Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
Einleitung. 2
1. Der Gegenstandscharakter der Geschichte 3
1.1 Definition des Geschichtsbegriffs. 3
1.2 Der Doppelbegriff der Geschichte 4
2. Geschichtsbewusstsein und Historische Imagination 5
2.1 Geschichte - die Rekonstruktion der Vergangenheit. 5
2.2 Vergegenwärtigung als Voraussetzung für den Umgang mit Geschichte 6
2.3 Von den Bildern der Vergangenheit 7
3. Von Fakten und Fiktionen - Probleme des Erkenntnisgewinns und der
Wissensvermittlung. 9
4. Der Barbarossa-Mythos 13
4.1 Der Tod Friedrich I. während des dritten Kreuzzugs 13
4.2 Der Eingang Barbarossas in die Sagenwelt 15
5. Schlussbetrachtung und didaktische Folgerungen 17
6. Literaturverzeichnis 19
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Einleitung
„Was ist Geschichte überhaupt?“ Diese Frage wurde mir während des letzten Semesters im Fachdidaktikseminar „Musik und Geschichte“ an der Hochschule für Musik und Theater gestellt. Es folgten verwirrte Blicke, betretenes Schweigen und daraufhin verzweifelte Versuche in Worte zu fassen, womit ich mich bereits seit zweieinhalb Jahren fast täglich beschäftige. In diesem Augenblick wurde mir bewusst, wie schwer es eigentlich ist den Begriff Geschichte zu definieren.
Was ist Geschichte? Eine Erklärung dafür zu finden ist nicht leicht, kann man sie doch weder sehen, noch fühlen oder anfassen. Was wir mit unseren Sinnen erfassen können sind die Überreste der Vergangenheit, aber ist es das allein, was Geschichte ausmacht? Wohl kaum. Wenn man dann zur Einsicht gelangt ist, dass Geschichte mit der Vergangenheit zu tun hat, ist man der Klärung des Begriffs noch nicht wesentlich näher gekommen, dafür stellen sich neue Fragen und Probleme. Wenn Geschichte vergangen ist, wie gewinnen wir unser Wissen darüber? Wie können wir beurteilen, auf welche Weise sich Dinge zugetragen haben? Gibt es überhaupt eine historische Wahrheit, exakte Ergebnisse, wie sie beispielsweise die Naturwissenschaften liefern oder sind all unsere Erkenntnisse rein spekulativ? Gerät ein Student der Geschichte schon in Bedrängnis, wenn er mit Grundsatzfragen seines Fachs konfrontiert wird, wie muss es dann einem Schüler gehen, der sich einmal, höchstens zweimal pro Woche im Unterricht mit geschichtlichen Themen beschäftigt.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit dem historischen Erkenntnisgewinn. Sie versucht zu klären, ob es überhaupt möglich ist, historische Tatsachen festzustellen. Falls ja, mit welchen Mitteln kann dies erreicht werden? Gleichzeitig zeigt sie am Beispiel des Barbarossa-Mythos auch auf, wie schmal der Grat zwischen vermeintlichen Fakten, Fiktionen und Verfälschungen ist. Schließlich werden die gewonnenen Ergebnisse genutzt um Anforderungen an einen Geschichtsunterricht zu formulieren, der es versteht die Faszination, gleichzeitig aber auch die Komplexität des Faches schülergerecht zu vermitteln.
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1. Der Gegenstandscharakter der Geschichte
1.1 Definition des Geschichtsbegriffs
Obwohl wir alle, nicht nur Schüler und Studenten, mit dem Begriff „Geschichte“ jeden Tag umgehen, können wohl nur wenige auf die Frage antworten, was denn Geschichte eigentlich sei. Den Gegenstandscharakter der Geschichte zu definieren fällt schwer, da das Fach einen fassbaren Gegenstand in dem Sinne nicht besitzt. Im Unterschied zu den Naturwissenschaften mangelt es den Geisteswissenschaften oft an Anschaulichkeit. Man kann die Dinge, von denen erzählt wird, oft nicht sehen oder gar anfassen. Daher ist der Geschichtsbegriff nur schwer zu fixieren.
Was ist Geschichte? Zunächst einmal ist es der zeitliche Ablauf allen Geschehens in der Natur und Gesellschaft in der Vergangenheit. Zeitlich bedeutet, Geschichte ist ein Verlaufsprozess, welcher in der Vergangenheit beginnt und in der Gegenwart endet. Das Wort Vergangenheit besagt, Geschichte ist unumkehrbar. Sie ist einmalig und nicht wiederholbar. 1 Joachim ROHLFES grenzt den Begriff weiter ein, wenn er meint: bezüglich der Geschichte sei „alles relevant, was zur zeitlichen Existenz des Menschen und seiner Hervorbringungen gehört.“ 2 Er stellt also den Menschen in den Mittelpunkt geschichtlicher Betrachtungen. Dabei schließt er aber eindeutig alle Zeitperioden vor der Entstehung des Menschen aus. Dies ist insofern berechtigt, da es andere Wissenschaften wie die Archäologie und die Astrophysik gibt, die sich beispielsweise mit der Entstehung der Erde oder der Existenz der Dinosaurier beschäftigen. Nicht umsonst beginnt das Unterrichtsfach Geschichte inhaltlich mit der Urgesellschaft und dem Urmenschen. Die Bezeichnung für jenes Fachgebiet, mit dem wir uns heutzutage beschäftigen, ist eine begriffliche Neuschöpfung des 18. Jahrhunderts. Aus den „Geschichten“ (Historien) wurde die „Geschichte“ und damit ein „regulativer Begriff für alle gemachte und noch zu machende Erfahrung.“ 3,4
1 BAYER, Erich: Wörterbuch zur Geschichte. Stuttgart 1974. S. 179.
2 ROHLFES, Joachim: Geschichte und ihre Didaktik. Göttingen 2005. S. 28.
3 Ebenda, S. 28.
4 KOSELLECK, Reinhard: Geschichte, Geschichten und formale Zeitstrukturen. in: KOSELLECK, Reinhard;
STEMPEL, Wolf-Dieter [Hrsg.]: Geschichte - Ereignis und Erzählung. München 1990. S. 211.
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Rohlfes erwähnt weiterhin, dass alle Sachverhalte der Geschichte auch für andere
wissenschaftliche Disziplinen von Belang sind, wie die Politologie, die
Sozialwissenschaften oder die Rechts- und Wirtschaftswissenschaften. Hier gibt es breite
inhaltliche Überschneidungen. 5
Von den Naturwissenschaften unterscheidet sich die Geschichte als Geistes- und
Kulturwissenschaft in ihrem Exaktheitsgrad. Geschichtliche Erkenntnisse können nicht
durch Experimente wiederholt und somit bewiesen werden. Ebenso gibt es keine
unumst ößlichen Naturgesetze, welche sich auf die Geschichte anwenden ließen. 6
Geschichte beruht zu einem großen Teil auf Wahrscheinlichkeiten.
1.2 Der Doppelbegriff der Geschichte
Wir alle verwenden den Begriff „Geschichte“ allzu leichtfertig und vergessen dabei oft,
dass dieser vielschichtig ist, und dass daher bei einer weiterführenden Definition des
Terminus differenziert werden muss.
Der Begriff Geschichte besitzt einen doppelten Charakter. Er bezeichnet zum einen das,
was geschehen ist, die Ereignisgeschichte, den objektive Gegenstand oder die res gestae.
Zum anderen benennt er aber auch die Kunde oder Erzählung von jenen Ereignissen,
bzw. deren Darstellung - die historia rerum gestarum. Diese ist Gegenstand der
Geschichtswissenschaft , welche sich mit der Geschichtsforschung und
Geschichtsschreibung beschäftigt, um Ursachen und Zusammenhänge zu erkennen und
historische Ereignisse zu deuten. Dadurch erfolgt ein subjektiver Zugriff auf die
Geschichte mit dem Ziel, diese zu verstehen und zu erklären. 7
Der Januskopf auf dem Einband zu KLUXENS Werk „Vorlesung zur Geschichtstheorie I“
stellt den Doppelcharakter der Geschichte besonders treffend dar. 8
5 ROHLFES, Joachim: Geschichte und ihre Didaktik (wie Anm. 2) S. 28.
6 FUCHS, Konrad RAAB, Heribert: Wörterbuch zur Geschichte. München 1972. S. 300.
7 BIALAS, Wolfgang: Geschichte. in: Handbuch der Geschichtsdidaktik. Seelze-Velber 1997. S. 111.
8 KLUXEN, Kurt: Vorlesung zur Geschichtstheorie I. Paderborn 1974.
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2. Geschichtsbewusstsein und Historische Imagination
2.1 Geschichte - die Rekonstruktion der Vergangenheit
Geschichte kann sich stets nur auf Geschehenes, Vergangenes beziehen. Sie ist nur dem Menschen zueigen, weil dieser ein vernunftbegabtes und bewusst handelndes Individuum ist, denn Geschichte entsteht nicht aus den Überresten vergangener Zeiten allein. „Die Quellen sprechen für sich“, so heißt es. Doch das stimmt nicht. Geschichte muss erst aus diesen rekonstruiert und vergegenwärtigt - bewusst gemacht werden. Kurt KLUXEN geht so weit zu sagen: „Geschichte gibt es nur in den Köpfen der Menschen“. 9 Diese aber haben immer einen subjektiven Blick auf die Vergangenheit, so dass das Gebot Leopold von RANKES, nur „zu zeigen, wie es wirklich war“, ein ewiger Wunschtraum bleiben wird. 10
Geschichte ist eben nur das Abbild des Vergangenen, die Rekonstruktion dessen. Eine Rekonstruktion, weil es die Aufgabe des Wissenschaftlers ist, eine möglichst irrtumsfreie Wiederherstellung der Vergangenheit zu ermöglichen, zugleich ist es auch eine Rekonstruktion, weil die erforschte „zweite Wirklichkeit“ nichts Absolutes und Endgültiges ist, sondern immer abhängig bleibt von „Selektion, Abgrenzung und Perspektive“. 11 Sie ist gleichzeitig immer an die „Erkenntnismöglichkeiten, Deutungswünsche und lebensweltlichen Fragestellungen einer Gegenwart gebunden“. 12 Es ist aber nicht allein diese Rekonstruktion der Vergangenheit, welche die Geschichte „neu entstehen“ lässt. Geschichte muss erleb- und erfahrbar und zu diesem Zweck bewusst gemacht werden. Das Geschichtsbewusstsein ist demnach unerlässlich für den Umgang mit der Vergangenheit.
9 zitiert nach: ROHLFES, Joachim: Geschichte und ihre Didaktik. S. 29.
10 zitiert nach: FUCHS, Konrad; RAAB, Heribert: Wörterbuch zur Geschichte (wie Anm. 6). S. 300.
11 SCHÖRKEN, Rolf: Begegnungen mit Geschichte. Stuttgart 1995. S. 11 f.
12 JEISMANN, Karl-Ernst: Geschichtsbewußtsein. in: Handbuch der Geschichtsdidaktik (wie Anm. 7). S. 42.
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Arbeit zitieren:
Martin Schröder, 2005, Fakten und Fiktionen - Wissensvermittlung und Wahrheitsfindung als geschichtsdidaktisches Problem , München, GRIN Verlag GmbH
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