Inhaltsverzeichnis
1 Der Dokumentarfilm 3
1.1 Vorbemerkungen 3
1.2 Problematische Gattungsbestimmung 3
1.3 Schlussbetrachtungen 10
Literaturverzeichnis 11
Medienverzeichnis 11
2
1 Der Dokumentarfilm 1.1 Vorbemerkungen
Die Dokumentarfilmforschung der Medien- bzw. Filmwissenschaft weist etliche Defizite in ihrem theoretischen Diskurs auf. Bislang gibt es keinen vollständigen Forschungsbericht bezüglich einer Geschichte des Dokumentarfilms und keine einheitliche Gattungsbeschreibung aufgrund kontroverser Meinungen, „[...] mit welchen Mitteln die dokumentarische Methode arbeitet und welche Tabus dabei nicht verletzt werden dürfen.“ (Hattendorf 1999, S.10) Ausgangspunkt der Differenzen sind die Diskussionen um Realität, Wirklichkeit bzw. Authentizität, die als das Hauptmerkmal eines Dokumentarfilms erkannt wurden und seit Kracauer, welcher die Hauptaufgabe eines Dokumentarfilmers in der Registrierung und Wiedergabe der äußeren Wirklichkeit sah, als Fokus der Definition schlechthin galt. (Hattendorf 1999, S.68) Die Problematik der Begriffe Realität und Wirklichkeit bezüglich des Dokumentarfilms bilden den Kernpunkt der nachstehenden Ausführungen. Folgen wird ein kurzer Einblick in den Lösungsvorschlag Hattendorfs bezüglich der Gattungsbestimmung des hier zu behandelnden Gegenstands.
1.2 Problematische Gattungsbestimmung
Der Begriff Dokumentarfilm wurde zu Beginn des vorigen Jahrhunderts von der englischen Dokumentarfilmbewegung, initiiert von Robert Flaherty und vor allem John Grierson, geprägt, wobei Letzterer den Begriff auf die realitätsnahe Form des Films erstmals anwendete. (vgl. u.a. Hattendorf 1999, S.44; Hickethier 2001, S.191) Zunächst bezeichnete der Begriff all jene Filme, welche keine fiktive Thematik vorwiesen, und bildete somit ein Antonym zum Fiktionsfilm, das heißt, der Begriff erfüllte zunächst die Funktion, den Spielfilm vom Dokumentarfilm zu unterscheiden. (vgl. Hattendorf 1995, S.17) Jedoch erschien diese absolute Abgrenzung zu fiktionalen Formen des Films problematisch, da der Dokumentarfilm ebenso inszeniert wird und den subjektiven Blick des Dokumentarfilmers auf einen Ausschnitt der Realität widerspiegelt. Grierson selber definierte den Dokumentarfilm „als kreative Bearbeitung des Wirklichen.“ (zit. nach : Rabiger 2000, S. 15; Hattendorfer 1995, S.15) Allerdings wirft allein schon diese Aussage unter dem analytischen Blick eines Wissenschaftlers einige Fragen auf, welche Sandra Schillemans in ihrem kritischen Aufsatz auflistet und damit auf den problematischen Gegenstand an sich schon verweist:
3
„Steht >Kreativität< für einen ästhetischen Ansatz, meint man mit >Umgang<
Deskription oder Interpretation, handelt es sich um Nachahmung, Wiedergabe oder
Darstellung von >Realität< [...]?“ (Hattendorf 1995, S.15) Heller erkennt in der Aussage Griersons mit dem konstruktivistischen Gedanken, dass die Aufgabe und Intention dokumentarischen Filmens nicht die Reproduktion von Wirklichkeit beinhaltet. Dem Dokumentarfilm „[...] liegt vielmehr das Motiv zugrunde, in konkreten historischen Zusammenhängen Ausschnitte der Realität dem tatsächlichen oder imaginierten Zuschauer in einem für ihn bedeutungsvollen Licht erscheinen zu lassen.“ (Heller; Zimmermann 1990, S.21) Ferner verweist Schillemans auf die Problematik, dass die Textform, wenn man sie denn als solche definiert, sich durch die Praxis ständig neu definiert und somit vielfältige Formen hervorbringt. (Hattendorf 1995, S.15) Diese Feststellung wiederum führt zu der Frage, wie man denn all jene Arten und Mischformen erfassen und benennen soll, wenn die Gattung selbst, sofern man diese denn als solche versteht, bisher nur unzureichend definiert ist bzw. sich noch nicht auf eine allgemein akzeptierte Definition geeinigt werden konnte. Das am häufigsten angegebene Merkmal ist wohl, dass es sich bei Dokumentarfilmen um einen nicht-fiktionalen Gegenstand handelt, weil Gegebenheiten dargestellt werden, „[...] die auch unabhängig von der Vorstellung des Regisseurs existieren.“ (Hattendorf 1995, S.17) Zudem wird häufig die Neutralität bzw. Objektivität als wesentliche Eigenschaft der Dokumentarfilme angesehen. 1 Der gängigen, aber uneindeutigen und fraglichen Definition des Dokumentarfilms liegt also die allgemeine Auffassung zugrunde, dass im Dokumentarfilm die Realität bzw. Wirklichkeit authentisch darstellt wird. Abgesehen von den generellen philosophischen Bedenken, dass die Realität nicht erkennbar ist, da Subjekte nicht objektiv und ganzheitlich die so genannte Wirklichkeit, welche zunächst nur als Idee existiert, erfassen können, leuchtet es außerdem ein, dass der Dokumentarfilm keineswegs, mit den außerfilmischen Fakten gleichzusetzen ist. (vgl. u.a. Heller; Zimmermann 1990, S.88-94) Dennoch postulierten etliche Dokumentarfilmer den Realitätsbezug und die Authentizität in ihren Filmen und gingen sogar soweit, die Übernahme bzw. Verwendung nicht-fiktionaler Elemente als unzulässig zu erachten, sodass zu Beginn der 60er Jahre in der Tradition des Direct Cinema sich der kommentarlose Dokumentarfilm herausbildete.
1) Vgl. zu Objektivitätskonzepten u.a.: Hattendorf 1995, S.19ff.
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Diana Riege, 2006, Zur Theorie des Dokumentarfilms, Munich, GRIN Publishing GmbH
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