Der Text von Birgit Geissler und Mechtild Oechsle beschäftigt sich dem Titel nach mit den Lebenslaufentwürfen junger Frauen in der heutigen Gesellschaft und den damit verbundenen Chancen und Problemen. Die Autorinnen haben den Text in verschiedene Abschnitte unterteilt. Im ersten Teil geht es um die biographische Selbststeuerung und die halbierte Moderne, im zweiten um die Modernisierung des Frauenlebens sowie die rechtliche Gleichheit und die materielle Unabhängigkeit. In den folgenden Abschnitten werden zuerst das Gleichheitspostulat und die doppelte Lebensführung und danach die Lebensplanung als Konstruktion neuer Relationen zwischen Erwerbsarbeit und Familie diskutiert. Daran schließt sich der letzte und ausführlichste Abschnitt an, der ein Entwurf verschiedener Typen der Lebensplanung ist, gefolgt vom letzten Teil, der sich kurz mit der Lebensplanung als Ressource befasst. Ich möchte in diesem Essay der Frage nachgehen, ob und unter welchen Bedingungen Familie bzw. Kinder und Beruf für Frauen in der heutigen Gesellschaft realisierbar sind und welche Vereinbarkeitsproblematik damit einhergeht. Darüber hinaus möchte ich untersuchen, welche Typen der Lebensplanung in Bezug auf diese Frage vorteilhaft sind. Der erste Teil des vorliegenden Textes ist eine Einführung in die sogenannte „biographische Selbststeuerung“. Die Autorinnen berichten hier von der Möglichkeit der Planung des menschlichen Lebens. Das Leben eines Individuums sollte von diesem als Projekt angesehen werden, mit dem in der heutigen Zeit sowohl vielfältige Möglichkeiten in Bezug auf Bildung und Beruf als auch „Risiken der Diskontinuität“ verbunden sind, die es zu beherrschen gilt. Mit dieser Antizipation ist die Eigeninitiative des Individuums verbunden, das heißt die Auseinandersetzung mit den normativen und institutionellen Institutionen und Vorgaben, die der Lebensplanung bestimmte Grenzen setzen. Das planende Verhalten wird in diesem Zusammenhang vor allem auf Männer bezogen, da sie voll in den Arbeitsmarkt integriert sind. Bei diesen geschlechtsspezifischen Lebenslaufmodellen wird der Frau keine selbständige Planung zugeschrieben. Frauen waren früher eher beschränkt auf Ehe und Familie und in Bezug auf die soziale (Ab-) Sicherung und den Lebensunterhalt auf den Mann angewiesen. Ihnen wurde in der Erwerbsarbeit kein Platz eingeräumt und darüber hinaus würden nur „widrige Umstände“ die Frauen zur Erwerbsarbeit, das heißt zu abweichenden Verhalten, zwingen.
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Es ist offensichtlich, dass eine solch klare Verteilung der Rollen und damit eine geschlechtsspezifische Lebenslaufplanung und Biographie von Männern und Frauen heute nicht mehr aktuell ist sondern dass sich in dieser Beziehung ein Wandel sowie eine Modernisierung vollzogen haben.
Im zweiten Abschnitt stellen Geissler/Oechsle die These auf, dass „die traditionelle Lebensführung und der auf die Ehe bezogene weibliche Normal-Lebenslauf keine Geltung mehr haben und sie keine das Handeln anleitende Sinnstrukturen herstellen können“. Genau wie die Autorinnen bin ich der Meinung, dass es für junge Frauen in unserer Gesellschaft heue keine einheitlichen und allgemeinen biographischen Leitlinien mehr gibt. Frauen verbinden damit auf der einen Seite einen Sicherheitsverlust und fühlen sich zudem oft von ihren Pflichten und der geforderten Eigeninitiative ü-berfordert. In dem Text wird die Aussage einer Industriekauffrau wiedergegeben, die treffenderweise sagt: „ Jetzt muss man ja überall funktionieren.“ So wie sie haben meinem Wissen nach viele Frauen Befürchtungen, den doppelten Anforderungen nicht zu genügen. Sie müssen im Beruf „ihren Mann stehen“ und dürfen gleichzeitig ihre Weiblichkeit nicht verlieren. Es gibt aber auch Frauen, dem Text nach ist dies die Mehrheit, die ihre „neue Freiheit“ in Bezug auf die Wahl einer angemessenen Lebensführung genießen und die die vergrößerten Handlungsspielräume und Wahlmöglichkeiten als Chance und Herausforderung sehen. Nach der Schulzeit stehen für die Frau nicht mehr Ehe und Familiengründung auf der Tagesordnung, sondern es gibt viele verschiedene Entwicklungs- und Entscheidungsmöglichkeiten, die zur personalen und sozialen Verselbständigung und zu einer autonomen Lebensführung genutzt werden können. Diese neue Selbständigkeit setzt aber auch eine zeitliche Verschiebung der Geburt eine Kindes voraus, da ein Kind auch heute noch die Möglichkeiten der Frau zum Teil stark einschränkt und somit einer unabhängigen Selbständigkeit entgegenwirkt.
Das dritte Kapitel des Textes verdeutlicht, dass die Strukturen der modernen Familie den Frauen eine individuelle Planung ermöglichen, stellt aber auch dar, dass dieses Planen vorausgesetzt wird. Materielle Unabhängigkeit ist heute für viele Frauen von großer Bedeutung, denn meiner Meinung nach ist sie eine Grundvoraussetzung für eine individuelle und selbstbestimmte Lebensplanung.
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Aber trotz all dieser Möglichkeiten ist die Lebensplanung von Frauen aus dem einfachen Grund, dass sie, wenn sie Kinder haben, nicht ihr Leben lang voll erwerbstätig sind, nicht mit der der Männer gleichzusetzen. Die volle Arbeitsmarktintegration wird durch Kinder eingeschränkt und ist ein, wenn nicht sogar der wichtigste Unterschied zum Lebenslaufmodell der Männer. Aus diesem Problem hat sich dem Text zufolge die „doppelte Lebensführung“ durchgesetzt, die heute wohl auf die meisten berufstätigen Mütter zutrifft. Dabei werden zum einen die beruflichen und zum anderen die familiären Pflichten versucht zu vereinbaren. Dieses „Doppelgesicht der Individualisierung“ kann in beruflicher Hinsicht eine Art Befreiung und Selbstverwirklichung sein, in familiärer Hinsicht ist es aber auch eine Hürde, die es zu überwinden gilt. Gerade in Krisensituationen gibt es keine Institutionen, die die doppelte Lebensführung der Frauen unterstützen oder eine Absicherung bieten würden. Aus diesem Problem ist der Begriff der „Vereinbarkeitsproblematik“ entstanden. Aber trotz dieser Vereinbarkeitsproblematik nehmen Frauen die doppelte (Heraus-) Forderung an und stellen sich den neuen Anforderungen, denn sie wissen, dass das alte Lebenslaufmodell keine Gültigkeit mehr besitzt. Die Autorinnen Geissler/Oechsle nennen dies das Finden einer „Relation zwischen Erwerbsarbeit und Partnerschaft/Familie“ und Halten deshalb die „Konstruktion neuer weiblicher Lebenslaufmodelle“ für unumgänglich. Mit dem Wandel der Stellung sowie der Rolle der Frau ist es unter anderem auch notwendig geworden, die gesellschaftliche Integration, die Sicherung des Lebensunterhaltes, familiäre Beziehungen und eine Stabilisierung der Geschlechtsidentität neu zu definieren.
Als Frau muss man sich entscheiden, ob beziehungsweise wie lange das eigene Einkommen existenzsichernd sein soll oder ob man irgendwann auf den Unterhalt des Ehepartners angewiesen sein will.
Aus diesem Grund werden im fünften Teil des Textes die Typen der Lebensplanung für Frauen in einem Alter von 20-30 Jahren vorgestellt. Dies sollen den Autorinnen zufolge neue Modelle des Frauenlebens sowie typisierbare Lösungsansätze sein. Geissler/Oechsle unterscheiden vier verschieden Arten:
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Arbeit zitieren:
Gesa Brüchmann, 2001, Wandel und Kontinuität im Verhältnis von Familie und Beruf in Ost- und Westdeutschland, München, GRIN Verlag GmbH
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