Einleitung 3
1.1 Historischer Rückblick 4
1.2 Die Situation von Mädchen und jungen Frauen in der JSA 5
1.3 KJHG (SGB VIII) / Neue Steuerung und Qualitätsentwicklung, aber keine 8
Gleichberechtigung 8
2. Politische Zusammenhänge 10
2.1 Zukunftsängste 10
2.2 Recht auf freie Berufswahl 11
2.3 Strukturbedingte Benachteiligungsursachen 11
2.4 Kinder- und Jugendhilfe 12
2.5 Mädchenarbeit 12
2.6 Jugendberufshilfe 13
2.7 Ernstnahme der Interessen von Mädchen 13
3. Jungensozialarbeit 14
3.1 "Richtig" Mann werden 14
3.2 Entstabilisierung konventioneller Identitätskonzepte 14
3.4 Scheitern am Arbeitsmarkt als Scheitern an der Mannwerdung 15
3.5 Chancen und Aussichten geschlechtsreflektierender Jungenarbeit 15
4Schlusskommentar 16
Literatur 17
2
Einleitung
Während meines einjährigen Praktikums und meiner darauffolgenden Ausbildung beim Diakonischen Werk Mönchengladbach e.V. bin ich mit vielen verschiedenen Wirkungsfeldern der Sozialarbeit und -pädagogik konfrontiert worden. Unter anderem mit Obdachlosen, Suchtkranken, Arbeitslosen, Senioren in stationärer Betreuung und auch Senioren oder anderen Bedürftigen, denen aufsuchende Hilfe in verschiedener Form zuteil wurde.
Mit dem Thema "Jungen- und Mädchenförderung in der Jugendsozialarbeit" verbinde ich einerseits das allgemeine Interesse an Informationen über ein, für mich nur dem Begriff nach bekanntes, Feld der Sozialarbeit/-pädagogik und andererseits auch das spezielle Interesse an der deutlichen Splittung eines Arbeitsgebietes.
Ich setze erwartend voraus, dass es nicht nur bei der begrifflichen Trennung bleibt. Weiter erwarte ich, dass hier die Aufgaben ebenso klar definiert und die Möglichkeiten genauso zahlreich sind wie in anderen Bereichen.
Jedoch befürchte ich, dass diese Aufgliederung dem Begriff nach wieder fast nur mit dem allgegenwärtigen Geschlechterkampf zu tun hat. Mit der gesellschaft- lichen Unterdrückung weiblicher Bedürfnisse und der Überbewertung der männlichen (rein oberflächlichen) Urrolle/-aufgabe.
3
1. Mädchensozialarbeit
Jungfrauenvereine, Mädchensozialarbeit & -arbeit 1
1.1 Historischer Rückblick
Erst seit den 50ern ist die Jugend- und Mädchensozialarbeit begrifflich im Vokabular der Fachwelt eingeführt worden. Allerdings hat es schon im 19. Jahrhundert die Vor-und Fürsorge für die oben erwähnte Zielgruppe gegeben. Hier ist besonders auf die katholische Mädchenarbeit hinzuweisen. 1845 gründete Johann Gregor Breuer den Wuppertaler "Mädchenverein", der eigentlich ein Gesangsverein sein sollte und aber die jungen Mädchen in praktischen Dingen des Lebens sowie bildungsfördernd unterstützte. Zwei Jahre später war die Gründung des "Jungfrauenvereins" durch Breuer, der vorbeugende Arbeit im Bereich der Gefahren für katholische Dienstmädchen leistete. Seit 1850/54 gab es in Köln und Berlin katholische Mägdeherbergen und -häuser, die von Kolping und Fliedner errichtet worden. 1895 war der Beginn des in München gegründeten Laienvereins "Marianischer Mädchenschutz". Eine/r seiner GründerInnen war Luise Fogt, die den Leitspruch prägte: "Mädchenschutz muss Hilfe zur Selbsthilfe sein" 2 . 1907 wurde er "klerikalisiert" 3 . Seine Hauptarbeit lag in der Stellenvermittlung, Bahnhofsmission sowie in der Vorbildung für Haus und Beruf. 1897 war das Entstehungsjahr des internationalen Mädchen-Schutzvereins aus Freiburg/Schweiz. Ab 1923/28 war der Einsatz von hauptamtlichen Berufskräften auf dem Vormarsch, bis dahin fanden sich nur Ehrenamtlerinnen aus den oberen Gesellschaftsschichten in diesen Positionen. Die enge Zusammenarbeit mit Nonnen hatte eine große Bedeutung für das Erlernen der Haushaltsführung und für die Sensibilisierung von "höher gestellten Mädchen" für die Mädchenschutzarbeit. 4
1 Vgl. WERTHMANNS-REPPEKUS, Ulrike: Jungfrauenvereine - Mädchensozialarbeit - Mädchenarbeit. In: Paul FÜLBIER, Richard MÜNCHMEIER (Hrsg.): Handbuch Jugendsozialarbeit, Bd. 1. 2. Aufl. Münster: Votum Verlag 2002, S. 549.
2 A.a.O., S. 549.
3 A.a.O., S. 549.; verkirchlicht
4 Vgl. a.a.O., S. 549 f.
4
In der NS-Zeit konnte der Verein seine Tätigkeit nur noch partiell ausüben, kooperierend mit der "wandernden Kirche". 1945 ist in Köln parallel zur Mädchenschutzarbeit ein Heim für heimatlose Mädchen von der "Heimstatt-Bewegung" durch Vospohl errichtet worden. Deren Leitfaden "die Pädagogik des Vertrauens, der Freiheit und der inneren Entscheidung sowie die systematische Berufserziehung" 5 gewesen sind. 1964 fand dann in Rom der internationale Kongress der Mädchenschutzvereine statt, wo der bis heute gültige Name "IN VIA" ins Leben gerufen wurde. Er steht nach wie vor für katholische Mädchensozialarbeit schlechthin. 6
Geschichtlich geht es hier um eine fesselnd wirkende Zusammenballung von religiösem Traditionalismus und lebenspraktischer Modernität. Die Laiengründungen waren zwar gegen die Verkirchlichung, wehrten sich aber nicht gegen die doch nachträglich stattfindende Übernahme. Die feministische Bewegung in den 70ern sympathisierte keineswegs mit den Traditionen der katholischen Mädchensozialarbeit und den Patriarchalismus hierin kritisierte sie vehement. 7
1.2 Die Situation von Mädchen und jungen Frauen in der JSA
Es ist also deutlich geworden, dass schon damals Mädchen und junge Frauen sowie alles was mit ihren Belangen zu tun hatte, Thema in der Jugendhilfe gewesen ist, die heute Jugendsozialarbeit (§ 13 KJHG) heißt. Bis Mitte 1960 befasste sich die Mädchenerziehung mit der Vorbereitung auf die Rolle der Zielgruppe als Hausfrauen und Mütter. 1956 forderte die Kommission für Mädchenfragen Mittel im Bundesjungendplan für die Berufsvorbereitung und -findung, aber stets einseitig mit dem Unterton der Arbeit im Hausfrauen- und Mütterbereich, welche zu dieser Zeit noch als spezifische Anlage des weiblichen Geschlechts bezüglich Familie und Ehe galt. 8
5 WERTHMANNS-REPPEKUS: Jungfrauenvereine..., a.a.O., S. 550.
6 Vgl. a.a.O., S. 550.
7 Vgl. a.a.O., S. 550 f.
8 Vgl. a.a.O., S. 551.
5
Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz.Päd. Mario Kilian Diederichs, 2003, Jungen- und Mädchenförderung in der Jugendsozialarbeit, München, GRIN Verlag GmbH
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