"La Reine Coax" - ein Märchen?
von: Bettina Mahringer
SS 2006
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Entstehung des Märchens 4
2.1. Ursprung des Märchens 4
2.2. Entstehung des Märchen 4
2.3. Die Gattungsdefinition 5
3. Die Brüder Grimm 7
3.1. Die Kinder- und Hausmärchen 7
3.2. Sammeltätigkeit 7
4. „La Reine Coax“ – conte oder Märchen? 8
4.1. Wunderbares, Unheimliches und Fantastisches 8
4.2. Conte und Märchen 8
5. Das Märchen: Volksmärchen und Kunstmärchen
5.1. Das Volksmärchen 10
5.1.1. Definitionsmerkmale des Volksmärchens 10
5.1.2. „Der Froschkönig oder der Eiserne Heinrich“ 10
5.1.2.1. Die angeblich mündliche Tradierung 10
5.1.2.2. Ort und Zeit 11
5.1.2.3. Die einsträngige Handlung und die einfache Sprache 11
5.1.2.4. Stereotype Handlung und stereotype Schauplätze 11
5.1.2.5. Eindimensionale Charaktere 12
5.1.2.6. Keine Psychologisierung der Figuren 12
5.1.2.7. Das Happy End 13
5.1.2.8. Traditionelle Formeln 13
5.1.2.9. Das einfach Weltbild 13
5.2. Das Kunstmärchen 14
5.2.1. Definitionsmerkmale des Kunstmärchens 14
5.2.2. „La Reine Coax“ 14
5.2.2.1. Werk eines bestimmten Autors 14
5.2.2.2. Fixierung von Ort und Zeit 14
5.2.2.3. Künstlerische Sprache 15
5.2.2.4. Mehrsträngige Handlung 16
5.2.2.5. Originelle Handlung und Charakteristische Schauplätze 16
5.2.2.6. Mehrdimensionale Charaktere 16
5.2.2.7. Psychologisierung der Figuren 17
5.2.2.8. Kein eindeutiges Happy End 17
5.2.2.9. Keine Formeln 17
5.2.2.10. Komplexes Weltbild 17
5.3. Gemeinsamkeiten von Volks- und Kunstmärchen 18
5.3.1. Held muss Aufgabe lösen 18
5.3.2. Magische Requisiten 19
5.3.3. Tiere können sprechen 19
5.3.4. Verbindungen zum Mythos / Transzendenz 19
5.3.5. Symbolisches Verhandeln und Bewältigung alltäglicher Probleme 20
6. Schluss 21
7. Bibliographie 22
7.1. Primärliteratur 22
7.2. Sekundärliteratur 22
1. Einleitung
In der folgenden Arbeit möchte ich mich mit der Frage beschäftigen, inwieweit der conte „La Reine Coax“ von George Sand Gemeinsamkeiten mit der literarischen Gattung des Märchens aufweist.
Weil die Gattung des Märchens sich grob gliedern lässt in Volksmärchen einerseits und Kunstmärchen einerseits, werde ich zwischen diesen beiden Genres unterscheiden und auf die Definitionsmerkmale der jeweiligen Gattungen hinweisen. Das Volksmärchen möchte ich anhand des Grimmschen Märchens „Der Froschkönig“ genauer erläutern, das Kunstmärchen zwar mittels spezifischer Merkmale beschreiben, jedoch kein typisches Beispiel heranziehen, sondern den conte „La Reine Coax“ auf seine Gemeinsamkeiten hin mit dem Kunstmärchen analysieren.
Zur ersten Orientierung gebe ich einen Überblick über die Entstehungsgeschichte der Gattung des Märchens und weiters behandle ich das Element des Fantastischen bzw. des Wunderbaren, was wesentliche Bestandteile des Märchens und des conte sind. Nach der Gegenüberstellung von „Der Froschkönig“ und „La Reine Coax“, weise ich auf einige gemeinsame Merkmale hin. Zur Beschreibung der Wesensmerkmale des Volks- und des Kunstmärchens stütze ich mich auf die Unterscheidungskriterien von Stefan Neuhaus, der anhand einer Tabelle sämtliche wichtige Eigenschaften zusammengefasst hat.1
2. Entstehung des Märchens
2.1. Ursprung des Märchens
Das Märchen, Geschichten von Königen und Prinzessinnen, von verwunschenen Gestalten, guten Feen und bösen Hexen. Was unterscheidet aber das Märchen von fantastischen Erzählungen und wovon lässt sich der Begriff Märchen ableiten? Eine Definition des Begriffs Märchen nach Lüthi erklärt: Die deutschen Wörter ‚Märchen’, ‚Märlein’ (mhd. maerlîn) sind Verkleinerungsformen zu ‚Mär’ (ahd. mâri f., mhd. maere f. und n., Kunde, Bericht, Erzählung, Gerücht), bezeichnen also ursprünglich eine kurze Erzählung. Wie andere Diminutive unterlagen sie früh einer Bedeutungsverschlechterung und wurden auf erfundene, auf unwahre Geschichten angewendet…2
Nach dieser Definition wäre jeder literarische Text auch als Märchen zu bestimmen, denn immerhin besteht „Literatur […] aus sprachlichen Zeichen, die keinen Referenten in der Realität haben, die ihre Leser umgibt.“ (Neuhaus, Märchen, S. 1) Weil aber der Begriff der Literatur und der des Märchens nicht synonym verwendet werden, muss noch genauer definiert werden, wodurch sich das Märchen als literarische Gattung auszeichnet.
2.2. Entstehung des Märchen
Trotz den Forderungen der französischen Revolution nach einem modernen Konzept einer Nation, verbunden mit politischer Partizipation des Bürgertums um dessen Identifizierung mit der eigenen Nation zu fördern, wurde das Bürgertum zuerst von der napoleonischen Besetzung, dann durch die dem Wiener Kongreß 1815 folgende Restaurationspolitik aus der politschen Öffentlichkeit zurückgedrängt, was bedeutet, Identitätsbildung und Selbstverwirklichung spielte sich nur auf kulturellem Ebene in privatem Raum statt. (vgl. Neuhaus, Märchen, S. 5)
Naturwissenschaftliche und technische Entwicklungen hatten der Bevölkerung sicheren Wohlstand beschert, zugleich aber die Religion als weltanschauliche Konzeption in Frage gestellt und damit eine Art Orientierungslosigkeit herbeigeführt. Zurückgezogen ins Privatleben, suchte die Bevölkerung nun nach neuer Geborgenheit. Neben dem rationalen Weltbild, wurde das Verlangen nach Mystischem und Transzendentalem laut. Da „das Märchen […] zwischen Realität und Transzendenz [steht] […] bietet [es] sich deshalb wie keine andere Gattung an, die divergierenden Bedürfnisse zu erfüllen. Es bietet Trost im Alltag und ist offen für jede Art von Glauben“. (Neuhaus, Märchen, S. 6) Der Aspekt der Transzendenz ist nur einer von zwei wesentlichen Faktoren, die zur Entstehung des Märchens beigetragen haben. Vor allem im ungeeinten deutschsprachigen Raum spielte das Märchen als Bestandteil einer gemeinsamen Kultur und Geschichte eine wichtige Rolle. (vgl. Neuhaus, Märchen, S. 5)
2.3. Die Gattungsdefinition
[...]
1 Vgl. Stefan Neuhaus, Märchen (Tübingen und Basel: A. Francke, 2005), S. 9.
2 Max Lüthi, Märchen (Stuttgart: J. B. Metzler 2004), S. 1.
Arbeit zitieren:
Bettina Mahringer, 2006, "La Reine Coax" - ein Märchen?, München, GRIN Verlag GmbH
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