Inhaltsverzeichnis
Abk ürzungsverzeichnis 3
1. Einleitung 4
2. Der Wandervogel vor dem ersten Weltkrieg 4
2.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen 4
2.2 Die Entwicklung der Wandervogelbewegung 5
3. Der Wandervogel in der Weimarer Republik 8
3.1 Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen 8
3.2 Der Wandervogel nach dem ersten Weltkrieg 9
3.3 Die bündische Jugend 10
4. Die Hitlerjugend 11
4.1 Die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen 11
4.2 Die Hitlerjugend bis zur Machtergreifung 1933 12
4.1 Die Hitlerjugend im NS-Regime 14
5. Zusammenfassung 17
Literaturverzeichnis 20
2
Abkürzungsverzeichnis
BDM Bund Deutscher Mädel DNVP Deutschnationale Volkspartei ebd ebendort HJ Hitlerjugend NSDAP Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei NS Nationalsozialismus SA Schutzarmee vgl vergleiche
3
1. Einleitung
Der Wandervogel nimmt als eine der ersten deutschen Jugendbewegungen in Deutschland eine besondere Stellung in der kulturellen Entwicklung des Jugendbildes und damit einhergehend auch der Jugendpädagogik ein. Der Wandervogel gründete auf einem starken Emanzipationsbestreben der bürgerlichen Jugend und war Ausgangspunkt für die Entstehung zahlreicher weiterer Jugendbewegungen.
Innerhalb des Wandervogels bildeten sich sowohl semantische als auch hierarchische Gefüge heraus, die mit denen der Hitlerjugend nicht nur vergleichbar, sondern teilweise sogar identisch waren. So fanden sich im Wandervogel wie auch in der Hitlerjugend „Gaue“, die jeweils von einem „Führer“ geleitet wurden. Zudem wurden Begriffe geprägt wie „Tüchtig- keit“, „Opfermut“oder „Alleinherrscher“ 1 . Auch die Idee einer „Volksgemeinschaft“ nimmt in der Wandervogelbewegung erste Züge an, setzt sich in der Weimarer Republik mit der bündischen Jugend fort und gipfelt schließlich in der Hitlerjugend. Andere Merkmale, wie bspw. antisemitische Haltungen, lassen sich ebenfalls sowohl im Wandervogel als auch in der bündischen Jugend und der Hitlerjugend nachweisen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob der Wandervogel mit der Hitlerjugend in eine direkte Beziehung gesetzt werden kann und ob die Jugendbewegung „Wandervogel“ als Vorläufer oder sogar als Wegbereiter der Jugendorganisation „Hitlerjugend“ eingestuft werden kann. Hierzu wird zunächst der Wandervogel selbst näher vorgestellt. Auch die Zeitspanne zwischen erstem und zweitem Weltkrieg ist aus Sicht der Fragestellung von Bedeutung. Die bündische Jugend, die sich besonders in der Zeit der Weimarer Republik entwickelte und zu der auch Verbände zählten, die aus dem Wandervogel hervorgingen, wies ebenso wie diese zahlreiche Parallelen zur Hitlerjugend auf und muss somit ebenfalls als „Entwicklungsstufe“ vom Wandervogel zur Hitlerjugend untersucht werden. Schließlich wird die Hitlerjugend selbst unter die Lupe genommen. In einer abschließenden Zusammenfassung und Bewertung der Ergebnisse wird die Hitlerjugend mit dem Wandervogel und der bündischen Jugend in direkten Vergleich gesetzt.
2. Der Wandervogel vor dem ersten Weltkrieg
2.1 Gesellschaftliche Rahmenbedingungen
Um 1900 setzte in Deutschland eine rasche Industrialisierung ein, die eine Veränderung der Arbeitsplatzstruktur und somit auch eine Binnenwanderung mit sich brachte. Aus den gesellschaftlichen Umwälzungen heraus entstanden um 1900 zahlreiche Reformbewegungen, wie der „Vegetarismus“, der „Freikörperkult“, die „Gartenstadtbewegung“ oder die „Bodenre-
1 Giesecke,Hermann: Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend. Jugendarbeit zwischen Politik und Pädagogik. München: Juventa-Verlag, 1981. S. 20
4
formbewegung“ 2 . Soziale Gefüge brachen auf und mussten neu definiert werden. Vor allem die mittelständische Bevölkerung sah sich dabei mit erheblichen Statusproblemen konfrontiert 3 .
Auf der Suche des Mittelstandes „nach ‚heilen’, umfassenden und menschlichen Sozialgebilden inmitten einer parzellierten gesellschaftlichen Zweckhaftigkeit“ 4 , bildete sich ein neuer Begriff von „Jugend“ heraus. Es entstand ein „Jugendkult“, jenseits der durch die Verschiebungen der Arbeitsstruktur entstandenen Schicht jugendlicher Proletarier. Dieser begründete sich auf der Hoffnung meist bürgerlicher Erwachsener, die Jugend werde es einst „besser“ machen 5 . Zudem sollte die Jugend nicht länger als noch nicht erwachsen, sondern als Chance der Veränderung begriffen werden. Die Ansprüche der Erwachsenen an „das kostbare Gut des Volkes“ 6 verursachten jedoch auch das Fehlen von Vorbildern und erschwerten den Jugendlichen somit ihre eigene Identitätsfindung. Hier setzte die Suche nach neuen kulturellen Leitbildern und Idealen ein 7 . Es kann somit nicht verwundern, dass „[d]as soziale Schicksal der mittleren Schichten […] und ihre Reaktion auf die als prekär empfundene Lage [den] wichtigste[n] soziale[n] Hintergrund für die Entwicklung der Jugendbewegungen […].“ 8 bildeten.
2.2 Die Entwicklung der Wandervogelbewegung
Die Ursprünge des Wandervogels liegen in einer 1896 an einem Steglitzer Gymnasium begründeten Wander- und Fahrtengruppe. 1901 wurde diese Gruppe von Karl Fischer übernommen, welcher gemeinsam mit neun anderen Mitgliedern den Wandervogel als „Aus- schussfür Schülerfahrten“ begründete 9 . In den Anfängen des Ausschusses beschrieb einer der Gründer dessen Ansinnen wie folgt: „In der Jugend die Wanderlust zu pflegen, die Mu-ßestunden durch gemeinsame Ausflüge nutzbringend und erfreulich auszufüllen, den Sinn der Natur zu wecken, zur Kenntnis unserer deutschen Heimat anzuleiten, den Willen und die Selbständigkeit der Wanderer zu stählen, kameradschaftlichen Geist zu pflegen, allen den Schädigungen des Leibes und der Seele entgegenzuwirken, die zumal in und um unseren Großstädten die Jugend bedrohen, als da sind: Stubenhockerei und Müßiggang, die Gefahren des Alkohols und des Nikotins - um von Schlimmerem ganz zu schweigen“ 10 . Hier wurden zugleich die „Verhängnisse“ der Jugend identifiziert. Es waren deklarierte Ziele des Wandervogels, sich von der „Unsitte der Alten“ abzuwenden und neue Normen zu schaf-
2 Fritz,Michael / Hafeneger, Benno / Krahulec, Peter / Thaetner, Ralf: „… und fahr’n wir ohne Wiederkehr“: ein Lesebuch zur Kriegsbegeisterung junger Männer. Bd. 1: Der Wandervogel. Frankfurt am Main: Brandes & Apsel, 1990. S. 161
3 Giesecke: Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend. 1981. S. 12
4 ebd., S. 13
5 Paetzold, Ulrich: Die deutschen Jugendbewegungen dieses Jahrhunderts - Eine psychologische Analyse ihrer Inhalte anhand des Liedgutes. Dissertation an der Universität Bamberg, Lehrstuhl Psychologie II. Ansbach, 1988. S. 46ff.; siehe hierzu auch: Giesecke: Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend. 1981. S. 13f.
6 Giesecke: Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend. 1981. S. 14
7 ebd., S. 30
8 ebd., S. 17
9 Paetzold: Die deutschen Jugendbewegungen dieses Jahrhunderts. 1988. S. 50; siehe auch: Giesecke: Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend. 1981. S. 18
10 Giesecke: Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend. 1981. S. 18
5
fen. Als weitere Kernziele galten die „Befreiung von Autoritäten“ und die „Loslösung von erzwungenen Lebensformen und Gesinnungen“ 11 . Die Begründung für diese Prämissen ist in den sozialen Umständen und Problemen der Mittelschicht um die Jahrhundertwende zu suchen.
Die mittelständische, bürgerliche Jugend, aus der sich der Wandervogel sowohl in seinen Anfängen, als auch in seiner späteren Entwicklung zu einer Jugend-Bewegung 12 zusammensetzte, bestand überwiegend aus Gymnasiasten und Studenten, die sich mit den althergebrachten Werten und Normen nicht identifizieren konnten. Der Wunsch den alten Normen zu entkommen, brachte den Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung mit sich, was eine Entthronung der bis dahin meist patriarchalischen Vaterfigur bedingte. Die Erziehungsinstanzen verloren folglich ihre Autorität. Auch der Ausbruch aus den „engen“ Städten in die „weite“ Natur war Folge eines, in der bürgerlichen Jugend entstandenen, Emanzipationsbestrebens 13 . Die Struktur des Wandervogels war so angelegt, dass jeweils eine Gruppe (Gau) von einem Führer geleitet wurde. Dieser galt als „Alleinherrscher“ 14 . Es bildete sich ein besonders keuscher Lebensstil heraus und das emotional aufgeladene Gemeinschaftsleben sowie das gemeinsame Musizieren wurden rasch zu Grundpfeilern des Wandervogels. Der Wandervogel gewann schnell an Mitgliedern. Das starke Anwachsen der Mitgliedszahlen brachte dabei aber nicht nur einen nötigen Mehraufwand an Organisation, sondern auch zahlreiche Probleme mit sich. Schon früh begannen sich innerhalb des Wandervogels verschiedene Strömungen zu entwickeln. 1904 spaltete sich der Wandervogel in den von Karl Fischer weitergeleiteten „Altwandervogel“ und in den „Wandervogel e.V.“ der auf Berlin begrenzt blieb. Der Altwandervogel wies zu diesem Zeitpunkt konservative bis völkische Grundtendenzen auf und hatte sich der „Mannhaftigkeit, Innerlichkeit, Treue, Liebe zur Natur und zum Vaterland, Freude an der Manneszucht und [dem] Waffenhandwerk“ 15 verschrieben.
Ab 1907 bildeten sich weitere Jugendgruppen, die ebenfalls das Wandern als neuen Lebensstil führten. Spätestens ab diesem Zeitpunkt kann von einer „Jugendbewegung“ die Rede sein. Im diesem Jahr spaltete sich der Wandervogel erneut, da sich ein Teil der Mitglieder (Ortsgruppe Jena) für die Aufnahme von Mädchen in die Wandergruppen und für die Selbständigkeit der Ortsgruppen einsetzte, was vom Altwandervogel nicht angenommen wurde 16 . 1910 spaltete sich erneut eine Gruppe ab - der Jungwandervogel. Diese Gruppe lehnte die
11 Paetzold: Die deutschen Jugendbewegungen dieses Jahrhunderts. 1988. S. 51
12 Es muss hier eine klare Unterscheidung zwischen „Bewegung“ und „Organisation“ getroffen werden. Eine Bewegung zeichnet sich (im Gegensatz zu einer Organisation) vor allem durch ein „Lebensgefühl“ aus, das ihre Mitglieder verbindet. Die Beweggründe für die Teilnahme an einer Bewegung sind folglich emotionaler, nicht rationaler Natur. Eine Bewegung begründet sich zudem auf eine von vielen Menschen gleichsam erlebte Krise (in diesem Falle die gesellschaftlichen Umbrüche und die daraus resultierende Situation des Mittelstands) und trägt eine Ideologie zur Verbesserung der für die Krise verantwortlichen Verhältnisse. Siehe hierzu: Giesecke: Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend. 1981. S. 17
13 Paetzold: Die deutschen Jugendbewegungen dieses Jahrhunderts. 1988. S. 46ff.
14 Giesecke: Vom Wandervogel bis zur Hitlerjugend. 1981. S. 20
15 Paetzold: Die deutschen Jugendbewegungen dieses Jahrhunderts. 1988. S. 52
16 ebd.
6
Arbeit zitieren:
M. A. Anja Gruber-Wiedemann, 2006, Vom Wandervogel zur Hitlerjugend. Vorläufer oder Wegbereiter?, München, GRIN Verlag GmbH
Dieser Text kann über folgende URL aufgerufen und zitiert werden:
Einbetten
DOI
Die Jugendbewegung 'Wandervogel' als Teil der sozialen Bewegun...
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit (Hauptseminar), 20 Seiten
Der Wandervogel. Entdeckung der Jugendgruppe als Erziehungsmittel
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 20 Seiten
Jugend in Selbstverwaltung und Organisation am Beispiel des Wandervoge...
Welche Schlussfolgerungen lass...
Sozialpädagogik / Sozialarbeit
Seminararbeit, 15 Seiten
Jüdische Kinder und Jugendliche im zweiten Weltkrieg
Pädagogik - Geschichte der Päd.
Seminararbeit, 23 Seiten
Interdisziplinäre Untersuchung...
Diplomarbeit, 187 Seiten
Schüler- und Bildungsberater - Qualifizierung und Aufgaben
Pädagogik - Schulwesen, Bildungs- u. Schulpolitik
Seminararbeit, 26 Seiten
Richard Sennett: Der flexible Mensch. Die Veränderungen in der Arbeits...
Hausarbeit (Hauptseminar), 18 Seiten
Lernen durch Lehren - Lernstile und Lerntypen
Pädagogik - Pädagogische Psychologie
Hausarbeit, 16 Seiten
Hermann Bausinger - Die Tübinger Schulgründung
Kulturwissenschaften - Allgemeines und Begriffe
Hausarbeit, 24 Seiten
Die wirtschaftliche Entwicklung Südafrikas unter besonderer Berücksich...
Geowissenschaften / Geographie - Wirtschaftsgeographie
Hausarbeit (Hauptseminar), 21 Seiten
Regionale Integrationsabkommen und die WTO: handelsbezogene Präferenze...
VWL - Fallstudien, Länderstudien
Seminararbeit, 22 Seiten
Die Gewaltenteilung nach Montesquieu
Politik - Politische Theorie und Ideengeschichte
Hausarbeit, 19 Seiten
Anja Gruber-Wiedemann's Text Vom Wandervogel zur Hitlerjugend. Vorläufer oder Wegbereiter? ist nun auf dem Buchmarkt erhältlich
Anja Gruber-Wiedemann hat den Text Vom Wandervogel zur Hitlerjugend. Vorläufer oder Wegbereiter? veröffentlicht
Anja Gruber-Wiedemann hat einen neuen Text hochgeladen
Bürgerliche Jugendbewegung in Bremen. Vom Wandervogel zur Bündischen N...
Beiträge zur Sozialgeschichte ...
Peter Kuckuk, Klaus auf dem Garten
Die Hitlerjugend und ihr Selbstverständnis im Spiegel ihrer Aufgabenge...
STudienausgabe
Jutta Rüdiger
Handbuch und Katalog der deutschen Kolonial - Vorläufer
Friedrich F. Steuer, Ronald F. Steuer
0 Kommentare