Gliederung
1. LERNGRUPPENBESCHREIBUNG. 3
2. SACHANALYSE 4
3. STELLUNG DES THEMAS IN DER UNTERRICHTSEINHEIT. 7
4. DIDAKTISCHE ÜBERLEGUNGEN 8
5. METHODISCHE ÜBERLEGUNGEN. 11
6. VERLAUFSSKIZZE. 15
7. LITERATURVERZEICHNIS. 16
2
1. Lerngruppenbeschreibung
Die Klasse 3 der …Schule besuchen zurzeit 20 Kinder (zwölf Jungen und zehn Mädchen) aus zehn Ländern. Die Lerngruppe präsentiert sich insgesamt als eine lebhafte und unruhige Gruppe, die jedoch sehr begeisterungsfähig ist und dem Sportunterricht aufgeschlossen und motiviert gegenüber steht. Insgesamt zeigen die Kinder alle einen hohen Bewegungsdrang, der entwicklungspsychologisch für Kinder im frühen Schulkindalter charakteristisch ist. Kinder in diesem Alter verfügen außerdem über eine ausgeprägte motorische Lern- und Leistungsfähigkeit 1 , die sich auch bei den Kindern dieser Klasse sehr bemerkbar macht.
Die Kinder haben Schwierigkeiten, Arbeitsaufträge in ihrer inhaltlichen Weite zu erfassen, daher wird besonders darauf geachtet, dass Arbeitsaufträge kurz und präzise formuliert werden. Zusätzliche Informationen und Tipps werden in den Kleingruppen während der Arbeitsphasen erteilt. 18 Kinder wachsen zweisprachig auf, was sich in einigen Fällen in den eingeschränkten sprachlichen Fähigkeiten widerspiegelt. Die meisten Kinder können meine Arbeitsanweisungen jedoch problemlos verstehen. Es zeigt sich, dass einige Kinder der Klasse hierfür besondere visuelle Unterstützungen benötigen und dass sie sich häufig an anderen Kindern orientieren. Aus diesem Grund werden auch im Sportunterricht Visualisierungen und unterstützendes Bildmaterial eingesetzt.
Das Sozialverhalten in der Klasse hat sich insgesamt sehr verbessert. Zahlreiche Kooperationsübungen, -spiele und das Bilden von Expertenteams haben hierzu beigetragen. Dennoch kommt es während Gruppenarbeit häufig zu Konflikten, die nur mit Hilfe der Lehrkraft gelöst werden können. S. und S. haben ihre Kontakt- und Kooperationsfähigkeit wesentlich verbessert Hierzu hat das Reitprojekt einen großen Beitrag geleistet. Dennoch fällt es beiden Kindern noch schwer sich selbstständig einen Lernpartner zu suchen und Aufgaben gemeinsam mit Anderen Kindern zu lösen. Es gilt daher die beiden Kinder immer wieder in Gruppenarbeiten einzubinden und sie in der Kontaktaufnahme zu ihren MitschülerInnen zu unterstützen. In der Klasse befinden sich Jungen, die unter Wahrnehmungsschwächen leiden. Sie können oft dem Unterrichtsgeschehen nicht folgen und beginnen dann, ihre Klassenkameraden abzulenken oder gar Streitigkeiten auszulösen. Zwei dieser Jungen zeigen besondere Verhaltensauffälligkeiten: A. verfügt über einen hohen Drang sich zu bewegen und ist somit immer rege am Sportunterricht beteiligt. Jedoch fällt es ihm noch schwer abzuwarten, während die Lehrerin Anweisungen gibt. Er kann nicht still sitzen und auch nicht still stehen, was dazu führt, dass er häufig seine Nachbarn ablenkt und dann nicht weiß, was er als nächstes tun soll. A. ist sehr bemüht, sein Verhalten zu verbessern, leider bemerkt er seine Unruhe und sein störendes Verhalten häufig nicht. Daher mache ich A. immer wieder darauf aufmerksam, sich ruhig zu verhalten, und lege ihm des Öfteren beruhigend meine Hand auf die Schulter.
O. zeigt ständige Überreaktionen und ist extrem unruhig. Er kann seine Energien und seinen enormen Bewegungsdrang nur schwer dosieren. Dieses Verhalten hat sich in den letzten Wochen verstärkt, so
1 Vgl. Weineck, J. (2002), S. 270f
3
dass O. oft unkonzentriert ist und in Gesprächkreisen nicht zuhören kann. O. benötigt klare Grenzen. Aus diesem Grund erhält er zusätzliche Pausen, in denen er die Möglichkeit hat, sich wieder zu beruhigen.
Die Kinder werden innerhalb dieser Unterrichtseinheit in ihrer Selbstbeherrschung stark gefordert. In der vorliegenden Stunde ist das Einhalten der Regeln besonders wichtig, da sonst andere Kinder verletzt werden können. Daher wird dies den Schüler einsichtig gemacht und ein gravierender Regelverstoß gegebenenfalls mit einer Auszeit am „Platz der Ruhe“ sanktioniert.
1.1 Lernvoraussetzungen
In den bisherigen Stunden der Akrobatik-Einheit zeigte sich, dass die Kinder von dem Thema begeistert sind und es als reizvoll empfinden, Kunststücke auszuprobieren. Im zweiten Schuljahr haben die Kinder ausgiebige Erfahrungen mit dem Gleichgewicht im Balancier-Garten gesammelt. Durch Übungen zur Partnerbalance und Körperspannung sowie zur bewussten Körperwahrnehmung wurden die Voraussetzungen für die Partnerakrobatik angebahnt. Sie sind in der Lage, das nötige Vertrauen und Verantwortungsbewusstsein aufzubringen, wie sich in den Vertrauensspielen der vorangegangenen Stunden zeigte. Aufgrund häufiger Arbeit in Gruppen sind kooperative Lernformen den Kindern bekannt. Gemeinsam wurden die Sicherheitsregeln für die Akrobatik und für Gruppenarbeiten erarbeitet und auf einem Plakat festgehalten, so dass sie allen Kindern bekannt sind. Ebenso wurde das korrekte Auf- und Absteigen auf eine ‚Bank’ thematisiert und erprobt. Die Kinder haben gelernt, dass es zu Beginn der Akrobatik sinnvoll ist, alle Positionen innerhalb der Partneraufgabe auszuprobieren. So haben sie mit beiden Positionen Erfahrung gemacht und können sich besser über mögliche Schwierigkeiten austauschen. Dabei kamen die Kinder in der letzten Stunde zu der Erkenntnis, dass starke Kinder in den unteren Positionen geeigneter sind, da sie viel Gewicht tragen können, und kleine, geschickte Kinder, die gut klettern können, eher die Spitze der Pyramide darstellen können.
2. Sachanalyse
"Unter Akrobatik versteht man allgemein körperliche Bewegungen, die hohe koordinative und konditionelle Anforderungen an den Ausübenden stellen." 2 Das Wort Akrobatik leitet sich aus dem griechischen Wort 'akrobates' ab und bedeutet 'der auf den Fußspitzen Gehende'. Ursprünglich war dies der Begriff für einen Seiltänzer. 3
Das zentrale Bewegungsproblem der Akrobatik besteht im Halten und Wiederherstellen des Gleichgewichts. Daher fällt die Akrobatik in den Bereich des Turnens und ist dem Balancieren zugeordnet. Zur Akrobatik zählen unterschiedliche Bereiche, wie beispielsweise die Hochseilakrobatik, die Akrobatik am Trapez und die Boden- bzw. Partnerakrobatik, die auch Equilibristik genannt wird.
2 http://de.wikipedia.org/wiki/Akrobatik
3 Vgl. Blume, M. (2006a), S. 12
4
„Köperakrobatik reicht von Übungen zur Partnerbalance über Menschenpyramiden in Dreier- und Vierergruppen bis hin zu großen Pyramiden mit einer Vielzahl von Teilnehmern“. 4 Häufig wird auch der Begriff Partnerakrobatik mit dem Bau von größeren Menschenpyramiden gleichgesetzt. Da der Terminus Partnerakrobatik der gängigere Begriff ist und den kooperativen Charakter deutlich mehr impliziert, als der Begriff Körperakrobatik, wird dieser auch im weiteren Verlauf verwendet, auch wenn es sich um akrobatische Übungen innerhalb einer größeren Gruppe handelt.
In der Partnerakrobatik werden bestimmte Fähigkeiten benötigt, die sich beim "Erlernen der Bewegungskunst nach und nach entwickeln (…), aber auch bewusst trainiert werden können" 5 und gleichermaßen die Voraussetzung für das Gelingen schwieriger Pyramiden darstellen. BLUME (2006a) bezeichnet diese Fähigkeiten als Elemente der Partnerakrobatik:
In der Partnerakrobatik beruhen alle Figuren auf dem Gleichgewichtsprinzip. Gleichgewichtsfähigkeit meint das Halten des gesamten Körpers im Gleichgewicht bzw. die Wiederherzustellen dessen. Dabei kann man zwischen einem statischen und einem dynamischen Gleichgewicht unterscheiden. In der Partnerakrobatik bedeutet statisches Gleichgewicht, "die Balance des eigenes Körpers in Verbindung mit dem des Partners in verschiedenen Positionen" 6 zu halten (= Endposition der Figur). Das dynamische Gleichgewicht wird bei Lageveränderungen, wie beispielsweise bei Auf- und Abgängen, wie auch bei speziellen dynamischen Figuren (Clownrolle, Überzieher) trainiert. 7 Eine Figur wird umso schwieriger, umso kleiner die Standfläche ist.
In der Partnerakrobatik wird sowohl die dynamische Kraft beim Heben und Tragen der Oberperson benötigt, als auch die Haltekraft zum Verharren in der jeweiligen Position. So werden bei häufigen Wiederholungen akrobatischer Figuren besonders die Bauch-, Rücken- und Gesäßmuskulatur entwickelt. 8
Aufgrund bestimmter Figuren der Partnerakrobatik wird eine verbesserte Beweglichkeit, d.h. "die körperliche Fähigkeit (…) Bewegungen mit einer großen Bewegungsamplitude in den Gelenken und Gelenksystemen auszuführen" 9 , benötigt und somit auch verbessert.
4 Curt, B. (2002), S. 53
5 ebd., S. 20
6 ebd., S.21
7 Vgl. ebd., S. 20f
8 Vgl. ebd., S. 24f
9 ebd., S. 26
5
Arbeit zitieren:
Tanja Vorderstemann, 2006, Unterrichtsstunde: Partnerakrobatik - Bankpyramiden mit drei Ebenen (3. Klasse), München, GRIN Verlag GmbH
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DOI
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