Nadine Hagem us
St udiengang: Magist er
Philosophie,
prakt ische Sozialwissenschaft ,
Kom m unikat ionswissenschaft
5. Fachsem est er,
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Universit ät Essen
WS 2001 / 2002
Vorgelegt am 10.4.2002
Sem inar: Polit ische Ut opien
Gliederung
1.0 Einleitung
2.0 Darstellung des Romans 1984
2.1 Eric Arthur Blair
2.2 Inhaltsangabe
2.3 Akzentuierte Darstelllung der Gesellschaft in Ozeanien
3.0 Darstellung der Gesellschaft in der DDR
3.1 Beschreibung und Vergleich des Staatsaufbaus
3.2 Der Überwachungsapparat
3.3 Kurzer Anriss zur Familienpolitik
3.4 Beispiele zur Geschichtsfälschung
4.0 Fazit
5.0 Quellennachweis
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In der folgenden Arbeit soll ein Vergleich zwischen der Gesellschaft in der DDR und der Gesellschaft, wie sie Orwell in seinem antiutopischen Roman
beschreibt, durchgeführt werden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf der
Suche nach Tendenzen, die in der Gesellschafts- und Politikstruktur der DDR in Bezug auf die Gesellschaft bei Orwell gefunden werden können. Ich werde die Gesellschaft bei Orwell nicht immer als Fiktion kennzeichnen, sondern ich werde sie als der DDR-Gesellschaft gleichgestellt betrachten. Da Orwell die Gesellschaft in seinem Roman aus der Perspektive eines Protagonisten darstellt, werden nicht alle Aspekte erwähnt. Deshalb werde ich mich hier auf verschiedene Ausschnitte beschränken, bei denen ich genügend Informationen für einen Vergleich zu Verfügung habe. Diese Ausschnitte sind die Struktur des Staatsapparates, der Überwachungsapparat, die Geschichtsschreibung und die Familienpolitik. Im Fazit wird eine kurze Zusammenfassung der gefundenen Tendenzen zu lesen sein, bevor die Arbeit mit einer kurzen persönlichen Stellungnahme endet. Ich werde den Autor des Romans, obwohl er mit bürgerlichem Namen Blair heißt, immer mit seinem Künstlernamen Orwell bezeichnen.
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Eric Ar t hur Blair alias George Or well wurde 1903 in Mot ihari in I ndien als Sohn eines englischen Kolonialbeam t en geboren. Er beschloss fr üh, Schrift st eller zu wer den und lebt e daraufhin m ehrere Jahr e in Par is und London, nachdem er nach der Elit eschule in Et on seinen Wehrdienst in Bur m a geleist et hat t e. 1936 zog er als Fr eiwilliger in den spanischen Bürgerk rieg, wo er schwer ver wundet wurde. Die kom m unist ische Polizei verfolgt e ihn lange. Daraufhin
set zt e er sich in seinen Rom anen )DUPGHU7LHUH und m it
Macht m echanism en auseinander, aller dings im m er m it einer
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ver st arb Or well am 21. Januar 1950 an Tuberkulose.
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Der Rom an v on George Or well w urde 1949 v eröffent licht und
befasst sich m it einer Zukunft sfik t ion. Orwell, der den Rom an 1948 ver fasst e, spielt e den Gedank en dur ch, wie die Welt 1984 aussehen könnt e. I n dem Rom an ist die Welt in dr ei St aat en aufget eilt : Ost asien, Eurasien und Ozeanien. Die Handlung des Rom ans spielt in Ozeanien, besser gesagt im Landefeld eins, das geogr aphisch dor t angesiedelt ist , wo sich England befindet . London ist der zent rale Schauplat z. Orwell beschreibt das Leben Winst on Sm it hs. Dieser ver liebt sich in eine Part eigenossin, die wie er nicht hint er der I deologie der Part ei st eht . Ozeanien wird von einer Oligarchie nach den Prinzipien des englisch Sozialism us ( im Folgenden Engsoz genannt ) regier t , und säm t liche Par t eim it glieder unt erliegen einer absolut en Kont rolle. Zwischen der Frau und Sm it h ent wick elt sich eine Liebesgeschicht e, die im m er geheim gehalt en wer den m uß, da beide bei ihr en Tr effen versuchen, der Kont rolle der Part ei zu ent kom m en, um sich völlig fr ei ent falt en zu können. Schließlich werden beide ent deck t und bek om m en zu spür en, was es heißt , sich der Part ei, wenn auch nur geist ig, zu widerset zen. Sie werden psychisch und physisch gefolt ert , bis ihr Wille gebrochen ist und sie zu krit iklosen Anhängern der Par t ei gew orden sind.
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Orwell beschreibt in seinem Rom an nur das Land Ozeanien näher, weshalb hier nur auf die dort igen Begebenheit en eingegangen werden soll. Der Engsoz als Regierungsform begründet sich auf den englischen Sozialism us, an einer St elle auch als oligarchischer
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Kollekt iv ism us 1 bezeichnet wird. Eine Par t ei, die dur ch den ganzen Rom an hinweg keinen Nam en bekom m t , sondern im m er nur abst rakt „ die Part ei“ genannt wird, hat die absolut e Macht in
Ozeanien. Die Mit glieder gehören ent weder der äußeren oder der inneren Part ei an, wobei der inner st e Kreis aus et wa 2% der Mit glieder best eht , d.h. ungefähr 6 Millionen Menschen. 15% der Bevölkerung gehören der äußeren Part ei an, und die rest lichen 85% der Menschen m achen die Masse aus, die v on Orwell als die „ Pr oles“ 2 bezeichnet w erden. Über alledem st eht der Große Bruder, der als oberst er St aat sm ann gilt . Er wird als die Per sonifizier ung der Prinzipien der Part ei angesehen, und sein Wort ist Geset z. Der Regierungsapparat selbst best eht aus v ier Minist erien. Das Minist er ium für Wahr heit beschäft igt sich m it dem Nachricht en- , Unt er halt ungs- und Erziehungswesen und den schönen Künst en. Der Kr ieg ist das zent rale Them a im Minist erium für Frieden, während das Minist erium für Liebe sich m it recht lichen Belangen, den Geset zen und der Or dnung befasst . Das let zt e ist das Minist er ium für Über fülle, das für Wirt schaft sangelegenheit en zust ändig ist . Die Kinderer ziehung ist fast kom plet t st aat lich or ganisier t : I m Kindesalt er können Kinder den Spit zel beit ret en. Orw ell beschr eibt sie so: “ [ ...] , dass sie [ die Kinder] dur ch solche Organisat ionen w ie die > Spit zel< syst em at isch zu hem m ungslosen kleinen Wilden gem acht wurden ... sie v er göt t ert en die Part ei und alles, was m it ihr zusam m enhing ... die Lieder, die Um züge, die Transpar ent e, die Wanderungen, der Dr ill m it Übungsgewehren, das Par olengebr üll, die Ver ehr ung des Großen Bruder s - das alles war für sie ein t olles Spiel. ... ein k leiner Lauscher [ hat t e] eine k om pr om it t ierende Bem er kung m it gehört und seine Elt er n bei der Gedank enpolizei denunzier t .“ 3 Wenn die Kinder zu alt für die Spit zel gewor den sind, kom m en sie in die Jugendliga, in der es w ieder Unt er gruppen w ie
1 ebd., S. 222
2 ebd., zum ersten Mal auf S. 87
3 Orwell 1949, S. 33
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die Ant i- Sex- Liga gibt , die sich aus ihrem eigenen Nam en erk lär t . Mit dieser Vorbildung t ret en die j ungen Er wachsenen der eigent lichen Part ei bei. Dann werden aus den Spielen ernst , und aus den Treffen der Jugendorganisat ionen werden Part eiabende m it allem schon Gelernt en, d.h. Lieder , Parolen, Verehrung des Großen Br uders, und außer dem Vort rägen und sogenannt en Diskussionen. Disk ussion bedeut et hier aber nicht Meinungsaust ausch, sondern par aphr asiert e Wiedergabe der derzeit igen Part eipolit ik. Meinungsfreiheit ex ist iert nicht . Das gesam t e Leben der
Par t eim it glieder wir d also durch eben diese in Ozeanien best im m t . Das Pr inzip, auf dem diese Gesellschaft sst ruk t ur beruht , ist reines Macht best reben der Part ei. Sie for der t nicht nur die m at erielle Macht , denn die hat sie bereit s inne, sondern auch die Macht über den Geist und die Gedank en der Menschen, und sie wir d durch die Ohnm acht der Bevölkerung aufr echt er halt en. Die Ohnm acht wird durch v er schiedene Mechanism en er zeugt : Den Menschen wird Angst gem acht , Angst vor St rafe und Folt er, Angst v or dem Tod als let zt es ‚Ziel’, Angst vor der inner en Part ei. Diese Angst wird durch Scheinprozesse, st ändige Über wachung, und absolut em
Konfor m ism us aufrecht erhalt en. Der Masse wird durch einseit ige I nform at ionen und fehlende Bildung dum m gehalt en, und Menschen, die nicht nachdenk en, sind leicht er lenk bar . Sollt e sich doch eine kleine Gr uppe eigenst ändig denk ender, r ebellischer Einwohner bilden, wird diese von der Gedankenpolizei unschädlich gem acht , indem die ent sprechenden Personen get öt et werden. Der Masse wird ein Ziel gegeben, auf dass säm t liche durch die Par t ei aufgest aut en Em ot ionen gelenkt werden, näm lich die ander en St aat en. Dabei liegt der Kanal, durch den die I nfor m at ionen über die ander en St aat en zu der Bev ölker ung gelangen, wieder in der Hand der Par t ei. Diese Nachricht enm anipulat ion um fasst säm t liche I nform at ionen. Es ist fast unm öglich, aus diesem Syst em auszubr echen oder es zu um gehen.
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Arbeit zitieren:
Nadine Hagemus, 2002, Tendenzieller Vergleich zwischen der Gesellschaft der DDR und der Gesellschaft in Orwells 1984, München, GRIN Verlag GmbH
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