Inhalt
Einleitung. 3
1. Die Geschichte der Suchtprävention in Deutschland. 4
2. Begrifflichkeiten 8
3. Konzepte Vorgehensweisen. 11
3.1. Prävention. 11
3.2. Weitere Konzepte 13
4. Zielgruppen. 15
4.1. Multiplikatoren. 15
4.2. Kinder Jugendliche 16
4.3. Mädchen Jungen 17
5. Arbeitsfelder 19
6. Zukunft Probleme. 22
Schlusskommentar 23
Literatur 25
Prospekte 26
2
Einleitung
Die Motivation für dieses Thema läßt sich an zwei Hintergründen erklären.
Einerseits ist es natürlich die berufliche Qualifikation, die ich anstrebe. Ich möchte mein Fachwissen aus dem Studium der Sozialpädagogik um den Aspekt der Suchtprävention erweitern und ich gehe davon aus, dass mir dies über die Recherchen in der mir vorliegenden Literatur gelingen wird.
Andererseits gibt es ein großes privates Interesse an dem Thema. Da ich vor gut drei Jahren eine Patenschaft übernehmen durfte, interessieren mich neben vielen anderen Formen der Absicherung und des Schutzes jenes Kindes auch die Möglichkeiten der in Zukunft hier wohl angebrachten Suchtprävention. Daher verwundert es sicher nicht, dass mein Fokus auf der Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen liegt.
Ich werde zu Beginn einen historischen Abriss aufzeigen, bevor ich über die Erklärung von Begriffen und den Merkmalen aus struktureller Sicht, zur Verdeutlichung der von mir gesetzten Zielgruppen komme. Danach widme ich mich den Konzepten sowie den strategischen Herangehensweisen und den Arbeitsfeldern, abschließend werde ich die Probleme und die Aufgaben der Zukunft in der Suchtprävention behandeln.
3
1. Die Geschichte der Suchtprävention in Deutschland
Mit der flächendeckenderen Streuung der - aus Sicht von spätestens 1971illegalen Drogen ging auch die „neuere Drogen- und Suchtdiskussion...“ 1 hierzulande seit dem Ende der 60er Jahre einher.
Die Anstöße waren hier durch eine „... Dramatisierung des Gebrauchs illegaler Drogen...“ 2 geprägt. Jene beinhaltete mehr die „...besonderen Entwicklungsbedingungen und symbolischen Implikationen des so genannten ‚Drogenproblems’...“ 3 als die tatsächlich existenten Gefahren. 1971 wurde als eine Maßnahme das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und als zweite eine Drogenprävention eingeführt. Dies diente dem Kampf gegen die sog. Drogenwelle, die zusammen mit der damaligen Hippiebewegung als Zeichen des Protests gegen gesellschaftliche Konventionen sowie Autoritäten verstanden wurden. Im selben Jahr wurden Drogenlehrprogramme an Schulen und vier Jahre zuvor die Gründung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung zu den historischen Zeichen des Anfangs der aktuelleren Suchtprävention. 4 Etwa siebzig Jahre zuvor gab es aber schon „Mäßigkeits- und Abstinenzbewegungen“ 5 gegen die „... bis heute unangefochtene Hauptdroge in unserer Gesellschaft“ 6 - den Alkohol. Im Dritten Reich wurden Präventionsprogramme mit repressiven Zwangsmitteln verbunden. „... Entmündigung und Zwangseinweisung [...] und mit rassenhygienisch motivierten Ausmerzbestrebungen und Zwangssterilisationen... (Spode 1998, 109f)“ 7 von Alkoholikern waren die Folge einer zwiespältigen Politik. Der Alkoholismus wurde in der BRD erst 1968 als Krankheit begriffen, bei der WHO schon in den 50ern. Die Suchtprävention konzentrierte sich damals überwiegend auf die faktische und eingebildete Gefährlichkeit der Drogen. 8
1 STING, Stephan; BLUM, Cornelia: Soziale Arbeit in der Suchtprävention. München: Ernst Reinhardt Verlag 2003, S. 13.
2 A.a.O., S. 13.
3 A.a.O., S. 13.
4 Vgl. a.a.O., S. 13.
5 A.a.O., S. 14.
6 A.a.O., S. 14.
7 A.a.O., S. 14.
8 Vgl. a.a.O., S. 14.
4
Das Inkrafttreten des BtMG brachte schnell die Begleiterscheinung der Kriminalisierung des Drogenkonsums mit sich. Das wurde noch durch die damals vorherrschenden Strategien zur Prävention gedeckt, die sich einer Dämonisierung und Mythisierung der illegalen Drogen sowie ihrer Konsumenten zur Abschreckung bediente. Dadurch steht die Suchprävention wiederum noch heute unter dem Misstrauen, dass sie eine „... Kontroll- und Defizitlogik, die das Verhalten ihrer Zielgruppen verändernd beeinflussen will, und dabei die illusionäre Norm des rationalen, allseits nüchternen und drogenfreien Menschen auszeichnet (Schneider 2002; Lindner/Freund 2001)“ 9 , verbreitet. Dieser eingeschlagene Weg hatte ambivalente Konsequenzen. Die Nichtkonsumenten wurden in ihrer Anti-Drogen-Einstellung bestärkt. Das Lager der Konsumenten splittete sich in zwei Lager auf. Die Cannabiskonsumenten, die mittlerweile über die Hälfte aller Rauschgiftdelikte ausmachen, und die Heroinkonsumenten. Letztere fand man in der sog. „’harten’ Drogenszene“ 10 . Die Kriminalisierung nährte nur die Beschaffungskriminalität im Bereich der illegalen Drogen und das Mittel der Abschreckung in der Drogenprävention schlug fehl. Der Anstieg des Konsums ließ sich damit nicht verhindern. Zwischen 1980 und 1985 führte dies zu einer Umorientierung in der Vorgehensweise. Die Drogenprävention verstand sich von nun an endgültig als Suchtprävention und klammerte den strafrechtlichen Aspekt aus ihrer Arbeit aus. Dafür konzentrierte sie sich umso mehr auf die Ursachen einer Sucht. Die Suchtkranken wurden jetzt in den vielschichtigen Verlauf ihrer Krankheit rege miteinbezogen und die Unterscheidung zwischen illegalen sowie legalen Drogen stand in der Präventionsarbeit nicht mehr zur Debatte. „Sucht wurde als multifaktorielles Geschehen, das über die Droge hinaus auch durch Persönlichkeitsmerkmale und soziale Faktoren bedingt war, betrachtet.“ 11
Der bloße Konsum von Drogen wurde nun von der Sucht oder Abhängigkeit hingegen stark abgetrennt.
9 STING; BLUM: Soziale Arbeit in der Suchtprävention., a.a.O., S. 14.
10 A.a.O., S. 15.
11 A.a.O., S. 16.
5
Suchtprävention war nunmehr gehalten sich an den Gründen für eine Suchtgeschichte zu orientieren und bezog auch etwaige Mängel und Schwierigkeiten in einer Charaktere mit in ihre Arbeit ein. Suchtverhalten wurde als „’ausweichendes Verhalten’ betrachtet, das aus einem Mangel an Selbstbewusstsein und Konfliktbzw. Problemlösefähigkeit resultiert (Harten 1996, 32)“ 12 Auf der anderen Seite stand die auf die Entwicklung bezogene Funktionalität des Konsums von Alkohol und Drogen bei Jugendlichen. Die Entwicklungsförderung wurde zu einem neuen Ausgangspunkt, ebenso die Stärkung der Handlungskompetenz und die Findung von funktional Entsprechendem zum Konsum von Drogen.
Die Konzentration lag hier auf den Zielgruppen und den suchtunspezifischen Wegen weg vom Konsum, die damals in den verschiedenen Disziplinen der Pädagogik gefunden worden.
In den 90er Jahren machten der Anstieg der Drogentotenzahl und der beschlossene Nationale Rauschgiftbekämpfungsplan eine weitere Umstellung in der Suchtprävention unabdingbar. Sie wurde „... zu einer gesamtgesellschaftlichen Aufgabe erhoben und den Leitorientierungen ‚Abstinenz bei illegalen Drogen’, ‚möglichst weitgehende Abstinenz bei Tabak’ und ‚verantwortlicher und selbstkontrollierter Konsum von Alkohol’ unterstellt (Hüllinghorst 1994, 160f)“ 13 . Das Besondere hierbei war die neue Beschäftigung mit Alkohol und Tabak als legale Suchtstoffe, sowie noch mehr mit den substanzunspezifischen Süchten, wie etwa Magersucht. Der Ausbau des Suchtbegriffs wurde durch diese verhaltensbedingten Süchte aktiviert. Jene sind durch Zwanghaftigkeit, Wiederholung und Kontrollverlust geformt. Das stets unspezifische und generalistische Handeln der Suchtprävention fand hierdurch Bekräftigung. Die Gesundheitsförderung verlieh ihr einen Qualifikationsauftrieb und die Lebenskompetenzförderung bestimmt hier den Mainstream bis heute. 14
12 STING; BLUM: Soziale Arbeit in der Suchtprävention., a.a.O., S. 16.
13 A.a.O., S. 17.
14 Vgl. a.a.O., S. 17.
6
Allerdings war die o.g. Abstinenz schon lange ein Störfaktor für die Aktiven in der Drogenhilfe, denn als Voraussetzung für die Partizipierung am Hilfesystem, führte jene i.d.R. überwiegend zum Ausschluss von denen, welche die Hilfe am nötigsten brauchten. In Zusammenhang mit der AIDS-Krise entstand nun die akzeptierende Drogenarbeit, die überwiegend am Rande der Legalität stattfindet. 15 Ebenso wuchs das Verständnis für die Sekundärprävention (auch siehe 3.) und die verstärkte Konzentration auf die Schadensminimierung bei bereits konsumierenden Personen an.
Abseits des Mainstreams keimen auch noch Ideen auf, die den Begriff der Prävention außen vor lassen und eher von einer pädagogischen Begleitung sprechen. Sie machen es sich zur Aufgabe die jeweiligen Risikokompetenzen und/oder eine Drogenerziehung zu fördern. 16
15 Konsumräume, niedrigschwellige Kontaktcafés, Substitutionstherapien
16 Vgl. STING; BLUM: Soziale Arbeit in der Suchtprävention., a.a.O., S. 18 ff.
7
Arbeit zitieren:
Dipl.-Soz.Päd. Mario Kilian Diederichs, 2006, Suchtprävention, insbesondere auch bei Kindern und Jugendlichen, München, GRIN Verlag GmbH
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