Inhalt
1. Vorwort 1
2. Überblick 3
2.1 Der theistische Gottesbegriff 3
2.2. Exposition des Problems 3
2.3 Das Theodizeeproblem aus analytischer Sicht 4
3. Lösungsversuche 6
3.1 Die Rechtfertigung des Übels 6
3.1.1 Das Leid als Mittel zum Guten oder aus dem Guten folgt das Leid 6
3.1.3 Die Welt ist besser mit Übeln 8
3.1.4 Verteidigung mit Hilfe der Willensfreiheit 10
3.2. Umgehung des Problems 11
3.2.1 Gottes Existenz a priori annehmen 11
3.2.2. Aufgeben oder Modifizieren einer Prämisse 12
3.2.2.1 Aufgeben eines Gottesattributs 12
3.2.2.2 Leugnung des Übels 13
3.2.3 Die menschliche Vernunft ist zu begrenzt 15
4. Resümee 18
5. Schlußbetrachtung 19
6. Literatur 21
1. Vorwort
Wie kann man an Gott glauben, wenn man das gewaltige Ausmaß an Verbrechen, Naturkatastrophen, Kriegen, - schlicht das gesamte Elend des menschlichen Lebens ins Auge faßt? Für viele ist das der ausschlaggebende Punkt, für sich mit Gott abzuschließen, seine Existenz zu verneinen. Noch prekärer wird es, wenn Gott -wie im Theismus - als vollkommen gut, vollkommen mächtig, allwissend gedacht wird.
Einen Versuch, Gott angesichts der Übel in der Welt zu rechtfertigen nennt man Theodizee. Das Wort Theodizee setzt sich aus zwei griechischen Wörtern zusammen: Zum einen aus „theos“ (Gott); zum anderen aus dem Wort „dike“; auf deutsch: Recht. Übersetzt heißt Theodizee also „Gott rechtfertigen“. Der Begriff der „Theodizee“ stammt von Leibniz, dessen Rechtfertigungsversuch Gottes zu den bekannteren der Philosophiegeschichte gehört. Aber schon lange vor Leibniz wurde das Thema diskutiert; es zieht sich wie ein Faden durch die Philosophiegeschichte des Abendlandes. Besondere Beachtung findet das Thema allerdings erst in der Neuzeit, als sich die Vernunft vom Glauben emanzipiert. Peter Welsen nennt in seinem Artikel „Gott und die Übel der Welt“ zwei historische Ereignisse, die das Problem des Übels und die Frage nach der Rechtfertigung Gottes deutlich werden lassen: Zum einen „der Dreißigjährige Krieg [1618-.48], in dessen Verlauf das Heilige Römische Reich Deutscher Nation die Hälfte seiner Bevölkerung einbüßte, sowie das Erdbeben, das 1755 Lissabon heimsuchte und innerhalb kürzester Zeit sechzigtausend Menschen in den Tod riß.“ 1 Aufgrund jener Geschehnisse gewann die Frage, ob Gottes Güte mit den Übeln vereinbar sein kann, oder ob Er überhaupt die Macht besitzt, sie zu verhindern, an Aktualität.
In meiner Arbeit möchte ich die geläufigsten Möglichkeiten zur Lösung des Problems aufzeigen und deren Konsistenz diskutieren: Auf der einen Seite besteht nämlich die Möglichkeit zu argumentieren, daß Gott hinreichende, moralische Gründe besitzt, das Übel nicht zu verhindern; auf der anderen Seite wird versucht, das Problem zu umgehen,
1 Welsen P.: Gott und die Übel der Welt.- In: Der blaue Reiter 10. S.33
1
indem man die Attribute Gottes modifiziert oder die Sichtweise auf das Übel ändert bzw. es leugnet. In meiner Darstellung möchte ich mich im Wesentlichen an Mackies Veröffentlichung „Das Problem des Übels“ aus dem Buch „Wunder des Theismus“ halten, und an David Humes Überlegungen, die er im zehnten und elften Kapitel der „Dialoge über natürliche Religion“ anstellt.
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2. Überblick
2.1 Der theistische Gottesbegriff
Das Theodizeeproblem ist ein Problem theistischer Religionen: Erst aufgrund des Bildes vom vollkommenen Gott stellt sich die Frage nach der Vereinbarkeit mit dem Übel. Religionen, die eine Vielzahl von Göttern kennen, und jedem Gott eine andere Eigenschaft zuschreiben, können leicht ein Erklärungsmodell für das Übel in der Welt liefern. Sie glauben z.B., es gäbe einen Kampf zwischen einer guten und einer bösen Gottheit. Der Theismus aber beschreibt Gott als ein vollkommenes, moralisches Wesen, dem er drei wesentliche Prädikate zuschreibt: Gott ist allwissend, Gott ist allmächtig, Gott ist allgütig. Allwissenheit muß bedeuten, daß er alles weiß, was „...wißbar ist, kurz: was geschehen ist, was geschieht, geschehen wird und was geschehen könnte.“ 2 Unter Gottes Allmacht ist zu verstehen, daß Er „...Macht über alle Zustände hat, die möglich sind. >Allmacht< bedeutet zumindest, daß Gott alles das, was keinen Widerspruch enthält, schaffen oder verändern kann.“ 3 Allgüte meint, daß „... ein Wesen, das vollkommen gut ist, [immer Dinge] will und tut ..., die gut sind.“ 4 Gott wird demnach als ein Wesen mit unendlichen Eigenschaften präsentiert; wobei die Eigenschaften selbst recht menschlich anmuten. Philo betrachtet in Humes „Dialoge über natürliche Religion“ dieses Gottesbild folgerichtig als anthropomorph. 5
2.2. Exposition des Problems
Die drei oben genannten Prädikate werfen ein Problem auf, wenn man das Leid in der Welt betrachtet. Wieso läßt ein so vollkommen gütiges, vollkommen mächtiges, allwissendes Wesen seine Geschöpfe so leiden? Warum müssen Kinder an qualvollen Krankheiten sterben; warum werden Menschen durch Naturkatastrophen getötet? Schon Epikur fragte:
2 Streminger, G.: Gottes Güte und die Übel der Welt, S.5
3 a.a.O.
4 a.a.O
5 Hume, D.: Dialoge über natürliche Religion, S.102
3
„ Will er Übel verhindern und kann nicht? Dann ist er ohnmächtig. Kann er und will nicht? Dann ist er übelwollend. Will er und kann er? Woher dann das Übel?“ 6
In diesen kurzen Zeilen erläutert Epikur das Problem: Wie kann es einen allmächtigen, allwissenden, allgütigen Gott geben, der Leid zuläßt? Muß man diesem Gott seine Existenz absprechen? Hätte Gott nur zwei der genannten Eigenschaften, würde sich kein Widerspruch ergeben. Zwei Eigenschaften ließen sich mit dem Übel in der Welt in Einklang bringen; erst durch die dritte entsteht ein scheinbar unlösbarer Widerspruch: Wäre Gott nur allgütig und allmächtig, so könnte man ihn dadurch entschuldigen, daß er nicht wußte, welch unvorstellbares Leid die Welt für seine Kreaturen hervorbringen würde. Aber ein allwissendes Wesen muß es gewußt haben und wissen. Wäre er nur allgütig und allwissend, so könnte man meinen, es stünde nicht in seiner Macht, das Leid zu verhindern. Es scheint, als gäbe es keinen Grund, der ein Wesen mit den drei Vollkommenheitsprädikaten entschuldigen könnte.
2.3 Das Theodizeeproblem aus analytischer Sicht
Wie in Punkt 3 gezeigt, scheint ein Widerspruch aus der Annahme Gott sei allwissend, allmächtig, allgütig und der Feststellung, es existiert Leid in der Welt zu folgen. Viele Atheisten sehen das Theodizeeproblem als einen Beweis für die Nichtexistenz Gottes. Demnach bezeichnen sie das Leid oft als „Fels des Atheismus“. Dies scheint jedoch übertrieben, denn beweisen kann es höchstens, daß ein Gott mit solchen Eigenschaften nicht existiert; jedoch nicht: Gott existiert nicht.
Doch muß man das Problem genauer betrachten; hier in formaler Form: (1) Gott ist allgütig, allwissend, allmächtig. (2) Es existiert Leid in der Welt.
(3) Ein allgütiger, allmächtiger, allwissender Gott existiert nicht.
6 Vgl. Lactantius, De ira dei 13,19.- Zitiert nach: Hume: Dialoge über natürliche Religion, S.86
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Arbeit zitieren:
Markus Asano, 2002, Das Theodizee-Problem, München, GRIN Verlag GmbH
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