Inhaltsverzeichnis
Georg Büchners Woyzeck im Diskurs der Medizin 0
1. Einleitung 2
2. Mediziner des 17. und 18. Jhs. 3
2.1. Rene Descartes 3
2.2. Julien Offray de La Mettrie 4
3. Büchner als Mediziner 6
3.1. Büchners Werdegang 6
3.2. Probevorlesung über Schädelnerven 7
3.3. Die historischen Vorbilder für die Figur des Doktors 8
3.3.1. Johann Bernhard Wilbrand (1779- 1846) 8
3.3.2. Justus von Liebig 9
4. Textanalysen 11
4.1. Parallelen der historischen Vorbilder zum Doktor und Kritik 11
4.2. Gegensätzliche Naturen/ gesellschaftliche Positionen und sprachliche
Verfahrensweisen______________________________________________________ 13
4.3. Woyzeck als Objekt 15
5. Schlussbetrachtung 17
6. Literaturverzeichnis 18
1
1. Einleitung
Ziel der Hausarbeit ist die Darstellung philosophischer und medizinischer Denkweisen, die Büchner geprägt haben und sich im Fragment Woyzeck niederschlagen.
Der Hauptteil ist in drei große Schritte gegliedert, die trichterförmig vom Allgemeinen zum Besonderen zum Text Woyzeck führen. Die Schlussbetrachtung, soll abschließend einen verbindenden Bogen spannen und deutlich machen, dass das Fragment Woyzeck nicht nur ein literarisches, sondern auch als medizinisches Dokument, Spiegelbild biographischer Erfahrungen des Mediziners Büchner und Gesellschaftskritik der medizinischen Verfahrens- und Denkweisen aufgefasst werden kann.
Aufgrund der Orientierung am Diskurs der Medizin war es notwendig Literatur zu Medizinern und Philosophen, die Büchner gekannt bzw. studiert hat, zu benutzen. Des Weiteren bietet die Literatur zur Natur und Gesellschaftskritik im Woyzeck ein umfassendes Repertoire zur Analyse der Textstellen, in denen Woyzeck auf den Doktor trifft.
2
2. Mediziner des 17. und 18. Jhs. 2.1. Rene`Descartes
Descartes war Philosoph in Den Haag und misstraute in maßloser Kritik allem, meinte aber dann doch, dass es immerhin ihn tatsächlich gibt. Daher gilt nach Descartes: Cogito ergo sum- Ich denke, also bin ich. Allerdings existierten für ihn streng dualistisch einerseits die Welt des Bewusstseins (res cogitans) und anderseits die Welt der Dinge (res extensa). Daher bestehe auch der Mensch aus Leib und Seele, die verknüpft sind durch die Nerven. Descartes stellte sich Nerven als mechanisch wirkende Fäden vor. Die Zirbeldrüse oder auch Epiphyse galt für Descartes als der Sitz der rationalen Seele. Descartes meinte, dass die Seele ein Wesen für sich sei und aus der Zirbeldrüse Gefühle und Leidenschaften entstehen lasse.
Gegenüber Descartes` Weltmechanismus vertritt Büchner den Standpunkt des autonomen Wesens. Für Büchners „sozialen Pessimismus“ ist die Begründung des Weltoptimismus durch Mechanik „die höchste Regression alles Lebendigen“ 1 . Büchner schreibt in Cartesius über Descartes Abhandlungen, dass Descartes die Physiologie aus mathematischen und physikalischen Prinzipien begründet und so „der homme machine [...] vollständig zusammengeschraubt“ 2 wird. Allerdings zieht Descartes noch einen Unterschied zwischen Tier und Mensch und so heißt es: „Tiere sind nichts als seelenlose Maschinen, Automaten; der Hauptgrund warum sich ihnen eine Seele absprechen lässt, liegt in dem Mangel an Sprache.“ 3 Hätten Tiere eine Seele, würden sie schließlich auch Zeichen für ihre Gedanken und Gefühle finden. Insofern ist der Schritt zu La Mettrie wirklich nicht weit, da Descartes nach Büchner die Seele ohnehin schon auf Mechanismus eingestimmt hat. 4
1 Zons, Raimar: Dialektik der Grenze, Bonn 1976, S. 29
2 Sämtliche Werke Briefe und Dokumente, Bd. 2, hg. von Henri Poschmann unter
Zusammenarbeit von Rosemarie Poschmann, Frankfurt a.M. 1999, S. 223
3 Sämtliche Werke, hg. von Henri Poschmann, Bd.2, S. 225, Vgl. auch hierzu Kap. 4.2
4 Vgl. Zons, Raimar: Dialektik der Grenze, S. 29
3
Literatur Descartes`: „Discours de la methode“ 1637, „La description du corps humain“ 1648, „De passions de l`ame 1649.
2.2. Julien Offray de La Mettrie
Mettrie war Arzt in Leiden und Berlin. Er stammte aus Saint Malo, Bretagne und studierte in Leiden. Entgegen aller Überzeugungen der Christen und Animisten (körperliches Befinden gehe auf geistige und seelische Ursachen zurück) behauptete Mettrie, dass der Körper des Menschen auch ohne Seele arbeiten könne und sich auch Gefühle rein mechanisch erklären ließen. Dieser stark materialistische Monismus stand aber auch einerseits im Kontrast zu den Ansichten Descartes (Dualismus). 1748 veröffentlichte Mettrie sein Hauptwerk anonym mit dem Titel „L`homme machine“. Selbst im liberalen Niederland wurde diese Schrift aufgrund der ketzerischen Aussagen verboten. Nach Mettrie ist „der menschliche Körper [...]eine Uhr“ 5 , der wie ein Uhr, auch weiter funktionieren kann, wenn einzelne „Teile“ ausgefallen sind. Um deutlich zu machen, dass die „Seele“ Teil des Körpers ist, stellt Mettrie die rhetorische Frage: „Wenn das, was in meinem Gehirn denkt, nicht ein Teil dieses Eingeweides[...] ist, warum erhitzt sich dann mein Blut?“ 6 , beispielsweise bei gewissen sinnlichen Gedanken. Insofern ist also auch die Seele „nur[...] ein empfindlicher Teil des Gehirns“ 7 , allerdings als Haupttriebfeder. Daher zieht Mettrie keinen Unterschied zwischen Tier und Mensch. Die Züchtung eines Tieres zu einem Menschen wäre reine Erziehungssache und deshalb stellt er fest, dass „der Mensch nur ein Tier“ 8 ist. Man könnte behaupten, so wie es sicherlich auch Büchner kritisch dachte, dass Mettrie Descartes Ansatz einfach nur konsequent zu Ende denkt. Zu dem Dualismus sagt Mettrie kritisch, dass er einfach nicht beobachtbar wäre: „Descartes und alle Cartesianer (...), haben denselben Fehler gemacht.
5 Brahn, Max : De La Mettrie. Der Mensch eine Maschine, Leipzig 1909, S.58
6 Brahn, Max: Der Mensch eine Maschine, S.51
7 Brahn, Max: Der Mensch eine Maschine, S.53
8 Brahn, Max: Der Mensch eine Maschine, S. 53
4
Sie haben zwei bestimmte Substanzen im Menschen angenommen, als ob sie dieselben [...] genau gezählt hätten.“ 9 Mettrie wird bis in die heutige Zeit diskutiert und kritisiert, so auch beispielsweise von Foucault 1975. Für ihn ist der homme machine „ein semantisches Kürzel (...) für den Geist der Dressur, für Kasernierung und Militarisierung des Menschen.“ 10
9 Brahn, Max: Der Mensch eine Maschine, S. 8
10 Jauch, Ursula Pia: Jenseits der Maschine. Philosophie, Ironie und Ästhetik bei Julien
Offray de la Mettrie (1709-1751), Wien 1998, S. 287
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Arbeit zitieren:
Kim Wiesel, 2003, Georg Büchners 'Woyzeck' im Diskurs der Medizin, München, GRIN Verlag GmbH
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