapitalgenerierung durch Gewinnthesaurierung gerade für KMU erheblich (Vgl. Fischer 2004, S. 110). Die Möglichkeiten der Innenfinanzierung sind somit deutlich eingeschränkt. Ebenso ist die Fremdfinanzierung durch den traditionellen Bankkredit – die wichtigste Finanzierungsquelle von Mittelständlern – nicht mehr wie in der Vergangenheit problemlos möglich, da die Kreditinstitute die Kreditvergabekriterien verschärft haben. Dies ist u.a. eine Auswirkung der Einführung der neuen Eigenkapitalanforderungen des Baseler Ausschusses für Bankenaufsicht (Basel II), nach dem die Banken ab Ende 2006 abhängig vom jeweiligen Kreditrisiko Eigenkapital hinterlegen müssen (Vgl. Kamp/Solmecke 2005, S. 618). Das bankeninterne Rating der potenziellen Kreditnehmer hat in diesem Zusammenhang erheblich an Bedeutung gewonnen. Für die Unternehmen des Mittelstands bedeutet dies, dass ein gutes Rating im Hinblick auf die Verhandlungsposition gegenüber den Banken bei der Kreditvergabe immer wichtiger wird (Vgl. Kley 2003, S. 1). Eine Einflussgrösse in diesem Zusammenhang – wenngleich bei weitem nicht die Wichtigste – ist die Eigenkapitalquote2, die bei den KMU Deutschlands im Jahr 2002 mit durchschnittlich 5,8% deutlich geringer war als bei Großunternehmen (Vgl. Kamp/Solmecke 2005, S. 619). Diese inadäquate Eigenkapitalaustattung (Vgl. Storck 2006, S. 206) führt i.d.R. zu erhöhten Finanzierungskosten und schränkt die Fremdfinanzierungsmöglichkeiten weiter ein. Denn es gilt der schlüssige Zusammenhang, dass eine niedrige Eigenkapitalquote zu einer schlechten Bonität und damit zu einem höheren Risiko führt, was sich letztendlich in höheren Kreditzinsen niederschlägt bzw. eine Kreditvergabe von vornherein verhindert3 (Vgl. Werner/ Gündel 2005, S. 20). Es ist daher notwendiger denn je, dass mittelständische Unternehmen ihre Eigenkapitalquote nachhaltig verbessern. Ein essentielles Problem – besonders für Mittelständler – stellt hierbei die Gefahr der „Verwässerung der Unternehmensanteile durch ‚fremdes’ Eigenkapital“ (Kamp/Solmecke 2005, S. 619) dar. Ausserdem erschwert der „Wunsch nach Unabhängigkeit und die geringe Bereitschaft zur Transparenz über die Unternehmenssituation“ (Ahrweiler/Börner 2003, S. 8) bei den meisten KMU die Suche nach Eigenkapitalgebern. Einen möglichen Ausweg aus dieser prekären Situation des Mittelstands könnten neue, alternative Finanzierungsformen darstellen, die sich zunehmend auf dem Finanzmarkt etablieren. Im Zuge dieser Entwicklung „ist gerade Mezzanine-Kapital4 eine oft gesuchte Kapitalform“ (Golland et al. 2005, S. 1).
Diese Seminararbeit beschäftigt sich nun mit der Frage, inwieweit die mezzaninen Finanzierungsinstrumente Nachrang- und partiarisches Darlehen eine mögliche Alternative für die Kapitalbeschaffung mittelständischer Unternehmen darstellen. Dabei ist es zunächst notwendig, Mezzanine-Kapital zu definieren und auf dessen wesentliche Eigenschaften einzugehen. Anschließend soll ein Überblick über die wichtigsten Instrumente verschafft werden. Hauptteil der Arbeit wird schließlich die nähere Betrachtung der in der Praxis verbreiteten Nachrangdarlehen und partiarischen Darlehen sein, die eine Sonderform des herkömmlichen Kredits darstellen. Neben der Definition dieser beiden Finanzierungselemente werden insbesondere die einzelnen Merkmale der Ausgestaltung und deren bilanzielle Behandlung näher beleuchtet. Des Weiteren werden mögliche Anwendungsgebiete im Bereich der Mittelstandsfinanzierung vorgestellt und die Vor- und Nachteile, die sich für mittelständische Unternehmen er- geben genannt. Abschließend erfolgt eine kritische Prüfung, inwieweit Nachrangdarlehen und partiarische Darlehen sich als alternative Finanzierungsformen für den Mittelstand mit seinen spezifischen Anforderungen eignen. Ein entsprechendes Fazit und ein Ausblick über eventuelle, zukünftige Entwicklungen runden die Seminararbeit ab.
B. Grundlagen mezzaniner Finanzierung
I. Definition Mezzanine-Kapital
Als Mezzanine-Kapital bezeichnet man hybride Finanzierungsinstrumente, „die sowohl Eigenkapital- als auch Fremdkapitalcharakter aufweisen“ (Dörscher/ Hinz 2003, S. 606). Abhängig von der vertraglichen Gestaltung kann dabei entweder Eigenkapital geschaffen werden, das überwiegend ökonomische Merkmale des Fremdkapitals besitzt oder umgekehrt Fremdkapital, das typisch eigenkapitalähnliche Attribute5 aufweist (Vgl. Häger/Elkemann-Reusch 2004, S. 22). Fremdkapital zeichnet sich i.d.R. durch eine befristete Laufzeit, einen festen Rückzahlungsanspruch, Besicherung und fixe Zinszahlungen aus. Dagegen deuten v.a. Kontroll- und Mitspracherechte sowie eine erfolgsabhängige Vergütung auf Eigenkapital hin (Vgl. Golland et al. 2005, S. 2). Die wesentlichen Eigenschaften des Mezzanine-Kapitals werden im folgenden Unterkapitel genauer betrachtet.
II. Charakteristika Mezzanine-Kapital
[...]
1 Quantitative Mittelstands-Definition des IfM Bonn: kleine Unternehmen sind solche mit bis zu neun Beschäftigten und einem Umsatz von max. 1 Mio. €, mittelgroße Unternehmen mit einer Beschäftigtenzahl von 10 bis 500 und einem Umsatz von 1 Mio. bis zu 50 Mio. € (www.ifm-bonn.org). Weitere Informationen hierzu siehe Anhang Nr. 1.
2 Neben der EK-Quote gibt es jedoch weitere, sehr wichtige Einflussgrössen auf das Rating, wie beispielsweise die Belastung des Cash-Flows (CF) während der Laufzeit eines Kredits.
3 Kreditklemme, engl. „credit crunch“ (Vgl. Fischer 2005, S. 110).
4 „mezzanino“ (ital.) bezeichnete in der Renaissance die typische Bauweise eines Halbgeschosses zwischen zwei Hauptgeschossen. Daraus abgeleitet ist Mezzanine-Kapital eine Mischform aus Eigen- und Fremdkapital (Vgl. Bauernschmitt/Selch 2004, S. 18).
5 Klassifizierung in eigenkapitalähnliche (Equity Mezzanine) und fremdkapitalähnliche (Debt Mezzanine) Instrumente (Vgl. Kamp/Solmecke 2005, S. 621).
Arbeit zitieren:
Steffen Kolb, 2006, Nachrang- und partiarische Darlehen, München, GRIN Verlag GmbH
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