1. Einleitung 1.1. Vorwort
1.2. Was ist Theresienstadt
2. Hauptteil
2.1. Deportationen, Zusammensetzung der
Häftlinge und Gruppenbildung
2.2. Lageralltag
2.3. Das Bild des Ghettos nach außen
2.4. Befreiung des Lagers
3. Schlussteil
3.1. Fazit
Anhang: Literaturverzeichnis
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1. Einleitung 1.1. Vorwort
In der vorliegenden Arbeit beschäftige ich mich mit dem Schicksal der in Theresienstadt internierten Juden. Dazu werde ich zuerst auf die Gründung des Lagers und die Absichten der Nationalsozialisten eingehen. Theresienstadt hatte für sie eine wichtige außenpolitische und propagandistische Bedeutung und diente vor allem als „Vorzeigeghetto“. Von jüdischer Seite aus wollte man versuchen, das Lager aufgrund seiner Produktivität am Leben zu erhalten, um weitere Deportationen in Vernichtungslager wie Auschwitz und Treblinka zu verhindern. Danach folgt eine Darlegung der Lebensumstände in Theresienstadt und abschließend ein kurzes Resumée.
Ich werde im folgenden immer wieder auf die Erlebnisse von Federica Spitzer und Martha Glass, zwei Jüdinnen, die Theresienstadt überlebt haben, zurückgreifen. Federica Spitzer, geboren 1911 in Wien, wurde im Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert. Ihr gelang es vor der Befreiung des Lagers auf einem Transport in die Schweiz zu emigrieren, wo sie nach einem mühsamen Neubeginn wieder als Sekretärin arbeiten konnte. Martha Glass, geborene Stern, wurde 1878 in München-Gladbach geboren. Sie war verheiratet mit Hermann Glass und gemeinsam besaßen sie ein Modegeschäft an der Mönckebergstraße/Ecke Bergstraße 1 . Die Hamburger Jahre verbrachte die Familie wie viele andere, die zum jüdischen Bürgertum der Hansestadt gehörten, in Vierteln wie Rotherbaum, Eppendorf und Harvestehude. Die Tagebücher von Martha Glass wurden nach ihrem Tod im Jahr 1959 von ihrer Tochter Ingeborg Tuteur aufbewahrt, die sie in den 90-er Jahren dem Hamburger Staatsarchiv übergab.
1 Glass, Martha: „Jeder Tag in Theresin ist ein Geschenk“: Die Theresienstädter Tagebücher einer Hamburger
Jüdin 1943-1945“. Hrsg. von Barbara Müller-Wesemann. Hamburg 1996, S.13-S.15
3
1.2. Was ist Theresienstadt
Auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 wurde die bereits begonnene Vernichtung der Juden unter den NS-Behörden koordiniert: rund 11 Millionen europäische Juden sollten in die von den Deutschen besetzten Gebiete im Osten deportiert werden. Juden im Alter von über 65 Jahren, gebrechliche ab 55 Jahren und jüdische Ehepartner aus nicht mehr bestehenden Mischehen sollten in das sogenannte „Altersghetto“ Theresienstadt geschickt werden. Theresienstadt liegt im heutigen Tschechien, ca. 60km nördlich von Prag. Früher war Theresienstadt eine Festungsstadt zur Stationierung von Militär, benannt nach der Kaiserin Maria Theresia. Die Nationalsozialisten funktionierten die Stadt, - die von Deutschland besetzten tschechischen Gebiete wurden 1939 als „Protektorat Böhmen und Mähren“ dem Deutschen Reich angegliedert -, im Zweiten Weltkrieg in ein Ghetto bzw. Durchgangslager um.
Pläne zur Errichtung einer „geschlossenen jüdischen Siedlung unter der Aufsicht der deutschen Behörden“ 2 waren schon Monate zuvor in der IKG Prag (Israelitische Kultusgemeinde) diskutiert worden. Von jüdischer Seite aus sah man eine solche „Siedlung“ als Schutz vor weiteren Deportationen in den Osten. Doch schon die Entstehung des Lagers zeugt von dem Maß der jüdischen Selbsttäuschung, da Theresienstadt vor allem als Durchgangslager in die Vernichtungsstätten Osteuropas diente. Ein genauer Plan der Nationalsozialisten findet sich erstmals in einem Konferenzprogramm vom 10. Oktober 1941: Es war geplant, in Theresienstadt erstens die meisten Juden aus dem Protektorat, sowie aus Deutschland und den westeuropäischen Ländern bestimmte Gruppen von Juden (prominente Personen mit besonderen Verdiensten und alte Menschen) zusammenzuziehen, zweitens die Internierten allmählich von Theresienstadt in Vernichtungslager zu deportieren und drittens die Ermordung der europäischen Juden vor der Weltöffentlichkeit dadurch zu verschleiern, dass man Theresienstadt als eine jüdische Mustersiedlung präsentierte. Im Juni 1942 war die Aussiedlung der ca. 3.700 nicht-jüdischen Einwohnern abgeschlossen und ab da an galt Theresienstadt ausschließlich als Lager.
2 Meyer, Michael A. (Hrsg.): „Deutsch-Jüdische Geschichte in der Neuzeit“. Bd. 4: „Aufbruch und Zerstörung
1918-1945“. München 1997, S.352
4
2. Hauptteil
2.1. Deportationen, Zusammensetzung der Häftlinge und Gruppenbildung Die ersten Juden kamen im November 1941 aus Prag und anderen Städten der Tschechei nach Theresienstadt. Bis zum Mai 1942 wurden 28.887 Juden deportiert, was etwa einem drittel der jüdischen Bevölkerung des Protektorats entsprach. Federica Spitzer wurde am 2. Oktober 1942 nach Theresienstadt gebracht. Ihren Erzählungen zufolge mussten die Ankömmlinge eine sogenannte „Schleuse“ durchlaufen, in der das Gepäck nach verbotenen Gegenständen durchsucht oder aber auch, scheinbar nach Belieben, persönliche, wertvolle Gegenstände von der SS oder tschechischen Gendarmen „beschlagnahmt“ wurden 3 . Im Sommer 1942 kamen tausende Juden aus Deutschland und Österreich in das Lager, zumeist ältere Menschen (70% waren 60 Jahre und älter), die sich den Aufenthalt im Ghetto auf Weisung des Reichssicherheitshauptamtes durch sogenannte „Heimeinkaufverträge“ selbst finanzieren mussten. Sie mussten sich verpflichten, ihr gesamtes bewegliches Kapital für die „Wohnsitzverlegung“ sowie die Unterbringung, Verpflegung und ärztliche Versorgung herzugeben 4 . In der ersten Hälfte des Jahres 1943 hörten die Deportationen auf, aber im weiteren Verlauf brachte man die noch verbliebenen Juden aus den Niederlanden und Dänemark nach Theresienstadt. Die Zusammensetzung der Häftlinge spiegelte die der Juden Mittel- und Westeuropas wieder. Die meisten waren assimilierte Juden, es gab aber auch orthodoxe Juden, Zionisten und Gruppen von Protestanten und Katholiken, die nach den Rassegesetzen als sogenannte „Geltungsjuden“ klassifiziert worden waren. Es gab 71.000 Tschechen, 40.000 Deutsche, 15.000 Österreicher, 4.800 Holländer und 460 Dänen. Das Durchschnittsalter der Männer betrug 44,7 Jahre und das der Frauen 50,1 Jahre; ca. 31.000 der deutschen Gefangenen waren über 61 Jahre alt 5 .
3 vgl. Spitzer, Federica/Weisz, Ruth: „Theresienstadt. Aufzeichnungen von Federica Spitzer und Ruth Weisz.
Mit einem Beitrag von Wolfgang Benz“. Berlin 1997, S.23-S.26
4 Glass, Martha: „Jeder Tag in Theresin ist ein Geschenk“: Die Theresienstädter Tagebücher einer Hamburger
Jüdin 1943-1945“. Hrsg. von Barbara Müller-Wesemann. Hamburg 1996, S.25
5 vgl., Glass, Martha: „Jeder Tag in Theresin ist ein Geschenk“: Die Theresienstädter Tagebücher einer
Hamburger Jüdin 1943-1945“. Hrsg. von Barbara Müller-Wesemann. Hamburg 1996, S. 31
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Arbeit zitieren:
Gesa Brüchmann, 2002, Theresienstadt - Die Geschichte eines deutschen "Vorzeigeghettos", München, GRIN Verlag GmbH
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