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Inhalt
1. Einleitung. 3
1.1 Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit 3
2. Die Begriffe Kultur’ und Gesellschaft’ in der Philosophie 5
2.1 Kultur’ 5
2.2 Gesellschaft’ 7
2.3 Historischer Abriss der gängigsten Gesellschaftstheorien 8
2.4 Die mimetisch bestimmte Gesellschaft 13
3. Ausgewählte Aspekte von Kultur und Gesellschaft in Homo Ludens, Die Illusionen
der anderen und Spiel, Ritual, Geste. 16
3.1 Das Spiel 16
3.2 Der Sport 24
3.3 Die Politik und der Krieg 26
4. Schlussbetrachtung 29
Literaturverzeichnis 31
Quellen : 31
Hilfsmittel : 31
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1. Einleitung
1.1 Gegenstand und Zielsetzung der Arbeit
Johan Huizinga hat in seinem erstmals 1938 erschienenen Essay Homo Ludens aufzuzeigen versucht, welch wichtige Rolle dem Spiel in der Entstehung der Kultur zugekommen sei. Unter dem Eindruck der Unkulturen des Faschismus und des Nationalsozialismus machte er sich Gedanken darüber, wann das Spiel begonnen hatte sich aus der von ihm begründeten Kultur zurückzuziehen. In dem historischen Abriss der Rolle des Spielfaktors von der römischen Kultur bis in seine eigene Zeit, der den Schlussteil von Huizingas Essay bildet, gelingt es dem Autor das Bild einer sich vom Spiel wegbewegenden Gesellschaft zu zeichnen. Einer Gesellschaft, die immer mehr von ihrer Kultur preisgibt, denn „[...] ohne einen gewissen Spielgehalt [...]“ 1 , davon ist Huizinga überzeugt, kann echte Kultur nicht existieren. Robert Pfaller beklagt in der ihn umgebenden Gesellschaft ebenfalls einen fortschreitenden Verlust nicht nur des Spiel- sondern auch des Lustgehalts. Er macht sich unter anderem Huizingas Gedanken in Homo Ludens zu Nutze, um seine Theorie vom lustbejahenden, kulturtragenden Prinzip der Illusionen der anderen zu entwickeln. In seinem gleichnamigen Buch 2 fordert Pfaller seine Leser auf sich ihren objektiven Illusionen zu stellen und nicht länger im lustfeindlichen Bekenntnis den Schlüssel zum Glück zu suchen.
Gunter Gebauer und Christoph Wulf bevorzugen statt des normativen Zugangs, wie Huizinga und Pfaller es tun, einen deskriptiven Zugang zu Fragen der Kultur und Gesellschaft. In ihrem Buch mit dem Titel Spiel, Ritual, Geste 3 beschreiben sie die Gesellschaft als ein kompliziertes Geflecht aus dem mimetischen Handeln ihrer Mitglieder.
1 Huizinga, Johan: Homo Ludens. Vom Ursprung der Kultur im Spiel, Reinbeck bei Hamburg, 18.
Auflage 2001, S. 228.
2 Pfaller, Robert: Die Illusionen der anderen. Über das Lustprinzip in der Kultur, Frankfurt/Main 2002.
3 Gebauer, Gunter/Wulf, Christoph: Spiel, Ritual, Geste. Mimetisches Handeln in der sozialen Welt,
Reinbeck bei Hamburg 1998.
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Die Mimesis, so die Autoren, sei nicht nur ein wichtiges Prinzip in der Ästhetik, sondern eine der Bedingungen für das Entstehen moderner Gesellschaften. Sie machen den Leser anhand verschiedener Bereiche der gesellschaftlichen Existenz mit ihrem Konzept eines
durch sinnliche, körperliche Mechanismen strukturierten sozialen Lebens vertraut. Zunächst möchte ich die bisherige Behandlung der Begriffe Kultur und Gesellschaft in der Philosophie in knapper Form vorstellen. Im Anschluss daran werde ich anhand der Bereiche Spiel, Sport, Politik und Krieg, die Kultur- und Gesellschaftskonzeptionen der oben genannten Autoren vorstellen und sie schließlich kritisch gegeneinander abwägen. Ich habe drei Bereiche ausgewählt, die Huizinga in Homo Ludens untersucht, da ich diesen Essay als Hauptquelle der vorliegenden Arbeit zu Grunde lege. Ich werde mich selbstverständlich bemühen, trotz der an Huizingas Arbeit orientierten Gewichtung der Beispiele den einzelnen Kultur- und Gesellschaftskonzeptionen aller drei genannten Autoren durch meine Ausführungen voll gerecht zu werden.
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2. Die Begriffe ‚Kultur’ und ‚Gesellschaft’ in der Philosophie
2.1 ‚Kultur’
Das lateinische Wort cultura bedeutete ursprünglich Landbau oder Pflege. Im übertragenen Sinne bezeichnet es die Fähigkeit der Menschen auf sich selbst und ihre Umwelt einzuwirken und diese zu verändern. Die innere Welt sowie die äußere Welt der Objekte erscheinen dem Menschen als prinzipiell veränderbar. Die vornehmbaren Transformationen richten sich dabei nach den Maßstäben einer durch ihn entworfenen ideellen Wirklichkeitssphäre.
Neben dieser Disposition des Menschen zur Kultur bezeichnet der Begriff aber auch die Gesamtheit der manifestierten Kulturleistungen einer Epoche oder einer Bevölkerungsgruppe. Kultur ist demnach alles, was der Mensch gestaltend hervorbringt, der Gegensatz zur Natur. Ideelle Konstrukte wie Moral, Recht, Religion oder Wissenschaft sind dabei genauso Kulturleistungen wie Umformungen eines gegebenen Materials zu Produkten der Technik oder Bildenden Kunst.
Die ideellen Formungen sind ihrerseits Sinn gebend und gemeinschaftsorganisierend und nehmen Einfluss auf die Entwicklung der geistigen und körperlichen Fähigkeiten der Menschen. Die gedachten Wirklichkeitssphären, die Voraussetzungen für kulturelle Veränderungen sind, können mit anderen Individuen geteilt werden. Dabei kommt der menschlichen Sprache die Aufgabe zu, das mögliche Anderssein der gegebenen Dinge vorwegzunehmen.
In der Kritik der Urteilskraft schreibt Kant: „Die Hervorbringung der Tauglichkeit eines vernünftigen Wesens zu beliebigen Zwecken überhaupt (folglich in seiner Freiheit) ist die Kultur.“ 4 Das, was oben als Ideale bezeichnet wurde, nennt er „Zwecke“ 5 . Die Fähigkeit sich diese Zwecke setzen zu können ermöglicht den Menschen eine Gemeinschaft hervorzubringen, die der Idee der Moralität verpflichtet ist, so Kant.
4 Kant, Immanuel: Kritik der Urteilkraft ( im Folgenden: KU), § 83, Stuttgart 1963, S. 429.
5 Ebd.: S. 433.
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Der Tauglichkeit zu beliebigen Zwecken gingen die Anthropologen auf den Grund. Sie stellten fest, dass die Unspezialisiertheit der menschlichen Hand, die zum Werkzeuggebrauch führte, den Anstoß zu den ersten Kulturleistungen gab. Die Unspezialisiertheit des menschlichen Körpers führte zusammen mit einer fehlenden Instinktsteuerung zu einer Weltoffenheit, so Gehlen. Diese würde den Menschen überfordern, wäre er nicht in der Lage die Natur zu formen und sich eine zweite Natur, die Kultur, zu schaffen. „Infolge seiner organischen Primitivität und Mittellosigkeit ist der Mensch in jeder wirklich natürlichen und urwüchsigen Natursphäre lebensunfähig. Er hat also den Ausfall der ihm organisch versagten Mittel selbst einzuholen, und dies geschieht, indem er die Welt tätig ins Lebensdienliche umarbeitet.“ 6 Dieser Mechanismus führt zu einer Entlastung des Menschen bezüglich des Umgangs mit der Welt, kann aber auch aufgrund der Eigendynamik, die der kulturellen Entwicklung innewohnt, zu einer Belastung für den Menschen werden. Der moderne Mensch ist größtenteils von seinen eigenen Produkten umgeben. Dies kann eine Entfremdung von der Natur und die Sinnentlehrung der Kultur zur Folge haben. Die Disziplin der Kulturkritik hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eingehend mit dieser Entwicklung beschäftigt 7 . Die Kulturleistungen, in denen sich der Mensch selbst wie in einem Spiegel betrachten konnte und mittels derer nicht jede Generation neu anfangen musste, sondern eine Basis hatte, auf der es ihr möglich war weiter aufzubauen, droht sich gegen den Menschen zu wenden.
Neben denen, die einen biologischen Determinismus zur Kultur annahmen, gab es auch Erklärungsansätze, die sich unter dem übergreifenden Namen Kulturismus zusammenfassen lassen. Sie gingen statt von einem biologischen von einem kulturellen oder sozialen Determinismus aus. Die neuesten Kulturtheorien wenden sich in ihren Erklärungsmustern vom Dualismus Kultur-Natur ab. Kulturelles Verhalten wird als etwas betrachtet, das aus dem Zusammenwirken von Angeborenem und Erlerntem entsteht. Dabei seien nicht bestimmte Vorstellungen oder Vorlieben angeboren, sondern die ihnen zugrunde liegenden gedanklichen Mechanismen.
6 Gehlen, Arnold: Der Mensch. Seine Natur und seine Stellung in der Welt, Wiesbaden 1978, S. 37.
7 Vgl.: E. Cassierer: Versuch über den Menschen, Frankfurt 1990; M. Landmann: Der Mensch als
Schöpfer und Geschöpf der Kultur, München 1961.
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Diese kommen dann unter historisch wechselnden Bedingungen zur Geltung. Dies erklärt die relative kulturelle Ähnlichkeit im Aufbau menschlicher Gesellschaften, aber auch, warum es Differenzen gibt. 8
2.2 ‚Gesellschaft’
Die Bedeutungsspannbreite des Begriffs Gesellschaft ist ähnlich wie bei dem der Kultur sehr groß. Er kann das lediglich räumliche Zusammensein zweier Personen, aber auch die Gesamtheit aller zwischenmenschlichen Verbindungen innerhalb der Menschheit ausdrücken.
Es entstanden im Laufe der Zeit überaus unterschiedliche Erklärungsansätze zur Entstehung und Erhaltung menschlicher Gesellschaften. Zunächst ging man davon aus, dass der Mensch gezwungen sei zur Arterhaltung und Sicherung des eigenen Genpools Gesellschaften zu gründen. Dieser rein biologischen Erklärung fügten die Sozialanthropologen den Aspekt des Angeborenseins sozialer Bedürfnisse bei. Die Vertrags-theorie 9 hingegen geht von einem fiktiven Naturzustand aus. Im Anschluss an diesen entwickelte sich aufgrund des Antagonismus zwischen den einzelnen Individuen und Gruppen die Gesellschaft als ein durch Zweckrationalität bewirkter Zusammenschluss Freiwilliger. Ökonomische Erklärungsversuche reduzieren die menschlichen Bedürf-nisse auf die materiell-ökonomischen Aspekte des menschlichen Lebens und machen diese für die Entstehung und Beschaffenheit der Gesellschaften verantwortlich. Funktionalistische Theorien sehen Gesellschaften als dynamisches und sich dauernd im Wechsel befindliches Kräftespiel von Institutionen und Interaktionen.
8 Vgl.: Peter M. Hejl: Kulturtheorien. In: Metzler Lexikon Literatur- und Kulturtheorien, hg. v. A.
Nünning, Stuttgart 1998, S. 297-299.
9 Vgl.: Thomas Hobbes, Leviathan, Frankfurt 1984; John Locke, Zwei Abhandlungen über die Regierung,
Frankfurt 1977; Jean-Jaques Rousseau: Der Gesellschaftsvertrag, Stuttgart 1971.
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2.3 Historischer Abriss der gängigsten Gesellschaftstheorien
Die Gerechtigkeit des Einzelnen, so Platon in Der Staat, nütze nicht nur den anderen, sondern auch dem Gerechten selbst. In einer Gemeinschaft, die aus Gerechten besteht, sei es möglich in gegenseitigem Vertrauen zu leben. Der Gerechte habe Selbstachtung und ihm werde die Achtung der anderen zuteil. Doch die Tugend der Gerechtigkeit allein reiche für das Wohlergehen der Menschen nicht aus. Es bedürfe darüber hinaus der Besonnenheit, Tapferkeit und Weisheit um gut zusammen zu leben. Diesen drei Kardinaltugenden ordnet der Philosoph die drei Stände des Gemeinwesens zu. Das Gemüt des Menschen verfügt Platons Auffassung nach über drei Antriebskräfte. Dem Begehren ist die Tugend der Besonnenheit zugeordnet sowie der Stand der Handwerker, Bauern und Kaufleute. Dem Empfinden von Lust und Unlust entspricht die Tapferkeit und der Stand, der nicht mit Regierungsaufgaben betrauten Wächter. Der Antriebskraft der Vernunft ist schließlich die Tugend der Weisheit zugeordnet und der Stand der Philosophen-Könige. Die anfangs erwähnte Gerechtigkeit sorgt bei dem einzelnen Individuum für ein harmonisches Zusammenspiel der Antriebskräfte in seiner Seele und im Gemeinwesen für eine Harmonie unter den Berufsgruppen. Der Herrscher muss im Besitz der vier Kardinaltugenden und damit ein vortrefflicher Mensch und gerecht sein. Neben dieser charakterlichen Eignung des Regenten ist auch seine entsprechende intellektuelle Eignung erforderlich, so Platon. Philosophie und politische Macht müssen in seinem Idealstaat miteinander einhergehen.
Neben der geeigneten Erziehung der Menschen betrachtet Platon auch gewisse institutionelle Eingriffe in die Gesellschaft als nötig um den Idealstaat verwirklichen zu können. So sind beispielsweise der Gruppe der Wächter und dem Herrscher Privateigentum, Ehe und Familie in Platons Staatsmodell verboten, denn „[d]er vollendete Kommunismus wird allen Zwist unter den Wächtern verhindern und sie zu glücklichen Menschen machen“ 10 .
10 Rosen, Klaus: Griechenland und Rom. In: Geschichte der Politischen Ideen. Von der Antike bis zur
Gegenwart, hg. v. H. Fenske\ D. Mertens \ W. Reinhard \ K. Rosen, Frankfurt\Main 6. Auflage 2001, S.
76.
Arbeit zitieren:
Nathalie Kónya-Jobs, 2004, Kultur und Gesellschaft in Johan Huizingas "Homo Ludens", Robert Pfallers "Die Illusuionen der anderen" und Gunter Gebauers und Christoph Wulfs "Spiel, Ritual, Geste", München, GRIN Verlag GmbH
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