Inhalt
1 Einleitung 3
2 Geografische Einordnung Galiläas 4
3 Juden oder Heiden Die Bevölkerung Galiläas 6
4 Religiöse Gruppierungen zur Zeit Jesu und deren Bedeutung für Galiläa 8
4.1 Die Gruppe der Pharisäer 8
4.2 Die Gruppe der Sadduzäer 12
4.3 Die Gruppe der Essener 14
5 Die religiöse Praxis Galiläas 18
5.1 Die Bedeutung der Synagoge für das galiläische Judentum 18
5.2 Der Gottesdienst in der Synagoge 18
5.3 Unterschiede zwischen Synagogen und Tempel 21
6 Die Verbindung Galiläas mit dem Kultort Jerusalem 23
6.1 Das biblische Gebot zur Wallfahrt 24
6.1.1 „Dreimal im Jahr “ 24
6.1.1.1 Das Passafest 25
6.1.1.2 Das Pfingstfest 25
6.1.1.3 Das Laubhüttenfest 25
6.1.2 „sollen alle deine Männer “ 26
6.2 Der Weg nach Jerusalem 27
7 Zusammenfassung 29
Literaturverzeichnis 31
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1 Einleitung
In den Evangelien wird die Bedeutung des Landes Galiläa für das Leben Jesu unterschiedlich dargestellt. So heißt es bei Markus und Johannes, dass es sich bei Galiläa um die Heimat Jesu handelt, wo er auch öffentlich gewirkt hat. Auch bei Lukas heißt es, dass es sich bei Jesus um einen Galiläer handelt, der jedoch aufgrund von Gesetzen in Bethlehem geboren wurde. Bei Matthäus zeigt sich eine Varianz, indem Jesu Eltern eigentlich in Judäa ansässig waren, jedoch aufgrund der Flucht nach Ägypten sich in Galiläa ansiedelten. So ist hier Jesu nicht von Geburt an Galiläer sondern wird erst dazu.
Trotz der unterschiedlichen Darstellungen ist unbestreitbar, dass Jesus den größten Teil seines Lebens in Galiläa verbrachte. Somit hatte die Landschaft, bestimmte Eigenarten und soziale Gegebenheiten Galiläas um die Zeitenwende Einfluss auf die Entwicklung und das Wirken der Person Jesus Christus. In der vorliegenden Arbeit soll dabei vor allem die religiösen Besonderheiten Galiläas dargestellt werden.
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Geografische Einordnung Galiläas
Über die geografische Lage Galiläas geben die Evangelien keine genaue Auskunft. Es werden lediglich verschiede Städte, wie Nazaret, Kapernaum 1 , Chorazin 2 und Kana 3 und der See Genezareth 4 erwähnt. Dies ist jedoch nicht verwunderlich, da den Evangelisten wohl weniger die geografische sondern die theologische Bedeutung Galiläas wichtig war. Dass auf die geografische Einordnung nicht besonders
Beerseba
1 So heißt es bei Mt 4,13: „Und verließ die Stadt Nazareth, kam und wohnte zu Kapernaum, das da liegt am Meer, im Lande Sebulon und Naphthali“.
2 Mt 11,21/Lk 10,13: „Wehe dir Chorazin! Weh dir, Bethsaida! Wären solche Taten zu Tyrus und Sidon geschehen, wie bei euch geschehen sind, sie hätten vorzeiten im Sack und in der Asche Buße getan.“ 3 Joh 2,1: „Und am dritten Tag ward eine Hochzeit zu Kana in Galiläa; und die Mutter Jesu war da.“ 4 Lk 5,1: „Es begab sich aber, da sich das Volk zu ihm drängte, zu hören das Wort Gottes, dass er stand am See Genezareth.“ 5 Als Beispiel ist Lk 17,11 zu nennen. So heißt es hier: „Und es begab sich, da er reiste gen Jerusalem, zog er mitten durch Samarien und Galiläa.“ Geht man von diesem Vers aus, müssten Galiläa und Judäa aneinandergrenzen. (Bösen, Willibald: Galiläa Lebensraum und Wirkungsfeld Jesu, Freiberg im Breisgau, Herder Verlag, 1985, S. 19).
6 Flavius Josephus lebte in der Zeit 37-100/110 n.Chr. und war ein Jerusalemer Priestersohn. (Theißen, Gert; Merz, Annette: Der historische Jesus – Ein Lehrbuch. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 2001, S. 74). Seine Bücher geben die wichtigsten Zeugnisse über die Vorgänge in Palästina wider. So sind die Bücher ,,Geschichte des Jüdischen Krieges“ und ,,Jüdische Altertümer“ für die Beschreibung Galiläas um die Zeitenwende besonders wichtig. Da seine Werke jedoch erst einige Zeit nach Jesu Tod entstanden sind ist davon auszugehen, dass er vieles von „seiner Zeit“ in die Zeit während der Jahrhundertwende übertrug. Jedoch handelt es sich bei seinen Werken um die zeitlich am nächsten entstandenen Ausführungen über Galiläa zur Zeit Jesu.
7 Obwohl die Angaben des Josephus einen genauen Eindruck erwecken, fällt es schwer, eine exakte Grenzziehung zu versuchen; die von Josephus aufgeführten Grenzpunkte sind schließlich doch zu allgemein gehalten und können nur als ,,Näherungswerte" betrachtet werden. Sie sollen aber im weiteren Verlauf als Eckpunkte Galiläas dienen (Bösen, S. 20).
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beginnt gleichzeitig auch Obergaliläa, das sich dann bis zu dem Dorf Baka erstreckt, welches an der Grenze zum tyrischen Gebiet liegt. Im Westen grenzt Galiläa an das Gebiet der Stadt Ptolemais und an den Karmel. Die südliche Grenze zieht sich entlang Samarias und Skythopolis bis zum Jordan. Im Osten grenzen die Bezirke von Hippos und Gadara, die Gaulanitis und das Königreich des Agrippa an, die nördliche Grenze bildet das Gebiet um Tyrus.
Das Galiläa zur Zeit Jesu ist nur ein kleines Land. So schreibt Josephus es stehe ,,der Größe nach hinter Peräa“ 8 . Aufgrund verschiedener Berechnungen wird es auf eine Größe von 1400 und 1600 qkm geschätzt. 9 Die Entfernung der Grenze von Osten nach Westen betrug zwischen 35 und 40 km und von Nord nach Süd etwa 5055 km. 10 Somit konnten geübte Wanderer 11 von einem beliebigen Punkt Galiläas aus einen anderen ohne größere Mühen erreichen.
Anhand der Grenzen Galiläas und der Bestimmung seiner Größe ist es wahrscheinlich, dass Jesus nicht nur die in den Evangelien genannten Orte besucht hat, sondern vielmehr in allen Gegenden Galiläas seine Botschaft vom Reich Gottes verkündigt hat.
8 Ebd., S. 28.
9 Ebd.
10 Ebd., S. 29.
11 Die zur Zeit Jesu übliche Reiseform war der Fußmarsch. Nur reichere Menschen konnten sich einen Esel als Reittier leisten. Besonders wohlhabende Menschen leisteten sich eine Reise in der Kutsche (Stambaugh, John E.; Balch, David L.: Das soziale Umfeld des Neuen Testaments. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1992, S. 33f).
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2 Juden oder Heiden? – Die Bevölkerung Galiläas
In der prophetischen Rede Jes 8, 23 heißt es:
„Doch es wird nicht dunkel bleiben über denen, die in Angst sind. Hat er zur vorigen Zeit gering gemacht das Land Sebulon und das Land Naphthali, so wird er es hernach zu Ehren bringen, den Weg am Meere, das Land jenseit des Jordans, der Heiden Galiläa.“
Dies wird Jahrhunderte später von Matthäus wieder aufgenommen: "Das Land Sebulon und das Land Naphthali, am Wege des Meeres, jenseits des Jordans, und das heidnische Galiläa.“ 12
Von diesen Äußerungen aus wird oft auf eine mehr oder weniger stark gemischte galiläische Bevölkerung geschlossen. Tatsächlich lassen sich mithilfe der Evangelien über die Größe der nichtjüdischen Bevölkerungsanteile Galiläas zur Zeit Jesu jedoch keine Aussagen machen. Über verschiedene Siedlungsgebiete von nichtjüdischen Bevölkerungselementen und über die Eigenart von Kontakten bzw. sozialen Beziehungen zwischen jüdischen und nichtjüdischen Galiläern wird kaum berichtet. Mit Ausnahme des nichtjüdischen Jenturios von Kapernaum 13 treffen nichtjüdische Personen mit Jesus nur außerhalb Galiläas zusammen 14 oder kommen wie die Syrier von außerhalb nach Galiläa. 15 Daraus ließe sich schließen, dass es in Galiläa kaum Heiden gegeben hat. Dabei muss jedoch wiederum beachtet werden, dass die Evangelisten kein historisches sondern ein theologisches Interesse hatten. 16
Geht man von der bereits beschriebenen geografischen Einordnung Galiläas aus, war Galiläa ,,in eine wesentlich heidnische Umwelt" eingebettet und ,,vom eigentlichen Judenbezirk durch das halbheidnische Samaria abgeriegelt". 17 So hatten die galiläischen Randgebiete regelmäßigen Kontakt zum heidnischen Umland. Jedoch darf ebenfalls nicht vergessen werden, dass auch das galiläische Binnenland durch den Handelsverkehr Kontakt mit den fremden Kulturen hatte. Das Binnenland
13 Mt 8,5-13 und Lk 7, 1-10.
14 Mk 7,24-30; Lk 9,52-54; 17, 11-19 oder Joh 4,5-42; 12,20.
15 Mt 4, 24f.
16 Bösen, S. 146.
17 Ebd., S. 93.
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Galiläas wurde von der Via Maris, der wichtigen Handelsstraße von Mesopotamien nach Ägypten, durchzogen, wobei einige Städte wie Kapernaum, Sepphoris, Kana u.a. als Raststationen mit den verschiedensten Kulturen in Berührung kamen. Zu Kontakten mit fremden Kulturen kam es außerdem, da durch den Karawanenhandel verschiedene Arbeitsmöglichkeiten entstanden. 18 Somit stand die Bevölkerung im direkten Kontakt zu den Heiden. Daraus ist jedoch noch nicht erkennbar, ob auch Heiden in Galiläa lebten. Dies lässt sich anhand der Bevölkerungsgeschichte Galiläas herleiten. Galiläa war bei der israelitischen Landnahme ursprünglich von einigen Stämmen besiedelt worden. Jedoch ist aufgrund der Tatsache, dass sich Israel zu dieser Zeit in enger Nachbarschaft zur kannaaischen Bevölkerung niederließ und im Lauf der Jahrhunderte sich ständig ablösenden Herrschern unterstand, nicht anzunehmen, dass es sich bei dem galiläischen Judentum zur Zeit Jesu um dieses Urjudentum handelt.
Es ist wahrscheinlicher, dass es sich bei ihnen um die Juden handelt, die unter den Hasmonäern nach Galiläa einwanderten, 19 da im 2. Jh. v. Chr. die Juden aufgrund von zahlreichen Einwanderungen zu einer Minderheit im Land wurden. So war Galiläa zu Beginn des Makkabäeraufstandes ein heidnisches Gebiet, das erst unter Aristobul I 20 durch Zwangsbekehrungen heidnischer Bevölkerungselemente und durch Umsiedlung oder Einwanderung judäischer Juden rejudaisiert worden war. 21 Diese Maßnahme war jedoch so wirkungsvoll, dass Galiläa folglich in engerer Beziehung zum jüdischen Tempel als zur hellenistischen Kultur stand. 22 Jedoch ist nicht auszuschließen, dass noch Heiden in Galiläa lebten. Die verschiedenen Blickwinkel haben gezeigt, dass es in Galiläa aufgrund des direkten und indirekten Kontaktes von Juden und Nichtjuden zu einer besonderen und offenen Situation kam. Nimmt man diese als Grundlage erscheint auch Jesu Einstellung zu den Nichtjuden unter einem anderen Licht.
18 Ebd., S. 204.
19 Bösen, S. 205.
20 Aristobul I regierte 104-103 v. Chr. (Bösen, S. 148).
21 Ebd., S. 148.
22 Reicke, Bo: Neutestamentliche Zeitgeschichte – Die biblische Welt von 500 v. Chr. bis 100 n. Chr.. Berlin, New York: de Gruyter, 1982, S. 90.
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3 Religiöse Gruppierungen zur Zeit Jesu und deren Bedeutung für Galiläa Nach Josephus ,,treiben [...] bei den Juden drei Gruppen Philosophie: die Anhänger der ersten heißen Pharisäer, die der zweiten Sadduzäer; die dritte aber [...] heißt Essener“. 23
Diese Gruppen hatten unterschiedliche Auffassungen darüber, wie das Grundgesetz gelebt werden sollte. Es ist wahrscheinlich, dass diese Gruppierungen auch in Galiläa sesshaft waren. In den Evangelien sind die Gruppierungen jedoch unterschiedlich vertreten. Am häufigsten wird über die Gruppierung der Pharisäer berichtet. Sie tritt als Gegner zu Jesu auf und kritisiert dessen Lebensweise. So z.B. in Mt 12,2:
„Da das die Pharisäer sahen, sprachen sie zu ihm: Siehe, deine Jünger tun, was sich nicht ziemt am Sabbat zu tun.“
Die Sadduzäer werden in den Evangelien lediglich achtmal genannt. Dabei werden sie als Leugner der Auferstehung dargestellt:
„An dem Tage traten zu ihm die Sadduzäer, die da halten, es sei kein Auferstehen, und fragten ihn […].“ 24
Die Essener werden innerhalb der Evangelien nicht erwähnt.
3.1 Die Gruppe der Pharisäer
Die Gruppe der Pharisäer war die einflussreichste zur Zeit Jesu. So gab es laut Josephus in dieser Zeit „über 6000“ 25 Menschen, die sich Pharisäer nannten. Die Gruppierung entstand Mitte des 2. Jh. v. Chr. aus dem Laienkreis der hassidischen Bewegung 26 . Zu ihr zählten gesetzestreue Juden, die keine politischen, sondern einzig religiöse Ziele verfolgten. So heißt es von ihnen, dass sie ,,allein vom Eifer
23 Zitiert nach Stambaugh; Balch, S. 125.
24 Mt 22,23. Parallelstellen dazu: Mk 12,18 und Lk 20,27.
25 Zitiert nach: Lohse, Eduard: Umwelt des neuen Testaments, Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht, 1971, S. 55.
26 Theißen; Merz, S. 134.
8
Quote paper:
Doreen Oelmann, 2005, Die religiöse Situation in Galiläa zur Zeit Jesu, Munich, GRIN Publishing GmbH
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