Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis 1
Einleitung. 2
1. Was ist Folk Music? 4
2. Die Entwicklung der schwedischen Folk Music im Überblick 6
3. Fiddling Tradition 8
4. Nyckelharpa Folk und Piping Tradition 11
5. Kulning und Balladentradition. 14
6. Folk Rock am Beispiel Garmarnas 18
Folk Chamber Music: 18
Drone Rock: 19
7. Fazit. 23
8. Anhang. 24
9. Literaturverzeichnis 28
Websites: 29
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Einleitung
In den neunziger Jahren erlebte eine bestimmte Musiksparte, die es bis dato in der Form eigentlich noch gar nicht gab, eine ungeahnte Blüte. Mit dem sensationellen Erfolg des Buena Vista Social Club und den rasant ansteigenden Verkaufszahlen von Tonträgern wurde eine Branche beim Publikum und auf dem Musikmarkt etabliert, welche vorher allenfalls ein Schattendasein geführt hatte: die World Music.
Die Menschen begannen sich plötzlich für die traditionelle Musik aus den verschiedensten Ländern zu interessieren. Es kam zu einem ungemein fruchtbaren kulturellen Austausch, zu Crossover- und Fusion-Projekten, bei denen traditionelle Musikelemente mit denen der Pop- und Rockmusik vermischt wurden. Künstler, die vorher ausschließlich einem kleinen interessierten Publikum bekannt waren, wurden für den breiten Markt entdeckt. Ein gutes Beispiel ist der senegalesische Sänger Youssou N’Dour, welcher die Popularmusik seines Landes entscheidend geprägt hat. Im Zuge des Weltmusikbooms arbeitete er plötzlich mit westlichen Musikern wie Peter Gabriel und der schwedischen Sängerin Neneh Cherry zusammen und feierte mit ihnen beachtliche Erfolge. Die Single „7 Seconds“ dürfte wohl den meisten bekannt sein. Obwohl Youssou N’Dour auch heute noch ein erfolgreicher Musiker ist - im Februar 2005 erhielt er einen Grammy, der „Égypte“ als das beste Worldmusic-Album des Jahres auszeichnete, und stand mit Dido bei den Live-8-Konzerten in London und Paris zusammen auf der Bühne - wurde es in den vergangenen Jahren im Bereich Weltmusik sehr ruhig. Das Publikum verlor zusehends das Interesse, der Markt brach fast völlig zusammen. Auch bei uns in Deutschland ist der Absatz an CDs mit traditioneller Musik erheblich zurückgegangen. Anders unsere europäischen Nachbarn im Norden. Bei ihnen boomt der Markt für World und Traditional Music mehr denn je.
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Vor allem einheimische Bands wie „Garmarna“ und „Hedningarna“ (Schweden) oder „Värttinä“ (Finnland) genießen in ihren Ländern eine Popularität wie bei uns allenfalls Marius-Müller Westernhagen oder Herbert Grönemeyer. Das Geheimnis ihres Erfolges gerade bei der Jugend liegt vielleicht in der Mischung aus musikalischen Folk-Elementen, Sagen und Mythen der eigenen Vergangenheit sowie den treibenden Riffs und Beats von E-Gitarren, Schlagzeug und Drum-Computer. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Folk Music in Schweden. Sie wird das breite Spektrum von traditioneller Fiddle-Musik bis hin zu modernem Folk-Rock beleuchten, letzteren am Beispiel der Gruppe „Garmarna“. Dabei soll auch geklärt werden, warum die Folk und Folk-Rockmusik in Schweden derart erfolgreich ist.
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1. Was ist Folk Music?
1955 definierte der International Folk Music Council (heute: International Council For Traditional Music) in einer Resolution Folk Music als eine musikalische Tradition, welche durch mündliche Überlieferung über einen langen Zeitraum einen Entwicklungsprozess durchgemacht habe, bei dem Veränderungen durch die Kreativität Einzelner oder der Gruppe herbeigeführt worden wären. Der Gruppe oder Volksgruppe obliegt dabei auch die Auswahl und die Entscheidung darüber, in welcher Form die Musik überdauere. Wichtig dabei sei eine kontinuierliche Entwicklung, eine Verbindung zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart. Diese Definition könne sowohl auf Musik übertragen werden, welche sich unbeeinflusst von Popular- und Kunstmusik entwickelt hat, als auch auf Musik einzelner Komponisten, welche in die ungeschriebene musikalische Tradition der Bevölkerung Eingang gefunden habe. 1 Diese Definition ist jedoch nicht unproblematisch. Zwei Beispiele sollen die Schwierigkeiten verdeutlichen.
Norwegen besitzt eine lange Fiddle-Tradition. Die Hardangergeige (hardingfele) ist wohl das Instrument der norwegischen Folk-Music, das den meisten Menschen bekannt sein dürfte. Zumindest wird die traditionelle Musik Norwegens unweigerlich mit diesem Instrument in Verbindung gebracht. Bestimmend sind aber auch die verschiedensten Tänze, wie der halling, gangar oder slåt, welche mit der Hardangergeige begleitet werden. Edvard Grieg, wohl der bekannteste Komponist Norwegens, hat in seinem op. 72 die slåtter für das Klavier transkribiert. Da die Hardangergeige im 18. Jahrhundert während der Zeit des Pietismus als „Teufelsinstrument“ verboten und von der Ziehharmonika fast völlig verdrängt wurde, aber auch weil die Jugend während des 20. Jahrhundert ihr Interesse an der traditionellen Musik verloren hatte ( bis zum Folk-Music-Revival der 70er Jahre), ist es schwierig eine kontinuierliche, lückenlose Entwicklung der Fiddle-Tradition aufzuzeigen, denn alte Spielweisen gingen verloren, man hatte sie ja nicht aufgezeichnet. So musste man sich nach dem Wiederaufleben der Fiddle-Musik neu orientieren, unter anderem auch an den Werken Griegs.
1 CHERBULIEZ, Antoine E. [u.a.]: Definition of Folk Music. In: Journal of the International Folk Music
Council, No. 7 (1955), S.23.
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Jener hatte aber die Musik transkribiert, das heißt, so sehr Grieg auch um eine genaue Wiedergabe bemüht war, letztlich blieb es doch nur eine Annäherung an originale Spielweisen. Zumal Grieg ein klassischer Komponist war, den man bei der Produktion von Folk Music nicht als Vorbild nehmen dürfte. In Schweden bietet sich ein ähnliches Bild. Auch dort verschwand das Nationalinstrument, die Schlüsselgeige oder Nyckelharpa, bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhundert zum fast völlig aus dem traditionellen Musikmarkt. Dies war ebenfalls dem mangelnden Interesse der jüngeren Generation zu schulden. Auch in Schweden gerieten die alten Spiel- und Bauweisen in Vergessenheit und mussten erst wieder neu erlernt werden. Naturgemäß muss es dabei zu Abweichungen zu den originalen Spielweisen gekommen sein. Kann man in diesem Fall von einer kontinuierlichen Entwicklung sprechen? Abgesehen davon, hat die Nyckelharpa Einzug in die akademischen Kreise gehalten. An der Musikakademie in Stockholm kann man Nyckelharpa studieren. Dieser Umstand reißt das Instrument aber aus seinem Folk-Charakter heraus, denn ein Kriterium lautete ja, Folk Music wird von der Bevölkerung in traditioneller Weise gespielt und nicht von Studenten an der Hochschule. So müssen sich junge Musiker der schwedischen Folkszene, die fast alle an der Musikakademie in Stockholm studiert haben, vorwerfen lassen, sie hätten sich vom Wesen des Folk, dem Originären, entfernt. 2
Diese zwei Beispiele zeigen, wie schwierig es ist, eine einheitliche, hieb- und stichfeste Definition zu finden.
2 LUNDBERG, Dan; MALM, Krister; RONSTRÖM, Owe: Music-Media-Multiculture: Changing Musicscapes.
Stockholm 2004. S. 153.
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2. Die Entwicklung der schwedischen Folk
Music im Überblick
Die Folk Music Schwedens ist sehr vielseitig. Sie umfasst eine lange Fiddle-Tradition, den Nyckelharpa-Folk und verschiedene Volkstänze, in den letzten zwei Jahrzehnten aber auch verstärkt Fusion-Projekte wie Jazz mit Folkelementen und schwedischer Folk Rock. Letzterer hat einen größeren Einfluss auf die Rock- und Popszene als der aller anderen nordischen Länder. Aber auch die „root music“ oder originäre Musik Schwedens findet international eine immer größere Beachtung.
Die traditionelle Musik Schwedens ist schon immer stark durch die Musiktradition anderer Länder, insbesondere Länder Zentral- und Westeuropas, beeinflusst worden und ist dabei eng mit der Spielmannsmusik verbunden. Die europäische Spielmannsmusik stammt ursprünglich aus dem Hochmittelalter, erlebte aber als "Spelmansmusik" zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Schweden eine Renaissance. Zwar spielen die in Schweden gebräuchlichsten Musikinstrumente, menschliche Stimme, Geige, Nyckelharpa, Ziehharmonika und vereinzelt der Dudelsack bereits seit Jahrhunderten eine Rolle, aber erst in den 20er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde das traditionelle Musizieren zu einer breiten Bewegung. Zu dem Zeitpunkt befand sich Schweden im Umbruch von einer traditionellen bäuerlichen zur kapitalistischen Industriegesellschaft. Die neuen Spielmannsverbände waren für die Menschen ein ruhender Pol inmitten des Wandels, in denen Menschen beim Musizieren die Nähe erfuhren, die im Alltag immer seltener vorhanden war. Oft waren es Dutzende, die auf landesweiten Spielmannsfesten zusammen Musik machten. Auch heutzutage sind eine Mischung aus starkem Vokalanteil und vielen Streichern aber auch reine Instrumentalgruppen verbreitet.
Wichtig bis heute ist die Tanzbarkeit der Musik, wobei die schwedische Polska eine besonders enge Verbindung zur Spielmannsmusik hat.
Ein Revival erlebte die Spielmannsmusik in der jugendlichen Protestbewegung der 68er. Die Musik wurde Teil einer kulturellen und politischen Neuorientierung und ging teilweise enge Verbindungen zur bereits etablierten Popmusikszene ein. Mit der 68er-Bewegung fand die Jugend zu den Wurzeln ihrer traditionellen Musik zurück.
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Viele traten Spielmannsvereinen bei oder gründeten neue und lernten die Spielweise und den Bau traditioneller Instrumente, wie der Nyckelharpa. Root music wurde mehr und mehr wieder live aufgeführt und im TV und Radio gesendet. In den 80er Jahren boomte die Folk Szene. Der Schwerpunkt lag dabei auf Instrumentalmusik, insbes. auf dem wichtigsten Volkstanz Schwedens, der Polska. Heute hat sich die schwedische Spielmannsmusik zu einer "World Music" entwickelt, die alljährlich auf dem "Falun Folk Music Festival" ihren Höhepunkt erreicht. 3 In den 90er Jahren entstanden viele Folk-Rockgruppen, wie beispielsweise Garmarna, welche die Pop- und Rockszene ihres Landes entscheidend beeinflussten und mittlerweile auch international ein wachsendes Publikum finden.
3 NEUMANN-BECHSTEIN, Wolfgang: Porträt: Musik aus Schweden - Spielmannsmusik.
http://www.planet-wissen.de/pw/Artikel,,,,,,,B651E011C8877008E034080009B14B8F,,,,,,,,,,,,,,,.html,
05.10.2005.
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Arbeit zitieren:
Martin Schröder, 2006, Folk Music und Folk Rock in Schweden , München, GRIN Verlag GmbH
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Einbetten
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